Motivierende Einstiege in den Unterricht

“Fünf Minuten verloren, aber eine Stunde gewonnen.” So kriegt man das in Pädagogikveranstaltungen erklärt. Man beginnt die Stunde mit einer Folie, darauf ein Bild, ein Cartoon, eine Schlagzeile, oder man hält etwas Mitgebrachtes hoch. Als Schüler habe ich abschätzig auf diese Praktik heruntergeblickt. Mir war stets völlig klar, dass das jetzt irgendetwas Lustiges, Heiteres, Spannendes sein sollte, dass es aber unwichtig war und nichts, das sich zu merken lohnte. Ich wartete dann nur darauf, dass die eigentliche, ernstzunehmende Stunde begann.

Demnach beginne ich meine eigenen Stunden auch selten mit einem explizit motivierenden Element und fahre ganz gut damit. Wobei klar: Spannung erzeugen am Anfang ist schon sinnvoll. Aber alle letzten Referendarsstunden, die ich gesehen habe, begannen mit einer solchen Folie. Am Freitag war jedenfalls wieder die Praktikantin da, und da sie ja etwas lernen soll, habe ich brav auch so etwas mit Folie gemacht. (Am Beamer allerdings.)

Ich würde ja gerne sagen, dass das völlig überflüssig war, aber es war tatsächlich eine gute Idee, glaube ich. Also gut, manchmal kann man das machen.

(Es war ein Zeitungsbericht über Kinder, die ein Auto beschädigt hatten. Über Strafmündigkeit ging es dann zur Mündigkeit, und dann zu Kant.)

Bibliotheken in der Zukunft

Wie wird das weitergehen mit den Bibliotheken? In England planen anscheinend immer mehr Gemeinden, Filialen von Bibliotheken zu schließen, aus Kostengründen. Ein Autor begrüßt das. Öffentliche Bibliotheken gibt es in England seit gut 150 Jahren, und das Konzept sei überholt.

Als viel ausgeliehener Bestsellerautor sieht Terry Deary Verluste für sich: Wenn es keine Bibliotheken gäbe, würden mehr Leute seine Bücher kaufen, und daran verdiente er (so wie andere Autoren) mehr als an den geringen Anteilen, die für die Ausleihe enthält. Warum sollte alle Welt seine Bücher lesen dürfen, ohne den vollen Preis dafür zu zahlen?

Ich brauche nicht alle Bücher, die ich gelesen habe, zu Hause stehen zu haben. Nicht mehr. Zuerst habe ich mir nur aus Platzgründen getrennt, jetzt finde ich es befreiend, nicht mehr alle Bücher besitzen zu müssen. (Es sind immer noch viele, und es werden immer noch mehr, aber deutlich langsamer als früher.) Dafür gibt es ja externe Bücherspeicher, eben öffentliche Bibliotheken. Gilt auch für DVDs übrigens.

Aber das Platzproblem lässt sich ja auch anders lösen, nämlich durch digitalisierte Bücher. Ebooks kann man beliebig viele im Regal haben. Die Weltliteratur – jedenfalls die alte – steht digital auch allen Interessierten kostenlos zur Verfügung, noch ein Grund weniger für öffentliche Bibliotheken.

Werde ich in Zukunft auch Ebooks in der Bibliothek ausleihen können? Vor zwei Wochen hat Amazon ein Patent auf gebrauchte Ebooks erhalten. Dann kann ich ein Ebook kaufen, lesen, und wenn es mir nicht gut genug gefällt, verkaufe ich es an Amazon zurück. Im Endeffekt habe ich dann nur eine Art Leihgebühr bezahlt – ganz ohne Bibliotheken.
Im Prinzip kann ich mir das schon vorstellen, nur eine kleine Gebühr zu zahlen, und das Buch (Papier oder nicht) danach wieder zurückzugeben, wenn die Gebühr nur klein genug ist. Wenn ich das Buch noch einmal lesen will, kann ich es noch einmal ausleihen; wenn es mir wirklich gut gefällt, kann ich es auch kaufen. Dann aber ohne DRM, versteht sich.

