Ich trinke das Zeug doch nicht, weil es mir schmeckt

Wir haben einen neuen Kafeeautomaten im Lehrerzimmer. Der macht Espresso, genau so wie der von George Clooney in der Fernsehwerbung. Und Milchkaffee. Und Cappuccino. Und so. Und alle stehen davor, an die Theke gelehnt, die wir im Lehrerzimmer haben und die tatsächlich zum Lehnen einlädt, und trinken Kaffee aus kleinen Tässchen.

Daneben gibt es immer noch die alte Kaffeemaschine, die den üblichen grauslichen Lehrerzimmerkaffee macht. Schwarz, bitter, trinkt man nicht aus Tässchen, trinkt man auch nicht mit Untertasse, sondern aus großen Tassen mit geraden Seiten. Eine Erleuchtung für mich, als ich spätestens im ersten Semester an der Uni das Wort „mug“ dafür kennenlernte: Das war mein Kaffeegefäß. Damals war das Modell noch nicht so verbreitet, inzwischen ist es weithin bekannt.

Ich missgönne den italienisch sozialisierten Kollegen und Kolleginnen den Kaffee nicht. (Oder nur ein kleines bisschen. Die weltbürgerische Genießermentalität ist immens lobenswert, aber scheint mir aus ein oder zwei Gründen nicht ganz zu passen.) Nichts gegen lecker: am Wochenende kriege ich immer einen köstlichen Milchkaffee zum Frühstück, den ich sehr, sehr schätze.

Aber für den Arbeitskaffee ist meine Sozialisierungsgeschichte eine andere. Kaffee trinkt man schwarz, aus den oben erwähnten Tassen, als Privatdetektiv oder als Reporter. Und raucht dazu Zigaretten. Die schmecken schließlich auch nicht. Wir trinken bitteren Bürokaffee, der uns an die bittere Zeit des Referendariats und an den Auszug daraus erinnern soll.

(Gut, sagt Frau Rau, aber jetzt nimm doch mal als Lehrervorbild das Modell Oscar Wilde. Der würde auch Espresso oder café au lait trinken. Recht hat sie.)

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21 Thoughts to “Ich trinke das Zeug doch nicht, weil es mir schmeckt

  1. Achja, Kaffee, ein leidiges Thema. Ich bin immer wieder auf’s Neue erstaunt darüber, dass einen 99% der Menschen wie ein Alien (mit fiesem Hautausschlag) anglotzen, wenn man es wagt, den Satz „Ich trinke keinen Kaffee.“ auszusprechen.

  2. Herrlich! :D Bei mir heißt der Mug übrigens Becher – Kaffeebecher oder Porzellanbecher, wenn Präzision gefragt ist.

  3. Herrlich!
    Es gibt diesen einen „mug“, der der platonischen Idee eines Bechers so nah kommt wie nichts. Weiß, gerade Seiten, einfacher Henkel. Darin heißer, frisch gebrühter Kaffee. Dann kann die Welt kommen.

    In der Uni hatten wir einen Mathe-Dozenten, der sich vor der Vorlesung Kaffee aus dem Automaten in einem Plastikbecher holte, dann loslegte, sich in den Beweisen selbst vergaß und dann (scheinbar mit Genuß) die kalte Plastikbeckerplörre austrank. Uns wurd vom Zuschauen schon übel. Kalter Kaffee…
    Erst vorgestern hab ich dann gelernt, dass es mittlerweile „kalten Kaffee“ an der Tankstelle zu kaufen gibt. Es soll junge Menschen geben, die trinken das freiwillig.

  4. Timo – kalter Kaffee ist nicht gleich kalter Kaffee…

    bruehe dir einen richtig guten espresso und giesse den ueber eiswuerfel – wenn du es suess magst vorher zucker drin aufloesen, wenn du kaffee mit milch magst dann ueber eine kleine eisskugel…
    ich sag dir ist ein genuss. Wichtig ist aber das das ganze schnell abgekuehlt wird – abgestanden schmeckt halt abgestanden…

    das tankstellenzeug ist imho aber trozdem nicht drinkbar…

  5. neee, „Schwarz wie die Nacht, heiß wie die Liebe und bitter wie das Leben.“ ;-) Aber nieundnimmer süßen Kaffee, ob nun kalt oder heiß. Wenn man mich fragt:

    „Kein Zucker, keine Milch – schwarz, bitte.“

  6. Ich brauche immer die Weichei-Variante, obwohl ich mittlerweile weniger Milch nehme (weil der Kaffee dann nicht schon beim Eingießen der Milch kalt wird) und mich von drei Löffeln Zucker auf einen heruntergearbeitet habe.

    Ferner bin ich immer wieder erstaunt über die Ausstattung der rau’schen Schule, die sich sogar im Lehrerzimmer sehen lassen kann… 8O

  7. Hmmm…Kaffee…hab mit schwarz angefangen und bin jetzt eher bei „Weichei“ angelangt. Kaffee gehört aber schon irgendwie dazu. Ich würde die „Kaffeesozialisation“ auch direkt unterschreiben. Spätestens seit der Uni bin ich schmeckenden Kaffee eh nicht mehr gewöhnt und trinke mit Hingabe die Automaten- und Mensaplörre. Wirklich merkwürdig, wenn man so drüber nachdenkt.

  8. Was man als Ferienjobber bei Siemens lernt: „Ein guter Kaffee ist ein bisschen so, wie wenn man dir von hinten – zack! – einen Knüppel über den Kopf zieht.“ Meinte der Chef.

