Zusammenarbeitende Lehrer (Zwischenbericht)

1. Krause Gedanken

In Dillingen habe ich für mich herausgefunden, dass sich Blogs auf dreierlei Art im Unterricht einsetzen lassen: zur Netzwerkbildung unter Lehrern, für Unterrichtsprojekte mit Schülern oder als unterrichtsergänzendes Angebot durch die Lehrkraft. Natürlich ist ein Blog nicht die einzige Möglichkeit, diese Absichten umzusetzen, und oft nicht mal die beste.
Ich bin in letzter Zeit skeptisch geworden, was das Erstellen von Wikis und Blogs und dergleichen mit Schülern betrifft. Ich habe mir vorgenommen, mich in der Zukunft mehr auf nachhaltige Heftführung (gerne mit dem Laptop, wenn es ihn gäbe) und das Arbeiten mit Büchern im Klassenzimmer zu konzentrieren. Es gibt allerdings auch Beispiele dafür, wie Blogs sinnvoll mit Schülern erstellt werden (z.B. Grundkurs Deutsch).

Für sehr wichtig halte ich aber nach wie vor den Austausch von Material und Ideen unter Lehrern. Praktisch sind für mich Bücher, sorgfältig gestaltet, von einem Verlag betreut, etwa Literatur unterrichten. Tafelbilder und Arbeitsblätter von Norbert Berger. Einen Teil des Materials darin finde ich gut, einen Teil nicht, einen Großteil habe ich nie verwendet – aber einen Teil eben schon, und der hat mir das Unterrichten erleichtert.

Wäre es nicht schön, wenn es solche Materialsammlungen auch online gäbe?

Gibt es ja auch. Sehr viele Lehrer und Institutionen stellen Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Das geschieht in Mailinglisten oder auf Webseiten in verschiedener Form, angefangen bei statischen Seiten ohne eine unmittelbare Möglichkeit der Rückmeldung oder Kommentierung bis bis hin zu Wikis oder Blogs. Ich selber lese diese Quellen regelmäßig (d.h., insofern sie einen RSS-Feed anbieten), und wenn mich etwas besonders interessiert, lade ich mir das, sagen wir, Arbeitsblatt auf die Festplatte oder füge die Seite zu meinen persönlichen Lesezeichen hinzu.

Praktischer wäre es für mich allerdings, wenn es nicht viele verschiedener solcher Seiten gäbe, sondern einige wenige, zentrale. Im Idealfall funktioniert das wie bei youtube oder flickr: Jeder Benutzer stellt sein eigenes Zeug online, verwaltet es selber und ist selber dafür verantwortlich. Da die redaktionelle Betreuung gering ist, braucht es ein System von Benutzer-Bewertungen, um Beiträge der Bewertung nach zu sortieren.

So etwas gibt es bisher nicht und wird es vielleicht nie geben, und vielleicht ist das auch gut so. Dann hätte ich stattdessen aber lieber (ich erwähnte es bereits) ein Programm wie einen Podcatcher, der statt auf Podcasts auf Teachcasts ausgelegt ist. Dann kümmert sich der Feedreader um die Verwaltung, die Schlagworte kommen am besten durch den Feed mit. Als Feed-Enclosures werden keine (oder nicht nur) mp3-Dateien heruntgeladen, sondern eben auch odf und jpg und doc und was auch immer.

Oder, dritte Möglichkeit, eine Seite – oder beliebig viele, das ist dann egal – bündelt die Informationen, die per Feed aus allen möglichen anderen Quellen kommen, einschließlich sinnvoller Verschlagwortung (aus dem „category“-tag im Feed), optional mit Bewertung durch die Besucher dieser bündelnden Seite.
Die eingebettete Dateien (Bilder, Audio, Video, odt, pdf) bleiben am Originalfundort, von mir aus muss man auch dorthin, um nicht nur eine Vorschau zu sehen, sondern das Material ganz herunterzuladen. Die Verantwortung und Kontrolle liegen also weitgehend dezentral beim Ersteller.
Schwierigkeit: Dazu müssten die Seiten, die Material anbieten, aber geeignete Feeds zur Verfügung stellen. In meinem Blog biete ich ohnehin selten mehr an als Ideen und Überlegungen, das ist mir eben erst klar geworden. Aber bei JochenEnglish zum Beispiel – jetzt endlich richtig geschrieben ;-) – gibt es oft unmittelbar verwendbares Material. Das müsste dann so verschlagwortet/kategorisiert sein, dass es Feeds gibt, die nur das Material enthalten.
Ich schau mal bei Gelegenheit – also in ein paar Wochen – ob ich ein Modell als Machbarkeitsbeweis hinkriege.