Wird man die gebrauchten Ebooks dann auch wieder beim Anbieter kaufen können? Das kann ich mir nur schwer vorstellen – wer würde dann noch neue Bücher kaufen, wenn ein gebrauchtes genauso gut ist wie ein neues?
Wird es dann auch so etwas wie Spotify geben, also quasi ein Abo, bei dem man pro Monat beliebig viele Ebooks ausleihen und lesen kann?

Es gibt sicher schon viele Leute, die sich darum Gedanken gemacht haben.

Praktikantin zu Besuch

Die Praktikantin kommt zufälligerweise immer in so Stunden bei mir, wo die Schüler miteinander diskutieren und ich gar nicht viel mache, und alles so ganz ohne Tafelbild. Ich kann schon auch Frontalunterricht machen, ehrlich!

Bildungspolitisches aus England

In England habe ich fleißig Zeitung gelesen, und da geht es gerade viel um den Bildungsminister, Michael Gove. Dessen Änderungswünsche im Schulsystem stoßen auf Widerstand. Einmal geht es um die Einführung neuer Abschlussprüfungen, bei denen Gove vorläufig gescheitert ist. Dann geht es um den neuen Lehrplan, etwa im Fach Geschichte: Dort soll es wieder mehr um Fakten gehen und weniger um Kompetenzen. Weniger Quellenanalyse, weniger Europa, dafür mehr England, und mehr heroische Figuren aus der englischen Geschichte. Außerdem gibt es Klagen von den Fachleuten aus dem Ministerium über ihn und seinen Umgangston und seine inhaltliche Politik (“Dump F***ing Everyone”). Ein Ministerium, das eine Meinung unabhängig vom Minister hat? Kann ich mir hierzulande nicht vorstellen.

Ein Hauptanliegen von Gove ist es auch, mehr Schulen in Akademien umzuwandeln, und dabei mit mehr Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten, als vielen angemessen scheint. Der Hintergrund dazu: Traditionell werden staatliche Schulen von der jeweiligen Gemeinde oder Stadt finanziert und kontrolliert. Daneben gibt es Privatschulen (independent schools und free schools), die sich nicht an den staatlichen Lehrplan halten müssen.
Neu sind außerdem die free schools, staatlich finanziert und unter staatlicher Aufsicht, aber unabhängig von den örtlichen Gemeinschaft. Diese Schulen sind eine Sonderform der verbreiteteren academies: Staatlich finanziert, unter staatlicher Aufsicht, außerhalb der Kontrolle der Gemeinde, selbstverwaltend, häufig mit einem Sponsor aus der Wirtschaft. Davon hätte Gove gerne mehr, und viele staatlichen (also: lokal verwurzelten) Schulen fühlen sich unter Druck, zu Akademien zu werden. Man spricht von Kopfprämien und Quoten, die es zu erfüllen gilt.

Interessant ist das etwa deshalb, weil das Kultusministerium zentral das Anstellen von nicht ausgebildeten Lehrern in Akademien fördern kann (“Academy plan to use untrained teachers is an outrage”). Außerdem liebäugelt Gove wohl damit, die Akademien in gewinnorientierte Unternehmen umzuwandeln (Secret memo shows Michael Gove’s plan for privatisation of academies).

Über das Notengeben & querulante Lehrer

Ein beliebtes Aufsatzthema in der frühen Mittelstufe ist die Frage, ob man Noten in der Schule abschaffen soll. Die Schüler sind massiv dagegen, Eltern sicher ebenso; nur die Lehrer träumen gelegentlich davon, wie schön eine Schule ohne Noten wäre. Für Lehrer sind Noten das, was ihnen in der Schule am schwersten fällt, was der anstrengendste Teil des Unterrichts ist. Wenn ihr etwas gegen Noten habt: Mich habt ihr auf eurer Seite. (Allerdings ist das lästige Notengeben, das ständige Treffen von Entscheidungen, auch ein Grund dafür, warum wir relativ gut bezahlt werden.)

Noten haben, hat man mir beigebracht, mehrere Aufgaben: Rückmeldung an Schüler (und Eltern) darüber, wie gut der aktuelle Stoff beherrscht wird; Rückmeldung an den Lehrer, welche Ergebnisse der Unterricht in dieser Klasse hat. Sie haben aber auch Nebenwirkungen, werden als Belohnung oder Bestrafung gesehen, und von unerfahrenen oder schlechten Lehrern als Mittel zur Disziplinierung eingesetzt.

