Recht auf Verschlüsselung

Jetzt auch unser Innenminister: deutsche Sicherheitsbehörderung müssen – so sein Wunsch – verschlüsselte Kommunikation lesen dürfen. Ähnliche Forderungen hat der englische Premierminister Cameron vor ihm gestellt, und auch der amerikanische Präsident Obama. Dienste wie WhatsApp sollen keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbieten dürfen, ohne dass die Regierung (will heißen: alle Regierungen) eine Hintertür dazu kriegen.

In der letzten Regierung sah das noch anders aus. Da meinte der damalige Innenminister Friedrichs: „Wir werden dafür sorgen, dass noch mehr Menschen in Deutschland ihre eigene Kommunikation noch sicherer machen“, und der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Hans-Peter Uhl, sagte: „Wer seine Daten sichern will, wird sie wohl verschlüsseln müssen und kann nicht mehr auf seinen Nationalstaat hoffen.“

De Maizières Vorschlag gefällt mir nicht. Im Moment ist es so, dass alle guten Verschlüsselungsverfahren im Prinzip öffentlich sind. Da ist nichts, was prinzipiell geheim zu halten ist. Nur wenn das Verfahren zur Verschlüsselung öffentlich ist, können Mathematiker und Kryptographen das Verfahren daraufhin überprüfen, ob es sicher ist. Wenn es aber öffentlich ist, kann sich jeder selbst so ein Verschlüsselungsverfahren programmieren. Die größeren Programmiersprachen bieten das ohnehin schon an. Also kann ich verschlüsseln, was ich will. Zugegeben, wenn ich einen unsicheren Dienst wie WhatsApp nutzen möchte, muss ich meine Nachricht vorher verschlüsseln, und dann auf dem unsicheren Weg transportieren lassen. Das ist ein wenig aufwendiger.

Also muss ich verbieten, selbst so ein Programm zu schreiben. Das geht aus vielerlei Gründen nicht. Bleibt also nur, dass ich gerichtlich erzwingen kann, dass ich als Selbstverschlüsseler mein Passwort herausrücken muss, wenn ein Gericht das beschließt. So ist das im Moment in England; in Deutschland noch nicht. Da habe ich noch das Recht auf ein Geheimnis. Das möchte ich auch behalten.

Weitere Gründe, warum das eine dumme Idee ist, stehen zum Beispiel beim Guardian.

(Dass ich mich verdächtig mache, wenn ich Verschlüsselung benutze, steht auf einem anderen Blatt. Und auch dass es schwerer ist, den Akt der Kommunikation zu verbergen als deren Inhalt. Hier übrigens mein öffentlicher Schlüssel PGP-Key. )

3 Antworten auf „Recht auf Verschlüsselung“

  1. Ich finde es sehr schön, dass Sie meinen kleinen Hinweis zu diesem Thema als Blogbeitrag aufgegriffen haben. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig sensible wie unsensible Daten zu verschlüsseln. Das gibt einem ein sehr gutes Gefühl, dass keiner meiner potetiellen Feinde meine Nachrichten mit den ganzen vergessenen Passwörten mitlesen kann. Was ich mir noch wünschen würde wäre eine Verschlüsselung des Betreffs meiner E-Mail.

    Ich selbst halte es für eine riesengroße Sauerei, sowas gerade von unserem Innenminister hören zu müssen. Denn die Regierung ist der wahrscheinlich größte Nutzer kryptografischer Verfahren, allein schon um die ganzen Geheimdokumente vor dem NSA-Untersuchungsausschuss zu verstecken bzw. den Zugriff darauf zu regeln, damit nicht jeder weiß, dass der BND uns alle an die NSA verrät.

    Grüße,
    Alex

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.