Nach 30 Jahre wieder mal auf dem Platz: Bayerische Schulmeisterschaft im Bogenschießen 2016

Wann war ich Bogenschütze? 1982, 1983, 1984? Schon damals waren die Schützen aus Feucht bei Nürnberg bekannt, weil sie recht gut waren. Ich weiß nicht, wie es jetzt um den Bogensport steht, meinen alten Verein gibt es nicht mehr und von Feucht habe ich lange nichts mehr gehört, aber geschossen wird dort noch.

Wie ich dorthin kam: Meine Schule hatte ein Team von Schützinnen, aber keinen Lehrer. Und bei Schulmeisterschaften muss eine Lehrkraft mitfahren (oder ein Trainer an der Schule), alle Teilnehmer brauchen Schülerausweise, und die Lehrkraft muss einen Erste-Hilfe-Beutel dabei haben. Das hatten wir dann alles, und nichts davon hat irgendwen interessiert.
Jedenfalls suchte meine Schule eine betreuende Lehrkraft, und weil ich an diesem Tag ohnehin keinen Unterricht hatte, der ausfallen würde, und weil ich gerne alles an der Schule mindestens einmal ausprobiere, habe ich mich freiwillig gemeldet. Außerdem tue ich der Schulleitung wie auch anderen Kollegen gerne mal einen Gefallen, dafür habe ich dann auch mal etwas gut.

Und nicht zuletzt war ich neugierig aufs Bogenschießen, an das ich seit vielen Jahren nicht mehr gedacht habe. Als Schüler habe ich für meinen Vater für Extra-Taschengeld Teilnehmerlisten in CBM-8032-Rechner oder deren Vorgänger getippt, mit Lochkarten gearbeitet ein paar Jahre vor mich hingeschossen (und es nur mal auf die Bayerische Meisterschaft gebracht, nicht weit), über meinen Vater viel Technisches mitgekriegt.

Zuerst schießt man, mehrere Leute auf eine Scheibe, und in Passen (Fachausdruck, den ich vergessen hatte) von 3 Pfeilen. Danach ist der andere Schütze mit seinen drei Pfeilen dran. Irgendwann kann man dann übrigens ganz schnell drei Zahlen von 0-10 im Kopf zusammenzählen, weil man das dann schon so oft gemacht hat, dass man das Ergebnis auswendig weiß.

Schulmeisterschaft Bogenschießen Schützen

Eine fest getaktete Ampel und ein Hupsignal sagen den Schützen, wann es Zeit ist, an die Schusslinie zu treten, zu schießen, zurückzugehen, und wann man gefahrlos zu den Scheiben gehen kann, um dort die Ringe (=Punkte) der Passe einzutragen und die Pfeile zu holen.

Schulmeisterschaft Bogenschießen Schützen

Schulmeisterschaft Bogenschießen Schützen

Neben „Passe“ gibt es andere Wörter, die ich vergessen hatte. „Klicker“, und „Stabi“ – nicht Staatsbibliothek, sondern Stabilisator! „Alle ins Gold“ als Gruß der Schützen kannte ich noch, aber „ins Holz“ schießen nicht mehr. Das ist, wenn man die Zielauflage ganz verfehlt und in die Scheibe schießt, oder vielleicht sogar daneben. Und eien Bewegung hatte ich vergessen: Wenn man an der Linie steht, den Pfeil in der Hand hat aber ihn noch nicht einnockt, und wartet, und den Pfeil dann gegen die Sehne fallen und von ihr abprallen lässt. Das habe ich bei Schützen gesehen und genau das habe ich auch immer gemacht.

Neu war für mich, dass junge Schützen ihre Pfeile und ihren Bogen bequem in einem speziellen Rucksack transportieren. Zumeiner Zeit waren das noch umständliche Hartschalenkoffern. Und die Stabis, mit denen ich angefangen habe, gibt es heute gar nicht mehr – nur noch als Relikt auf den Abbildungen auf den Pokalen.

Ist halt doch abwechslungsreich, so ein Lehrerleben, wenn man möchte.

7 Antworten auf „Nach 30 Jahre wieder mal auf dem Platz: Bayerische Schulmeisterschaft im Bogenschießen 2016“

  1. Es hat wirklich niemanden interessiert, ob Sie die Schülerausweise und einen Erste-Hilfe-Beutel dabei hatten?

    „Irgendwann kann man dann übrigens ganz schnell drei Zahlen von 0-10 im Kopf zusammenzählen, weil man das dann schon so oft gemacht hat, dass man das Ergebnis auswendig weiß“

    Und damit haben Sie vollkommen recht, aber Ich lernte ein paar Leute kennen, die das irgendwie, obwohl sie mehr Turniere als Ich geschossen haben, immer noch nicht können.

    Auf die Bayerische Meisterschaft ist doch weit, oder nicht?

    Und zu guter Letzt warum haben Sie aufgehört zu schießen und überhaupt begonnen?

  2. >Und zu guter Letzt warum haben Sie aufgehört zu schießen und überhaupt begonnen?

    Begonnen habe ich, weil mein Vater zu meiner Kinder- und Jugendzeit Schütze und später dann vor allem bei der Technik aktiv war; er bastelte an digitaler Erfassung und Auswertung der Ergebnisse und reiste damit zu Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Da bin ich dann auch so reingerutscht, zusammen mit meinem Bruder.
    Warum ich aufgehört habe… da werde ich wohl um die sechzehn gewesen sein. Andere Hobbies, und Sport war eh nie so das meine, obwohl ich dann wenig später mit Judo angefangen haben muss. Das lag mir noch mehr als das Bogenschießen.

  3. Bogenschießen ist ein (meiner Meinung nach) sehr interessanter Sport.
    Ich glaube, ich hätte mich auch freiwillig dafür gemeldet. :) Bestimmt sehr interessant mitanzusehen.
    Hätte ich auch gerne mal gesehen. Erwachsene kann ich mir mit einem Bogen gut vorstellen und habe ich auch schon öfters mal gesehen, aber Schüler… :)
    Ich hätte eher gedacht, dass das in deren Augen eher altmodisch und zu ausgefallen ist. Wollen die nicht eher immer das machen, was alle machen? Oder machen das jetzt alle?

  4. Bogenschießen ist durch die Tribute-von-Panem-Reihe sicher ein wenig populärer geworden, aber nicht so, dass ich an der Schule etwas davon merke. Altmodisch und ausgefallen: Es gibt immer noch Schüler, die zumindest eine Weile die Ruhe dazu haben, ihren eigenen Interessen nachzugehen, auch wenn die nicht mehr/noch nicht populär sind. (Irgendwas ist ja immer angesagt, kommt man ja nicht hinterher, wenn man sich daran orientieren will.)

  5. Und wie lange war der Wettkampf?
    (Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass Wettkämpfe im Bogenschießen für Zuschauer auf die Dauer sehr langweilig werden können. Bogenschießen scheint ja -zumindest von außen- ein Sport ohne große Action zu sein.)

  6. Ich war mal bei einem Cricketspiel dabei. Da ging es vor allem um Bier und Sandwiches.

    Ich war nie als Unbeteiligter bei einem Schießen dabei. Wenn man die Schützen kennt, interessiert man sich für jede Passe der eigenen und relevanten konkurrierenden Schützen. Außerdem sitzt man in der Sommersonne im Schatten an der frischen Luft. Außer beim traiditonellen 1.-Mai-Turnier in Augsburg in meiner Kindheit: Da hat es immer geregnet.

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