Gedanken beim Lesen eines Sprachlernbuchs von 1975

By | 21.8.2017

Spanisch in 30 Lektionen: Jede Lektion beginnt mit einem kurzen, dialogreichen spanischen Erzähltext, den ich mit meinen mageren, aber durchaus mal vorhanden gewesenen spanischen Grundkenntnissen zu verstehen versuche. Das ist anstrengend und befriedigend. Die banalsten Geschichten werden unglaublich spannend: Diese Anita! Was die immer erlebt! Das letzte Mal hat sie im Unterricht aufgepasst und wusste die richtige Antwort, und der Mitstudent nicht. Ich bin schon gespannt auf ihr nächstes Abenteuer, ganz stolz, diesem vorherigen zu folgen in der Lage gewesen zu sein.

Ich fühle mich dabei auch ein bisschen wie Indiana Jones, wenn er antike Tafeln übersetzt, so mit dem Finger den Zeichen folgend, pausierend, mal wieder zurück zum Anfang des Satzes, und nach und nach das ganze rekonstruieren. Ich kann vermutlich nur wenig schlechter Spanisch als Indy Aramäisch.

Können frühe geschriebene Geschichten anspruchslos sein, weil es abenteuerlich genug ist, überhaupt etwas lesen zu können? Früh in der Entwicklung einer Kultur oder in der eigenen Leseerfahrung? Kann man wohl bei Kulturen schlecht sagen, da geschriebene Erzählungen wohl lange einer kleinen, lesen könnenden Gruppe vorbehalten waren.

4 thoughts on “Gedanken beim Lesen eines Sprachlernbuchs von 1975

  1. Hauptschulblues

    Hauptschulblues erinnert sich heute noch mit Freude an seine Englischbücher der ersten Jahre Gymnasium: „Peter Pim and Billy Ball“ (Untertitel „Englisches Lehrbuch für Jungen und Mädchen“), Band 2 „PP and BB Touring England“. Er besitzt sie heute noch.
    Band 2 hat ihm damals einen anschaulichen Eindruck der Insel vermittelt; wenige Jahre später ließ sie ihn nicht mehr los.

  2. Aginor

    Ich denke schon dass wenn Lesestoff ein knappes Gut und Lesefähigkeiten eingeschränkt sind die Faszination höher sein kann.
    Auf mich haben meine ersten „richtigen“ fremdsprachigen Texte (In Computerspielen der 90er, da gab es noch viel zu lesen teilweise, und einem Buch von Marion Zimmer Bradley) auf jeden Fall sehr viel Eindruck gemacht, und aus Erfahrungen von Menschen die in einer Zeit oder einem Land mit hoher Analphabetenrate gelebt haben geht ab und zu mal hervor, dass die ALLES gelesen haben dessen sie habhaft werden konnten, egal was das Thema oder die Qualität war. Einfach lesen.
    Eine neue Sprache zu lernen bringt einen Teil dieser Faszination zurück, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Mich packt das auch jedes mal aufs neue. Einfache einsteigerliteratur bringt dann natürlich auch tolle Erfolgserlebnisse. Ich erinnere mich teilweise noch an ganze Textpassagen aus meinen Lernbüchern für Englisch, Spanisch, Norwegisch und Japanisch, weil ich sie mit solchen Erfolgserlebnissen verbinde. Und das ist alles mindestens 15 Jahre her, im Fall von Englisch sogar mehr als 20. Der Inhalt war jeweils recht banal aber leicht verständlich.
    ….müsste mal wieder eine Sprache angehen…. evtl Russisch oder Tschechisch. Slawische Sprachen sind ein Gebiet auf dem ich fast gar nichts weiss. Semitische (Arabisch oder Hebräisch) sind vermutlich ein bisschen heftig wenn man nicht viel Zeit hat. Hmmm…..

    Gruß
    Aginor

  3. Herr Rau Post author

    Englisch, Spanisch, Norwegisch und Japanisch? Respekt.
    (Beim modernen Hebräisch habe ich mir wenigstens in Tel Aviv in drei Wochen die Schrift und ein paar Wörter beigebracht.)

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