Gemeinsam an einem digitalen Schulbuch arbeiten

Das wäre doch eine schöne Idee. Das Blog gleich8.de hat sich vor einem halben Jahr dazu Gedanken gemacht, ich krame das anlässlich des Schultrojaners wieder heraus.

1. EduBrowsen

Nehmen wir an, ich hätte eh schon schönes Arbeitsmaterial zu Hause, das ich gerne anderen zur Verfügung stellen würde. Stichprobe auf der Festplatte:

  1. Englische Hörverstehensaufgaben zu relativ freien Texten (NPR) und unfreien (Douglas Adams)
  2. Ein schönes Arbeitsblatt zur Metrik
  3. Ideen zu einer Krimi-Sequenz (unfrei, unfertig)
  4. Ein schönes Tafelbild zu einer nicht so oft gelesenen Novelle von Ludwig Tieck
  5. Texte und Material zu einer selten gelesenen Fouqué-Novelle
  6. Eine Präsentation zum Konstruktor in Informatik.

Das ist Material, das sich mit Schulbuchmaterial messen kann. (Was aber fehlt, und dazu später, ist die Einordnung in den Lehrplan und einen Lernprozess und andere Zusammenhänge.) Wenn ich das mit anderen teilen möchte, kann ich das Material in einem Blog veröffentlichen (2, 5, 6), einen Moodlekurs dazu erstellen und den zur Verfügung stellen (6), ich kann es auf einer Mailingliste anbieten (1). Ich könntes außerdem bei einer der vielen Portale für Unterrichtsmaterial einstellen, ein kleiner Überblick von OER Commons über Digitale Schule und ZUM-Wiki in diesem Blogeintrag. Ich kann bei Jan Klinges One-Note-Projekt mitmachen. (3) kann ich nicht teilen, da verwertungsrechtlich geschützt.

Tatsächlich nutze ich nur die Möglichkeit meines Blogs, und die auch nur sporadisch, denn das ist kein Materialblog hier. Auf Materialplattformen lade ich nichts hoch; ich nutze sie auch sonst so gut wie gar nicht. In den ersten Jahren meines Lehrerseins habe ich mich da gelegentlich bedient, inzwischen habe ich kein Bedürfnis nach Material. (Nur OER Commons habe ich abonniert, aber das nur aus Interesse – Englisch unterrichte ich ja de facto nicht mehr.) Die Benutzeroberflächen sind mir zu anstregend, und das Anschauen und Herunterladen von pdf- oder doc-Dateien ist mir zu mühselig. Auch das Zusammensuchen aus Blogs geschieht eher sporadisch. Reicht mir auch, ich lese Blogs nicht wegen des Materials, sondern wegen der Leute und der Ideen.

Ein wenig anders wäre das, wenn es einen Materialbrowser gäbe für Unterrichtsmaterial. Ein Youtube für Bildungsmaterial (Blogeintrag 2008) oder ein iTunes für Bildungsmaterial (blogeintrag 2008). SourceForge als Vorbild ist auch denkbar, und TeachingEnglish habe ich mal als Facebook für Englischlehrer vorgestellt.

Voraussetzung wäre ein (XML-)Format für Unterrichtsmaterial. Wenn ich mir meine Beispiele oben ansehe, gehört für meine Fächer dazu: Eingebettetes Audio- und Videomaterial (bzw. Links dazu); Links zum Thema; ein oder mehrere Texte (Gedicht, Novelle, eingebettet oder verlinkt), Aufgaben zu den Texten; Anmerkungen und Lösungen zu den Aufgaben; eingebettete oder verlinkte Bilder/Diagramme; eventuell doch Dateien als Anhang; Programmcode. Eigene Schlagwörter des Erstellers, aber natürlich gibt es im Materialbrowser die Möglichkeit der Verschlagwortung und Bewertung. Der Browser zeigt mir jeweils die gewünschten Aspekte des Materials an.

Sicher würden erst mal weniger Leute mitmachen bei diesem Format als beim Hochladen von .docx-Dateien, aber ich würde mitmachen. Der prinzipielle Vorteil dieses Vorgehens: jeder Lehrer, der doch eher ein eigenbrödlerischer Vorsichhinwurschtler ist, kann eigene kleine Quasi-Arbeitsblätter verfassen, ohne sich mit anderen groß auf gemeinsames Vorgehen wie bei einem Schulbuch zu verständigen. Aber dieses Einzelmaterial kann Module ergeben für Schulbücher.

