Bücherausstellung

Tisch mit Büchern darauf ausgebreitet

In der wirklich schönen Bibliothek meiner Schule ist gerade die Quasi-Wanderausstellung “Die 100 besten Kinder- und Jugendbücher” aufgebaut, und mit meiner 9. Klasse war ich sie heute eine Viertelstunde anschauen.

Tisch mit Büchern darauf ausgebreitet

Schon schöne Idee. Aber für so viele Jahrgangsstufen sind hundert Bücher nicht viel, und es sind vor allem halt die hundert besten Neuerscheinungen und nicht Klassiker. Natürlich hat es mich sofort gereizt, die hundert besten Kinder- und Jugendbücher nach Herrn Raus Meinung vorzustellen. Vielleicht kriege ich gar nicht so viel zusammen, aber interessant wären ja vermutlich auch Bücher für alle Altersstufen, und außerdem müssten meine alten Exemplare auch pfleglich behandelt werden.

Man könnte ja auch 50 Bände aus der Bibliothek selber empfehlen, aber ob ich da so viel finde… Empfehlungen der Schülerinnen und Schüler selber wären auch möglich, aber ich denke, wenn eine konkrete Person hinter der Zusammenstellung steckt, kommt mehr heraus als bei einer Auswahl durch ein Schülerkomitee.

- Außerdem war diese Woche wieder ein Sportturnier an der Schule. Da ist Unterricht schwer möglich, wenn die meisten Schüler einer Klasse mitspielen und der Rest zuschauen möchte. Sehr stolz war ich auf zwei Unterstufenschüler, die fragten, ob sie nicht stattdessen den Unterricht einer anderen Jahrgangsstufe bei einem anderen Lehrer besuchen könnten. Das machen die wohl ab und zu, auch in Freistunden. Da machen die Kollegen wohl irgendwas richtig.

Verschwörungstheorien in den Zeiten vor dem Internet: Das Foucaultsche Pendel

Titelbild Das Foucaultsche Pendel

Titelbild Das Foucaultsche Pendel

(Nach meinen ersten Gedanken zur erneuten Lektüre hier der Rest.)

Inhalt

Die erste Hälfte des Romans ist die Vorgeschichte: Casaubon schreibt in den 1970er Jahren in Mailand an einer Dissertation über die Templer. Er lernt die etwas älteren Diotallevi und Belbo kennen, die bei einem Verlag arbeiten, der als Nebengeschäft Möchtegernautoren für obskure Produktionen Geld aus der Tasche zieht. Ein solcher ist Oberst Ardenti, der ein Manuskript, ein Dokument und eine Verschwörungs-Räuberpistole mitbringt. Bevor aus dem Geschäft etwas werden kann, verschwindet Ardenti unter mysteriösen Umständen; die Polizei unter Inspektor De Angelis munkelt von Mord und ermittelt, kommt aber zu keinem Ergebnis.

Nach einem Zwischenspiel in Brasilien kehrt Casaubon zurück; mit Belbo und Diotallevi spinnt er die Geschichte des Oberst Ardenti weiter – aus dem ursprünglichen Dokument entwickeln sie eine Verschwörung der Verschwörungen, die die wichtigsten Ereignisse der (europäischen) Weltgeschichte erklärt und die mit den Templern beginnt, dann Freimaurer, Rosenkreuzer, Illuminaten, Juden, Assassinen, den Eiffelturm, die Pyramiden, Kathedralen, U‑Bahnen, Stonehenge, Ley-Linien, Crowley und Cthulhu und alles einbaut, was einem sonst noch dazu passen zu scheint. Diese Megaverschwörung ist gänzlich erfunden, das Dokument, das ihre Basis bildet, ein Witz – aber sie entwickelt ein Eigenleben und damit doch so etwas wie Realität. Inspektor De Angelis fragt Casaubon, ob ihm eine Gruppe “Tres” etwas sage, und sie geben ihrer Verschwörungsverschwörung diese Bezeichnung, samt erfundener Hintergrundgeschichte. Und prompt bildet sich diese Gruppe, oder bildet es sich ein.

