Mein Unterricht 2011 (Unterrichtminus sozusagen)

Dieses Schuljahr unterrichte ich nicht nur kein Englisch (im vierten Jahr, mehr oder weniger), sondern auch kein Deutsch – stattdessen nur Informatik. Das ist ungewohnt, auch weil ich, äh, kleiner Fachbetreuer für Deutsch bin. Kein Schulaufgabeneintrag, keine Schulaufgabenkorrekturen, nur Nebenfachlehrer sein. Ich unterrichte dieses Jahr aber auch nicht gar so viele Stunden, unter anderem deswegen, weil ich mit einem Drittel meiner Stunden an die LMU teilabgeordnet bin, wo ich bei der Schnittstelle zwischen Lehrerausbildung, Schülerförderung und Studierendenunterstützung helfen soll. Mehr dazu später im Jahr, wenn ich mich sicherer fühle und Routine eingekehrt ist. Noch wird alles von einer akut dräuenden Informatikkonferenz herrscht – die LMU richtet jedes Jahr den Tag der Informatik (TdI) aus, dieses Jahr kombiniert ist mit dem jährlich wandernden überregionalen Informatiklehrertag Bayern (ILTB) – der wo ich vor zwei Jahren in Passau war. Mit der Organisation habe ich nicht viel zu tun, habe nur etwas ausgeholfen und ein schlechtes Gewissen deswegen. Ich halte auch einen kurzen Vortrag und bin entsprechend nervös deswegen.

Meine Informatikklassen in der Schule: Jahrgänge 9, 10 und 11. Zumindest die eine 9. Klasse war gleich sehr begierig. „Machen wir wieder Robot Karol? Lernen wir endlich Java?“ Ich habe dann die Inhalte des Faches in den nächsten Jahrgangsstufen vorgestellt, damit die Schüler wissen, was auf sie zukommt. Und natürlich heftig geworben. Nach Stundenende wurde ich dann noch gefragt, ob man nur Java lernt oder auch C++, und was die bessere Programmiersprache ist. (Eine Frage, die bei Neuntklässlern völlig in Ordnung ist. Später dann nicht mehr) Ich habe dann die Vor- und Nachteile von Python, Java und C kurz erklärt. Das ist ein großer Unterschied zu den Vorkenntnissen bisheriger Jahrgänge, ich habe bisher allerdings immer nur 10. Klassen und darüber kennengelernt – entweder ist das also eine Ausnahme, oder tatsächlich eine Tendenz, oder die 9. Klasse treibt den Schüler das Interesse aus. Immerhin: zum ersten Mal sind bei den Mailadressen der Schüler auch googlemail-Adressen dabei und nicht nur web.de oder gmx. Das sehe ich schon mal als positives Zeichen.

Neues vom Fach Deutsch: der jährliche Kontaktbrief der Deutsch-Abteilung ISB, der an alle Deutsch-Gymnasiallehrer geht, nur dass er eben nicht geht, sondern abgeholt werden muss, weil man vermutet, dass ein neuer Kontaktbrief am ISB erschienen ist, und man auf deren Webseiten vorbeischaut, weil die den Schulen in gedruckter Form zugegangene Fassung eben auch nicht immer zugeht und weil RSS ein Fremdwort ist in dieser Welt – der jährliche Kontaktbrief heißt jetzt Kontakbriefplus. Hervorhebung nicht von mir. Was steht drin dieses Jahr? Dass die Stundenzahl von Deutsch im G8 von uns „weitgehend begrüßt“ wird und wir uns keine falschen Hoffnungen auf vierstündiges Deutsch in der 10. Jahrgangsstufe machen sollen. Wenigstens ist eine Online-Umfrage zum Lehrplan für Oktober angekündigt. Da werde ich dann mal weitgehend begrüßen. Außerdem hat sich am ISB das Wort „Subtext“ eingebürgert für den Text auf Notizenseiten bei Präsentationssoftware. Als ich studiert habe, war Subtext noch etwas anderes.

