Abistreich 2010

Ich kam heute früh in die Schule und wurde begrüßt mit: “später ist dann Abistreich”. Na toll. Letzte Woche hatte eine Durchsage noch angekündigt, der Abistreich fiele dieses Jahr aus. Respekt, hatte ich gedacht, endlich kapiert, und vielleicht gibt es dann nach einer Pause von einigen Jahren wieder mal neue Ideen. Heute dann also nix mit Respekt, und nix mit neuen Ideen. Aber das Wetter war schön, die Laune wohl gut.

Ich bin bekennender Abistreich-Muffel. Dass mein Bekenntnis niemand interessiert, hindert mich nicht daran, es immer wieder laut zu verkünden. Hingegangen bin ich dann doch, um es mir anzuschauen. Es half, dass ein Schüler mich daran erinnert hat, dass ich dann darüber etwas in mein Blog schreiben könnte. Und ich mag unsere Schüler ja auch, das sind nette Menschen. Trotzdem, wenn ich wie jedes Jahr und jeder Lehrer empfangen werde mit: “Sie müssen jetzt in den Käfig”, dann lehne ich dieses Angebot sehr bestimmt ab. Ich suche mir immer noch selber aus, in welche Käfige ich mich stecken lasse. Wenige Minuten später landete die erste Wasserbombe neben mir, da habe ich mich dann umgedreht und bin gegangen und kam früher nach Hause. Deshalb auch kein Foto heute.

Objektiv betrachtet, war das sicher ein lustiger, fröhlicher, heiterer Abistreich. A good time was had by all. Die Sonne schien, es gab eine Bühne, Lautsprecher und Mikrofone und lustige Spiele. Drumrum Wasserbomben und Spritzpistolen. Meine Sechstklässler waren aufgekratzt und munter. Und die Mehrzahl der Kollegen findet das auch schön.

Subjektiv nehme ich mir das Recht heraus, ein Abistreich-Muffel zu sein. Warum eigentlich? Nach ein wenig Selbstbetrachtung komme ich zu dem wenig schmeichelhaften Schluss, dass das auch aus Trotz geschieht. Wenn ich vorher an Abistreichen herummaule, und das tue ich, dann kann ich auch nicht so einfach mitmachen. (Anders als Kollegen, die diese Abistreiche lustig und nett finden, aber dann doch weg müssen, weil sie – leider – schon Termine ausgemacht hatten.) Vermutlich wäre ich auch geblieben, wenn man mir vorher nicht den Mund wässrig gemacht hätte damit, dass der Abistreich ausfallen würde. Und vor allem ist es wohl Trotz gegenüber der Tradition und Entscheidung, Lateinmarsch und Abistreich in dieser kanalisierten Form Jahr um Jahr stattfinden zu lassen. Dafür können die Schüler des jeweiligen Jahrgangs nichts.

Dazu kommt noch, dass ich mich auf großen, lustigen Partys inmitten ausgelassener Menschen mit Wasserpistolen nicht wohl fühle. Als wäre ich der einzige nerd unter lauter jocks.

Hier ein Bericht aus veranstaltender Schülersicht. Bitteschön, wenn es da schon steht: ich halte es für einen Fehler, einen Probe-Feueralarm dazu zu nutzen, Lehrer und Schüler auf die Wiese zu kriegen. Bin jetzt voll motiviert, den nächsten Probealarm ernst zu nehmen und auch da schnell Vollzähligkeit der Schüler zu melden..

Wenigstens weiß ich jetzt, worüber meine 6. Klasse einen Bericht schreiben muss. Ha!

16 Antworten auf „Abistreich 2010“

  1. Sehr schön einen Artikel aus Sicht eines Lehrers bezüglich des Abistreichs zu lesen.

    Das mit den neuen Ideen stimmt natürlich zu 100%. Irgendwie war es doch wie jedes Jahr. Trotzdem war’s ganz nett ;)

    Danke für’s Verlinken!

  2. Oh, ich kann die Abneigung sehr gut verstehen. Ich fand ja unseren eigenen Abistreich (also so vor 10 Jahren) schon ätzend, wobei das ganze dann zum Glück wegen eines starken Schauers vorzeitig aufgelöst wurde. War ja auch nicht auf meinem Abiball … Irgendwie scheine ich was gegen so organisierte Massenveranstaltungen zu haben, wo man gezwungenermaßen gute Laune haben muss.

