Gesammelte Chatbot-Kurzgrantlerei

(10 Kommentare.)

Meine Einstellung zu Chatbot-Nutzung wird immer ablehnender.

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„Use it or you lose it.“ Wer Chatbots nutzt, wo es Alternativen gibt, hat bald keine Alternative mehr. Und sorgt dafür, dass ich dann früher oder später auch keine mehr habe; schönen Dank auch, Lauf der Welt. (Dinge ändern sich, ich weiß.)

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Neulich sollten SuS in einem Kurs geeignete Sachtexte als Quellenmaterial recherchieren. Ich ewähnte es bereits mal: Sie stießen auf eine Farm von Chatbot-Seiten, ohne sie als solche zu erkennen. (Hier und hier und hier.) Hätte es ihnen etwas ausgemacht, wenn sie das erkannt hätten? Vielleicht nicht. Wo ich mich bereits nach einem kurzen Überfliegen angewidert abwende (Heile-Welt-Bilder mit rosigem KI-Schimmer, völlige Abwesenheit einer erkennbaren, geschweige denn authentischen Person, Floskeln), sehen sie vielleicht nur Text, wovon der eine so gut wie der andere ist. Sie müssten also erst einmal lernen, was diese Texte schlecht macht und warum sie ihnen nicht gut tun.

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Tut mir ein Text, der vom Chatbot erstellt wurde, und den ich nicht als solchen erkenne (weil der Chatbot so gut ist oder ich so schlecht bin oder der Text sorgfältig überarbeitet wurde), denn überhaupt weh? Analogiefrage: Tut mir ein billiger Wodka, den ich statt des bestellten teuren erhalten habe, und den ich nicht als solchen erkenne, überhaupt weh? (Ich trinke kaum Wodka und erkenne sicher keine Unterschiede, höre nur gelegentlich, dass Fachleute durchaus dazu in der Lage sind.) Einer vielleicht nicht. Zwei oder drei, vielleicht eher? Ab wann wird der Fuselalkohol ein Problem?

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Bestmögliches Szenario für die Zukunft: Es gibt ein Web für die Seiten von Telefondesinfizierern (und Desinfiziererinnen) und anderen Unsinnsjobs, die können gerne vom Chatboy geschrieben werden. Die wären auch so vielleicht voller Heile-Welt-Bilder mit rosigem KI-Schimmer, unter der Abwesenheit einer erkennbaren, geschweige denn authentischen Person, und voller Floskeln. Diese Seiten werden so oder so von Menschen gelesen werden, die genau das wollen. Und es gibt ein Web für Seiten von Menschen für Menschen. Man müsste das nur trennen können und eine Suchmaschine für letzteres haben. Müssen wir alle ins Dark Web gehen?

(Ja, ich weiß, was Gesellschaften passieren kann, die auf Telefondesinfizierung verzichten.)

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An meiner Tür hängt vorläufig das, bis ich etwas Besseres finde:

(Das ganze im Anti-Kernkraft-Design: ist nicht so einfach, da als Marke eingetragen, wenn auch wohl mit sinnvollen Konditionen.)

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Georg Passig erzählt im Techniktagebuch von der Erprobung eines Spectrum Analyzer während Prüfungen an der Universität. Das sind Geräte, die messen können, ob sich in der Nähe ein eingeschaltetes Smartphone oder Bluetooth-Gerät befindet. In der Nähe heißt: maximal eineinhalb Meter. Viele Schule liebäugeln ebenfalls mit solchen Geräten, sie sind teilweise wohl auch schon im Einsatz.

Ich möchte eigentlich nicht regelmäßig in Prüfungen mit einem Detektor durch die Gänge gehen. Besser wäre Einsicht bei den SuS, dass das kein minderschweres Delikt, sondern Betrug ist, der auch unter SuS geächtet sein müsste. Solange SuS aber dazu angehalten werden, Chatbots differenziert zum Lernen zu nutzen, halte ich das für schwer, weil differenziert allein schon mal schwer ist. Hier ein interessanter Beitrag dazu: Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination.

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Vorgeschlagene Alternativen zur Bezeichnung Rant oder Kleint-Rant als Nachtrag: Tirade, Schimpfung, Meckermoment, Quengel-Quietscher. Außerdem: Krückstockgefuchtel, Kurznörgelei, Onlinemoserei, Knurrpost, Netztirade, Keifrede, Quengelausbruch, Wortkoller, Elektrogemecker, Suada, Gemaule, Ausbruch, Gemeckere, Microburst, Motzmanifest, Grantelgewitter.


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Kommentare

10 Kommentare zu „Gesammelte Chatbot-Kurzgrantlerei“

  1. Turtle

    ist das verlinkte Meinungsstück nicht Satire? Ich halte es dafür.

  2. @Turtle: Ja, das ist Satire, aber aus den Kommentaren dazu geht hervor, dass dich viele dessen nicht sicher sind. Dass so viele das für eine mögliche echte Haltung halten, sagt etwas darüber aus, was man sonst so von Chatbot-Apologeten und -Apologetinnen hört.

  3. Sollten KI-Seiten jetzt nicht gekennzeichnet werden oder irre ich mich?

  4. Norman

    Wo ist die Wutrede?

  5. […] Gesammelte Chatbot-Kurzgrantlerei […]

  6. Ah, die Wutrede! Die habe ich vergessen, weil ich auf die selber kam; das andere waren Vorschläge, die auf Mastodon kamen.

  7. […] Rau schreibt, und ich bin da anschlussfähig: „Meine Einstellung zu Chatbot-Nutzung wird immer ablehnender.“ Da auch ich im Umfeld Verblödung im Galopp erlebe, wenn jemand diesen Modellen verfällt und […]

  8. Simon Waldmeier

    Nur ein Nebenthema betreffend, aber Wodka ist die Spirituose, die am wenigsten Aroma hat. Nach meinem Dafürhalten trinkt man ihn nur wegen der Wirkung, oder verwendet ihn in Cocktails, die bereits anderweitig aromatisiert sind. Was macht also einen edlen, teuren High-End Wodka aus? Das Image, das Marketing sicher – aber sonst? Dass er trotz allem noch komplexe, interessante Aromen hat? Oder dass er v.a. weich ist, d.h. sehr wenig brennt? Es wird damit geworben, dass die x-fache Filtration mit Platinfiltern die Fuselöle so gründlich entfernt, dass ein besonderer Grad an Reinheit/Weichheit erreicht wird, wobei die Aromastoffe gleich mitentfernt werden. Mir fiel aber auf, dass der vergleichsweise sehr günstige Wodka Gorbatschow sehr weich schmeckt. Sein Filtrationsverfahren ist die Kältefiltration, d.h. man nutzt den tiefen Gefrierpunkt von Alkohol aus, wenn ich das richtig verstanden habe. Und dabei bleibt er vergleichsweise aromatisch, wobei sein Aroma nicht jedermanns Sache ist; es erinnert an Desinfektionsmittel.

  9. Wie gesagt, ich trinke keinen Wodka. Der Vorteil von gutem Alkohol gegenüber miserablem ist, denke ich mir, dass das Risiko von Vergiftungen und – vielleicht – Kopfweh geringer ist. Ich hörte von Experimenten, bei denen Kenner auch bei Wodka Unterschiede feststellen, bin dem aber nicht nachgegangen. Das Wichtige am Beispiel war mir, dass es eben doch Unterschiede gibt, auch wenn ich die als Laie nicht feststellen kann.

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