2. Digitale Schulbücher

— Denn natürlich sind diese möglichen Materialsammlungen in meinem eduBrowser noch kein Schulbuch. Ich sage einfach weiter Schulbuch dazu, ja, auch wenn ich etwas Digitales meine. Ein Buch entsteht anders, als Gemeinschaftsprojekt etwa bei Wikibooks. In diesem Regal sieht man, was es schon alles an (für deutschsprachige Lerner gedachten) Schulbüchern gibt. Für Deutsch und Englisch ist das bisher nur eine Skizze und nicht sehr modern anmutend, am weitesten fortgeschritten ist das Chemiebuch. Jenseits der Schule gibt es einen Band zur komischen Literatur – aber das ist kein Buch in meinem Sinn, sondern ein Wiki-Artikel, ein Exzerpt: Es gibt keine längeren Absätze, gibt überhaupt nicht viel Text. Da ist überall noch viel Raum zur Mitarbeit.

Bessere Bücher (im Sinne englischer Textbooks), die mehr in meinem Sinn sind, gibt es bei OER Commons:

  • Commonsense Composition: „Abstract: This textbook follows California Language Arts Standards for grades 9-12 to provide a generalized understanding of composition and to serve as a supplementary aid to high school English teachers. Languages: English. Material Type: Textbooks. Media Format: Text/HTML, Downloadable docs.“ (CC BY-NC-SA 3.0)
  • US History Sourcebook (Basic) bzw. (Advanced): „Abstract: From CK-12, U.S. History Sourcebook – Basic covers U.S. history from Colonial America through World War I. This book provides high school U.S. History teachers and students with sets of primary and secondary sources about important topics. Some teachers will use it as a supplement to a traditional textbook. For those looking to leave the textbook behind entirely, it will provide a course with basic structure and continuity, and will reduce the burden of finding new primary sources for each class meeting. However, it is not yet comprehensive enough to meet the coverage requirements of, for example, an Advanced Placement test.“ (CC BY-NC-SA 3.0)

    Urheber dieser drei Bücher ist die CK-12 Foundation:

    CK-12 is a non-profit association based in California founded to reduce the cost of textbook materials for the K-12 market. They maintain the FlexBook open source tool for creating remixable texts, and as of July 2009 were developing 30 English-language open textbooks, focusing on books for US high schools. While their initial efforts target the US market, they claim to have the worldwide market in mind as well. […] In April 2009, the state of California issued a call for open textbooks for use in their high schools. CK-12 submitted five science books and three math books, more than any other publisher. They have committed to seeding their system and authors community with at least another 25 complete books.“ (Wikipedia, CC-BY-SA).

  • The Great Depression Unit: „Abstract: In this unit, students will be focusing on determining importance; summarizing; making predictions; recognizing plot structure; and identifying flashbacks and foreshadowing. Wherever possible, mini-lesson texts relate to American life in the 1930s, and all students will be reading literature circle novels set during this time period in American history. Languages: English. Material Type: Activities and Labs, Homework and Assignments, Lesson Plans, Readings, Syllabi, Textbooks. Media Format: Other, Text/HTML, Video.“ Die Autorin Chelsea Nilsson hat das unter CC-BY 3.0 gestellt.

3. Was ich gerne hätte

Hm, dieses „FlexBook open source tool for creating remixable texts“ könnte ich mir mal anschauen. Ich habe mich überhaupt noch nicht groß mit Software zur Erstellung von Büchern beschäftigt. Für meine folgenden Auslassungen stelle ich mir Wikis als Veranschaulichung vor, obwohl die für meine Wünsche nicht optimal sind.

In Deutsch und Englisch beschäftigt man sich typischerweise mit: Text und Fragen dazu. (Fragen können alles mögliche sein. Aber ich wollte nicht educationally correct sein und „Material“ sagen.) Zu einem gegebenen Text kann es viele Fragen geben. Also bräuchten wir eine Art Wiki, in dem erst einmal Texte gesammelt sind. Zu jedem Text gibt es – auf einer anderen Seite gespeichert – verschiedene Fragensätze. Ein digitales Schulbuch besteht jetzt aus einer sinnvollen Reihung (und ja, diese Linearität als Vorschlag halte ich für sinnvoll) von verschiedenen Texten, mit jeweils verschiedenen Fragesätzen dazu. Mix and match. Ich will das wie eine Datenbank abfragen können: Gib mir alle vorhandenen Gedichte von Heine, kombiniert jeweils mit allen vorhandenen Fragesätzen dazu, die sich für die 9. Klasse eignen, jeweils schön untereinandergedruckt als odt-Datei.

