Corona: In der Schule ohne Schüler, und Homeoffice

Tag 1: Noch in der Schule

Um viertel nach fünf aufgewacht, um viertel vor sechs aufgestanden, nur wenig früher als sonst. Liebevoller Milchkaffee von Frau Rau. Dann mit der regulären S‑Bahn zur Schule nach Fürstenfeldbruck, S‑Bahn ziemlich leer. Die Schule dann sehr leer, auf der breiten Einfahrt zum Schulkomplex Kollegen getroffen. Wir sind zu dritt gegangen, nebeneinander mit viel Abschnitt, kam mir vor wie im Western. (Siehe Power-Walk-Topos bei tvtropes.)

In der Schule war nur ein kleines Häufchen, um zu schauen, ob Schüler und Schülerinnen zur Betreuung da sein würden. Waren sie nicht, wie erwartet. Dann wurde das weitere Vorgehen besprochen, ein Dokument aufgesetzt, das an Eltern verteilt wurde (und das Kollegium). Es ging darum, wie Kontakt gehalten wird, wie oft die Schüler und Schülerinnen mit Mebis arbeiten sollen, wie das alles gemeint ist und was erwartet wird und was nicht. Thema für einen anderen Post.

Da gingen die Meinungen schon etwas auseinander. Ich hätte das anders formuliert, wir einigten uns alle auf einen Kompromiss. (Aber klar, meins wäre besser gewesen! Aber gut, das denken sich alle.) Ich merke es an der Schule und bei Twitter: Jeder sieht jetzt Gelegenheit. Der eine für die didaktische Revolution, der andere endlich dafür, die Eltern mehr in die Pflicht zu nehmen, der dritte für Besinnung auf die eigentlichen Werte, und jeder, der etwas zu verkaufen hat, sieht auch Gelegenheit. Soll schon recht sein, aber bitte nicht jetzt. Ich sehe überhaupt keine Gelegenheit in der aktuellen Krise, nicht mal für mehr digitale Bildung oder Mebis oder so etwas.

Danach noch Beratung hier und dort, schließlich eine gute Stunde Mebisfortbildung in der Schule, nur für die paar Leute, die da waren. Mebis war allerdings nicht erreichbar, Opfer einer DDoS-Attacke. Darin sahen dann wieder die Gelegenheit, Microsoft Office 365 zu propagieren. Lauter Gelegenheitenseher!

(Wie sehr ich mich freute, dass Frau Rau, die in der Presse von “Hackerangriff” gehört hatte, sachlich korrekt die Nase rümpfte. So ein DDoS-Angriff ist nämlich die am wenigsten respektierliche Form eines Angriffs.)

Für die Homepage ohne Rückfrage einen neuen Menüpunkt eingerichtet mit allem, was Corona-relevant ist: Formales; eine Seite mit Verhaltensregeln (aus dem Web übernommen); eine Seite mit Beschäftigungstipps für zuhause. Der Sportfachschaft vorgeschlagen, sie möge dafür eine Playlist von Youtube-Gymnastikvideos zusammenstellen. Bislang noch keine Reaktion.

Zuhause weiter Support. Nichts Dramatisches: Passwörter, falsche Klassenzuordnungen, technische Fragen.

Abends Tagliatelle mit Lachs, Sahne und Chinakohl, altes Hausrezept.

Tag 2: Home Office

Vormittags geduscht, Mittags Hose angezogen, am Spätnachmittag dann Hemd – Home Office. Den Tag aber mit Sport begonnen:

Und dann ging es den ganzen Tag über rund. Anfragen, Passwörter, Problemchen. Dienstliche Kommunikation über Mebis, Infoportal, E‑Mail-Konten. Private über Twitter. Zwischendrin gerade mal geschafft, meinen Klassen ein Lebenszeichen zu schicken, den meisten mit einem Auftrag, der für eine Woche reichen soll. Ratzfatz bearbeitet teilweise.

Das hatte ich noch am Vormittag geschrieben. Ein paar Stunden später sah das dann schon garstiger aus. Weil… ach, egal. Geisteshaltung: Mebis funktioniert nicht, also habe ich Feierabend. Ich hätte schon genug zu tun auch für andere, wenn die selber nichts finden.

Ich schicke jeden Tag einen Mebis-Wetterbericht an mein Kollegium (nicht via Mebis) mit kleinen Tipps und Vorschlägen und Statusmeldung zum Überlastungszustande mit der Bitte um Geduld, mit Rat, was zu vermeiden ist, um das System zu entlasten.

Ich bin noch in allen Kommunikationsforen aller Fächer in allen Klassen (außer 11/12, da nur teilweise), in denen mich die Lehrer nicht manuell ausgetragen haben – will heißen, ich kriege jeden Forenbeitrag aus jeder Klasse aus jedem Fach per Mail. (Nicht heimlich: ich habe gesagt, dass ich gerne in allen Kursen bleibe, um helfen zu können, dass man mich aber durchaus auch hinauswerfen darf.)

Will heißen: Ich kriege a) einen Überblick, was da so an Aufgaben und Rückmeldung läuft, und b) eine ganze Menge E‑Mails. Ich brauche sie nicht zu lesen, oft reicht nur registrieren. Gelöscht und verschoben ist schnell. Aber wer bringt den Kollegen und Kolleginnen bei, ihre E‑Mails zu verwalten? Die Armen sind ja jetzt plötzlich Mitglied in einem Social-Media-Netzwerk, ohne dass sie es je gewollt hatten.

Was ich am liebsten gemacht hätte: Nichts! Danach aber gleich: Content erstellen für den Unterricht. Vielleicht irgendwann mal.

5 Antworten auf „Corona: In der Schule ohne Schüler, und Homeoffice“

  1. Wenn es wirklich ein DDoS-Angriff war und kein Denial of Service, dann ist das ganz schön fies.
    Ansonsten: Spannende Nachrichten für einen, der draußen ist (aus der Schule).

  2. Zum Glück scheint es sich ja langsam einzugrooven. Zumindest bei uns. Heute gab es schon zweimal “Mebis ist ja gar nicht so übel”. Ich hab mich jetzt dazu durchgerungen, alle Kurse, die ich bespielen muss, erst am Abend zu öffnen. Da sind die Übertragungsraten wirklich fix. Hätte man mir einfach etwas früher sagen sollen ;-)

  3. Alba Berlin bietet jetzt virtuelle Sportstunden für Kinder an, die erste ist für Grundschüler: https://youtu.be/olNR0RNaXyU
    „Am Freitag um 9 Uhr folgt die zweite Sendung für Kitakinder und am Montag um 11 Uhr der Start für Oberschüler. Ab kommenden Dienstag senden wir täglich.“ Tolle Idee.
    Viele Grüße aus BaWü, mit Moodle kämpfend…
    Anne

  4. » (Aber klar, meins wäre besser gewesen! Aber gut, das denken sich alle.)

    Aristide Briand (glaube ich.…) hat dazu angeblich schön passend gesagt: “Ein Kompromiß ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind.” :D

    Mir steht Home Office auch bevor, bereite es gerade vor.
    Ich kann es gar nicht leiden, für mich ist Zuhause einfach Zuhause. Entsprechend fällt es mir schwer, Arbeit von Freizeit zu trennen wenn ich zuhause arbeite. Bah. Hoffe ich muss nicht.

    Gruß
    Aginor

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