Das digitale Schulbuch: Umsetzung mit Wiki

By | 6.11.2011

Auf diesen Seiten probiere ich aus, wie die Zusammenarbeit an einem digitalen Schulbuch mit Hilfe eines Wikis aussehen könnte. Das ist aber nur ein Modell und wird in dieser Form nicht eingesetzt werden.

Mein Grundgedanke ist der, dass ein Benutzer Material in Form einzelner Texte oder Arbeitsaufgaben oder Tafelbilder einstellen kann; dass derselbe oder andere Benutzer dann Kapitel erstellen, wobei sie auf das vorhandene Material zurückgreifen, statt es neu zu erstellen; und dass man sich aus den verschiedenen Kapiteln ganze Bücher zusammenstellen kann.

Umsetzung

Das Wiki ist als Beispiel für das Fach Deutsch gedacht. Da arbeitet man häufig mit Texten, mit Arbeitsaufträgen und Material und Tafelbildern dazu. In einem typischen Wiki würde man – wenn es um die Novelle „Des Lebens Überfluss“ von Ludwig Tieck geht – dann etwa eine Seite Des Lebens Überfluss (Text) anlegen, mit einer weiteren Seite Des Lebens Überfluss (Aufgaben) und Des Lebens Überfluss (Tafelbilder), wenn man nicht gleich alles auf einer einzigen Seite vereinen möchte. Ich gehe hier aber anders vor.

Wenn man sich Wikipedia anschaut, dann gibt es da zu jeder Seite eine parallele Diskussionsseite. Neben dem Artikel Storch kann man bei Diskussion:Storch über eben genau diesen Artikel diskutieren. Dass die beiden Seiten irgendwie zusammengehören, merkt man am ähnlichen Namen; dass sie auseinander gehalten werden können, liegt an den unterschiedlichen Namensbereichen. Es gibt bei Wikipedia neben dem Haupt-Namensbereich eben den Namensbereich Diskussion:, aber etwa auch den Namensbereich Benutzer: – so kann es neben den bereits erwähnten Storch-Seiten auch eine Seite für den Benutzer:Storch geben, ohne dass die Seiten sich in die Quere kommen.

In dem Wiki habe ich mehrere solcher Namensbereiche angelegt, nämlich die Bereiche Text, Tafelbilder, Aufgaben, Links, Ideen, Diskussion. (Denkbar sind weitere oder andere: Medien, Lösungsvorschläge, Prüfungen.) Legt man einen neuen Text an, geschieht das sinnvollerweise im Namensbereich Text, etwa so: Text.Des Lebens Überfluss. (Sobald man sich im entsprechenden Namensbereich befindet, kann man auf dessen Angabe verzichten.)

Wenn man sich auf der Text-Seite zu „Des Lebens Überfluss“ oder wessen auch immer befindet, erscheinen im Kopf des Wikis automatisch und immer Reiter mit weiteren Links:

Diese Links führen zu Seiten, die den gleichen Namen haben wie die Textseite, nur jeweils im entsprechenden anderen Namensbereich. Umgekehrt ist das genauso: lege ich eine Seite im Tafelbild-Namensbereich an, erscheinen dazu Links zu den entsprechenden Seiten in den anderen Namensbereichen. So sind Text, Material, Ideen, Diskussion zu einem Thema einerseits getrennt, andererseits miteinander verknüpft.

(Ein Nachteil des Wiki-Modells: Es handelt sich hier immer um 1:1-Beziehungen, das heißt: Einer Textseite ist eine Aufgabenseite und eine Diskussionsseite zugeordnet und jeweils umgekehrt. Was ich wirklich möchte, sind 1:n-Beziehungen. Einem Text sind mehrere Aufgaben zugeordnet; eine Aufgabe kann sich auf mehrere Texte beziehen. Das geht mit einem Wiki nicht, so dass man auf einer Aufgabenseite halt mehrere Aufgaben zum gegebenen Text sammeln muss.)

Beispiele

Die Seite zur oben erwähnten Tieck-Novelle kann man sich schon mal anschauen. Bisher gibt es da einen Text, ein Tafelbild, ein paar Ideen, ein paar Aufgaben, erst mal alle nur skizziert.

