Rollenspiele, Rechenspiele, Hörsaalspiele (aber nicht wirklich)

1. Rollenspiele

Wie schon seit einem guten Jahrzehnt war ich zu den Allerheiligen-Tagen wieder beim jährlichen Rollenspiel, einer fortlaufende Call-of-Cthulhu-Kampagne. Zur Vorbereitung las ich noch einmal die Ereignisse des letzten Spiels nach, die eine Spielerin für uns zusammengefasst hat (um die 7000 Wörter). Das trug sich in der Mitte des Jahres 1940 zu – und in meiner Erinnerung waren diese Ereignisse, auf zwei, vielleicht sogar drei Jahre verteilt. Tatsächlich war einfach nur viel los, und wir kamen viel herum. Diesmal dagegen blieben wir in Nepal, genauer gesagt: in Mustang, einem damals noch autonomen Königreich innerhalb von Nepal. Verschiedene Hinweise steckten in nepalesischen und tibetischen Sagen, die wir umfänglich ausgehändigt bekamen und einander vorlesen mussten.

Tisch mit Rollenspielunterlagen

Alte Karte von Nepal

Die Karte oben enthielt zwar noch weite Bereiche, die als „UNEXPLORED“ markiert waren, war aber wenigstens noch auf Englisch. Eine andere Karte stammte von einem ungarischen Reisenden Mitte des 19. Jahrhunderts, und alle Bezeichnungen waren auf Ungarisch.

Eintrag von 2017 (Edinburg, Suez, Sumatra, Nepal 1940), mit Links zu den Vorjahren.

2. Rechenspiele

Für das Englisch-Abitur gibt es bestimmte Aufgabenformen und Regelungen, und die gelten auch für die Prüfungen in der Oberstufe. Bislang war es so, dass man für eine Frage 20 Bewertungseinheiten erhielt (von, sagen wir, 80 Bewertungseinheiten insgesamt), und die setzten sich zusammen aus, einen Tick vereinfacht, 0-5 BE für den Inhalt, und 0-5 BE für die Sprache, und das ganze x 2, weil die Frage eben als gewichtiger betrachtet wird – macht just die 20 BE Maximum. Für eine einfache Frage mit 10 Bewertungseinheiten kriegt man wieder 0-5 BE auf den Inhalt und 0-5 BE auf die Sprache, diesmal aber nur x 1, weil es insgesamt ja nur 10 Bewertungseinheiten dafür gibt.

Nicht ganz einfach, aber auch nicht ganz kompliziert.

Ab der 11. Klasse in diesem Schuljahr ändert sich das. Das kultusministerielle Schreiben dazu begründet das mit einer Anpassung an die Vorgehensweise der meisten anderer Bundesländer, und jetzt sieht das Verfahren so aus:

  • Auf die Frage gibt es jetzt nicht mehr 20 BE (von 80, beispielweise), sondern: 25%.
  • Es gibt jetzt nicht mehr jeweils bis zu 5 Punkte auf Inhalt/Sprache, sondern bis zu 15 Punkte, entsprechend den Notenstufen der Oberstufe. Dabei wird der Inhalt jetzt mit 40% und die Sprache mit 60% bewertet. Bei 6 Punkten für den Inhalt und 12 Punkten für die Sprache heißt das, es gibt insgesamt 9,6 Punkte für diese Aufgabe.
  • Diese 9,6 Punkte gehen zu 25% in die Gesamtnote ein (siehe oben). Die Gesamtnote liegt weiterhin zwischen 0 und 15 Punkten.

Das ist differenzierter als das bisherige System. Ob es transparenter ist, bezweifle ich. Rechenarbeit ist es sicher deutlich mehr, so dass das Kultusministerium in Zukunft das hier vorschreibt:

Die Umsetzung des prozentualen Binnenverhältnisses der einzelnen Prüfungsteile wird durch die verpflichtende Verwendung einer excel-Tabelle (siehe Anlage 4) erleichtert. Den Schulen werden künftig mit dem Schreiben zur schriftlichen Abiturprüfung eigens für jede schriftlich geprüfte moderne Fremdsprache erstellte excel-Tabellen übermittelt, die für die Berechnung und Dokumentation der Schülerleistung zu verwenden sind.