Gedanken

Das Buch hat mich etwas weniger beeindruckt als beim ersten Lesen, aber mir wohl noch etwas besser gefallen. Den Aufbau finde ich etwas unausgeglichen; die ganze erste Hälfte des Buchs (von Rahmenhandlung/Rückblenden abgesehen) ist Vorbereitung, die Figuren werden in Position gebracht, wir kriegen viel Zeitkolorit und ein wenig Mystik. Das ist aber auch interessant zu lesen. Die zweite Hälfte besteht zu einem Großteil einfach aus der beeindruckend ausführlichen Konstruktion der Verschwörung und einem Finale mit Nachspiel.

Illuminaten, Rosenkreuzer, Weltverschwörung kannte ich vorher schon. (Ich sage nur: Illuminatus!-Trilogie.) Aber dass mein vages Interesse für esoterische Spinnervereinigungen massiv von diesem Buch beeinflusst worden war, das hatte ich vergessen. Es gab eine Zeit, da habe ich die Plakate der regelmäßig in Augsburg veranstalteten esoterischen Vorträge gesammelt – ich bin im Besitz einer umfangreichen, vermutlich weltweit einzigartigen Sammlung von mehr oder weniger billig kopierten Plakaten des Zentrums für Studien Gnostischer Anthropologie aus den mittleren 1990er Jahren.

Sehr nett dieses Plakat, alleridngs von einer anderen Gruppe:

Poster: Wer möchte Prophet werden?

Auch die eine oder andere Ausgabe einer esoterischen Weltverschwörungszeitschrift ist in meinem Archiv. Da steht übrigens genau das gleiche drin wie bei den Spinnern bei Eco: Weltverschwörung, Freimaurer, die Weisen von Zion, Illuminaten, mindestens Kokettieren mit Nazi-Gedankengut. Das war noch alles vor dem Internet, wie wir es kennen, aber die Verschwörungstheoretiker und Aluhüte gab es schon damals. Nur halt per Post – das sieht man schön an diesem Band von 1988:

Buch: High Weirdness by Mail

(Alter Blogeintrag dazu, dort auch Links zu den Publikationen.) Das ist ein kommentierter Katalog von Zeitschriften und Vereinen, sortiert in Kategorien wie etwa: Weird Science, New Age Saps, Cosmic Hippie Drug-Brother Stuff, Weird Politics, Rantzines und UFO Contactees. Da schickte man früher self-addressed envelopes hin, oder Briefmarken, und kriegte ein mehr oder weniger schlecht kopiertes Heftchen.

Heute… ich sage nur: Pizzagate, bringe aber nicht die Energie auf, darüber zu schreiben. Bei Wikipedia gibt es einen Überblick, bei Cracked.com ein paar Details.

Es war geradezu deprimierend, bei Eco von genau diesen Prozessen der Konstruktion von Sinn und Verschwörung zu lesen, die einem heute im Internet begegnen.

Achten Sie verstärkt auf Symbole! Achten Sie darauf, welche Logos verschiedene Firmen benutzen!

Das steht nicht bei Eco, sondern in einer meiner Spinnerzeitschriften. Das könnte auch bei Pizzagate so stehen. Seufz.

Keine Information ist weniger wert als die andere, das Geheimnis besteht darin, sie alle zu sammeln und dann Zusammenhänge zwischen ihnen zu suchen. Zusammenhänge gibt es immer, man muss sie nur finden wollen.

Das ist jetzt von Eco, ebenso wie das:

Die Bücher der Entschleierten Isis müssen genau von denselben Sachen handeln, die auch in den anderen stehen. Sie bestätigen sich gegenseitig, also sind sie wahr.

Restliche Gedanken

Verpasste Gelegenheit? Am Ende des Romans taucht ein Doppelpendel auf, also ein Pendel, an dem unten ein zweites Pendel befestigt ist. Dem Kapitel ist ein Zitat aus einem Antwortbrief eines (realen) Architekten und Mathematikers vorangestellt, in dem das Verhalten eines solchen Pendels in einer konkreten Situation beschrieben wird: Letztlich würde – wohl: zumindest in dieser Situation – der obere Teil des Pendels still stehen, der untere weiterschwingen. Innerhalb des Romans stammt das Zitat aus einem Brief, den eine der Personen aus Interesse an einen Wissenschaftler geschrieben hat. – Irre ich mich, oder müsste eine – zumindest: ideales – derartiges Pendel nicht quasi-unregelmäßig schwingen? Das ist doch das Standardbeispiel für ein chaotisches System. Und Chaos war zu Zeiten des Pendels (oder war das erst knapp danach?) das neueste heiße Ding. Dass Eco damit nicht gearbeitet hat, wundert mich.