Außerdem gibt es eine Reihe von Parabeln, etwa Lessings Der Besitzer des Bogens. Zu jeder Parabel könnte es, wir erinnern uns, Aufgaben, Ideen, Diskussion, Tafelbilder geben. Im Kapitel Parabeln habe ich mal probeweise drei Parabeln und ein Tafelbild zu einem Kapitel zusammengesetzt. Dabei besteht der Inhalt des Kapitels aus neuem Text und vor allem aus dem Materialbausteinen, die unmittelbar eingebaut werden. Ich muss also nicht die Parabel abtippen, sondern baue sie lediglich ein.

Dieses Kapitel habe ich mit einem kurzen zweiten Kapitel Nathan der Weise nach demselben Prinzip zu einem Buch Die Aufklärung zusammengesetzt.

Erkenntnisse, Probleme, zu Erledigendes

  • Für jedes Fach braucht es ein eigenes Wiki. Zu unterschiedlich sind die Wünsche, das wird dann auch zu unübersichtlich, und mittels Interwiki-Links kann man die Seiten der verschiedenen Wikis trotzdem leicht miteinander verbinden.
  • Die Infoboxen zu den Materialien sind alle noch händisch eingefügt; dafür könnte und sollte man Templates anlegen.
  • Die Infoboxen enthalten einige Kategorien (Schlagwörter). Das müsste man systematisieren. Außerdem gehören alle Schlagwörter zur Zeit unhierarchisch zur gleichen Kategorie; tatsächlich könnte man leicht separate Schlagwort-Kategorien für Autoren, Gattungen etc. anlegen.
  • Die Ausgabe als pdf/was auch immer: Darum habe ich mich noch nicht gekümmert. Wikiseiten automatisch in pdf umwandeln geht halbwegs, so dass man ordentliche Arbeitsblätter kriegt. Was allerdings keine Umwandlungssoftware bisher macht: die entstandenen Dokumente mit Zeilennummern versehen. Das wäre bei einem festen Ausgabeformat aber wichtig.
  • Meine Lieblings-Wikisoftware ist das hier verwendete PmWiki: keine Datenbank nötig; Update durch Drüberkopieren der neuen Dateien und fertig; Umzug einfach durch Verschieben an einen anderen Ort.
    Wenn man tatsächlich mit einem Wiki arbeiten würde, käme man am mächtigeren Mediawiki nicht vorbei, allein schon der vielen Erweiterungen wegen. Ich nehme mal an, dass es meinen Server auch viel Rechenzeit kostet, diese verschachtelten Bücher zu erzeugen, die aus Kapitel bestehen, die aus Texten bestehen, und dass es da eine Obergrenze gibt.
  • Letztlich ist ein Wiki nicht die ideale Software. Es braucht dazu ein fertiges Redaktionssystem, also nicht nur ein einfaches CMS. Ich habe mich nie nach Bucherstellungs-Software umgesehen, weiß aber, dass es da eine Menge gibt. Natürlich mindestens webbasiert, am besten auch mit Offlinemodus/Synchronisation.
  • Das würde auch das Problem der Namensgebung lösen: bei Wikis ist das Umbenennen von Seiten lästig. Man müsste sich vorher auf Namenskonventionen einigen. Das gilt auch für Disambiguationsseiten, etwa wenn aus einer längeren Textquelle verschiedene Kurzfassungen existieren.
  • Natürlich sowieso: Bewertung der Bestandteile durch die Community; jeder Benutzer muss eine Lste von Bestandteilen speichern können, die ihn interessieren.
  • Wer ein Passwort zum Herumspielen möchte: mir Nachricht schicken.

29 thoughts on “Das digitale Schulbuch: Umsetzung mit Wiki

  1. Martin Kurz

    Lieber Thomas,

    du bist schnell, wow. Ganz viele deiner Gedanken denke ich auch gerade (für meine Fächer Mathematik u. Physik), verwerfe manche, stecke dann wieder in einer Sackgasse. Habe auch einen Artikel dazu halb geschrieben u. dann aufgrund technischer Schwierigkeiten und dem beständigen Gefühl das Rad neu zu erfinden wieder verworfen. Wird noch etwas dauern.

    Und du hast ganz recht, die traditionellen deutschen Schulfächer sind in ihren Anforderungen ganz unterschiedlich. Zu allem Überdruss entwickeln sich diese ja auch sehr, sodass viele traditionelle Konventionen schon wieder überholt sind. In meinem Fach Physik beispielsweise die grundlegende Einteilung der Teilgebiete (Optik, Mechanik, … ist out).