Rückmeldung ist wichtig. Sonst erfreut man sich als Lehrer schnell am Irrglauben, die Schüler könnten nach dem Unterricht mehr als vorher. Und manche Schüler glauben selber genauso schnell, sie könnten etwas, bloß weil sie eine Erklärung verstanden zu haben meinen. Rückmeldung kann aber auch ohne klassische Noten geschehen. Notenfreie Schule: Gerne, solange das ohne Esoterikgeschwurbel auskommt. Die Frage, wie man mit Schülern umgeht, die den vorgesehenen Stoff nicht ausreichend beherrschen, ist zur Zeit auch mit Noten nicht sehr gut geklärt.

Hier ein Interview mit einem Bildungsforscher dazu. Mit manchem hat er recht, anderes ist wohl verkürzt wiedergegeben. “Denn klassische Noten messen die Kinder nicht an Lernzielen, sondern am Klassendurchschnitt.” Das ist zumindest theoretisch falsch. Gemessen wird nicht an der Klasse, sondern an dem, was in dieser Jahrgangsstufe allgemein erreichbar ist. In der Praxis kriegt man allerdings tatsächlich am wenigstens Rückfragen von der Schulleitung oder dem Kultusministerium, wenn man Notenschnitte zwischen 3,00 und 3,60 produziert. Weltfremd ist die Behauptung: “Aber ein guter Lehrer braucht keine Noten, weil er die Kinder für den Stoff begeistern kann” – wenn sie so pauschal gemeint ist, wie sie dasteht. Tendenziell stimmt das nämlich schon, aber zur Freiheit des Individuums gehört auch, dass sich manche Kinder nicht für den Stoff begeistern lassen, da kann der Lehrer so gut sein, wie er will. Mit Noten wird die Begeisterung allerdings auch nicht größer.


Michael Felten fordert in der Zeit online Lehrer dazu auf, mehr Querulant zu sein und weniger kultusministeriell vorgeschriebene Innovation abzunicken. In Bayern haben wir es da noch vergleichsweise gut. Durch den fehlenden Wechsel in der Regierungspartei kommen auch die Innovationen, mit denen sich jeweils die neue Regierung von der alten absetzen will, weniger häufig. Ganz gefeit davor sind wir auch nicht, wie man am über Nacht verordneten G8 sieht. Und ansonsten bleiben Abnicken wie Innovation ja auch gerne mal folgenlos, ich sage nur externe Evaluation.

(Gedankengang aufgrund von Englandurlaub nicht zu Ende geführt.)

Mittagessen in Brighton

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Das kleine Bällchen auf dem Teller ist übrigens ein englisches Breadcrumb-Zwiebel-Salbei-Falafel, oder könnte zumindest als solches vermarktet werden. (“Stuffing.”)

Benjamin Appel, The People Talk

Die 1930er Jahre der USA interessieren mich besonders. Angefangen hatte das mit den Filmen von Fred Astaire & Ginger Rogers, mit den Abenteuern des Pulp-Helden Doc Savage, dann kam das dazu, was heute OTR (Old Time Radio) heißt. Über ein paar Umwege bin ich dann hier gelandet:

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In dem Bestseller von 1940 beschreibt Appel eine Reise durch die USA, vom Nordosten quer durch bis an die Westküste, dann durch den Westen und den Süden wieder zurück. Dabei geht es nicht um Reisebeschreibung, die wird nur am Ende mancher Kapitel in ein paar lyrischen Zeilen abgehandelt. Auch Appel selber hält sich im Hintergrund, es geht nicht um ihn, auch wenn er präsent ist – er spricht mit Leuten, lässt sich Dinge zeigen und erklären: Eine industrielle Schlachterei in Chicago, die Mäh- und Dreschmethoden von Bauern; er verbringt ein paar Tage in einem Holzfällerlager, fährt mit Fischern auf Fang, schaut bei einer Demonstration für Rentengesetzgebung und einem Dreh in Hollywood zu, His Girl Friday übrigens. (Die vielen Fachausdrücke beim Fischen, Schlachten, Holzfällen gingen deutlich über die Grenzen meines Wortschatzes hinaus.)

