Gottfried Keller, Die drei gerechten Kammmacher

Die Leute von Seldwyla haben bewiesen, daß eine ganze Stadt von Ungerechten oder Leichtsinnigen zur Not fortbestehen kann im Wechsel der Zeiten und des Verkehrs; die drei Kammacher aber, dass nicht drei Gerechte lang unter einem Dache leben können, ohne sich in die Haare zu geraten. Es ist hier aber nicht die himmlische Gerechtigkeit gemeint oder die natürliche Gerechtigkeit des menschlichen Gewissens, sondern jene blutlose Gerechtigkeit, welche aus dem Vaterunser die Bitte gestrichen hat Und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern! weil sie keine Schulden macht und auch keine ausstehen hat; welche niemandem zu Leid lebt, …

Zu lang für Twitter

Das letzte Exemplar einer Klassenliste aus dem Fach zu nehmen ohne Kopien davon für Kollegen zurückzulassen, das ist genauso schlimm wie das letzte Klopapier aufzubrauchen und keine neue Rolle bereitzulegen.

Ich trinke das Zeug doch nicht, weil es mir schmeckt

Wir haben einen neuen Kafeeautomaten im Lehrerzimmer. Der macht Espresso, genau so wie der von George Clooney in der Fernsehwerbung. Und Milchkaffee. Und Cappuccino. Und so. Und alle stehen davor, an die Theke gelehnt, die wir im Lehrerzimmer haben und die tatsächlich zum Lehnen einlädt, und trinken Kaffee aus kleinen Tässchen. Daneben gibt es immer noch die alte Kaffeemaschine, die den üblichen grauslichen Lehrerzimmerkaffee macht. Schwarz, bitter, trinkt man nicht aus Tässchen, trinkt man auch nicht mit Untertasse, sondern aus großen Tassen mit geraden Seiten. Eine Erleuchtung für mich, als ich spätestens im ersten Semester an der Uni das Wort …

Please, sir, can I have some more?

Eine Aufgabe von Fachbetreuern ist es, Schulaufgaben zu respizieren, das heißt, die Schulaufgaben von Kollegen durchzusehen, nachdem sie korrigiert, bewertet, herausgegeben, vergessen, verloren, gefunden, eingesammelt, alphabetisch sortiert, vergessen, verloren und schließlich wieder gefunden worden sind. Manchmal geht das schnell, manchmal langsamer; manche Kollegen muss man darum bitten, andere denken selbstständig daran. Für die ganz Verschlafenen habe ich eine Postkarte gemacht und sie ihnen ins Fach gelegt. So ähnlich sieht sie aus: (Bildquelle bei Flickr, Autor: Mosi Lager) Die Karte, die ich tatsächlich verwendet habe, hat allerdings ein Bild aus einer Oliver-Twist-Verfilmung als Motiv, aus der bekannten: “Please, sir, can I …

Fasse dich kurz…

…möchte man morgens am Kopiergerät schreien, manchmal. Aber ich bin ja auch nicht besser. Für die Zukunft: Mehr diktieren und anmalen, weniger kopieren. Heute habe ich meine restlichen Deutsch- und Englischklassen gesehen. Haben einen netten Eindruck gemacht, fünfte bis elfte Klasse. Einen Großteil dieser Elftklässler hatte ich schon in 5/6; ein paar haben sich sehr, ein paar nur wenig verändert. Ich habe noch einige Aufsätze und Zeichnungen von damals, die muss ich mal wieder herauskramen. (Das war die Klasse, und die, und die.)

Spannend wie ein Krimi: Die Lehrerkonferenz

Oder eigentlich überhaupt nicht spannend wie ein Krimi. Spannend wie ein Fußballspiel: Es geht nicht um die Aufdeckung des Geheimnisses am Schluss, es geht nicht um die Abenteuer eines Helden, sondern es ist ein Hin und Her von verschiedenen Themen, Strömungen, Ideen, Vorschlägen, Stimmungen. Vielleicht auch nicht spannend wie ein Fußballspiel: Dafür wechseln die Mannschaften und Parteien und Koalitionen zu rasch. Kleine Höhepunkte die Abstimmungen: Farbe bekennen. Und vor allem: Dinge entscheiden, die für die Zukunft der Schule und aller Schüler an ihr wichtig sind. Die Lehrer nehmen das sehr ernst. Allerdings entscheidet man unter Druck: dem der Zeit und …