Erwähnen möchte ich noch den Interpretationsansatz, den mir mein Freund B. genannt hat: Das Foucaultsche Pendel als Teil deines Diptychons, mit dem Name der Rose als Kritik des Rationalismus und dem Pendel als Kritik des Irrationalismus.

Programmieren in der 9. Jahrgangsstufe

In Bayern beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe (Gymnasium, naturwissenschaftlich-technologischer Zweig) mit Tabellenkalkulations- und Datenbanksoftware. Das ist bei dem aktuellen, etwa zehn Jahre alten Lehrplan so, und bei dem kommenden neuen ebenfalls. Dabei sollen die Schülerinnen nicht Excel lernen, sondern vor allem: Datenflussmodellierung, und ein Verständnis für Funktionen im informatischen Sinn. Und sie sollen auch bei Datenbanken neben SQL vor allem Datentypen und die Modellierung mit Klassendiagrammen lernen, als Vorarbeit für die 10. Jahrgangsstufe, die ganz unter dem Stern der Objektorientierten Programmierung steht.

Ein halbes Jahr Excel, ein halbes Jahr SQLdas hängt einem zum Hals heraus. Beides braucht man danach im Informatikunterricht nur spärlich, jedenfalls nicht bis in die jeweiligen Feinheiten.

Da ich dieses Jahr zum Halbjahr unter anderem meine 9. Klasse abgeben muss (und stattdessen eine Deutschklasse übernehme; so etwas kommt zum Halbjahr immer mal wieder vor), habe ich nicht mit Datenbanken angefangen, obwohl ich schon vor einer Weile mit Tabellenkalkulation abgeschlossen habe. Stattdessen habe ich mit den Schülern das getan, was sich logischerweise anschließt an die Auseinandersetzung mit Tabellenkalkulation unter funktionalem Begriff: selber Funktionen programmiert.

Das geht mit Python so kinderleicht und so natürlich, dass die Schüler damit keine Probleme haben. Man kann fast die gleichen Aufgaben, die sie vorher mit Calc gelöst haben, jetzt mit Python programmieren. Aus Zellbezeichnern werden Variablenbezeichner, schließlich ist so eine Zelle fast auch nur ein Behälter für einen Wert – wie Variablen.

Arbeiten mit der Programmiersprache Python

Python ist eine einfache Programmiersprache. Du schreibst die Befehle dazu in eine Datei (Menü: “File>New Window” oder einfach STRG+N), die du dann mit der Taste F5 (“Run”) ausführen lässt.
Die Funktionen darin ähnen denen in Tabellenkalkulationsprogrammen, nur dass du die Zellen nicht siehst:

a1 = 14 in Zelle a1 wird 14 eingetragen
b1 = 12 in Zelle b1 wird 12 eingetragen
c1 = a1+b1 in Zelle c1 wird die Summe von a1 und b1 eingetragen
a1 = ‑5 in Zelle a1 wird ‑5 eingetragen – anders als bisher ändert sich dabei c1 nicht, die Werte anderer gemerkter Sachen werden nicht automatisch aktualisiert

Um die Werte anzuzeigen, kannst du die print-Funktion verwenden:

print(c1) druckt “26” aus
print(“Ergebnis:”, c1) druckt “Ergebnis: 26” aus
print(a1, b1, c1) druckt “-5 12 26” aus

Vordefiniert sind diese Funktionen in Infix-Schreibweise: +, -, /, *

Andere Funktionen musst du dir selber schreiben. Das geht so:

def quadrat(x):
    return x*x

Wichtig sind dabei das Schlüsselwort def für Definition, die Klammern, der Doppelpunkt und die automatische Einrückung nach dem Doppelpunkt. Mit dem Schlüsselwort return bestimmst du, was die Funktion zurückgeben soll.
Sobald du das getan hast, kannst du die Funktion in den Zeilen darunter benutzen:

d1 = quadrat(3)
print(d1) druckt “9” aus
print(quadrat(quadrat(3+2)) druckt “625” aus