Immer wieder geht es um das Verhältnis von Arbeitern zu Fabrikbesitzern, vom sharecropper zum Grundbesitzer, von Kleinbauern zu Lebensmittelindustrie, und um Organisation. Die Menschen sind arm, erst mit dem kommenden Krieg werden sich die USA aus der Depression befreien. Die Arbeitsbedingungen sind brutal; das kann man sich heute nur noch vorstellen, wenn man nach China schaut. Das Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ist gespannt, es kommt immer noch zu Überfällen, Schlägereien; Ford betreibt ein ausgefeiltes Spitzelsystem. Die letzte Station der Rundreise ist Washington, DC, die Mitschrift einer Sitzung im Repräsentantenhaus. Es geht unter anderem um die Fortführung des im vorigen Jahr gegründeten Komittees gegen unamerikanischen Aktivitäten. Mr. Robison aus Kentucky hat bereits für die Gründung gestimmt, Mr. Alexander aus Minnesota glaubt, dass nur Faschisten und Kommunisten etwas gegen so ein Komittee haben könnten, auch Mr. Dempsey aus New Mexico spricht sich dafür aus. Nur Vito Marcantonio, Mitglied der Labor Party und für diese 1939 bis 1956 im Repräsentantenhaus, spricht dagegen. (Ja, Kinder, so etwas gab es mal in den USA. Hier kann man seinen Redebeitrag nachlesen, unter dem 23. Januar 1940.) Wir wissen ja, wie es weiterging mit diesem Komittee.

Die Art des journalistischen Reisesachbuchs war damals wohl popuär, entnehme ich dem Internet. Mir gefällt daran, dass der reisende Journalist sich zwar zurückhält, aber nicht verleugnet. Auf einem Teil der Strecke ist auch seine Frau dabei. Das Buch erinnert daran, dass die USA einmal anders waren, als man sie sich heute vorstellt. Über den Alltag in Deutschland in den 1930er Jahren weiß ich übrigens viel weniger, weil ich da keine Bücher gelesen habe und die Erinnerungen und Erzählungen meiner Eltern erst in den frühen 1940er Jahren beginnen.

(Dieser Benjamin Appel ist tatsächlich derselbe, der in Wikipedia und selbst in den Notizen zum Guide to the Benjamin Appel Papers nur als Autor von Pulp-Kriminalgeschichten – Generation Dashiell Hammett – in Erscheinung tritt. Am meisten Biographisches steht in diesem NYT-Artikel von 2006.)

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Auf das Buch gekommen bin ich über das Begleitheft zu der CD-Box “Songs of the Depression”. Kann ich nur empfehlen, hinter dem Link kann man in die 88 Musikstücke reinhören; die Titel allein erzählen eine eigene Geschichte.

Gekauft hatte ich mir die Box, weil ich einige der Lieder schon kannte, allen voran “Ten Cents A Dance” und “Brother, Can You Spare A Dime?” – möglicherweise die Hymne der Depressionszeit. Auf dieses Lied gekommen war ich über Phil Harris. Der singt Balu in Disneys Dschungelbuch, war Bandleader bei Jack Benny und danach in den frühen 1950ern Star seiner eigenen Radioshow, zusammen mit Alice Faye, seiner Frau, selber noch eine größere Berühmtheit. “The Phil Harris & Alice Faye Show” ist einer meiner Old Time Radio Favoriten. Phil & Alice spielen sich selber, Elliott Lewis den trinkfreudigen Freund und Musiker, dazu zwei Kinder, Nachbarsjunge, Schwager, schräge Handlung, und zwei Musiknummern pro Episode, etwa Phil & Alice im Duett mit “Baby, It’s Cold Outside.” (Hier kann man alle erhaltenen Folgen anhören oder herunterladen.)

