Ende des ersten Corona-Wochenendes

Es ist Sonntag, der 15.03.2020, gegen sieben Uhr abends. Gestern war Samstag, ich weiß nicht mehr, was ich da gemacht habe. Vielleicht das gleiche wie heute, aber abends gab es ausnahmsweise nichts Gekochtes, sondern frisches selbst gebackenes Brot von Frau Rau und Käse. Einkaufen war ich wohl, lese ich im Nachbarblog, wird schon stimmen.

Heute stand ich früh auf, um zur Not Frau Rau beim Wahlhelfen zur Seite stehen zu können. Wenn da nämlich nicht alle Eingeteilten kommen, muss man Ersatz beschaffen, notfalls jemanden von der Straße verpflichten, und ich hatte mich freiwillig für Notfälle bereit gehalten. Ich wurde dann nicht gebraucht, was wohl auch gut war, weil ich auch so den ganzen Tag zu tun hatte. Highlights:

Aus dem Haus

Morgens war ich joggen, die übliche Theresienwiesenlaufrunde, diesmal mit einer Pause zum Wählen.

Mittagessen vorbereitet

Für Frau Rau, die mittags von ihrer Wahlhelferschicht kommen würde.

Das Edelste, was man mit einem toten Huhn tun kann

Hühnersuppe. Man hat leckere Hühnersuppe – und man hat gekochtes Hühnerfleisch. Wie toll ist das denn!

Hühnersuppe geht auch ganz einfach: Huhn kaufen, in größeren Topf, als man denkt tun, Wasser darauf, einschalten, größere Zeitlang köcheln. Danach salzen, wenn einem die Brühe wichtig ist, vorher salzen, wenn man gerne mehr Geschmack im Fleisch hätte. Wenn man hat, am besten noch in den Topf: Zwiebel, Pfefferkörner. Karotte, Lauch, Sellerie, was da ist. Aber es soll keine Gemüsesuppe werden. Vorsicht bei zu viel Lorbeerblatt.

Das Fleisch kann man dann wunderbar einfach von den Knochen schälen, ein bisschen was zur Suppe geben, die Suppe einfrieren oder nicht. Das Fleisch gibt eine Füllung für Sandwich, oder Geflügelsalat. oder man füllt Tortillas damit.

Das Zweitbeste, was man mit einem toten Huhn tun kann

Die Brüste auslösen und gefüllte Hühnerbrust à la Kim machen:

Backofen auf 200 Grad vorheizen.
– in 2 Hühnerbrüste Taschen schneiden. Mit je
– 1 Espressolöffel Pesto und
– 1 Essl. Frischkäse füllen. Um jede Brust je
– 2 Scheiben Parma-Schinken (insgesamt also 4!) wickeln.
In Alufolie dicht einpacken, auf einen Rost im Ofen legen. 30 Minuten garen.
Aus dem Ofen nehmen, auswickeln, in dicke Scheiben geschnitten auf Tellern anrichten.

Und mit dem restlichen Huhn macht man dann Hühnerbrühe, siehe oben, weil das ja doch das beste ist, siehe oben.

Was Frau Rau möchte, dass mit einem toten Huhn passiert

Braten. Sie möchte Brathuhn.

Heute gab es als Kompromiss ein halbes Brathuhn aus dem Ofen, aus der anderen Hälfte durfte ich Hühnerbrühe machen. Wir teilten. Die Hühnerbrühe steht bereit für den Notfall.