AUFGABE 1: Ergänze und teste folgende Funktionen

Testwerte

Ergebnis

def quader_volumen(laenge, breite, hoehe)

2,3,4

24

def kreis_flaeche(radius)

3

28.27431

def kreis_umfang(radius)

3

18.84954

def zylinder_volumen(radius, hoehe)

3,4

113.09724

def quadrat_umfang(seitenlaenge)

3.5

12.25

Hinweise: Nimm für Pi den Wert 3.14159 – achte darauf, wie bisher kein Komma zu nehmen, sondern einen Dezimalpunkt.
Umlaute und Sonderzeichen funktionieren meistens bei Programmiersprachen, machen aber ab und zu doch Probleme, deshalb verzichte ich meistens ganz auf sie

AUFGABE 2: Schreibe dir eine Funktion, mit der du die vorherigen Funktionen testest:

def test():
    print("Quadrat von 2:", quadrat(2))
    print("Volumen Quader 2*3*4:", quader_volumen(2,3,4))
    print("Kreis Umfang Radius 1:", kugel_umfang(1))

Und so weiter. (Diese Funktion gibt nichts zurück.)
Starte den test mit der Zeile: test()

AUFGABE 3: Ergänze Funktionen

  • zum Berechnen des Durchschnitts zweier Zahlen
  • zum Berechnen der Fläche eines Trapezes
  • zum Berechnen der Blutalkoholkonzentration, abhängig von Masse des Menschen, Menge des Getränks, Alkoholgehalt des Getränks – entscheide dich dabei für die Formel für Männer oder Frauen

AUFGABE 4:

  1. Schreibe eine Funktion verschieben(zeichen), die
    1. ein eingebenes Zeichen in eine Zahl umwandelt. Das geht mit der bereits vorhandenen Funktion ord(zeichen) (=> wandelt Zeichen in Zahl um).
    2. Zähle dann 1 zu dem Ergebnis dazu
    3. und wandle das Ergebnis mit der vorhandenen Funktionen chr(Zahl) (=> wandelt
      Zahl in Zeichen um) wieder in ein neues Zeichen um,
    4. das die Funktion dann zurückgibt
  2. Schreibe eine entsprechende Funktion zurueckschieben(zeichen)
  3. Schreibe die neuen Funktionen verschiebenUm(zeichen, verschiebung_um) und zurueckschiebenUm(zeichen, verschiebung_um)
  4. Teste das jeweils mit der folgenden Funktion an einem ganzen Satz:
def verschluesseln(satz):
    for buchstabe in satz:
        print (verschiebenUm(buchstabe, 2))

Aufgabe 5: Die Kontrollstruktur: Wenn, dann, sonst (“Bedingte Anweisung”)

Es gibt keine wenn-Funktion, aber so etwas Ähnliches. Du kennst das noch von Robot Karol:

def darfBierBestellen(alter, eltern_sind_dabei):
    if alter>16:
        return True
    else:
        if alter>14 and eltern_sind_dabei==True:
            return True
        else:
            return False

Zum Testen:

x1 = darfBierBestellen(15, False)
print (x1) druckt “False” aus

Warum steht das nicht im Lehrplan, wo es sich doch organisch an die Tabellenkalkulation anfügt? Und eine gute Vorbereitung für die 10. Klasse ist? Außerdem halte ich es für äußerst sinnvoll, erst einmal nicht objektorientiert zu programmieren, Algorithmik zu üben – nur dann erkennen Schüler später auch den Sinn und Nutzen von objektorientierter Programmierung.

Ich vermute mal, dass das mit der Geschichte des Pflichtfachs Informatik in Bayern zu tun hat. Bayern ist da ja mit Vorreiter, und wenn ich mir anschaue, wie schwer sich andere Länder mit dem Einführen eines solchen Fachs tun, dann war das wohl auch hier eine große Leistung. Bei den Entscheidungsträgern hatte Informatik, und das ist wohl immer noch so, den Ruf, etwas mit Programmierung zu tun – und das war ja total verpönt. Das brauchte man allenfalls in der Berufsbildung, aber doch nicht an allgemeinbildenden Schulen. – Und so hat man sich mit dem Verzicht auf frühes Programmieren vielleicht den Pflichtfachstatus erkauft. Trotzdem schade, dass der neue Lehrplan keien Verbesserung gegenüber dem alten bringt.