    Aber es geht in die richtige Richtung. Ich bewundere, dass du dich da so schnell an konkrete Umsetzungen näherst.

    Im Moment ärgere ich mich bzw. bin verwundert, dass so verheißungsvolle Projekte wie z. B.http://www.oercommons.org/ so ausschließlich amerikanisch auftreten, dennoch den subtilen Anspruch haben weltweit gültig zu sein. Wäre ja toll, wenn sich solche Projekte eines amerikanischen Instituts auf andere Sprachräume übertragen würden, ähnlich wie Wikipedia.

    Ich denke, wir Lehrer benötigen einen echt neuen Inputs eines Informatikers mit dem Blick für Open-Source/freie Software. Ein erster Schritt ist technisch sich über eine Umsetzung eines „Repository“ zu machen. Dann kommen die (Web-)Frontends und Schnittstellen hinzu. Ich stimme dir u. Maik zu, dass irgendwie xml als „Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Markup_Language) eine Rolle spielen wird bzw. muss.

    Aber nun zu meinen – sicherlich unausgegorenen Überlegungen:
    Am weitesten – auch im Sinne einer freien Lizenz und dem Anspruch der Offenheit – ist nach meiner Ansicht Moodle in der Version 2.x. Sogenannte Hubs wären solche „Repositories“, auch bietet Moodle intern jedwede mögliche Flexibilität. Ein Moodle-Kurs ist eine xml-Datei. Für einen begabten Programmierer könnte man diese Schnittstelle gut weiter verarbeiten. Es ist aber in der Handhabung und im Erlernen noch zu kompliziert, zu mächtig. Es taugt nichts für den Lehrer, der nicht Moodle kennt oder beherrscht.

    Nun fange ich mit meinen Überlegungen wieder von vorne an …

  2. Herr Rau Post author

    „du bist schnell“ – ja, das macht alles die Prokrastination. Eigentlich sollte ich eine Klausur entwerfen und Stunden vorbereiten.

  3. meineWenigkeit

    So, nochmal zum Thema bester Ort zum Arbeiten. Wikis halte ich für ungeeignet. Meint ihr Editwars gibt es nur bei Wikipedia? Mit Lehrern zusammen an einem Wiki zu arbeiten ist so ziemlich das schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Lauter gekränkte Eitelkeiten. Nein Danke. Git, oder wegen mir auch andere distributive Versionssysteme haben den riesigen Vorteil, dass jeder sich sein eigenes Kapitel bauen kann und dann aus allen heraus eins zusammengestellt werden kann. Parallel kann man damit arbeiten. Wie sonst könnten die Linux Kernelprogrammierer so schnell zu so umfangreichen Ergebnissen kommen, wenn nicht jeder an seinem eigenen Branch arbeitet und das Ergebnis mit allen teilt. Am Ende muss natürlich entschieden werden, ob es aufgenommen wird oder nicht, aber das ist ja erst der nächste Schritt. Mit git gibt es einen Master Branch, auf dem die aktuelle Version läuft. Dann gibt es die Forks, also jeder macht seine eigene Kopie vom Original und teilt die eigenen Änderungen über Patches oder Pull Requests mit den anderen Teilnehmern. Da kann man dann eben auch mal experimentieren und einfach mal losschreiben. Auch ohne Ergebnis. Das geht z.B. beim Wiki nicht. Ist es fertig, entscheiden alle zusammen, ob es in das offizielle Repository mit aufgenommen wird. Das Format der Arbeit ist doch zweitrangig, der Inhalt ist entscheidend. Ob jetzt nun Latex, einfacher Text oder was auch immer verwendet wird, das ist wieder ein neues Thema, das dann in den Branches abgearbeitet werden kann. Ein Beispiel zu einem gemeinsam geschriebenen Buch wäre ProGit https://github.com/progit/progit . Im Netzwerk Graphen sieht man, wie die Arbeit zusammen funktioniert. Die verschiedenen Forks und auf welchem Stand sie sind. Das wäre sogar ein richtiges Buch Projekt. Oder Docrails wo wirklich viel Menschen gemeinsam dran arbeiten: https://github.com/lifo/docrails

    https://github.com/progit/progit/network

  4. MAWSpitau

    Hallo,

    ich finde die Idee großartig. Ich habe während meines Refs auch ein wiki angelegt und gepflegt, das geht im Moment leider unter. Aber auch da befinden sich verschiedenste Unterrichte, Ideen und Methoden. http://wiki.herrspitau.de