    Bei aller Liebe: Schulkaffee ist zu 99% nicht trinkbar. Bei uns gibt es einen Automaten (für alle), der mit irgendwelchen Pads und Pülverchen funktioniert. Schmeckt scheußlich. Da lob ich mir doch den Kaffee daheim (gerne auch kalt – da ist der „Knüppel“-Effekt etwas besser) oder eben bei Siemens, wo dankenswerterweise auf jedem Stockwerk ein Dallmayr-Vollautomat platziert ist. :-D

    Grüße von einem (Noch-)Schüler! (← Abi 09)

  9. Wenn man bei dem Satz als erstes an Bier denkt, lässt das auch tief blicken, oder?

    Kaffee trinke ich auch seit meiner Schulzeit – Chemieunterricht Donnerstag nachmittags. Der hat auch nicht geschmeckt. Aber immer noch besser als den Nicaragua-Soli-Kaffee, den es an der Uni zum Teil gibt.

  10. Den besten Kaffee der Welt servierte mir ein Palästinenser im israelischen Eilat Mitte der 80er Jahre. Die Verwendung von Kardamom im Kaffee war eine Offenbarung. Anwartschaft auf den schlechtesten Kaffee der Welt haben eine ganze Reihe von Diners, Truckstops und Greyhound-Haltestellen Ende der 80er Jahre in diesem Land mit dem neuen Präsidenten. Seither bin ich etwas bescheidener geworden. Der Originalkaffee im Lehrerzimmer reicht meinen alltäglichen Ansprüchen voll und ganz, als Raucher kann ich mich auch ohne passenden Kaffee selbstdarstellen.

  11. Ich trinke meinen Kaffee nur kalt. In Form von Cola. ;) Am liebsten aus der Flasche. Auch wenn ich dafür (also für das Flaschetrinken) von meiner Kollegin Ärger bekomme, wenn ich es bei einer Schulkonfernenz mache. Ist mir aber egal. ;)

    Markus

  12. Bei mir gibt’s morgens immer frisch gebrühten Kaffee aus der Quetsche, diese Glaskannen mit Filter zum runterdrücken. Ohne den geht nix, dafür komme ich lieber mal ne halbe Stunde eher zur Schule. Die Schüler meiner letzten Klasse haben mir oft so einen gekocht um mich wohlwollender zu stimmen (wenn dies nötig gewesen sein sollte). Die Zeiten sind vorbei und ich erwische mich hin und wieder doch an unserem Kaffeeautomaten im Lehrerzimmer – obwohl der nicht schmeckt. Vielleicht sollte ich mal wieder mehr Zeit investieren, Schüler im Kaffee kochen zu schulen ;-)

  13. An eine original italienische oder französische Theke gelehnt und von einem gut aussehenden und/oder wunderbar- schrecklich arrogantem Ober auf die selbige geknallt…. welch köstliches caf(f)eee/ää Erlebnis!
    Der Kaffee im Lehrerzimmer kann immer nur Ersatzdroge sein. Für den gut aussehenden Ober gibt’s keinen Ersatz. Im Lehrerzimmer schon gar nicht.

  14. Es gibt auch gut ausehende und super nette Männer/Frauen im Lehrerzimmer. Da braucht´s gar keinen Kaffee dazu!

  15. Bien sûr, Super nette Lehrer und Lehrerinnen gibt’s in allen Lehrerzimmern dieser Erde. Nur die Ober sind mir da noch nicht über den Weg gelaufen! Dir?

  16. Natürlich: Ober……………………………..studienräte. (Spässle g’macht, wie OStR Kollege D. zu sagen pflegt).

  17. HAlo, barbara; barbara, HAlo; ihr erkennt euch, nehme ich an. Zur Ergänzung von oben: Die Espressomaschine kommt nicht mit dem neuen Schulgebäude mit, um die musste sich die verdiente Kollegin separat kümmern. Könnte also jedes Lehrerzimmer so machen.

  18. Chapeau Beelzebub B.! Nettes Spässle. Freu‘ mich schon auf die nächste andiethekelehnsession- egal ob mit espresso aus Tässchen oder Kaffee aus mugs.
    Wer sich hinter HAlo versteckt, wei? ic? nich?

  19. Um Agent Smith’s Bemerkung abzurunden. Ich trinke auch keinen Kaffee. Und ich treibe die Gotteslästerung noch weiter: für mein morgendliches Koffein trinke ich Cola Light.

  20. @ Agent Smith: 99% der Menschen glotzen dich an wie ein alien……… das ist aber eine mächtige Prozentangabe. Kenn einige Menschen, die weder Kaffee noch andere koffeinhaltige Getränke trinken (unter anderem mein Mann, der das Zeug tatsächlich deswegen nicht trinkt, weil’s ihm einfach nicht schmeckt) und der bekommt dann immer ganz freundlich einen Tee angeboten (oder was ganz was anderes…..;-)) Gestern einen köstlichen oloong. (schreibt man so?)

  21. Also „ganz was anderes“ ist mir leider noch nie angeboten worden, als ich einen Kaffee ausgeschlagen habe.. ;)
    An Tee kann ich mich auch nicht erinnern, es war bei mir von der „gefühlten Erinnerung“ her wirklich stets ein ungläubiges, leicht schockiertes Staunen. Aber natürlich ist es selten mehr als das: Ein erstes Staunen – tatsächliche, daraus begründete Antipathie konnte ich zum Glück noch nie feststellen. :)

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