Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories

rushdie_haroun„Wo kommen eigentlich die Geschichten her?“, will Haroun von seinem Vater wissen, dem gefeierten Geschichtenerzähler Rashid. Das interessiert ihn auch deshalb, weil Rashid plötzlich verstummt ist und nichts mehr erzählen kann. (Gleichzeitig hat seine Frau, Harouns Mutter, die Familie verlassen.) Selbst sein Abonnement aus der Sea of Stories will Rashid kündigen, der Quelle aller Geschichten.

Denn da kommen alle Geschichten der Welt her; sie vermischen sich, verändern sich. Allerdings ist dieser Ozean in Gefahr: Der finstere Khattam-Shud hat das Schweigen zu einem Kult erhoben und bedroht die anderen Bewohner von Kahani mit seiner Armee des fanatischen Schweigens. Kahani: Das ist das Traumreich, oder der zweite Mond der Erde, auf den es Haroun verschlägt, als er versucht, seinen Vater wieder zum Erzählen zu bringen.

Die Gestalten aus Kahani erinnern ein bisschen an ein modernisiertes Wunderland: das Walross, ein sprechender Wiedehopf (eine Maschine), ein Wasser-Dschinni, und während die Königin bei Alice eine Spielkartenarmee hat, sind die Soldaten dort als pages gekleidet, angeführt von einem General Kitab.

Kennengelernt habe ich das Buch in einer Audioaufnahme von Rushdie selbst gesprochen, und obwohl ich mit den wenigstens Hörbüchern warm werde, ist diese Fassung ein echter Gewinn. Die verschiedenen Akzente, die Rushdie verwendet, sind im Buch gar nicht angegeben, und die vielen Wortspiele im Buch fallen besonders auf, wenn sie geschickt vorgetragen werde. Außerdem weiß ich so wenigstens, wie man die vielen fremden Wörter in der Geschichte ausspricht.

In den Online-Rezensionen, die ich gelesen habe, wird dem Buch gelegentlich vorgeworfen, es sei zu offensichtlich didaktisch. Möcht schon sein. Ich habe es mal in der Schule gelesen, Oberstufe Englisch (und vielleicht auch mal Mittelstufe Deutsch? ist schon lange her), und von selber kam nie ein Schüler auf die Idee, dass die offensichtliche Märchengeschichte eine verborgene Ebene hat. Rushdie hat das Buch gleich nach den Satanischen Versen geschrieben. Als Englischlektüre ist Haroun immer noch zu empfehlen.

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5 Thoughts to “Salman Rushdie, Haroun and the Sea of Stories

  1. Unbedingt erwähnt werden sollten die vielen zitierbaren Worterfindungen des Buchs wie das P2C2E (problem too complicated to explain – damit konnte ich schon Ingenieure beeindrucken) oder die Plentymore Fish.
    In seiner Autobiografie erzählt Rushdie, dass er in den ersten Jahren der Flucht vor der Fatwa mit dieser Geschichte den Kontakt zu seinem Sohn aufrecht erhielt.

  2. Neues Layout, ja, an den Feinheiten arbeite ich noch, wenn ich Zeit habe. Ist alles Ersatz für die im Moment fehlende Zeit und Kreativität.

  3. Hallo Herr Rau,

    ja, bei/mit uns haben Sie das in Englisch gelesen, ist schon lange her. Das Buch mag ich immer noch gerne. (Auf die verborgene Ebene wäre ich damals tatsächlich nicht gekommen ohne die Hinweise zu Rushdies Lebensgeschichte). Freu mich, dass ich Ihr Blog (wieder) gefunden habe.

    Viele Grüße

  4. Hallo,
    das ist aber schön, von Ihnen zu hören! Ich erinnere mich noch gut an Sie und den Jahrgang. (Die ersten Jahre vergisst man wohl nie so leicht als Lehrer.)
    Viele Grüße
    Thomas Rau

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