Was ich ansonsten gemacht habe

Ja, äh, das war eigentlich die Hauptsache, und deswegen bin ich auch ein bisschen blöd im Kopf. Über Info-Portal und Mail und Twitter Probleme bei Mebis geklärt. Proaktiv schon ein bisschen was für die Schulleitung angedacht für nächste Woche, wie das mit der Schule weitergehen soll. Den Mebis-Lehrkräftekurs ausgebaut, Links zu den Tutorials und Erklärvideos, die über das Mebis-Koordinations-Portal ständig reinkamen. Beispiele für ganz basale Arbeitsform. (Finger weg von Datenbanken und Quiz-Aufgaben.) Eine Frage kam auch über Mail rein, gar nicht von meiner Schule. Dazwischen immer wieder getwittert – Twitter ist so eine Art Großraumbüro, wo man mitkriegt, was die Kollegen gerade so machen. Im Moment schreien manche ein bisschen laut herum im Büro; ich habe mich erst über die Systemweisen geärgert, die jetzt Morgenluft für ihre Träume von radikalen Bildungsreformen wittern, und sie dann stummgeschaltet. Ah, schon konnte ich besser arbeiten. Möglicherweise lasse ich das so oder entfolge gleich, die irren zwar ständig, aber ich habe halt zu tun. Zwischendrin natürlich immer wieder vergessene Mebis-Passwörter und ‑Anfragen. Ganz kurz auch das Nötigste für einen Teil meiner Klassen vorbereitet. Wenn die anderen nichts von mir kriegen, ist das auch in Ordnung. Telefonnummer angelegt und in den Kursen veröffentlicht, wenn Schüler und Schülerinnen Sorgen haben, sollen sie sich auch so an mich wenden. (Das werden wenige tun, und ich bin wohl auch nicht der Typ dafür, aber ich halte solche Angebote und die Aufforderung, sie wahrzunehmen, für wichtig.) Ein paar Schüler wollten schon mit dem größeren Informatik-Projekt beginnen, das eigentlich erst nach den Osterferien losgehen sollte, da mein Okay zum Thema gegeben. Eine andere Schülerin, mit der ich mich immer wieder über Twitter unterhalte, wollte Englischlektüren haben, also empfahl ich einen Epub-Reader fürs Handy und schickte einen Strauß Bücher rüber – P.G. Wodehouse, Jane Austen, Raymond Chandler, Arthur Conan Doyle, Lovecraft, Isak Dinesen, was mir geeignet schien. Schon lange will ich eine digitale Schulbibliothek mit frei zugänglichen Werken im Format epub/mobi erstellen, auch als P‑Seminar. (Der Hauff in der Bibliothek Gutenberg ist in einem desolaten Zustand, was Tipp- und Scanfehler betrifft.)

Äh, ja. Dann jetzt also Feierabend, kurz nach 20 Uhr. Frau Rau kommt erst später vom Wahlhelfen zurück. Ich plane jetzt noch ein bisschen herumzusitzen und gespeicherte Filme zu sehen. “Drums of Fu Manchu”, das Republic-Serial von 1940, weil es auf der Liste steht.

Stimmung

The Postman ist ein postapokalyptischer Actionfilm von und mit Kevin Costner, basierend auf einem Science-Fiction-Roman, der seinerseits zuvor in zwei einzelnen Teilen erschienen war. Der Film war kein Erfolg, aber ich habe entweder den ersten Teil des Romans gelesen oder etwas ähnliches: Ein Mann mit Briefträgeruniform hält den Glauben an eine staatliche Ordnung in einer chaotischen Welt aufrecht.

7 Antworten auf „Ende des ersten Corona-Wochenendes“

  1. Ich mache ja auch aus Brathühnern hinterher Hühnerbrühe. Und aus dem Suppenhuhnfleisch Fuchsia Dunlops Hühnchensalat mit Chiliöl, wobei ich Lao Gan Ma bevorzuge, nicht so scharf, dafür knusprig.

  2. Es war doch ein schöner, ausgefüllter Tag. Und die Wahlergebnisse sind auch zufriedenstellend, was die Rechten angeht. Mal schauen, wie es im Stadtrat aussieht.
    Einen guten Tag morgen in der Schule!

  3. “ich habe mich erst über die Systemweisen geärgert, die jetzt Morgenluft für ihre Träume von radikalen Bildungsreformen wittern, und sie dann stummgeschaltet.”

    “wenn Schüler und Schülerinnen Sorgen haben, sollen sie sich auch so an mich wenden. (Das werden wenige tun, und ich bin wohl auch nicht der Typ dafür, aber ich halte solche Angebote und die Aufforderung, sie wahrzunehmen, für wichtig.)”

    Danke und danke. Wir werden sicher alle viel lernen die kommenden Tage. Glückauf!

  4. Gutenberg.org, ja, aber nicht generell, sondern speziell bei den beiden Hauff-Bänden, die ich kürzlich gelesen habe – die wiederum, laut gutenberg.org, vom deutschen Spiegel-Gutenberg gestiftet worden sind.

  5. Der zweite Tag des Huhns gehört bei Frau K. und mir traditionell dem Frikassee.
    Mit ein wenig Spargel, Erbsen und gutem Reis mein Lieblingsgericht und der schönste Kollateralschaden einer Erkältung.

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