    Ich bin dafür, den Schulbuchverlagen die rote Karte zu zeigen und ich bin davon überzeugt, dass ein wiki zunächst hervorragende Dienste leistet! Sollte man sich erst laaaange auf die Suche nach der geeigneten Software machen, dann kann es zu einem „Einschlaf-Projekt“ werden…

    Liebe Grüße
    Marcel Spitau

  5. Herr Rau

    Ich glaube schon, dass die Wahl des Formats sehr wichtig ist. Wenn ich eins hätte, mit dem ich glücklich wäre, würde ich das Buch alleine schreiben, auch in einem halben Jahr.

    Editwars gäbe es wohl auch unter Lehrern, könnte man vermeiden durch Benutzerrechte – jeder Autor hat privilegierte Rechte auf seine Seite; wem das nicht passt, der macht einfach eine eigene Seite auf. Und drauflosschreiben geht beim Wiki auch. Aber umständlich wäre das alles schon.

    Github: ja, ja, ich mach ja schon. Das Wiki war halt schnell angepasst. Und ja, ich halte ein Wiki nicht für sehr praktisch. Ich komme nur nicht dazu, mich mit Github zu beschäftigen, Software zu installieren, eine Demo anzulegen. Es geht ja auch nicht darum, ein gemeinsames Buch zu erstellen, sondern mehrere verschiedene gemeinsame Bücher auf einer gemeinsamen Materialbasis. Aber auch das ginge sicher gut.

    Wieviel Mitarbeiter braucht das digitale Buch? Ich habe oben gesagt, mit dem richtigen Format mache ich das auch allein. Denn für Github werden sich nicht viele Lehrer finden, denke ich.

    Oder eben doch FlexBooks.

  6. Herr Rau Post author

    Schön! Ich hatte mal Wikipublisher auf unserem Schulwiki eingebaut (in der vergeblichen Hoffnung, dass so oder so mal eine anständige Schuldokumentation zustande kommt), die Zeilennummern habe ich damals übersehen. Typografisch sah das jedenfalls wirklich sehr ordentlich aus. Und gibt’s auch für PmWiki.

  7. meineWenigkeit

    Github muss man nicht lokal installieren, gibt es als Dienst. github.com. Wenn man es für den Edu Bereich verwenden möchte, kann man sich kostenlos eine Organisation einrichten lassen mit privaten Repositories. Anmelden muss man sich aber schon.

  8. meineWenigkeit

    Ist ja nicht so, dass sich noch nie jemand über sowas Gedanken gemacht hat: https://github.com/schacon/git-scribe

    Egal was aus dem ganzen hier rauskommt, das ist der richtige Weg. Jeder hat Material und mit Sicherheit können wir mit kommerziellen Produkten mithalten. Die richtige Methode zur Umsetzung wird sich auch noch finden. Wichtig ist auf jeden Fall bei der Formatwahl, dass es konvertierbar ist. Nichts ist schlimmer als ein umständliches Format, was sich schelcht in „bessere/neuere“ Formate umwandeln lässt. Von daher ist HTML als Grundformat unpraktisch. Lässt sich schlecht umformatieren.

  9. Hokey

    Ich finde Wikis umständlich und schlecht durchsuchbar. Eine qualitative Einschätzung ist in den mir bekannten Wikis auch nicht vorhanden. Bei gleichen Titeln gibt es Schwierigkeiten und das übersichtliche Gestalten eines Wiki ist mit viel Aufwand verbunden.

    Flexbook hat sich mir sofort erschlossen, Github wirkt auf mich furchtbar unübersichtlich. Aber das mag dem flüchtigen Blick geschuldet sein…

  10. Herr Rau Post author

    Ich habe zwar irgendwo gelesen (und geschrieben), dass die Software zu FlexBooks open source sein soll, habe aber nichts dazu gefunden. Hast du da etwas gesehen?