Zu jedem Text gibt es Zusatzmaterial (Links), zu jedem Fragensatz gibt es Zusatzmaterial (Lösungsvorschläge, Anregungen). Sollen die für jeden zugänglich sein oder nicht? Müsste man klären, ich kann mit prinizipieller Offenheit leben.

Versionierung: Wenn ich mich auf einen Text beziehe, ein Gedicht etwa, soll sich der ändern können – Schreibfehler müssen nachträglich berichtigt werden können. Aber der Text soll nicht so sehr verändert werden können, dass es ein anderer Text wird. Also müsste man sich entweder auf jeweils eine konkrete Version des Texts festlegen und auf die korrigierte Fassung verzichten, oder jemand müsste aufpassen, dass die korrigierte Version wirklich nur aus kleineren Änderungen besteht. Andernfalls müsste man eine gänzlich neue Version erstellen.

Das gilt noch mehr für die Fragensätze zu Texten. Auch da sind Fehler drin, die man nachträglich korrigieren möchte, so dass eine Schulbuchseite, die diese Fragensätze benutzt, die Korrekturen automatisch übernimmt. Andererseits muss beim Hinzufügen oder Löschen eines wesentlichen Teils eine neue Version entstehen.

(Bewertung, Verschlagwortung, pdf-Ausgabe, Medieneinbindung etc. will ich sowieso.)

Dann würde ich erst einmal damit anfangen, freie Texte und Textausschnitte zu sammeln und einzustellen. Warum nicht auf Wikimedia oder anderswohin verlinken? Zu flüchtig, die Texte, und ich will sie schließlich mit einfachen Methoden mit den Fragesätzen dazu in ein Schulbuch umformen. Eine tatsächliche Leistung besteht natürlich immer noch darin, aus dem einzelnen Material gute Bücher zu erstellen und festzuhalten, was noch fehlt, bis ein gewünschter Anspruch (lehrplankonformität) erreicht ist.

Fazit: Gebt mir ein Framework, in dem ich auch kleine Stückchen nachhaltig beisteuern kann, und ich mache vielleicht mit. Schon mal deshalb, weil ich dann selber mein eigenes Material und meine eigenen Ideen ein bisschen sortiert hätte. Dass eh nur wenige Lehrer da mitarbeiten, ist klar, und kein Problem.

Fußnoten

Ein Anfangsprojekt, schön überschaubar, wäre ein englischsprachiges CC-lizenziertes Theaterstück für die 5. oder 6. Klasse zum Nachspielen. Robin Hood, King Arthur, Wildwestszenario, irgend so etwas. Dann können die Schüler das nämlich auch aufnehmen und vorzeigen. Mit Vokabelliste und Illustrationen, und vor allem mit einer Audioaufnahme führender Englischblogger…. jeder übernimmt eine Rolle, dann können die Schüler sich das anhören und ihre Rolle anständig auswendiglernen, mit Rhythmus und Intonation. Möchte das mal einer in die Hand nehmen?

Der angekündigte neue Lehrplan für Bayern soll ja ein Lehrplanplus werden – mit optionalem zusätzlichen Material. Das liegt a) im Web und ist b) zugangsbeschränkt, obwohl c) natürlich nur freies Material verwendet werden wird. Daraus könnte man tatsächlich etwas machen, wenn das nicht nur ein Lippenbekenntnis sein wird. Allein die Wartung und Aktualisierung einer solchen Datenbank, wenn sie einen sinnvollen Umfang hat, wäre eine Vollzeitstelle. Das sehe ich nicht kommen.

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22 Thoughts to “Gemeinsam an einem digitalen Schulbuch arbeiten

  1. In unserem Forschungsprojekt sammeln wir Leseverständnisaufgaben als Datengrundlage (es geht in die Tausende). Dabei gibt es natürlich auch rechtliche Probleme zu lösen. Ein CC-lizensiertes Lehrwerk wäre natürlich ein Leckerbissen, nicht nur für Unterricht sondern auch für die Forschung im Bereich Second Language Acquisition (SLA). Leider scheinen die SLAler und die Sprachlehrer ja irgendwie parallel vor sich hin zu werkeln und nicht so viel miteinander zu reden. Da gibt’s noch viel Potential.