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Und auf einer Phil-Harris-CD war ich auch auf “Brother, Can You Spare A Dime?” gestoßen. Wenn man das Lied kennt, stößt man immer wieder darauf, in Bugsy Malone, einer Episode von Neil Gaimans Sandman, oder gespielt in einer Fußgängerzone, und nicht zuletzt auch in Hard Times. An Oral History of the Great Depression von Studs Terkel, 1970 erschienen, und sicher bekannter als Appels Buch. Kein Reisebericht, keine Journalistenfigur mehr, sondern nur kurze Berichte, in der Ich-Form geschrieben, von Leuten, die Terkel interviewt und um ihre Geschichte gebeten hat. Unter anderem auch Yip Harburg, der Texter von “Brother, Can You Spare A Dime?” (und The Wizard of Oz und vielen anderen Nummern), in den 1950er Jahren auf der Schwarzen Liste. Den Text des Interviews von Yip Harburg gibt es hier, allerdings als Real Audio, für die unter uns, die das noch kennen.

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“Mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort – Die Eigenverantwortliche Schule in Bayern”

Pressemitteilung des Kultusministeriums.

Wenn das Kultusministerium mehr Freiheit und Verantwortung vor Ort möchte, hätte es das schon lange haben können: Keine Schreiben, in denen mir mitgeteilt wird, wie viele Übungsaufsätze ich zu schreiben lassen habe, oder wieviele Prüfungen. Keine Schreiben darüber, ob ich Diktate schreiben darf oder nicht. Keine Schreiben dazu, wie kontextbezogen Vokabelabfragen im Fremdsprachunterricht sein müssen. Keine Anweisungen, ob ein Test im Umfang eines Jahrgangsstufentests vom Anspruch im Bereich einer Schulaufgabe einzuordnen ist.

Deswegen macht Kultusminister Spaenle ja auch klar: “Die Eigenverantwortliche Schule ist keine autonome Schule.” Die wichtigen Entscheidungen werden zentral getroffen.

Tatsächlich geht es vielleicht nur darum, Geld zu sparen. Es gibt zu viele A15-Stellen, genauer: zu viele Lehrer, die auf potentiellen jA15-Stellen sitzen und auf eine Beförderung warten. Was genau eine beförderungsrelevante Stelle ist, ist in einem Katalog festgelegt. Wenn man weniger Kandidaten auf solche Stellen haben möchte, muss man die effektive Anzahl dieser Stellen reduzieren, eben durch die Einführung einer mittleren Führungsebene. Denn das sind dann die neuen A15-Stellen, oder glaubt jemand, dass die zusätzlich zu den alten A15-Stellen kommen? Mit der Eigenverantwortlichen Schule entscheidet die Schule dann selber, welche solcher Positionen es geben soll, und zwar, ahem, “im Rahmen der vorhandenen Stellen und Mittel.” Will heißen: Wo es jetzt 10 solcher Stellen gibt, wird es in Zukunft nur noch 6 geben.

Ich verstehe das zum Teil sogar. Die aktuelle Verteilung, welche Stelle beförderungsrelevant ist und welche nicht, ist eher historisch gewachsen und keinesfalls ideal. (Und werden in Zukunft dann auch proportional weniger Studiendirektoren direkt aus dem Kultusministerium kommen, oder sind das dann genau die Leute, die in Zukunft die mittlere Führungsebene bilden werden?)

Vielleicht bin ich nur zu pessimistisch und es geht es gar nicht um eine Reduzierung der Stellen, sondern tatsächlich nur um eine Änderung der Aufgabenbereiche. Das wäre sogar lobenswert. Vielleicht sollen Schulen wirklich “künftig in eigener Verantwortung Schulentwicklungsprogramme erstellen und darin selbst Entwicklungsziele festlegen” und “ein Konzept zur Erziehungspartnerschaft vor Ort entwickeln,” das “von den Regelungen in den Schulordnungen abweichen” kann.

Andererseits heißt es: “Bayernweit werde auch künftig an den Schulen derselben Schulart derselbe Lehrplan gelten. Eine qualitativ hochwertige Lehrerausbildung und die Lehrerversorgung wird im Flächenstaat Bayern weiterhin gesichert.” (Die Zuteilung der Lehrer läuft also weiter zentral über das Kultusministerium.) “Als Instrumente der Qualitätssicherung werden auch künftig der Lehrplan, die Zielvereinbarungen, interne und externe Evaluationen sowie Vergleichsarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen dienen.”

Das schöne an solchen Blogeinträgen ist, dass ich die in fünf Jahren herauskramen und schauen kann, was daraus geworden ist.