  11. Damian Duchamps

    Viele Lehrer denken leider immer nur in Fächern. Ein digitales Modell für Lernmaterialien oder meinetwegen digitale Bücher (wer an dem Begriff/Format Buch festhalten möchte) sollte unbedingt einen fächerübergreifenden Ansatz verfolgen. Genau da eröffnen sich neue Möglichkeiten für Lerner.

  12. Hokey

    @Damian Duchamps
    Dafür wären FlexBooks geeignet, denn man kann sich ja eigene Bücher zusammenstellen (d.h. auch Schüler könnten sich Bücher zusammenstellen). So manches Deutschbuch könnte gut und gerne auch um historische Einschätzungen erweitert werden, oder Lyrik auch um biologische usw.

    @Herr Rau
    Danach habe ich noch nicht geschaut, ist mir bisher noch nicht aufgefallen. Kann man die Software überhaupt abseits der Plattform nutzen?

  13. Birgit Lachner

    Beim Media-Wiki kann man Texte auch zu Büchern zusammenstellen …

    Ich bin mit dem Media-Wiki ganz zufrieden. Was mir momentan noch fehlt, wären solche Zusatzseiten, ähnlich wie es der Herr Rau bei seinem Wiki gemacht hat, wo ich Lehrer-Sachen „verstecken“ kann. Ich würde mein Buch-Wiki sicher auch mit dem Beamer einsetzen und von da ab dann auf andere Sachen verlinken, wie Quellen im Internet, Präsentationen oder Flipcharts (Tafelsoftware), Aufgaben-Sammlungen für den Unterricht, eigene Bilder und Links auf unfreie Bilder, usw.

    Auch die Problematik mit dem gefürchteten Edit-War wäre keine: Jeder könnte seine eigene Version zu einem Thema haben. Ich kopiere von Kollege X eine Seite zum Thema und füge Sachen von Kollege Y ein. Dann passe ich alles noch ein wenig für meinen Sprachgebrauch an und schon habe ich das meinige. Und wenn ich nichts ändern will … auch gut, einfach kopieren.

  14. Karl Kirst

    Hallo Thomas, die Idee unterschiedlicher Namensräume für unterschiedliche „Aspekte“ zu einem Thema finde ich im Prinzip gut, weil sie die Möglichkeiten eines Wikis erweitert. Dennoch sind wir bisher im ZUM-Wiki, wie Du sicherlich weißt, andere Wege gegangen.

    Durch Textbausteine oder Überschriften gekennzeichnete Aufgaben, Übungen, Experimente etc. und stehen zusammen mit anderen Inhalten zum selben Thema auf einer einzigen Seite. Die Idee dabei ist, dass Informationen, die auf einer Seite stehen, eher im Zusammenhang wahrgenommen werden.

    Siehe als Beispiel die folgende Seite (Bitte der Navigation am oberen Rand folgen):
    http://wiki.zum.de/DSB/Deutsch/Erschließung_poetischer_Texte_am_Beispiel_von_Eichendorffs_Gedicht_%22Die_zwei_Gesellen%22

    Eine zweite Möglichkeit, die wir mit der MediaWiki-Software nutzen, sind Unterseiten: Dadurch können wir auch – je nach Belieben und auch ganz unterschiedlich genutzt – einerseits Inhalte auf verschiedene Seiten verteilen und andererseits deren Zusammenhang deutlich machen. Zudem bleibt man so im selben Namensraum, was sich (in der MediaWiki-Software) als wichtig für die Auffindbarkeit der Seiten erwiesen hat.

    Siehe als Beispiel (Bitte durch die verschiedenen Seiten klicken und dabei auf die Seitennamen und den oberen Seitenrand achten.): http://wiki.zum.de/Mathematik-digital/Einführung_in_quadratische_Funktionen

  15. Herr Rau Post author

    Das ist ein anderer, auch attraktiver Ansatz: alles Material auf einer Seite. Man kann ja auch immer nur Abschnitte anderswo einbauen, richtig.
    Ich hätte meine Bausteine am liebsten so klein wie möglich. Ist vielleicht das objektorientierte Denken in mir… was ich am liebsten hätte, ist Folgendes, angelehnt an DTP-Software, mit der ich gelegentlich gearbeitet habe:

    Ein großes Layoutfenster, links, zur Textbearbeitung. Rechts davon ein Materialbrowser. Der Materialbrowser ist filterbar. Der Materialbrowser bietet mir Materialbausteine an, udn zwar einzeln. Die kann ich mich Drag&Drop in mein Layoutfenster einbauen.

