Das bayerische Schulverwaltungsprogramm ASV

Hear ye, hear ye! Zeichen erscheinen am Himmel. Ein solches Zeichen ist die Dienstvereinbarung über die Einführung und Anwendung des bayerischen Schulverwaltungsprogramms ASV (pdf), die man auf der Verkündungsplattform der Bayrischen Staatsregierung einsehen kann. (Ich sage das Wort „Verkündungsplattform“ zu gern.)

ASV ist das von der Regierung den Schulen zu Verfügung gestellte Schulverwaltungsprogramm, das bald, oder zumindest schon seit vielen Jahren, die aktuelle Programmsuite WinSV ablösen soll.

Gedacht ist das Programm zur Verwaltung der Lehrerdaten, zur Erstellung der Unterrichtsverteilung (welche Lehrkraft unterrichtet in diesem Jahr in welchem Fach in welcher Klasse) und zur Stunden- und Vertretungsplanerstellung (das ist gegenüber dem Vorläufer neu – wird sich aber kaum gegen professionelle externe Software durchsetzen).
Über die Verwaltung der Schülerdaten mit ASV steht nichts in dieser Dienstvereinbarung; die ist zwischen dem Ministerium und dem Hauptpersonalrat und klärt deshalb nur, welche Lehrerdaten wie und wie lange gespeichert werden und von wem sie eingesehen werden dürfen.

Eine Kurzfassung:

(Quelle: das oben verlinkte KWMBl Nr. 17/2001, S. 269f.)

Das wäre doch gleich etwas für den Deutschunterricht, kompetenzorientiert Tabellen verstehen: „Entwirf eine Reihe von Quizfragen, mit dem du das Wissen darum, was erlaubt ist und was nicht, überprüfen kannst.“ Aha: Lehrerkürzel dürfen nicht an Schüler und Erziehungsberechtigte gegeben werden, aber im Vertretungsplan erscheinen. (Mein Kürzel lautet übrigens RAU. Der Personalrat darf nicht die Sprechstunden einsehen, aber man darf sie aushängen.)

Lehrerlaubnis: das ist die missio (canonica) und bezieht sich auf die kirchliche Erlaubnis, katholischen Religionsunterricht zu geben.
Lehrbefähigungen: sind damit die Fakultäten gemeint, also was man studiert hat? Das ist doch das Lehramt in der Zeile darunter?
Ermäßigungen/Anrechnungsstunden: Darf der Personalrat erfahren, dürfen aber nicht im Lehrerzimmer aushängen. (Zumindest über manche muss die Schulleitung allerdings die Lehrer informieren.)

6 Thoughts to “Das bayerische Schulverwaltungsprogramm ASV

  1. „Lehramt“ dürfte LAGy oder auch z.B. GS oder Pfr. oder DSpo sein, wohingegen die Lehrbefähigung die konkreten Staatsexamensfächer meint, also die Fakultäten.

  2. Bei uns schickt die Schulleitung die Liste der Anrechnungsstunden mit der Unterrichtsverteilung rum. Sollte das nicht so sein? Völlig neuer Ansatz.

    Guten Start!

  3. Von Rumschicken träume ich noch… ist das bei euch auf die Liste mit den unverständlichen Kürzeln direkt aus WinLD? Eigentlich dachte ich auch, dass eh über Anrechnungsstunden informiert werden muss; sicher über die der Mitglieder der Schulleitung. Müsste man wieder andere Vorschriften lesen. Und ASV ist ja noch gar nicht da.

  4. Kryptische Kürzel…oh, ja. Und wie.
    Allerdings weiß ich nicht, welches Programm unsere Stundenplaner verwenden – keine Ahnung, ob das irgendwas Marke Eigenbau ist oder aus den luftigen Höhen des Ministeriums. :-)

  5. Owei. Ich hätte das nicht lesen sollen, jetzt hab ich wieder ein schlechtes Gewissen. Aber freilich liegen bei uns die Anrechnungsstunden für alle offen, nur so lässt sich dem Vorwurf der Günstlingswirtschaft begegnen. Und den verpassworteten Vertretungsplan online sollte man wohl wieder vom Netz nehmen? Und wie bring ich den Eltern bei, dass das Lehrerkürzel der erste Bestandteil der dienstlichen Mailadresse ist, wenn sie das Kürzel nicht wissen sollen? Und wie sollen sich Schüler über die Vertretungen informieren, wenn sie den Vertretungsplan nicht sehen dürfen?

    Fragen über Fragen…

    BTW: Ich war letzte Woche auf einer Tagung im KM, wo es unter anderem vom Hausjustiziar einen Vortrag über Datenschutz gab. Die Versammlung beschäftigte sich u.a. mit der Weiterentwicklung der Eltern-Zusammenarbeit, unterstützt durch moderne Medien. Da waren lauter netzaffine Leute da, die gerne enger mit den Eltern zusammenarbeiten würden. Und dann hört man nur: „Dies geht nicht, jenes geht nicht, und was sie da schon seit Jahren machen, sollte besser keiner erfahren.“ Sehr motivierend das.

  6. Anrechnungsstunden und Günstlingswirtschaft: aber unbedingt sollten die Anrechnungsstunden allen Lehrern bekannt gemacht werden. Wir machen – vermutlich, schreibe ich hier mal – auch seit Jahren Unerlaubtes und mir fällt ständig neues Unerlaubtes ein. Aus einem Informationsschreiben des Philologenverbands: „Über die vergebenen Anrechnungsstunden ist das Kollegium von der Schulleitung in Kenntnis zu setzen. Nach einer älteren KMBek geschieht dies durch einen Anhang an die Niederschrift der Lehrerkonferenz nach der Festlegung der Anrechnungsstunden.“ An die Daten darf man also ran, aber nicht an die Datenbank?

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