Vermutlich wird es aber weiter bei einzelnen Seiten bleiben, die nicht miteinander kommunizieren. Davon will ich jetzt einige vorstellen, auch wenn ich weiß, dass der Blogeintrag bereits sehr lange ist, so dass nicht jeder Leser bis hierher gekommen sein wird.

2. Seiten mit Unterrichtsmaterial

Hier sind verschiedene Modelle, wie Lehrmaterial präsentiert und getauscht werden kann. Es gibt natürlich noch mehr als diese hier, ich biete hier nur eine Auswahl verschiedener Ansätze an und habe sicher Naheliegendes übersehen. Leider habe ich nicht mal die Zeit, alle Seiten gründlich zu begutachten (geschweige denn daran mitzuarbeiten). Wenn einer von euch die Seiten kennt und dazu was sagen kann, bittebitte kommentiert.

  1. http://www.schule-ratgeber.de/: Sehr übersichtlich strukturiert. Viel Material ist noch nicht da, aber die technische Seite gefällt mir. Man kann zum Beispiel Tafelbilder einstellen, verschlagworten, bewerten; Suchergebnisse werden nach Reihenfolge der Bewertung dargestellt. Zum Anmelden reicht eine E-Mailadresse.
  2. http://wiki.zum.de: „eine offene Plattform für Lehrinhalte und Lernprozesse. Es ist ein Wiki für Lehrerinnen, Lehrer und andere Interessierte“. Ich sollte schon lange mitarbeiten.
  3. http://www.teachsam.de/: Schöne Sammlung nützlichen Materials; vor allem bei Suchen zum Fach Deutsch lande ich oft dort. Die Seite ist aber redigiert und nicht auf Kollaboration ausgerichtet. Das ist eine Ergänzung zu dem, was ich in Zukufnt haben will.
  4. http://readandview.wikispaces.com/: „Dieses Wiki sammelt Erfahrungen und Empfehlungen zu Lektüren und Filmen im Englischunterricht. Mitarbeit gern gesehen!“
  5. Interessant: http://www.melt-project.eu: Learning resource exchange for schools. Ein Portal mit Anmeldung, Schlagwörtern, Lesezeichen, das Material von anderen Stellen sammelt und bündelt. Noch habe ich nicht viel gefunden, und ich weiß noch nicht, wie Material dort eingestellt wird – aber hier wird zentral gesammelt, was dezentral an Projekten im Web ist. Allerdings: So etwas Popliges wie Tafelbilder findet man dort wohl nicht.
  6. Interessant: http://oercommons.org/: open educational resources. „Welcome to OER Commons, a global teaching and learning network of free-to-use resources – from K-12 lesson plans to college courseware – for you to use, tag, rate, and review.“ Sieht ebenfalls toll aus, und unter „Hamlet“ (mein Test-Suchebgriff) findet man auch Stundenentwürfe, die man bewerten usw. kann. Ich weiß noch nicht, wie man Sachen dort einträgt, und auch hier wieder: einfache Tafelbilder einzustellen würde ich mich schämen. :-(
  7. http://www.classroom20.com/: „social networking site for those interested in Web 2.0 and collaborative technologies in education“.
  8. http://www.teachertube.com/: Nur Videoclips, bislang meist in Schulprojekten erzeugtes, lustiges Material (zumindest wenn man nach „Shakespeare“ sucht). Ist hier mehr der Vollständigkeit halber.
  9. https://herr-rau.de/blogs/materialien/: Mehr ein Proof-of-Concept als ein fertiges Projekt. Ich habe hier versucht, mein Material mit einem Blogsystem zu präsentieren. Einmal um zu sehen, ob das geht und was es für Schwierigkeiten gibt (Schwerpunkt: Verschlagworten und Bewerten), daneben, um präsentable Feeds zu haben, die ich später in eine anderen Seite einbauen kann – um zu sehen, ob das geht.
  10. Nachtrag: http://www.online-kollegium.de/: Weil mich eine ehemalige Schülerin gerade eben darauf hingewiesen hat.
  11. Nachtrag: Digitale Schule Bayern – für den Unterricht erstelltes Material zu vielen Fächern.
  12. Flickr-Gruppe „Tafelbilder“: Ein Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Kann man nicht die von Flickr bereitgestellte Infrastruktur nutzen, um sich zu vernetzen? (Nachtrag: Ist nicht mehr aktiv.)