Abitur 2017: Neue Termine

Das Abitur in Bayern: Es wird zentral gestellt, aber an den Schulen vom jeweiligen Fachlehrer korrigiert; eine zweite Lehrerin an der Schule ist Zweitprüferin der Klausuren; die beiden einigen sich auf eine Note. (Können sie sich nicht einigen, wird ein dritter Prüfer herangezogen.) Es gibt in drei Fächern schriftliche Klausuren, im Anschluss daran mündliche Prüfungen in zwei Fächern. Die erste der schriftlichen Prüfungen war traditionell Deutsch, vielleicht aus historischen Gründen, vielleicht weil die Korrektur dieser Aufgaben am längsten dauert.

Inzwischen ist die Reihenfolge aber offen, und das liegt daran, dass immer wieder Teile der Aufgaben bundeslandübergreifend gestellt werden. Und damit müssen diese Prüfungen natürlich am selben Tag stattfinden, und das wird erschwert durch die unterschiedlichen Ferien- und Schuljahrestermine in den veschiedenen Ländern.

Und so begab es sich, dass die Abiturprüfungstermine für 2017 so festgelegt wurden:

  • 03.05.2017 Mathematik
  • 09.05.2017 Deutsch
  • 12.05.2017 3. Fach (häufig und zum Beispiel Englisch)
  • 22.05. – 26.05.2017 1. Mündliche Prüfung
  • 29.05. – 02.06.2017 2. Mündliche Prüfung

Damit hätten die Lehrer und Lehrerinnen in Bayern je nach Fach etwas mehr oder etwas weniger als drei Wochen Korrekturzeit gehabt; an diese hätten sich die Pfingstferien angeschlossen, in denen die Zweitkorrektoren die Klausuren bearbeitet und mit den Erstprüfern besprochen hätten.

Denn als Termin für die Bekanntgabe der Noten war der Montag nach den Pfingstferien festgelegt und mitgeteilt worden: der 19.06.2017.

Das ist jetzt aber nicht mehr so. Am Freitag, 10.02.2017 hat das bayerische Kultusministerium die Gymnasien informiert, dass die Ergebnisse bereits am 02.06.2017 am Nachmittag mitgeteilt werden müssen, das ist der Freitag vor den Pfingstferien. Hier die Pressemitteilung des Kultusministeriums: Nach “eingehender Prüfung” habe man “pädagogische Erwägungen” vorgenommen und danke jetzt “allen, insbesondere den betroffenen Lehrkräften, für die Bewältigung der mit der Terminverlegung verbundenen Auswirkungen.”

Denn die Lehrer und Lehrerinnen sind alles andere als begeistert. Für eine reguläre Klausur hat man laut Schulordnung drei Wochen Korrekturzeit, und für diese Abiturprüfung hat man jetzt weniger als das – obwohl die Prüfungen umfangreicher und wichtiger sind und nach der Korrektur noch die Korrektur durch den Zweitprüfer erfolgen und mit diesem besprochen werden muss.

- Was waren das für “pädagogische Erwägungen” des Kultusministeriums, die zu dieser Entscheidung geführt haben? Ich vermute, dass es keinesfalls nur solche waren. Vielmehr gab es eine vom Kultusministerium nicht erwähnte Petition, die am 05.02.2017 um eben diese Terminverlegung bat:
https://www.openpetition.de/petition/online/abi-nomtenbekanntgabe-am-2-juni (Tippfehler bereits im Original).

Die Petition wurde etwa 25.000 mal unterschrieben, zum Großteil von Bürgern aus Bayern. Eingereicht wurde die Petition von Schülerinnen und Schülern; den Text der Petition und Pro-Contra-Kommentare dazu kann man durchaus mal lesen. Die Kurzfassung: Wenn man erst nach den Ferien seine Noten erfährt, und danach erfährt oder entscheidet, dass man in die mündliche Ergänzungsprüfung in einem oder mehreren Fächern muss, dann bleibt zu wenig Zeit zur Vorbereitung darauf – diese Prüfungen finden tatsächlich in der Woche nach den Ferien statt. Sie sind verpflichtend für die Schülerinnen und Schüler, die bei den schriftlichen Abiturprüfungen zu schlechte Ergebnisse hatten und sie verbessern müssen, um das Abitur überhaupt zu bestehen. Und im Vergleich zu früheren Jahrgängen fühlen sich die Petitionseinreicher dadurch benachteiligt.