    Als man noch „CD-ROM“ sagte, gab es mal so Authoring-Tools für das damals gehypte „Multimedia“. Vielleicht wäre etwas damit Verwandtes für digitale Lehrmaterialien interessant? Man müsste eben überlegen, ob es mehr ein Buch oder mehr was zum Durchbrowsen sein wollte. Versionierung könnte dann ein Revisionskontrollsystem liefern. Geht es mehr in Richtung Buch, so bietet sich ein Wiki an. Das könnte dann sogar in ein tatsächliches Papier-Buch transferiert werden. Doch was Wikibooks da so bereit hält sieht optisch noch nicht sehr ansprechend aus.

    (Ein längeres Papier zu der genannten Datensammlung wird demnächst erscheinen, vorerst können Interessenten sich ein doch recht vorläufiges Werk reinziehen: http://purl.org/dm/papers/meurers-ott-ziai-10.pdf)

  2. Ähnliches habe ich für SoWi vor. Die Reihen/Themen habe ich alle in einem Wikis, ergänzt um zusätzliche Texte oder Verweise aufs Buch. Letztere müsste man parallel zum Schulberieb noch ersetzen, dann hätte man schon ein grobes Gerüst.

    Die Frage ist, wo man es zentral sammelt? Nicht speichert, aber die Verweise sammelt. Ist zum.de die richtige Anlaufstelle?

  3. Stimmt, ihr habt ja eine ähnliche Situation, DrNi. Ich denke inzwischen schon kaum mehr an englische Texte.

    ePub als Format für Unterrichtsmaterial-Module? Habe es mir nie so genau angeschaut, könnte aber sein. Wichtiger wäre mir eine Struktur fürs Sammeln und Erstellen von Material, ePub kann dann gerne das Endformat sein.

    Sammelstelle: Wofür genau – geht es nur um eine kommentierte und sortierte Linkliste, oder doch um eine ganze Textsammlung? Oder um die Planung und Organisation? Die ZUM ist sicher eine Option für die Linkliste. Als Ort für ein ganzes textbook wohl weniger.

  4. Ich denke auch, das größte Hindernis wird der Konsens hinsichtlich eines geeigneten Formats des Materials sein. Zumal hier fächerspezifisch auch noch gewaltige Unterschiede in den Anforderungen herrschen.

    Im (Natur)-wissenschaftlichen Bereich beherrscht Latex in weiten Teilen das Feld, aber so etwas wird man wahrscheinlich kaum als akzeptables Format für die breite Masse funktionieren. Interessant finde ich den Ansatz von MultiMarkdown. Man hat ein relativ einfaches, offenes Textformat mit nicht allzu komplexer Syntax, kann damit aber komplexe Dokumente erstellen und in viele Formate (HTML, OpenOffice, Latex) exportieren und hat so ein Basisformat, welches sich sowohl für Print- als auch für Onlinepublikationen eignet.

    Jetzt fehlt nur noch ein einfach zu bedienendes Content Management System, welches das Anlegen, Verwalten, Ändern und Kommentieren von Einträgen ermöglicht, und schon können die Schulbuchverlage abdanken :o)

    Um Copyrightverletzungen aus dem Weg zu gehen, sollten Bilder, Daten und Informationen möglichst mit Quellenangaben nachgewiesen werden (geht mit Multimarkdown auch), ähnlich wie in wissenschaftlichen Arbeiten. Das macht das ganze zwar erst mal mühevoller, aber man verhindert den Guttenberg.

    Am Ende hängt es sowieso davon ab, ob man innerhalb einer bestimmten Zeit eine kritische Masse an Material erreicht, die viele Lehrer anzieht und zum mitmachen bewegt, oder ob man mit 20 angefangenen Beiträgen jahrelang vor sich hindümpelt ohne etwas zu erreichen. Wikibooks dümpelt in vielen Bereichen eher.

  5. Ich finde die Wikibooks Idee am besten, man kann von jedem Computer ohne zusätzliche Software daran arbeiten. Das Chemiebuch aus Wikibooks benutze ich sogar im Unterricht.