4 Antworten auf „Zusammenarbeitende Lehrer (Zwischenbericht)“

  1. Ein paar krause Gedanken dazu:

    Eine zentrale Sammelstelle und ein einheitlicher Standard dazu wäre fantastisch, ich bin aber recht skeptisch. Vielleicht helfen meine skeptischen Gedanken bei der Modellkonstruktion auf die ich schon mal gespannt warte.

    Also:
    – ich halte den Anteil derjenigen, die etwas veröffentlichen möchten für recht gering. Noch geringer wird der Anteil, der die Selbstüberwindung meistert und das dann auch wirklich noch macht. Dann gibt es noch ein technisches Problem: die Bedienung eines Wikis beispielsweise ist nicht trivial und erfordert, damit es schön wird, ein paar Stunden Einarbeitungszeit.

    – die kommerzielle Verwertbarkeit halte ich für sehr gering. Es wäre eine Seite für deutschsprachige Lehrer – damit ist kein Massenansturm zu erwarten. Kostenpflichtige Angebote im Netz scheitern oft. Somit fällt der primäre Anreiz zum Aufbau professioneller Strukturen weg: das Geld.

    – Problem: in vielen Fächern müssten externe Materialien beigelegt werden, die leider nicht immer nur aus Wikipedia-Artikeln bestehen. Eine gewisse Unsicherheit könnte dazu führen, dass man vielleicht lieber nicht veröffentlicht, wenn nicht alles von einem selbst stammt.

    – Selbst an unserer Schule mit KollegInnen, die ich oft sehe, klappt der Austausch nur bedingt. Warum sollte er in größeren Strukturen klappen?

    Weshalb ich trotz der Bedenken finde, dass viel mehr getauscht werden sollte: Weil wir unendlich viel Energie darein setzen, das Arbeitsblatt zum Thema XY nach unseren Wünschen und unserem Stil zu gestalten.
    Wenn wir das dann haben, gibt es noch nicht einmal jemanden, der mal ‚drüberguckt und lobt oder gar Verbesserungsvorschläge macht.
    Und so wächst das Archiv auf der eigenen Festplatte und die Zeit, die für Experimente bleibt sinkt, da wir (fast?) alle uneffizient arbeiten.

    Ich hoffe, es klang nicht frustig – ich wollte bloß die Hindernisse darstellen.
    Ich hoffe auf den Durchbruch, weiß aber nicht, von wo er kommen soll.

  2. Es gibt ein ganz gutes Portal, in dem schon sehr viele Materialien zu finden sind: http://www.4teachers.de. Hier wird auch ganz genau auf das Urheberrecht geachtet.
    Allerdings gibt es hier natürlich auch Fächer, die eher stiefmütterlich vertreten sind. Aber es müsste doch möglich sein, die Leute zu animieren, hier tätig zu werden. Und wenn jeder nur ab und zu etwas dazu beiträgt, dann kann man von der Masse der Beteiligiten profitieren und muss das Rad nicht ständig neu erfinden. Da wären ganz große Synergieeffekte möglich und man könnte insgesamt die Qualität der Unterrichtsvorbereitungen sicher steigern. Wenn allerdings die einzelnen Materialien nur Zuhause auf der Festplatte des PCs schlummern oder in irgendwelchen Ordnern ruhen, dann ist das Schade, man könnte so viel mehr daraus machen. Vielleicht brauchen wir ja zum Web 2.0 auch den Lehrer 2.0.
    Definition Lehrer 2.0: Der Mitmach-Lehrer. Der Lehrer 2.0 wird zum Mashup, der sich aus dem Wissen der Community quasi neu definiert. Wir haben nicht mehr den statischen Lehrer, sondern den dynamischen, der kontinuierlich weiterentwickelt und vernetzt wird.

  3. Wenn nur ein geringer Prozentsatz der Lehrer Material zur Verfügung stellt, dann halte ich das für kein Hindernis, solange es insgesamt genug sind. Die vielen Lehrer, die kein Material teilen, können selber davon profitieren (genau wie die anderen) und können auf andere Weise zu einer guten Schule beitragen. Muss ja nicht jeder alles machen.

    Austausch an der Schule: Da ist die kritische Masse wohl nicht vorhanden. Gerade deshalb sollte es in größeren Strukturen besser klappen – und das tut es ja schon: Ideen und Material kriege ich mehr aus dem Web als aus meiner Schule. Unterstützt werden muss das natürlich durch ein Pils nach dem Elternabend mit den Kollegen und einer Pizza am Jahresende, oder was auch immer es für Traditionen gibt.

    Aber es stimmt, dass mittelfristig klarer sein muss, was man veröffentlichen darf und was nicht.

    Danke für 4teachers, die gehören eigentlich auch noch auf die Liste oben.

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