Im KontaktbriefPlus steht, dass der bayerische Lehrplan weiterentwickelt wird zu einem LehrplanPLUS. Hervorhebung auch diesmal nicht von mir. Ausführlichere Informationen über den LehrplanPlus und den Lehrplanplus (Schreibvarianten nicht von mir) gibt es auf Papier in Schulverwaltung Bayern, Heft 4 und 5/2011 und nicht im Web. Hier bei der Hans-Seidel-Stiftung findet Google ein pdf-Scan der Papierartikel. Wird eventuell bald verschwinden. Es kompetenzelt natürlich heftig in den Unterlagen, bei der einen Präsentation wird wie immer nur Mathematik als Beispiel herangezogen.
Das Wichtigste in Kürze: die Aufbereitung von Lehrplanplus ist online-optimiert und digital aufbereitet. Die verschiedenen Teile des Lehrplansplus sind datenbankgestützt miteinander verknüpft. Der Lehrplanplus besteht aus einem verbindlichen Lehrplan und ergänzenden Informationen – Aufgabenbeispiele, Materialien, Medien, Bekanntmachungen. Das erfordert eine Verschlagwortung. Insgesamt heißt das dann Lehrplaninformationssystem oder kurz LIS und stellt das Material in Form einer Datenbank bereit. Es gibt einen passwortgeschützten Bereich für Lehrkräfte. Anvisiert ist wohl 2015 dafür. Neu auch: Das System soll für alle allgemeinbildenden Schulen verwendet werden, deren Lehrpläne auch besser aufeinander abgestimmt werde sollen „zur Vermeidung von Brüchen in der Bildungsbiografie“ von Schülern.

Zuletzt noch ein Hinweis auf eine schöne Erweiterung für Firefox oder Chrome (und andere Browser): Ghostery. Die zeigt, wenn man es denn so einstellt, beim Besuch einer Seite im Browser an, welche externen Zähldienste alles Informationen über den Besuch erhalten. Bei der Süddeutschen Zeitung sind das zwei, Google AdSense und Facebook; bei faz.net ist es INFOnline; bei bild.de sind es 7: zwei Facebook-Varianten, INFOnline, Google Analytics, Nugg.ad, SMART AdServer, Vibrant Ads. Die kann man mit Ghostery auch ausschalten. Die Links oben führen jeweils zu kurzen Informationsseiten bei Ghostery:

Nugg.ad operates a European advertising platform. With unique predictive behavioral targeting, nugg.ad offers customized, cooperative solutions that make it possible for online marketers, agencies and advertisers to increase efficiency, performance and branding impact of online campaigns. Through nugg.ad, target groups for real-time campaigns can be booked instantly and in a standardized format from any nugg.ad client.

Smart AdServer develops and markets ad serving technologies for the management of online campaigns for media agencies and publishers. They provide publishers, ad networks, agencies and advertisers with an integrated display, video, rich-media and mobile ad serving solution. Smart AdServer is a subsidiary of the Axel Springer Group.

Vibrant Media is a contextual advertising network hosting the IntelliTXT platform on Web sites. The IntelliTXT platform underlines keywords on a site and serves an advertisement associated with those words when users hover of them. Advertisers pay to have their ads associated with particular words.

Ist ja alles nicht verboten, aber vielleicht auch noch nicht hinreichend bekannt. Schöne Idee für den Informatikunterricht: Wer findet die Seite mit den meisten externen Zählern?

(Auf dieser Seite sind es übrigens zwei: Google+1 und und Piwik. Letzteres ist lokal auf meinem Server gehostet, also habe ich zumindest Kontrolle über diese Daten.)

11 Thoughts to “Mein Unterricht 2011 (Unterrichtminus sozusagen)

  1. Immerhin: zum ersten Mal sind bei den Mailadressen der Schüler auch googlemail-Adressen dabei und nicht nur web.de oder gmx. Das sehe ich schon mal als positives Zeichen.

    Was ist negativ daran, wenn man keinen Gmail-Adresse hat?

  2. Nicht negativ, aber eben auch nicht positiv. Googlemail (gmail haben ja nur alte Hasen) macht es so viel leichter, einen Feedreader einzuführen oder andere tolle Dienste zu nutzen. Und das Postfach läuft nicht so oft über wie bei den anderen Diensten.

  3. „oder andere tolle Dienste zu nutzen“
    Bei solchen Sätzen springt mein Marketingmenschendetektor an ;-/
    Ich halte GMX für die klügere Wahl, dann kennt mein Maildienst wenigstens nicht alle meine Sucheingaben.