    Ob die Bausteine physisch in einzelnen Dateien gespeichert sind, ist dabei egal, ich will nur einfach auf sie als Einzelteile zugreifen können. Auch wo die Bausteine gespeichert sind, darf transparent bleiben (also unsichtbar) – lokal auf meiner Platte oder nicht. Im Idealfall habe ich Materialstreams abonniert (zum Beispiel als RSS oder in einem verwandten Format) oder es gibt eine (oder mehrere) Sammelstellen für Unterrichtsmaterial – aber auch hier wieder in einem sinnvollen Format. Diese Sammelstellen haben eine API, eine Schnittstelle, die es meinem eigenen Programm erlaubt, auf deren Materialsammlung zuzugreifen. Das wäre für mich ein sine qua non – wer zentral Material sammelt, muss das nicht nur auf seiner eigenen Webseite zum Download anbieten, sondern auch von anderer Seite aus den Zugriff darauf erlauben. Nur dann wäre das wirklich offen.

  16. Herr Rau Post author

    Wie so etwas mit der Schnittstelle aussieht: der Holger von der Lehrerrundmail hat ELIXIER entdeckt: „ein Projekt, dessen Ziel die Bereitstellung eines Pools von bildungsrelevante Onlineressourcen im WWW zur gemeinsamen Nutzung ist.“

    AUf XML-Basis, angeschlossen sind die Bildungsserver einiger Länder und andere Quellen. Man kann die alle auf einmal durchsuchen. Hakt noch ein wenig, geht aber in eine gute Richtung.

  17. meineWenigkeit

    Das ließe sich sogar relativ leicht umsetzen. Wichtig wäre jetzt aber keine direkte Umsetzung, sondern eine Spezifikation. Wie werden Datenströme transportiert? JSON bietet sich an, das kann jede Sprache gut verarbeiten, der Browser aber profitiert als erstes davon. Wenn es sich dabei um reine Bausteine handelt, dann brauchen sie aber ein gemeinsames Format. Das könnte Wiki Markup sein oder Markdown oder sonstwas. Ein Editor oder eine API verteilt eigene Bausteine an andere. Das kann dann zentral oder dezentral sein.

    Wenn die Spezifikation steht, ist allen offen das umzusetzen.

  18. Maik Riecken

    Wer bereit solche Verzeichnisse aufgebaut hat, weiß um die Tücken der Technik, die aber allesamt beherrschbar sind, wenn es ein Pflichtenheft und gute Programmierer gibt.
    Ich möchte als Spaßbremse einmal den Menschen auf den Markt werfen. Die Grundfrage für reichhaltige Inhalte lautet m.E. nämlich, wie ich Menschen nachhaltig(!) dazu motivieren kann, Inhalte zu teilen und zu prosumieren.
    Man sieht es in diesem Diskussionsfaden sehr schön: Es gibt bereits zur Umsetzung ganz verschiedene Meinungen und Konzepte, die im „Reallifebetrieb“ (also fernab von potentiellen Arragements, nicht hier) gerne in Grabenkämpfe ausarten, bei denen diejenigen das meiste Öl ins Feuer gießen, die inhaltlich am wenigsten beitragen.
    Im OpenSourcebereich begegnet man dem mit meritokratischen oder autokratischen Ansätzen (über den Linuxkernel bestimmt letzendlich der gute Linus) – schlimmstenfalls wird geforkt. Lehrer hätten’s oft gerne eher demokratisch.
    Dazu kommt der an sich problematische Charakter von 1%-Geber-99%-Nehmer-Setups (diese Einteilung soll meinen Optimismus beschreiben), wie sie im „freiwilligen“ Bereich nicht so unüblich sind. Engagement erhält sich in diesem Kontext nur zeitlich beschränkt. Kritische Masse wäre hier ein Stichwort.
    Die Herausforderung selbst halte ich für multidimensional, der multidimensional begegnet werden will, ohne dass Resignation regiert. Ich blogge da mal demnächst zu.

