Nach den Pfingstferien 2026: Rückblick auf die Abituraufgaben

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Abitur mündlich

Nicht nur beim Kollegen Herr Mess, auch hier ist das Abitur vorbei, jedenfalls weitgehend: In und vor den Pfingstferien habe ich die letzten Reste Deutsch- und Informatik-Klausuren korrigiert und mit den jeweils Zweitprüfenden besprochen, und gestern hatte ich Kolloquien – drei als Erstprüfer, drei als Zweitprüfer. Das war schon recht viel, ich halte vier am Tag eigentlich für die Grenze, aber ich war überrascht, wie gut es dann doch ging. Ich war aber auch aufgeregt, das hat geholfen. Meine letzten Deutsch-Kolloquien sind fünfzehn oder mehr Jahre her.

(Was ich dazwischen immer wieder hatte: Mündliche Prüfungen zur Notenverbesserung, freiwillige oder notgedrungene. Das kann kommende Woche auch noch einmal kommen.)

Abitur schriftlich: Informatik

Das Informatik-Abitur war solide: Erwartbar, gut machbar, vor allem einfach viel, also auch mit sehr viel kleinschrittigen und kleingepunkteten Aufgaben. Aber das war auch schon bei den Beispielaufgaben so.

Abitur schriftlich: Deutsch

Im Deutsch-Abitur gab es zum ersten Mal nur vier statt fünf Themen; wie erwartet wurde das Drama ausgelassen. Auch die Pflichtlektüre Heimsuchung wurde nicht verwendet. Was das fürs nächste Jahr heißt, weiß ich noch nicht. Extra kein Kleist und dafür sicher Jenny Erpenbeck?

  • Lyrik-Thema: Gut machbar.
  • Epik-Thema: Brecht, „Der Augsburger Kreidekreis.“ Ein schöner Text, dennoch als Thema ungeschickt. Aufgrund der stattgefundenen Kürzung des Texts sind Informationen schwerer herauszuholen als beabsichtigt; während im Original klar wird, wer die tatsächliche Mutter ist und wer die Wahrheit sagt und wer lügt, musste das in dieser Fassung erschlossen werden. Die Geschichte vom salomonischen Urteil ist den Schülern und Schülerinnen weitgehend unbekannt, ebenfalls das Konzept vom klugen, aber unkonventionellen Richter. Schön am Text ist die Ähnlichkeit zum Drama, es gibt ja quasi auch eine Bühne, und erzählt wird nur in der Außenperspektive.
  • Informierendes Schreiben: Hat mir nicht gefallen. Bei den Materialien gab es genau 2 Sachtexte, beide aus dem gleichen Buch, beide verquast geschrieben, beide teilweise nur eine Sammlung von Namen, mit denen man nicht mehr machen kann, als sie abzuschreiben. Die anderen Texte waren zwei Gedichte, ein lyrisches Manifest, ein altes Foto – keine gute Grundlage für informierendes Schreiben.
  • Erörterung nach Sachtextanalyse: Wie immer.

Die Worterklärung „osmotisch: Osmose bewirkend, auf Osmose beruhend.“ fand ich wenig hilfreich, aber man sagt mir, dass beide Wörter im Rechtschreibduden erklärt werden, dessen Verwendung erlaubt ist.

Zweifelhafte Blogs

Das wird dann noch mal ein eigener Blogeintrag. Heute sollte eine Gruppe von Schülern und Schülerinnen geeignete Texte zu einem Thema recherchieren. Geeignet: Es sollten vor allem Kommentare sein, Meinungen, auch Blogs, Zeitungsseiten, nicht Wikipedia. Ich erklärte auch alternative Suchmaschinen, und dass sie KI-Zusammenfassungen ignorieren sollten. Es ging um Textsorten, weniger um Recherche. Woran ich nicht gedacht hatte: Eine Schülerin landete bei einer Art Blogeintrag mit einem ausführlicher Text zum Beitrag, der aber wenig text-lich war. Viele Zwischenüberschriften, viele Stichpunktlisten mit jeweils wenig Einträgen, kaum ein Absatz länger als zwei Zeilen. Für ein Blog oder eine klassisch kommerzielle Webseite zu unpersönlich.

Kurz: Es war ein KI-generiertes Blog mit vielen Beiträgen, eines aus einer anhand des Impressums gefundenen Farm von ähnlichen KI-generierten Blogs zu ganz anderen Themen. Jetzt muss ich den Schülern und Schülerinnen auch noch beibringen, warum das bäh ist und wie man das erkennt.

Unterrichtsqualität

Insgesamt so mäßig, im Moment. Erfolgserlebnisse fehlen.


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2 Kommentare zu „Nach den Pfingstferien 2026: Rückblick auf die Abituraufgaben“

  1. […] Oh, Zeiten: „Die Schülerschaft wirkte dieses Jahr etwas irritiert und unsicher auf mich. Die häufigste Frage meiner Schützlinge war “Welches Spezialthema würden Sie mir empfehlen?” Und zwar fast durchgängig. Dass man sich mit 19 Jahren nicht selbständig zu einer Entscheidung durchringen kann, war mir völlig neu.“ und noch ein Abitursrückblick. […]

  2. Ponsel

    Deutsch-Abitur an der alten Schule: ging so. Das Thema IV zu digitaler Kommunikation (Sachtext mit Erörterung) wurde vor allem von schwächeren Schülerinnen und Schülern gewählt, die sich nicht auf Literatur einlassen konnten. Genützt hat es denen aber auch nix. Wer Information und Kommunikation nicht auseinanderhalten kann und die digitale Verwahrlosung für „is halt so“ und nicht für eine Folge menschlicher Entscheidungen hält, braucht sich nicht zu wundern. Während mich früher immer die Überheblichkeit der digitalen Jungtürken genervt hat, fühle ich auf meine späten Tage eher Mitleid.

    Bei den literarischen Themen I und II (Lyrik und Epik) auch das immergleiche Problem: Ironische Haltung von Sprecher bzw. Erzähler wird nicht erkannt und dann wird der eine zum Kritiker des allgemeinen politischen Geschnatters (zu Opitz) und der andere lässt einen unfähigen Richter auftreten (zu Brecht).

    Nette Hintergrundassoziation zu Brechts Text: des Ponys Vorfahren stammen aus Vorarlberg bzw. aus der Schweiz und schrieben sich am Ende mit Doppel-„G“ alos Zingg. Das Laufen lernte das Pony unweit von Mering dem Herkunftsort der Magd Anna.

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