  4. Man kann Google ja viel vorwerfen, oder zumindest manches, aber dass das nur Marketing ist, ganz bestimmt nicht. Feedreader, Maps, Texte&Tabellen sind ungeschlagen und erleichtern mir vieles. Da wirkt die Werbung unten an den web.de-mails unprofessioneller.

    Für mich ist das Benutzen von Google jenseits der reinen Suchmaschine ein Zeichen für eine gewisse Netzaffinität. Deshalb freut es mich, wenn ich das bei Schülern sehe.

  5. In Bezug auf Google kann ich Herrn Rau nur Recht geben. Das Angebot von Google wäre für den Unterricht eine echte Bereicherung. Man könnte z.B. gemeinsam an Dateien und Präsentationen arbeiten. G+ würde es einem ermöglichen die egenen Klassen als Circles anzulegen und mit ihnen zu kommunizieren.

    Ach ja, mich hat es auch mal wieder erwischt. Ich unterrichte fast ausschließlich Informatik: 6.-12. Klaase. Nur Mathe habe ich noch 11. Klasse und die wolltemich nicht mal. Physik habe ich nun schon seit Jahren nicht mehr unterrichtet und ich mehr an den Fragen meiner keiner, dass ich langsam außer Form gerate.

  6. In puncto Google stimme ich zu. Die bieten wenigstens Mehrwert. Danke auch für den Hinweis auf Ghostery, das ich sehr nützlich finde!

  7. KontaktbriefPLUS
    LehrplanPLUS

    Wenn die im Ministerium davon ausgehen, dass ein kleines Plus am Namen zu einem freudigen Aufjaulen der Lehrerschaft führt, haben sie deren angeborenes ministeriumsbezogenes Misstrauen aber gewaltig unterschätzt.

    „Es gibt nichts Gutes, außer man hängt ein kursiv geschriebenes Plus an den Namen“ ist KEIN deutsches Sprichwort.

    *grummel

  8. Jetzt isser ja rum, der ILTB. Und bevor ich mich jetzt drüber aufrege, dass die an der FH es nicht geschafft haben, das Tool, das im Workshop vorgestellt werden sollte (Tolg) vorher auf ihre Rechner zu packen und dass die Installation im Workshop dann natürlich nicht geklappt hat und die ganze schöne Zeit deswegen ziemlich für die Katz war: Schreibst du noch was dazu?

  9. Ich weiß noch nicht so recht. Ich halte mich noch zurück mit diesem Teil meiner Arbeit, und der ILTB gehört ja auch dazu. Anders als in der Schule bin ich jetzt ja in einem echten kleinen Team, und da würde ich eben nicht nur über mich schreiben. Da muss ich erst reinfinden.

    Aber okay, am Wochenende sammle ich meine spärlichen Gedanken und Erfahrungen.

  10. Danke für den Link auf die fabelhafte Vorstellung des noch fabelhafteren LehrplanPLUS. Vom Prinzip her sind das löbliche Zielvorgaben, die man sich da macht – hoffen wir mal, dass es einen flotteren Start dabei gibt als damals, als es beim bisherigen Lehrplan hieß, es würden Beispiele und Materialien auf der „Link-Ebene“ geben … und dann hat es Monate und Jahre gedauert, bis da überhaupt einmal irgendwas auf der Link-Ebene stand (als dann jeder die Hoffnung aufgegeben hatte und keiner mehr nachsah).
    Beim Thema Googlemail stimme ich dir zu, würde aber GMX nicht auf eine Ebene mit web.de stellen. Bei Schülern, die mir eine web.de-Adresse angeben, kann ich darauf wetten, dass Mails mindestens einmal im Schuljahr nicht zustellbar sind, weil das Postfach übergequollen ist.

  11. Fußnote, und wegen gerade häufigem Suchbegriff: Jetzt isse endlich raus, die Online-Umfrage. Wer’s noch nicht weiß, Schulleitung nach Zugang fragen, pro Fach ein paar Lehrer. Termin der Eingabe: seit vorgestern und noch bis 11.11., wenn ich mich recht erinnere.

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