  3. Beim Abistreich an der Schule meiner Frau gab’s diesmal keine Wasserpistolen. Sehr lobenswert!
    Dafür hat meine Frau sich, obwohl sie nur eine Pausenaufsicht hatte, von sehr netten Schülerinnen überreden lassen, beim Sackhüpfen mitzumachen.
    Jetzt hat sie ihren Arm in Gips, und ich profitiere davon, weil ich beim Kochen angeleitet werde.
    Eigentlich doch eine sehr gute Sache, solche Abistreiche, oder?
    Immerhin habe ich einmal die deutschen Nationalhymnen und die “Internationale” singen dürfen. “Faust” und “Das verschleierte Bildnis zu Sais” waren auch mal dabei. Bei den Beatles war ich freilich wenig textsicher…

  4. Vielleicht bietet das Schülern auch eine Anregung.

    Und was ich positiv gesehen habe: Als ich gerade die Nachricht vom Tode meines Bruders erhalten hatte, brauchte ich die mir entwendeten Gegenstände nicht mit irgendwelchen Spielchen auszulösen. Da war mir weder nach Tauziehen noch nach Hindernisparcour und auch die “Marienbader Elegie” hätte ich nicht aufsagen mögen. Das wurde verstanden.

  5. Puh, das ist aber selbstverständlich. So viel erwarte ich schon von unseren Schülern, aber es ist doch auch gut, dass diese Erwartung erfüllt wird.

    Gips… bei uns ist seit gestern auch ein Lehrer auf Krücken unterwegs. Ein bisschen gefeixt habe ich schon.

  6. Richtig, richtig gut sind bei uns seit Jahren die Abigottesdienste (Abichor, Abimusiker, schöne Gedanken). Auch den Abiball lerne ich schätzen. Die “Streiche” entbehren auch bei uns ein wenig der Originalität. Diesjähriges Motto: Abikini – knapp, aber passt schon.

  7. Einen Abiball habe ich nur im Referendariat erlebt. Schön wär’s. Unsere Abifeiern wären mit diesem Wort falsch beschrieben. Gestern gab’s die Abizeitung, heute die Feier, morgen schreibe ich was drüber.

  8. Bei uns durften es sich die Lehrer in Liegestühlen unter Palmen bequem machen. Umgeben von tonnenweise Sand, den wir herangekarrt und am Abend brav wieder weggefegt haben. Keine Käfige weit und breit, dafür aber Cocktails und Palmwedel. Das wär doch mal was gewesen? :)

  9. Der Käfig ist anscheinend nur für mich ein Problem (Zu Oft The Prisoner gesehen), aber alle klagen darüber, dass die Lehrer dann so sitzen, dass sie überhaupt nichts mitkriegen. Da klingen Liegestühle im Sand schon besser, wenn sie richtig platziert sind. Hatte ich auch schon mal, als Referendar.

  10. Selbst Töchterchen, das jetzt seinen fünften Abistreich erleben durfte, findet, dass es jedesmal langweiliger wird. Da bin ich mal gespannt, was in drei Jahren so läuft – wahrscheinlich findet er da gar nicht mehr statt.
    Die Idee mit den Palmen find ich ja ganz toll – aber was passierte hinterher mit dem vielen Sand?

  11. Ich denke mal, die etwas schwach ausgeprägte Originalität der Abischerze liegt auch daran, dass jeder Kollegiat in eine der vier Vorbereitungsgruppen muss: Abiturzeitung, ‑gottesdienst, ‑feier (wahlweise ‑ball) und ‑scherz. Und nach meiner Erfahrung bleiben für den Abischerz eher die weniger kreativen Köpfe übrig (die dann die wenigen kreativen dort überstimmen, sodass sich diese vorher auch schon genau überlegen, ob sie nicht doch woanders mitarbeiten.)

    Wenigstens gibt es an meiner ehemaligen Schule seit einigen Jahren keine Wasserbomben und Spritzpistolen mehr – als nach einigen unguten Erfahrungen die für die Veranstaltungstechnik verantwortlichen Schüler (!) gesagt haben: Entweder Spritzpistolen oder Technik+Personal aus der Schule.

  12. Das ist ein Anfang. Keine Wasserbomben und Spritzpistolen (oder jedenfalls ohne die korrekt diagnostizierten Gestalten dahinter) und keine Käfige, dann kann man darüber reden.