Es scheint, als wäre die Berechnung so kompliziert, dass sie sich ohne Tabellenkalkulationssystem nicht durchführen ließe; zumindest traut man das Lehrern und Lehrerinnen nicht zu. Das klingt ein wenig überdifferenziert, aber von mir aus. Die eigenartige Schreibung von excel und die Nennung einer proprietären Software irritiert mich allerdings – aber trotz Fehlermeldung scheint di Datei wenigstens auch mit der (aktuellsten!) Version von Libre Office zu laufen.

3. Hörsaalspiele

Didaktische Reduktion: Das habe ich heute in der Informatikdidaktik-Vorlesung vorgestellt. Und weil ich mich ja auch immer gern selbst unterhalte, und weil ich die didaktische Reduktion – noch ohne diese Bezeichnung zu kennen – über Lessing kennengelernt habe, habe ich mit Lessing angefangen:

Drei Vorlesungsfolien zu Lessing

In „Die Erziehung des Menschengeschlechts“, einer späten, religionskritischen Schrift, die ich sehr mag, vergleicht Lessing das Alte Testament mit einem Schulbuch für Grundschüler, das Neue mit einem für die Sekundarstufe I, und am Ende erhofft er sich ein neues, noch zu schreibendes Buch für diejenigen, die auch diesem entwachsen sind.

Diese Vorstufen einer späteren Wahrheit sind für das jeweilige Publikum angepasst, enthalten notwendige Vereinfachungen, die aber nicht zu sehr vereinfachen dürfen, nicht auf falsche Fährten locken oder späteren Erkenntnissen den Weg verbauen dürfen, wobei gleichzeitig Fingerzeige auf diese späteren Erkenntnisse gern gesehen sind – quasi als Binnendifferenzierung für die schnelleren Schüler und Schülerinnen.

Das war natürlich nur der Einstieg, danach ging es schon informatisch weiter: Didaktische Reduktion heißt die Vereinfachung von Konzepten, so dass sie (1) für die geistige Struktur und Entwicklungsstufe der Lernenden angemessen sind, (2) trotzdem fachlich korrekt sind und (3) entwicklungs- und später erweiterbar sind, auf höherem Niveau und ohne vermeidbares Umlernen.

5 Thoughts to “Rollenspiele, Rechenspiele, Hörsaalspiele (aber nicht wirklich)

  1. OH, ein Cthulhu-Rollenspiel! Wär ich da auch gern dabei!! Beneidenswert, ich liebe Lovecraft und seine diversen Grauslichkeiten und vor allem den Cthulhu Mythos

  2. Sehr interessante Vorlesung, schöner Einstieg. Macht Lust auf mehr, gibt es eine Möglichkeit, das Folgende irgendwie nachzuvollziehen?

  3. Lovecraft: Bald werde ich zum ersten Mal „Die Katzen von Ulthar“ im Unterricht einsetzen – zum Üben der Inhaltsangabe. Ist kurz genug (das Hauptkriterium für die Schule) und recht ungruslig. Gibt’s in einer CC-lizenzierten Übersetzung. Freue mich schon, Lovecraft unterjubeln zu können.

    Meine Folien sind nicht öffentlich, @Norman, da ich sonst zu sehr auf Rechtliches achten müsste. Weiter geht es mit einer Erklärung der drei Kriterien (angemessen, richtig, anknüpfungsfähig). Dann Beispiele: In der Unterstufe bei Aufbau Web, ist da meine vereinfachte Darstellung ohne Zerteilung der Botschaft in Pakete geeignet reduziert oder nicht? (Ist schon okay, finde ich.) Wenn eine Pixelgrafik – lehrplankonform – objektorientiert betrachtet werden muss, soll die Klasse Pixel dann ein Attribut Position haben, oder auch zwei, also x- und y-Position – ist das dann geeignet reduziert? (Nein, denke ich.)

  4. Über den Fortgang von Zeit in Rollenspielrunden müsste es mal eine Doktorarbeit geben …
    Unsere Mage/Sorcerer’s Crusade-Runde hat zwei Jahre Spielzeit für „Weihnachten 1499 bis Silvesterabend“ gebraucht. Und wir spielen einmal im Monat.
    In der Werewolf-Runde ist es seit einem Jahr „Frühling 1891“. Bei fast wöchentlichen Sessions.
    Tja, Rollenspieler und Verzetteln – eine Liebesgeschichte.

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