Ketzerisches in der Zeit (online)

Der Lehrer in der Schule bleibt wichtig. Die Zeit online schreibt anlässlich einer neuseeländischen Metastudie, auf die das hessische Amt für Lehrerfortbildung hingewiesen hat, dass es weniger auf auf Schulorganisation oder Schulpolitik, sondern auf die Lehrer ankommt; und dass die Fähigkeiten zum Lehrersein erlernbar sind. Und dass die Lehrer „nicht der gemütlichen These anhängen, Kinder wüssten selbst am besten, was gut für sie ist (Autonomieillusion), sondern deren entwicklungspsychologischem Bedürfnis nach Anleitung, Erklärung und Orientierung nachkommen.“

Nirgendwo fällt das Wort „Lernbegleiter“. Dafür wird der Göttinger Erziehungswissenschaftler Hermann Giesecke zitiert: „[N]nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu.“

23 Thoughts to “Ketzerisches in der Zeit (online)

  1. Der Punkt ist vor allem, dass in der Schulpädagogik sehr viel weltfremdes und der Schulrealität völlig entkoppeltes Geschwafel stattfindet.
    Statt zu lernen, wie man zu einem ‚guten‘ Lehrer wird, darf man als Lehramtstudent Listen mit kontextlosen Begriffen ausweniglernen und zu gegegebener Zeit (= Prüfung) wortwörtlich wiedergeben.
    Zur Realsatire wird das Ganze, wenn die Listen als „oberstes Bildungsziel“ (vgl. bayerischer Lehrplan – solche Klammern machen sich immer gut) Mündigkeit angeben. Das muss man dann brav wiedergeben, daraufhin gibt’s das Leckerli (in unserem modualisierten Fall sind das Leistungspunkte, eine Art Payback-System.)

  2. Ich glaube, viel von dieser recht abgehobenen Idee, Kinder beim „lustvollen“, völlig freiwilligen, faszinationsgesteuerten Wissenserwerb zu begleiten, kommt von der Sehnsucht der Lehrer, nicht ständig konsequent Dinge einfordern zu müssen. Das ist superanstregend und unangenehm, und ich gestehe, wirklich nicht deshalb Lehrer geworden zu sein, weil es so viel Spaß macht, Schüler wegen fehlender Hausaufgaben am Freitag zur Nacharbeit einzubestellen.
    Aber das Leben ist halt kein Wunschkonzert. Letztlich funktioniert das nur, wenn irgendwer anderer (Eltern?!?) diese Aufgaben übernehmen, und darum hilft das Kindern aus bildungsfernen Familien nicht – bei vielen davon sind halt die Eltern nicht die großen Tiger moms.

  3. Danke für den Hinweis. Das Ergebnis der Studie liest sich wie eine Bestätigung von Hilbert Meyers berühmten zehn Punkten für guten Unterricht.

  4. Klingt so, als würde wieder Vernunft einkehren. Bloß braucht das sicher 10 Jahre, bis sich das rumspricht. Wir wollen einfach weiter träumen von intrinsich motivierten Mathematikschülerinnen.

  5. Mittlerweile bin ich so lange im Geschäft, dass ich behaupten und beweisen kann, dass in kaum einem Gewerbe so gelogen wird wie in unserem.
    Angefangen haben meine Zweifel nach dem Referendariat.Eigentlich schon vorher, aber da konnte ich es nicht beweisen, noch nicht.
    Da hatten wir einen Pädagogikreferenten, der alles genau wusste. Namen,Daten, Fakten, alles. Jedes methodisch-pädagogisch-didaktische Konzept war ihm vertraut.Zweifel wurden ungern gesehen.
    Theorie und Praxis waren eines, und bei dem das nicht klappte, war ein schlechter Lehrer, bumms.
    So, Stellen gab es nicht danach, es waren schlechte Zeiten.
    So hangelte ich mich durch die Schulen,Vertretungsstellen eben.
    Und an einer Schule war der Guru. Andächtig fragte ich nach ihm Uhhh, sagten die Kollegen, geh mal den Flur lang, du wirst es hören. Bei ihm gehen sie über Tische und Bänke, er bekommt keine Ruhe in die Klasse. Und sonst, naja. Ach, dachte ich, da sind die Schüler eben freiwillig nicht bereit zu lernen.
    Seitdem frage ich immer, wenn ich von Gurus höre, bei den Kollegen an den Schulen nach. Oft sind sie nicht mehr dort, schreiben nur noch Bücher darüber, wie es geht, zu Hause. Manchmal waren sie nie an einer Schule. Wissen aber alles genau.
    Man dürfte nur noch pädagogische Artikel schreiben und veröffentlichen, wenn man mindestens 5 Jahre an eine Schule unterrichtet hätte. Die Lautstärkemessungen auf dem Flur würden beigelegt.
    Ich könnte wetten, dass dreiviertel aller pädagogischen Literatur eingestampft werden müsste.