  13. Lehrer tanzen nach Schülers Pfeife

    Am Mittwoch den 23.06.2010 wurde unter dem Motto “Strebergarten – endlich weg vom Tulpenfeld” am XYZ-Gymnasium in Fürstenfeldbruck der Abiturientenstreich gefeiert. Einige Tage zuvor war eine Durchsage, der Abistreich würde dieses Jahr ausfallen, gekommen und hatte für viele enttäuschte Gesichter gesorgt. Um so größer war die Überraschung, als am letzten Mittwoch in der vierten Schulstunde, ca. um elf Uhr, der Feueralarm losging und die ganze Schule sich auf dem Sportplatz versammelte, wo eine Bühne und ein großer Käfig, in dem alle anwesenden Lehrer eingesperrt wurden, schon aufgebaut waren. Weiterhin gab es Bratwürste und Getränke zu kaufen.
    Nachdem alle Lehrer eingefangen waren, wurde ein großer Wettbewerb zwischen Schülern und Lehrern veranstaltet. Die Kategorien waren u.a. anderen Schubkarrenrennen, Umtopfen, Baum zurechtschneiden, Western Style tanzen, Singen und Pantomime, bei denen sich sowohl Schüler als auch Lehrer mächtig ins Zeug gelegt haben. Während zwei Drittel der Schüler sich beim Zuschauen amüsiert hatten, hatten die Restlichen entweder Fußball gespielt oder mit Wasserpistolen bewaffnete Abiturienten herausgefordert.
    Um 12:30 Uhr endete die Aktion und die Direktorin Frau H. gab bekannt, dass damit die Schule beendet war. Insgesamt war es eine tolle Aktion, die von guter Musik begleitet wurde und viel Spaß geboten hatte.

    (Nico H., Klasse 6a)

    Fürstenfeldbruck. Am Mittwoch, den 23.6.2010, dachten sich die Abitur-Schüler den jährlichen “Abi-Streich” aus. Sie ließen den Feueralarm von Frau H. ertönen, sodass alle Schüler auf den großen Sportplatz der Schule strömten.
    Es war sehr warm, manche beklagten sich über nicht ausreichend Schatten. Außerdem war eine Bühne und zwei Pavillons aufgebaut, unter denen die Schüler Getränke und Wurstsemmeln verkauften. Die Stimmung war sehr gut und die Lehrer wurden auf Aufforderung der Abi-Schüler von Kindern in einen großen Käfig gesperrt, in dem Sofas und Bierbänke standen. Nur Herr D., von den Abiturienten als Gartenzwerg verkleidet, und Frau H., auf einer Couch sitzend, waren auf einer Bühne. Herrn D. wurde nun von einer Abiturientin verschiedene Spiele aufgezählt, zu denen er sich ein, zwei oder mehrere Lehrer aus dem “Käfig” aussuchen musste. Außerdem wurden je soviele Schüler wie Lehrer aus dem Publikum auf die Bühne geholt. Am Ende mussten fünf Schüler eine Tanz Choreografie vortragen, die sie schon von Anfang des Abistreichs in der Turnhalle üben durften, sowie auch die Lehrer. Unter ihnen Herr K., der sich leider einen Muskelfaserriss zuzog. Nach jedem Spiel entschied eine Jury den Gewinner. Schüler oder Lehrer? Am Ende stand es unentschieden. Der Abi-Streich endete um 12.30 Uhr. Gut gelaunt gingen die Schüler jetzt nach Hause. Die Lehrer wurden natürlich auch aus dem Käfig gelassen! Der Nachmittagsunterricht entfiel. Aber die Mittagsbetreuung fand statt!

    (Tanja W., Klasse 6a)

  14. @ strelizie: der Sand kam aus einem Sandkasten, der erneuert wurde, und wäre sowieso entsorgt worden. So dann eben nur mit einem Tag Zwischenstop auf unserem Schulhof.
    Im Nachhinein haben wir auch viel Lob für unseren Abistreich bekommen, da wir es tatsächlich geschafft hatten, die Eintönigkeit der Vorjahre zu durchbrechen. Und das ganz ohne Wasserpistole. :)

  15. Ich kann mich ja noch an Abistreiche ohne Käfig erinnern. Und bin mir relativ sicher, dass niemand auf diese Idee gekommen wäre, wenn sich nicht einige Lehrer immer vor den Spielen gedrückt hätten (will heißen: heimlich weggeschlichen hätten). Meist waren es Lehrer, die selbst gerne mal ein Scherzchen auf Kosten eines Schülers gewagt hatten und daher eine Revanche befürchteten. Trotzdem hätte sich in geschätzten 10 Jahren durchaus jemand eine kreativere Lösung für dieses Problem ausdenken können. Und: Ja, nach spätestens 4 Jahren Abistreich, haben sich einige Ideen ziemlich abgenutzt.… vielleicht auch, weil jedes Jahr ein neues Verbot dazu kommt und die Möglichkeiten immer begrenzter werden?
    Nur das mit den Wasserpistolen ist mir ein echtes Rätsel? Solange es warm genug war und ich nicht ausgerechnet an diesem Tag keine wasserfeste Wimperntusche benutzt hatte, war ich über die Abkühlung meistens froh. Und das ganz ohne eine Vorliebe für aufgedrehtes, übermütiges Partyfolk. Uns wurden die Wasserpistolen wegen Erfurt allerdings verboten…

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