Meine Beurteilung des Verhaltens der Petitionsunterzeichner:

Den Vergleich mit früheren Jahren halte ich für zu simpel; in früheren Jahren war die Gewichtung schriftlicher zu mündlicher Noten auch 2:1 statt wie jetzt 1:1 – da hat sich auch keiner beklagt, dass es jetzt leichter ist, gute Noten zu kriegen und überhaupt bis zum Abitur zu kommen. Mich stört, dass die Ergänzungsprüfung, die eigentlich als Maßnahme für den Notfall gedacht war, jetzt schon bereits vorher mit eingeplant wird. Ich kenne keinen Statistiken, wie viele Schüler in Bayern in diese Prüfungen gehen, ich nehme mal an, Tendenz steigend. (Dazu passt auch, dass immer mehr Schüler schon sehr früh planen, die 11. Jahrgangsstufe als Versuchsballon zu besuchen – deren Wiederholung wird schon eingeplant, bevor sie nötig ist.) Allerdings finde ich es gut, wenn Schülerinnen und Schüler Werkzeuge wie Petitionen kennen und nutzen.

Meine Beurteilung des Verhalten des Kultusministeriums:

Pädagogische Erwägungen, my foot. Es ist Wahljahr und man will nichts riskieren, und die Rechtsabteilung warnt sicher davor, irgendwem irgendwas zu geben, was irgendwie der Anlass zu einer Klage sein könnte. Bloß nicht noch mehr schlechte Presse in der Bildungspolitik.

Meine Beurteilung des Verhalten der Schulleitungen:

Man wünschte sich, die würden wenigstens beim Kultusministerium anrufen und sich beschweren. Aber Behördenleiter denken da realistisch, fürchte ich. (Mit meiner Schulleitung habe ich noch nicht gesprochen, versteht sich.)

Wie es weitergehen wird:

(Reines Raten meinerseits. Ich bin eh nur am Rande betroffen.) Die Verbände werden darauf hinweisen, dass das aber nicht schön ist. Das Kultusministerium wird den Schulen erlauben, den korrigierenden Lehrkräften falls nötig einen Tag frei zu geben für die Korrektur, wobei der Unterricht dieses Tages dann von anderen Lehrkräften zu vertreten ist. Diese werden sich ärgern. Die Lehrkräfte werden ein wenig schneller und weniger sorgfältig korrigieren als sonst, die Noten werden zum Ausgleich nicht schlechter werden, die Zweitprüfer werden nur pro forma kurz über die Arbeiten schauen. Das lässt sich alles schon irgendwie regeln. Man wird mit dem Gedanken spielen, die mündlichen Ergänzungsprüfungen dann besonders schwer zu machen, aber das natürlich nicht umsetzen. (Ernsthaft und völlig unironisch.) Der Respekt der Lehrer vor dem Kultusministerium wird nicht weiter sinken, weil das nicht geht, und dem Kultusministerium wird das egal sein und egal sein dürfen.

Orangenmarmelade 2017

Gläser mit Orangenmarmelade

Liebgewonnene Tradition:

Gläser mit Orangenmarmelade

Wie jedes Jahr um diese Zeit habe ich Orangenmarmelade gemacht. Nächstes Jahr vielleicht eher Ende Januar als Anfang Februar, ich musste beim Einkaufen schon nach Pomeranzen suchen gehen.

Aktuelle Hörverstehensübungen für den Englischunterricht – und man lernt dabei so viel Schönes über Europa

Holland hat damit angefangen, sich für den 2. Platz nach den USA zu bewerben: “America First – The Netherlands Second”, und dafür einen Werbevideo für Holland gedreht:

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Und jetzt ziehen nach und nach die anderen Länder nach, Deutschland etwa:

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Unter everysecondcounts.eu kann man sehen, für welche Länder bereits Videos veröffentlicht worden. (Leider mit Flash.) Eine tolle Idee! Kann man auch wunderbar im Englischunterricht einsetzen, als Hörverstehensübung – und man lernt so viel, über Litauen zum Beispiel.