Schatten-IT und andere Beobachtungen

Mit der Sache selbst bin ich seit Jahren sozusagen auf du und du, aber das Wort dafür kannte ich noch nicht. “Schatten-IT” heißt der Wikipedia-Eintrag für das Phänomen, dass sich sozusagen Parallelgesellschaften in Firmen entwickeln, wenn es um die Benutzung von Informationstechnologie geht: Wenn die Software in der Firma nicht funktioniert; oder nicht so funktioniert, wie sie soll; oder nicht so einfach funktioniert, wie sie müsste – dann nutzen die Mitarbeiter häufig andere Software. Ist Outlook zu umständlich, dann macht man Termine per Doodle aus. Kann man nicht gleichzeitig an einem Dokument arbeiten, dann weicht man zu Google Docs oder einem Etherpad aus. Gibt es keine Möglichkeit, Dateien zu tauschen, nimmt man Dropbox – hat eh jeder, kann eh jeder. Es ist verständlich, dass die Sicherheitsabteilungen das gar nicht gern sehen. Es ist aber genauso verständlich, dass Benutzer das tun und weiterhin tun werden.

Ich habe überrascht festgestellt, dass ich zumindest an ein, zwei Tagen in der Woche voller Adrenalin nach Hause komme. Dann brauche ich die zwei Stunden, bis ich mich ans Zubereiten des Abendessen mache, um herunterzukommen. Dabei ist man in der Schule nett zu mir, die Schüler sind freundlich, der Unterricht läuft so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber die Doppelstunde Unterstufe am Nachmittag ist anstrengend. Informatikunterricht sieht da so aus, dass es eher kurze Phasen gibt, in denen ich etwas erkläre oder zeige. Die enden mit einem Auftrag, und dann arbeiten die Schüllerinnen und Schüler, und viele davon haben Fragen oder Probleme mit der Technik oder wollen mir etwas zeigen. Bin ich nicht mehr gewöhnt. Ist jedenfalls alles anderre als Frontalunterricht.
Am anderen Tag ist es ähnlich: Da trifft sich die Programmier-AG, und das sind zwar nicht viele, aber die sind dermaßen fit und verschieden und schnell, da komme ich kaum noch mit. Und so ordentlich wie ich das mir vorstelle, will auch keiner vorgehen. Aber schön ist das ja schon.

Ansonsten: Kaum kippt die EU die Netzneutralität, zeigt die Telekom, wie sich das in Zukunft auswirken wird. Echt traurig.

3 Antworten auf „Schatten-IT und andere Beobachtungen“

  1. Zur Netzneutralität nur kurz, weil ich nicht zu politisch werden will: Eine wie ich finde inakzeptable Entwicklung, die die Lobby zugegebenermaßen sehr gut eingefädelt hat, in Brüssel wie auch in Berlin.

    Zur Schatten-IT:
    Tolles Symbolbild, es drückt genau aus wie das ganze funktioniert!
    Ob es das benutzen anderer Software ist, oder der “Missbrauch” einer vorhandenen, z.B. Excel, die Schatten-IT gibt es, und sie wächst mit der Größe des Unternehmens.
    Manche versuchen massiv dagegen vorzugehen, oft große Unternehmen, indem die offizielle IT alles dicht macht was geht. Das senkt allerdings die Flexibilität, und damit natürlich auch teilweise die Effizienz.
    In kleinen Firmen sind die Wege kürzer, da geht so etwas schneller. Aber auch hier gibt es die Schatten-IT. Sei es der Entwickler, der aus seinem Stuidum oder einer vorherigen Beschäftigung gewisse Werkzeuge gewohnt ist, und diese allein schon aus Zeitgründen weiter verwenden will, oder die Bürokraft, die sich einfach nicht umgewöhnen oder auf Antwort der IT warten möchte (die evtl. gerade einfach ausgelastet ist). Dann wird eben doch mit Excel Ordnerrücken beschriftet, OpenOffice installiert weil der Mitarbeiter der die Microsoft Office Produktkeys beantragen muss gerade Urlaub hat, oder eben doch wieder Eclipse für App-Entwicklung benutzt obwohl man sich eigentlich auf Android Studio geeinigt hatte.
    Selbstgeschriebene Tools sind meiner Meinung nach ein bisschen davon entkoppelt. Manchmal ist ein schnell geschriebenes Spezialwerkzeug in C – das nur einen einzigen Zweck erfüllt, und das dafür ideal – einem kommerziellen Programm überlegen, das weiss-der-Geier-was sonst noch nebenher macht. Und das kann man schön in die offizielle Toolchain einbauen, da würde ich nicht unbedingt von Schatten-IT sprechen.
    Was aber wichtig bleibt: Wenigstens in einer Toolchain für einen produktiven Zweck, da sollte man strikt sein. Im Embedded-Bereich z.B., mit Cross-Kompilern, verschiedenen Tools für Konfiguration, und natürlich der Programmierung dahinter. Oder auch im Web-Bereich: Frameworks erzeugen Overhead ohne Ende. Wenn man jetzt das gesamte jQuery und das gesamte Dojo und dazu noch ExtJS einbindet, nur weil man sich aus jedem davon ein paar Funktionen holen will, die man halt kennt, dann wird das ganze nicht unbedingt leichter, nicht für einen selbst und nicht für die anderen. Ladezeit steigt auch usw. Und Schatten-IT begünstigt das sogenannte Software-Peter-Prinzip: https://en.wikipedia.org/wiki/Software_Peter_principle

    Und dabei habe ich jetzt die User am anderen Ende komplett ausgeblendet. Manchmal ist es ja eine Entscheidung der Geschäftsführung, etwas vorhandenes “ein bisschen umzubiegen”, um ein Produkt einer anderen Zielgruppe anzupassen. Da glänzt die Schatten-IT. Denn immer wenn es ums basteln geht, dann liefert sie eben Möglichkeiten, die ansonsten einfach nicht da wären.

    Ist sie also böse oder gut, die Schatten-IT? Ich würde sagen keines davon. Sie ist gefährlich, kann aber auch extrem nützlich sein.

  2. Ich vergesse bei solchen Nachmittagsstunden in der Unterstufe auch meistens etwas im Informatikraum oder sehe aus wie ein Zottelbiest :-) Aber ich habe dann oft das Gefühl, dass die Schüler akuten Lernhunger hatten und ich wie im Restaurant unterschiedliche Rezepte zubereiten muss. In der 10. Klasse ist es da gemächlicher, die Schüler bündeln ihre Probleme und fragen genau dann, wenn ich durch die Reihen gehe.

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