  6. Ach, die kritische Masse… stimmt schon. Aber wenn das Tool appetitlich genug wäre, würde ich das schon mal alleine für mich verwenden, um meine Gedanken zu sortieren. Ich habe jetzt ja schon ein paar pdf-Reader für verschiedene Klassen, und wenn ich mein ganzes Material so fassen könnte, dass daraus ein Buch entsteht „Herrn Raus Unterrichtsmaterial“, dann wäre das schon mal ein großer Anreiz, vermutlich genug um damit anzufangen. Dann halt erst mal ohne Zusammenarbeit.

  7. Zweitens: Wann immer man eine Idee hat, ein anderer war schon vorher da. Das oben erwähnte Flexbook-System funktioniert tatsächlich unter anderem so, dass man als Benutzer aus vorhandenem Material Module auswählt und zu einem eigenen Buch zusammenstellt. Das kann man dann auch als pdf, als online reader oder html mitnehmen.

    Ähnlich funktioniert auch Connexions: aus vorhandenen Modulen kann man Lehrbücher erstellen. Es gibt aber auch fertige Bücher, etwa Englisch 1. Klasse für Nichtmuttersprachler. Als pdf noch etwas mager illustriert für heutige Verhältnisse.

    Weiterführender Blogeintrag zu Flexbooks bei 21st Century Educational Technology and Learning.

  8. Hallöchen …

    ich war ja eine von denen, die heftig auf „gleich8“ mitdiskutiert haben. Leider ist keiner auf meinen Zug aufgesprungen von den Chemikern, aber ich habe inzwischen recht konsequent für die Klasse 9 etwas ausprobiert.

    http://superlehrer.de/index.php?title=Chemie-Zukunft#Die_drei_.22Elemente.22_in_der_Chemie:_Feuer.2C_Wasser.2C_Luft

    In diesem Abschnitt bin ich gerade dran …

    Allerdings schlingere ich noch ein wenig herum und entwickle mich weiter. Ich versuche auch alle mögliche Idee bzgl. des Chemie-Unterrichts einzubringen.

    Momentan ist das „Buch“ teilweise ein Arbeits-Buch (Aufgaben, Verweise auf externe Seiten, Übungstests, …), aber auch Quelle für meine Folien (mit den Definitionen und Bildern -> Flipped Classroom -> die Schüler schreiben zu Hause ab, nicht in der Schule).

    Nach wie vor praktisch finde ich im MediaWiki die Möglichkeiten zur Einbindung von allen möglichen Medien, die leichte Bearbeitbarkeit (etwa wenn ich von Kollegen was kopieren will) und die Möglichkeit den Seiten-Inhalt zu exportieren (Ausdruck oder Offline).

    Grüße, Birgit Lachner

  9. Das Chemiebuch sieht mehr nach Lernbuch aus, als andere der Bücher, die ich oben gesehen habe: Farbe, Illustrationen, markierte Merkstellen.

    Eine geeignete Software, um online mein Material strukturiert zu verwalten, wäre mir viel wert – also mit dem Material meiner Festplatte, aber sinnvoll sortiert, verschlagwortet, versioniert. Mediawiki ist da sicher mit vorne, obwohl die Erweiterungen zur pdf-Ausgabe nicht so toll sein sollen; habe mich noch nicht damit beschäftigt. Und anderswo sind sies auch nicht.

    Gefallen hat mir die Aufwandsentschädigung von 1€ für vergessene Passwörter. Sollten wir auch einführen.

    — Gerade gesehen: vorgestern hat die UNESCO Richtlinien für die Verwendung freier Lehrmaterialien an Hochschulen und Universitäten veröffentlicht (Heise). Kurz gesagt: sie hält sie für nötig. Dass das auch in der Schule geht, zeigt das Vorgehen von Kalifornien oben.

  10. XML als Format ist ein guter Ansatz – dürfte aber kaum in der Breite beherrschbar sein. *.docx wird ja deshalb oft propagiert, das erzeugende Programm eben so weit verbreitet ist.
    Ich glaube, dass das Format recht egal ist (da wird man auch nie alle Leute zufriedenstellen), wenn es nur eine einheitliche Schnittstelle gibt, z.B. RSS. Das kann ja recht viel „transportieren“. Es müsste bloß eine Datenbank geben, die das irgendwie gliedert und sinnvoll durchsuchbar macht. Wir haben ja schon einmal über einen Blogplanet herumgesponnen.
    Mit geht es übrigens wie dir: Wichtig sind mir – abgesehen von Übungsblättern – nicht fertiggekochte Konserven, sondern Zutaten, die ich mixen kann, z.B. ein Arbeitsblatt – gerne auch digital – bei dem ich mir die Übungssätze aus einem Pool frei zusammenstelle. Das geht mit Moodle prinzipiell, aber das Interface bereitet so viele Schmerzen, dass man das halt nicht macht. Moodle wirft übrigens XML raus – leider kann das nur Moodle selbst interpretieren. SCORM ist für sowas gedacht, kann aber nur Konserve… Schwierig.

