Avengers: Age of Ultron

(Mit Spoilern, aber nichts, was man nicht schon im Trailern und auf Fotos gesehen hat.)

Der Film hat mir gut gefallen, sogar besser als der erste. Allerdings wundere ich mich, warum so viele Leute ohne meine Comic-Vergangenheit in diese Filme gehen. Gibt es für die einen Unterschied zwischen Marvel-Superheldenfilmen und anderen Action-Serien? Leider sind die Superheldenfilme alles Action-Filme. Ein bisschen Action muss natürlich sein, und Disney weiß schon, was sie machen – sie stecken sehr viel Geld in einen Film mit sehr viel Krachbumm, und kriegen dafür noch mehr sehr viel Geld heraus, also halte ich mich da heraus. Aber für mich hätte ich gerne die Regel: Jeder SUperhelden darf in zwei Kämpfe pro Film verwickelt werden, aber nicht mehr. Dafür muss nicht jeder bei jedem Kampf dabei sein. (Ich habe ganze X-Men-Hefte, bei dem kein einziges Mal Wolverines Krallen zu sehen sind!) Den Rest füllt man mit dem, was Marvel ausmacht: Soap Opera, Humor, Drama.

Und davon war in diesem Avengers-Film wenigstens auch viel drin. Die schönsten Szenen waren die Szenen ohne Kampf: Wettstreit der Machos, Party, Flirten, Recherchieren, leider keine Auseinandersetzung mit den Medien. Die Schauspieler waren fast alle sehr gut, oder hervorragend besetzt, ich weiß den Unterschied nicht. Downey, Ruffalo, Evans, Johansson, Renner, auch Hemsworth und Taylor-Johnson: toll. Die anderen sind mir weniger aufgefallen. Sehr viel nebenbei und ökonomisch erzählt, ich habe gar nicht alles mitgekriegt, wie ich im Gespräch danach erfahren habe; nächste Woche werde ich den Film noch einmal mit Freunden ansehen. Bestes Kostüm: Bruce Banners Trainingsanzug.

Für alte Marvel-Zombies wie mich war auch viel schönes dabei: Wakanda wird erwähnt, und eine schöne Version von Ulysses Klaw war dabei. (Black Panther wird einer der nächsten Marvel-Verfilmungen sein.) Die alte Garde der Rächer tritt ab und wird durch die neue ersetzt, wie im klassischen Heft Nr. 16:

avengers_16

avengers_57_1 Aber die Menschenmenge, der Kontakt mit den normalen Menschen, der fehlt leider. Dafür ist Vision drin, ähnlich wie in Heft 57.
Bei den Comics hat ja auch das angefangen, was ich an Bildung habe. Die letzte Seite in diesem Heft (Autor: „Rascally“ Roy Thomas, Zeichner: „Big“ John Buscema) zeigt das Schicksal, das Ultron am Ende erleidet:

avengers_57_2

Generationen von Marvel Zombies haben hier Shelley kennengelernt und nicht im Englischunterricht.

In den Comics ist nicht das Technikgenie Tony Stark für die Erschaffung Ultrons verantwortlich, sondern das Technikgenie Hank Pym. Weil die vielen Genies etwas schwer auseinanderzuhalten sind, und es gibt ja auch noch ein paar mehr davon, hat man das mit Ultron dem Stark zugeschoben, aus zwei Figuren quasi eine gemacht, Problem elegant gelöst.
Etwas Ähnliches, glaube ich, geschieht auch mit Vision. Auch im Comic ist diese Figur von Ultron als Instrument des Bösen geschaffen, wird aber doch einer der Guten. Vision hat ein Juwel an der Stirn, technisch natürlich aus irgendwelchen Gründen, aber tatsächlich deshalb, weil das zum Design gehört. Im Film ist die Figur weitgehend aus dem Comic übernommen; das Juwel in der Stirn ist hier allerdings einer der vom Oberschurken so begehrten Infinity Stones. Und auch die Quasi-Geburt von Vision, das Schlüpfen aus dem Kokon, ist nur im Film so ausführlich dargestellt. Ganz so neugeboren-sündenfrei wie im Film ist Vision im Comic nicht, auch wenn der dort ebenfalls friedlich und introspektiv ist. Bei Kokon denkt man eher an diese Szene aus Fantastic Four Nr. 67:

avengers_ff_67

Was da aus dem Kokon schlüpft, wird sich erst Jahre später herausstellen. Und im Comic wird diese Figur einen der Infinity Stones an der Stirn tragen. Ich kann mir in den nächsten Avengers-Filmen nicht zwei Figuren mit so einem Juwel vorstellen.

Wem all das nichts sagt, der kann das leider nicht nachholen. Das ist wie die Mondlandung: verpasst ist verpasst. (Ich war 1968 vor dem Fernseher.) Ansonsten kann ich die Marvel University anbieten, auf die mich Bernie Kübler hingewiesen hat. Die gelehrten Herren und Damen dort stellen chronologisch alle Hefte vor, die Marvel herausgebracht hat – von November 1961 (das erste Heft der Fantastischen Vier) bis Dezember 1979. Im Moment sind sie allerdings schon im Jahr 1976, ich habe in den letzten Tagen von hinten bis vorne alle Seiten überflogen, viele auch gelesen. Es sind dann doch nicht alle Marvel-Comics detailliert besprochen – die Romance-Serien, die unzähligen Western, die Gruselhefte sind nur angeschnitten. Zu allen anderen Heften gibt es Inhaltsangaben und Kommentare. Ach, wie das das Herz erfreut! Die wichtigsten Serien der 1960er Jahre habe ich als Kind gelesen, die der 1970er Jahre dann erst später, aber gelesen habe ich sie, und auf meine bescheidene kleien Weise kann ich fachsimpeln.

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