  19. Herr Rau Post author

    „Lehrer hätten’s oft gerne eher demokratisch.“ Der bayerische Lehrer nicht unbedingt, denke ich… :-) Ich selber jedenfalls auch nicht. Ich bin gerne irgendwo Mitarbeiter und anderswo Chef. Bei einem Schulbuchprojekt wäre das auch so.
    Das mit den Gebern und Nehmern – 1% ist tasächlich optimistisch, aber was soll’s. Die Frage ist, ob dieses eine Prozent reicht; weitermachen wird es so oder so.

    Im Nachhinein immer wichtiger für mich: offene Schnittstelle nach draußen. Wer Material hat, eigenes oder gesammeltes, muss das weiteren leicht zugänglich machen.

  20. Falko Rütten

    Eine recht interessante alternative zu Flexbook scheint mir Connexions zu sein. Man könnte entweder in der bereits eingerichteten Community arbeiten [1] oder selbst ein System aufsetzen [2], was bei Flexbook wohl nicht möglich ist (habe zumindest keinen Source Code gefunden).

    Soweit ich sehen konnte, erfüllt die Software alle Anforderungen (XML, Erstellen und Wiederverwendung von Modulen, Zusammenarbeit in selbst gebildeten Teams, Materialien unter Open Source Lizenz veröffentlichen, PDF-/epub-Ausgabe, …

    [1] http://cnx.org/
    [2[ https://trac.rhaptos.org/trac/rhaptos/wiki

  21. Hokey

    @Falko Rütten
    Danke für den Hinweis! Ich zitiere: „Connexions (cnx.org) is legos for education.“ Cool.

  22. Birgit Lachner

    Hab mal cnx ausprobiert …

    kein Online-Editor und sonst müsste man mit Tags arbeiten. Ist mir etwas zu umständlich, muss ich gestehen. Ich bin halt

    Kann man Vorlagen definieren oder eine eigene CSS-Klasse? …

    Leute … es zeigt sich das Problem: im Grunde genommen hat jeder so seine Vorlieben. Das eine System passt hier, das andere da. Sicher hängen die Vorteile auch mit dem Fach zusammen. Tatsache ist, dass es schwer wird alle Wünsche gleichzeitig umzusetzen.

    Vielleicht ist es schon möglich, aber das können wir nicht nebenbei machen. Vielleicht viele Hobby-Programmierer zusammen, auf Basis einer vorhandenen Open Source Software. Oder man ist von Firmen abhängig … wie es vermutlich auch bei Elixier ist, denn die Schulbuchfirmen, werden sicher nicht Projekte fördern, die sie überflüssig machen.

    Hach ja …

    nur Diskussionen …

    s’Lachnerin

  23. Pingback: Schultrojaner und Open Educational Resources: Abhilfe schaffen « eventualitaetswabe.de

  24. Birgit Lachner

    Ich ergänze noch was … vielleicht könnte CNX ja doch was werden, wenn man einen besseren Editor hinbekommt und sowas wie Vorlagen leichter definieren kann.

    Was ich im Vergleich zum Wiki aber vermissen würde … wie es etwa beim ZUM-Wiki dank Anbindung an die Commons-Medien-Sammlung ist … die Möglichkeit Medien gemeinsam zu nutzen. Das scheint mir hier angegrenzt zu sein!?

    Wichtig wäre mir also die Möglichkeit Medien aus vorhandenen Medienquellen einfach einzusetzen: WikiCommons, YouTube, Flickr und Co.

  25. Falko Rütten

    @Birgit Lachner

    Doch, es gibt einen Online-Editor (allerdings mit einer Wiki-ähnlichen Syntax). Elemente kann man mit dem Insert-Button einfügen. Wichtiger scheint mir aber, dass man direkt OpenOffice-und Word-Dateien hochladen kann. Das dürfte das Format sein, in dem die meisten fertigen Unterrichtsmaterialien bei den Kollegen vorliegen. Es gibt auch Word-Vorlagen mit Formatvorlagen fürs Markup und eine Anleitung, wie man diese einsetzen kann [1].

    Das mit den Tags verstehe ich nicht ganz. Man kann beim Anlegen eines Moduls Keywords und andere Meta-Informationen angeben, damit das Modul leichter gefunden werden kann.

    Die Oberfläche ist vielleicht nicht ganz so schick wie bei Flexpages, aber ich vermute, dass man Layout/Sprache bei einer eigenen Installation nach Belieben anpassen könnte, um alles etwas intuitiver nutzbar zu machen.

    [1] http://cnx.org/help/authoring/wordimporter

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