Werwölfe und Wichtel

Letzter Schultag heute: Als Klassleiter verbrachte ich zwei Stunden mit meiner Klasse; Unterricht gab es weisungsgemäß keinerlei an diesem Tag. Aber wir haben gewichtelt, auf Wunsch der Klasse, Klassleiter und Stellvertretung machten auch mit. Ich habe Plätzchen gekriegt und einen Satz Magnete – die sind tatsächlich sehr praktisch, für den Informatikunterricht brauche ich immer wieder welche. Es macht mir Spaß, Dinge irgendwo hin zu heften und dann zu verschieben, dann fühle ich mich richtig dynamisch als Lehrkraft. Oder die Schüler verschieben, das geht auch.

Den Großteil der Zeit verbrachten wir damit, Werwolf zu spielen. Das ist seit Jahren der Favorit bei solchen Veranstaltungen, wenn man in einer größeren Gruppe zusammensitzt und etwas spielen will, aber ich habe tatsächlich noch nie darüber geschrieben. Kennengelernt habe ich das Spiel vor zehn oder fünfzehn Jahren im Web, damals unter dem Namen Mafia, später sah ich es dann als Werwolf in den Spielwarenabteilungen. Wer keine Kinder oder Jugendgruppenerfahrung hat und nicht Lehrer ist, der kennt das Spiel vielleicht nicht – hier eine Kurzfassung:

Alle Mitspieler sitzen in einem Stuhlkreis, jeder spielt einen Dorfangehörigen. Ein kleiner Teil der Spieler sind Werwölfe, der Großteil ist ein normaler Dorfbewohner. Die Rollen werden durch ausgeteilte Karten verteilt. Eine Spielleiterin führt erzählend durch das Spiel:

Es ist Nacht. Alle Dorfbewohner schlafen. [Die Spieler schließen die Augen.] Die Werwölfe erwachen.

Darauf öffnen die Wölfe still ihre Augen, erkennen einander, und verständigen sich durch Gesten auf das Opfer dieser Nacht, das sie der Spielleiterin ebenso stumm mitteilen. Ist das geschehen, geht es weiter:

Die Nacht ist zu Ende. Alle Dorfbewohner erwachen, bis auf [das Opfer der Werwölfe].

Jetzt bekommen die Dorfbewohner Gelegenheit, einen oder mehrere der ihren anzuklagen und, wenn die Mehrheit dafür stimmt, zu töten. Der Tote deckt (je nach Variante) auf, ob er Werwolf war oder nicht. In der nächsten Nacht wiederholt sich das Spiel: „Es ist Nacht. Alle Dorfbewohner schlafen. Die Werwölfe erwachen.“

Gewonnen haben die Werwölfe, wenn sie alle Menschen gefressen haben; gewonnen haben die Dorfbewohner, wenn sie die Werwölfe vorher getötet haben. Natürlich arbeiten die Werwölfe zusammen und lenken den Verdacht eher auf harmlsoe Dorfbewohner, aber wer zu laut einen Tod fordert, macht sich auch verdächtigt.

Erweitert wird dieses Grundprinzip durch – je nach Variante – weitere Rollen. Einer im Dorf ist die Seherin oder der Seher, was natürlich keiner der Spieler weiß. Aber in der Nacht, wenn alle schlafen, noch bevor die Werwölfe erwachen, erhält die Seherin Gelegenheit, sich die Karte und damit Identität einer Mitspielerin von der Spielleiterin zeigen zu lassen. Sie wird für die Werwölfe damit besonders gefährlich, darf sich andererseits auch nicht zu erkennen geben, weil sie sonst das nächste Opfer sein wird.

Die Spielleiterin hat jetzt schon mehr zu tun:

Es ist Nacht. Alle Dorfbewohner schlafen. Die Seherin erwacht. Von welchem Mitspieler möchstest du die Karte sehen? [Stilles Herumlaufen und Hantieren.] Die Seherin schläft. Die Werwölfe erwachen. [Stilles Gestikulieren.] Die Werwölfe schlafen. Alle Dorfbewohner erwachen, bis auf…

Das macht das Spiel auch interessanter: Wer am lautesten den Tod eines Dorfgenossen fordert, verfügt vielleicht über Hintergrundwissen, das er aber als Werwolf oder als Seher erworben haben kann. Es gibt noch viele weitere Rollen. Der oder die Verfluchte wird selbst zum Werwolf, wenn er von den Wölfen getötet wird. (Aber nicht, wenn die Dorfbewohner das tun.) Der Liebende kennt einen anderen Menschen, kann diesem helfen, stirbt aber auch mit ihm. Das kleine Mädchen kann nachts aufbleiben und schauen, wenn sich die Werwölfe treffen – darf sich aber beim Blinzeln nicht erwischen lassen.

Je nach Gruppe ein schönes Spiel. Online findet man bestimmt viele Varianten und Spielmaterial dazu, ich habe ein paar pdfs auf der Festplatte, die ich irgendwann mal heruntergeladen und gerade eben wieder einmal gelesen habe; ganz neue Figuren sind dabei.

— Danach noch Lebkuchenessen im Lehrerzimmer. Zu Hause die Papierstapel auf dem Fußboden in schönen rechten Winkeln ausgerichtet und auf Morgen verschoben: Ferien.

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4 Thoughts to “Werwölfe und Wichtel

  1. Das Spiel kenne ich auch, habe seit 12 Jahren einen Kartensatz, den mir ein spielebegeisterter Leistungskurs selbst gebastelt hat.
    Besonders nachvollziehen kann ich die rechtwinklig ausgerichteten Stapel, die uns die unterrichtsfreien Tage, im Volksmund Ferien genannt, verschönern, nachvollziehen. Meine müssen aber bis nach Neujahr warten, ich brauch erstmal ein paar erholsame Feiertage, die ich dir und deiner Familie auch wünsche.

  2. Danke sehr. Diese Ferien hab eich tatsächlich korrekturfrei, aber vielerlei Arbeit mitgenommen. Dir wünsche ich auch schöne Tage, und ein gesundes und schönes neues Jahr!

  3. Und Sie? Was haben Sie verschenkt? Zum Wichteln, meine ich.

    Mister Strohschlau

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