  11. Dieses Flexbook sieht wirklich gut aus! Danke für den Hinweis. Das kommt meiner Vision eines freien Schulbuches schon ziemlich nahe, besonders, weil man sich selbst verschiedene Bücher „mixen“ und sie in verschiedenen Formaten exportieren kann.

    Problematisch wird es nicht nur bei den Formaten, vielmehr befürchte ich Zänkereien um den Inhalt (und Reaktionen von den Kultusministerien, die ihren Hoheitsanspruch auf das Freigeben von Schulbüchern verlieren).

  12. (Neuer Blogeintrag dazu.)

    Ach, Gezänke… wenn sich jeder etwas aussuchen darf, ist das lösbar. Allerdings wäre das auch ein schöner Tummel-Ort für Firmen-PR. Wenn digitale Schulbücher kostenlos sind, müssen sie nicht genehmigt sein, und dann würde ich als Chemiekonzern schon mal ein schönes digitales Buch springen lassen.

  13. Gezänk meinte ich eher bezogen auf Wiki-Lösungen, wo jeder herumwurschteln kann wie es ihm beliebt. Da würde es schnell zu Weltanschauungsfragen kommen. Die Wiki-Lösung halte ich darum für ebenso suboptimal wie die Blog-Lösung, die andere propagieren, weil ein Blog als Materialgrundlage m.E. sehr umständlich zu händeln ist. Wichtig wäre eine (oder maximal eine Hand voll) zentrale Anlaufstelle(n) mit leicht erreichbaren, modular aufbereiteten und gestaltbaren Materialien / Büchern / Aufgaben / Unterrichtsvorschlägen.

  14. Ah, okay. Ja, bei der Wahl des Wikis gäbe es sicher Streit. Deshalb wräe ein Format wichtig – dann kann jeder zum Exportieren nehmen, was er will, und zum Importieren auch. Zentral gespeichert werden die Links zu den Daten dann in eduTunes oder wo auch immer – da gebe ich Maik Recht. RSS ist mir etwas zu begrenzt, da fehlt die Unterscheidung Kategorie/Schlagwort, die vielleicht nötig wäre, und die Verknüpfung mit anderem Material ist vielleicht schwierig.

  15. Lehr- und Lernmaterialien im Netz bereitstellen ist ein Thema, welches sehr viele Dimensionen hat, mehr als man auf den ersten Blick vermutet. Wie man sieht, versuchen sich verschiedene Gruppierungen an diesem Thema.
    Ältere Ansätze sind Materialbörsen, Webquests, Sammlungen interaktiver Aufgaben etc..
    Neuer sind dann Ansätze wie Wikibooks, Flexbook etc.

    Die Frage aber ist zunächst, was wollen wir eigentlich? Wie stellen wir uns den Unterricht bzw. das Lernen der Zukunft vor? Reicht es, wenn wir Bücher ins Netz übersetzen? Brauchen wir kanonisiertes Wissen? In welcher Form sollen Materialien abrufbar sein und genutzt werden? Soll Wissen modularisiert werden?

    Das Netz ist schon jetzt eine gigantische Sammlung von Wissen aller Art. Es lebt, vermehrt und verändert sich, hat dabei aber keine einheitliche Struktur, ist ungeordnet, unvollständig, mitunter sachlich falsch, nicht immer neutral, teilweise schlecht verlinkt, mitunter redundant usw.. Nur ein Bruchteil existiert mit der Intention Lernprozesse zu initiieren. Genau dieser Charakter des im Netz gesammelten Wissens macht es enorm schwierig es in Schule zu nutzen. Sinnvoll wäre es allerdings schon, dieses Repositorium des Wissens nicht ungenutzt zu lassen.

