Please, sir, can I have some more?

Eine Aufgabe von Fachbetreuern ist es, Schulaufgaben zu respizieren, das heißt, die Schulaufgaben von Kollegen durchzusehen, nachdem sie korrigiert, bewertet, herausgegeben, vergessen, verloren, gefunden, eingesammelt, alphabetisch sortiert, vergessen, verloren und schließlich wieder gefunden worden sind. Manchmal geht das schnell, manchmal langsamer; manche Kollegen muss man darum bitten, andere denken selbstständig daran.

Für die ganz Verschlafenen habe ich eine Postkarte gemacht und sie ihnen ins Fach gelegt. So ähnlich sieht sie aus:


fachbetreuer.jpg

(Bildquelle bei Flickr, Autor: Mosi Lager)

Die Karte, die ich tatsächlich verwendet habe, hat allerdings ein Bild aus einer Oliver-Twist-Verfilmung als Motiv, aus der bekannten: „Please, sir, can I have some more“-Szene. Mit der Bettelschale in der Hand. Das ist weniger süß und noch passender als der Hund, ich habe aber keine Veröffentlichungsrechte dafür.

Für die Zukunft kann ich mir die Karten auch vorne aufs Schrankfach geklebt statt innen drin vorstellen. In Postergröße. Viel helfen wird es wohl nicht.

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7 Thoughts to “Please, sir, can I have some more?

  1. Wie wäre es alternativ mit: Uncle Thomas wants YOUR tests for (äh, da müsste man recherchieren) supervision (?)

    Oder mit drohendem (Terminator) Unterton: Give me your tests if you wanna live.

    bzw. (nach der zweiten Erinnerung): Don’t make me bust you up, man.

  2. Ich verstehe dieses System nicht, heißt das eure Kollegen müssen die korrigierten Schulübungen, Tests, Schularbeiten von jemandem durchsehen lassen? Warum wird das gemacht, bzw. was passiert dann (z.B.: wenn jemand einen Fehler übersehen hat oder die Aufgabe zu schwierig war)?

  3. Jochen, gute Ideen! Der Uncle ist gemeinfrei, der Terminator vielleicht noch passender… oder der Hulk: „Don’t make me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.“ Das kauft mir nur leider keiner ab.

    CO, ja, so ist das. Stichpunktartig, also nicht jede einzelne Schulaufgabe. Warum das gemacht wird? Weil’s Vorschrift ist… Außerdem ist es so, dass dann jemand den Überblick darüber behält, was alles geprüft wird. Und ob der Schwierigkeitsgrad vergleichbar ist. Gute Ideen kann der dann weitergeben. (Neulich erst gesehen, Bildbechreibung von Buchtitelbildern. Das kann man in einer Fachsitzung dann den anderen vorstellen.)

    Daneben gibt es dadurch eine Instanz, die schaut, ob die Schulaufgaben/Tests lehrplankonform und transparent korrigiert sind. Wenn es irgendwelche echten Mängel gibt (also nicht nur vereinzelte Rechtschreibfehler, von denen jeder Deutschlehrer ein oder zwei übersieht), spricht man den Kollegen darauf an, so dass die Mängel in Zukunft verschwinden.

    So die Theorie. Wieviel dann wirklich geschieht, hängt von vielen Einzelheiten ab. Theorie und Praxis der Fachbetreuung: noch nicht ausgegoren.

  4. Für die Fachbetreuer ist die Rezipiererei ja wohl das Letzte – an einer großen Schule stehen pro Klasse ca. 4 Stapel Schulaufgaben an, bei 5 Klassen/Klassenstufe und 5 Klassenstufen sind das 100 Schulaufgabenstapel, von denen jeweils drei Arbeiten durchgfesehen werden müssen. Macht 300. Haben die Fachbetreuer eigentich Abschlagstunden für sowas?

  5. Ja, man kriegt in der Regel eine Anrechnungsstunde dafür (so heißen die hier). Reicht natürlich nicht für die Mehrarbeit, die man dadurch macht. Aber das gilt ebensowenig für die meisten anderen Jobs, die ebenfalls mit Anrechnungsstunden abgegolten werden. Wieviele es wofür gibt, ist an den einzelnen Schulen unterschiedlich. Es gibt einen Topf mit solchen Stunden, einige Vorschriften zur Verteilung, viel Tradition.
    Außerdem sind Fachbetreuer „Funktionsstellen“, und alle Funktionsstellen sind (in unterschiedlichem Ausmaß) beförderungsrelevant. Über Funktionsstellen und Fachbetreuer (beides lauwarm diskutiert) muss ich mal ausführlicher schreiben.

  6. Hallo Herr Rau,
    an meiner derzeitigen Einsatzschule wird es so gemacht, dass sich zwei Lehrer die Arbeit für Englisch teilen (ob für Deutsch und Mathe auch, weiß ich jetzt gar nicht…): der eine respiziert die Arbeiten für die „geraden“ Jahrgangsstufen (6., 8., …) und die andere kümmert sich um die „ungeraden“. Je nach Schulgröße wäre das doch evtl. eine Option, oder? Ich schätze, sie teilen sich dann auch die Anrechnungsstunde, das hab ich aber nicht nachgefragt.
    Ärgerlich ist übrigens, wenn der Betreuungslehrer eine Schulaufgabe der Referendarin abgenickt hat, die Fachbetreuerin bei der Respizienz dann mit jener Referendarin schimpft, weil die Schulaufgabe nicht so wie gewünscht gestellt wurde. …
    Ansonsten mal ein großes Danke-Schön für diesen Blog, hilft einem „Lehrer-Trainee“ schon viel weiter. ;-))
    Shari

  7. Hallo Shari,

    bei uns teilen sich auch zwei Lehrer die Arbeit, es gibt in den größeren Fächern zwei Fachbetreuer, einen kleinen und einen großen, und jeder kriegt eine Anrechnungsstunde. Wie gesagt, nur in den großen Fächern, in den kleinen hat teilweise ein Lehrer die Betreuung zweier verschiedener Fächer.
    Wir teilen die Arbeiten auch nach gerade und ungerade. Im Moment warte ich noch auf 28 Klassensätze von Arbeiten, die mir das Schuljahresende versüßen werden.

    Hm. Das andere Problem kenne ich. Schimpfen sollte man da so oder so nicht, sondern mit Fingerspitzengefühl vorgehen.

    Gern geschehen, freut mich!

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