    Die Wikipedia ist ein Ansatz, das überall verstreute Wissen zu sammeln. Sie wiederholt es dabei in meist verkürzter Form und verlinkt auf das externe Wissen. Eine relativ kleine Community hat sich zusammengefunden, sich auf Standards geeinigt und pflegt nun diese Wissenssammlung, und eine noch viel größere Menge an Usern greift dieses Wissen ab.

    Eine andere Möglichkeit wäre ein Metaportal, welches Wissen/Internetinhalte für schulische Zwecke bewertet, strukturiert und verlinkt. Lernprozesse könnten innerhalb des Portals stattfinden, indem Inhalte dort aufgerufen und dargestellt werden und zusätzlich über den Metarahmen angereichert werden.

    Ein Beispiel stelle ich mir so vor, vielleicht ausgehend vom Fach Englisch:

    Gesucht werden Informationen zu „Wales“. Es tauchen Informationsangebote auf, versehen mit gut sichtbaren Tags zum Schwierigkeitsgrad, Inhaltstiefe, Inhaltskategorien (Geographie, Geschichte, Biologie, Sprache, Kultur, …), Herkunft (Wirtschaft, Tourismus, Bildung, …) usw. Anhand dieser Tags wählt der Lerner aus, womit er/sie sich beschäftigen möchte. Über den Metarahmen werden nun Anreicherungen angeboten: weiterführende Links, Medien (Audio, Video, Bild), Wörterbücher, Lexika, Aussprachemuster, … Es wird im ausgewählten Informationsangebot die Landschaftsform beschrieben. Also kann der Lernende sich darüber informieren über den Metarahmen, wenn er/sie hier mehr wissen möchte. Es wird eine Stadt erwähnt, der Metarahmen bietet Möglichkeiten, mehr Informationen zu finden. Eine unbekannte grammatische Struktur taucht im Text auf. Über den Metarahmen kann man sie nachschlagen und Erklärungen finden.

    Vielleicht kann man sich in etwa vorstellen, was ich meine. Wichtig ist, dass viele der Funktionen des Metarahmens über eine entsprechend intelligente Engine automatisch zur Verfügung stellen, etwa so wie schon heute auf machen Webseiten über die rechte Maustaste automatisch Wörterbuchdefinitionen zum ausgewählten Wort angeboten werden.

    Das Metaportal sollte automatisiert Inhalte suchen, diese bewerten und taggen lassen lassen, sich aber auch manuell mit Inhalten füttern lassen. Wie eine Suchmaschine oder ein Linkportal sollte das Metaportal die Inhalte jedoch nicht selbst vorhalten. Wissen ist leichtflüchtig und wandelt sich immer wieder. Inhalte haben einen Lebenszyklus im Netz. Nothing is forever. Das muss ein solches Metaportal transportieren können. Deshalb muss es auch selbst leben.

    Wie man das alles nun exakt realisieren könnte oder ob es der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich nicht sagen. Individuelle Lernräume brauchen Flexibilität und es wäre ein Fehler, unflexible Strukturen zu schaffen.

  16. I woaß scho. Also ich will ein digitales Schulbuch. Und ja, wir brauchen kanonisiertes Wissen. (Was für Englisch aber nicht die Hauptsache ist.) Und Lehrpläne. Ich lerne selber halt noch viel as Büchern, immer noch.

    Ein so ein Portal ist natürlich auch eine feine Sache. Es wird bereits daran gearbeitet, (englischen) Texten automatisch einen Schwierigkeitsgrad zuzuweisen; semantisches Web ist auch eine Denkrichtung. Englisch ist insofern ein Sonderfall – was du beschreibst, klingt wie einfaches Lernen/Suchen im Netz, nur halt auf Englisch. Ich bin skeptisch, ob man so Englisch lernt; ich bin aber auch beim herkömmlichen Englischunterricht der Oberstufe skeptisch. (Ixsi stellt sich ein digitales Französischbuch so vor.) Aber Englisch unterscheidet sich da sehr von Informatik und Deutsch.

  17. Für Mathelehrer gibt es ein interessantes Projekt der Uni Bayreuth: Die Smart Mathematik- und Physikaufgabensammlung. Man wählt Fach, Jahrgangsstufe und Themaa und kriegt dann verschiedene Aufgaben dazu präsentiert. Die kann man nach Belieben ankreuzen und der eigenen Materialsammlung hinzufügen, sie zu Arbeitsblättern zusammenfügen, als pdf herunterladen, mit Lösung oder ohne.

    So etwas will ich für Deutsch auch!

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