  6. Ersetze in crocos vorletztem Absatz „pädagogische Artikel schreiben und veröffentlichen“ durch „Kultusminister_in sein“ :)
    (Frau Schavan, die uns in Ba-Wü G8 eingebrockt hat, arbeitete kurz in der Erwachsenenbildung. Die neue mit dem Zungenbrecher-Doppelnamen hat eine reine Verwaltungs-/Juristenlaufbahn.)

  7. Ich habe allerdings tatsächlich neulich mit Belehrung und ein wenig Genuss ein Didaktikbuch gelesen (Informatik, Einführung in die, der), so etwas kann alle zehn Jahre nicht schaden. Mein Hauptproblem mit der Pädagogik: die ist mir zu wenig empirisch. Theorien und Behauptungen, die logisch klingen und nachvollziehbar sind, müssen deshalb noch lange nicht stimmen.

  8. Eben.
    Jede physikalische Theorie, jedes neue Medikament ,alles in der Wissenschaft muss durch lange Versuchsreihen auf Tauglichkeit überprüft werden. Alles muss stimmen, dann wir sie in die Welt hinausgejagt, die Theorie.
    Nur die theoretische Pädagogik arbeitet im kinderfreien Raum.
    Somit sie eben keine Wissenschaft sondern eine Kunst.

    Ach ja, die Grundvoraussetzung für Kultusminister ist hier im Land auch gegeben, sie ist Juristin.
    Die Vorgängerin war Grundschullehrerin.
    Darüber ein ander Mal.

  9. Autonomieillusion… ach, danke, das ist das Wort, das mir seit Jahren fehlt. Autonomieillusion + daswächstsichaus -> Abendhomeschooling + Ergotherapie. In Elternkümmernsich-Familien. Der Rest hat Pech. Mir tut es oft sehr leid um die viele Zeit, die meine Kinder in offenen Situationen gelangweilt (weil Massenhaltung auf engem Raum, dadurch Konflikte und Begrenzungen) ihren intrinsischen Motivationen nachgehen. Und ich tu‘ mir leid, wenn ich dann abends mit dem Kleinen Malen und Schneiden übe und mit dem Großen Kopfrechnen, denn DAS (äußerst spitzer Tonfall) ist ja VÖLLIG antiquiert (Kindergarten) bzw wegen Erarbeiten diverser Basiskompetenzen leider zeitlich nicht mehr drin (Schule).

  10. Was mir auffällt, ist dass die Kritik an den Pädagogiken, Didaktiken, Methodiken (schön, dass es da Plurale gibt)häufig recht stereotyp ausfällt. In meiner Studiengeneration (1. Staatsexamen 1993) gab es in München noch Lehrstühle für Didaktik, aber sich dort zu engagieren, war unter der Würde so manches späteren Gymnasiallehrers bzw. so mancher Gymnasiallehrerin. Dabei hätte man dort der Praxisferne eines Germanistik- oder Geographiestudiums durchaus die Schärfe nehmen können, wenn man sich für die Veranstaltungen interessiert hätte, die man später gebrauchen hätte können, zur Rechtschreibung und zum Aufsatzunterricht zum Beispiel. Da saßen keineswegs nur in der Praxis gescheiterte Lehrerexistenzen, sondern auch gute Leute. (Ist nicht der Herr Rau auch ein Lehrer mit einem Lehrauftrag an der Uni?)
    Ich kann mich nicht erinnern, dass die schulrelevanten Seminare etc. so überfüllt gewesen wären, wie die schicken Seminare zu Eichendorffs Romantik oder zur DDR-Frauenliteratur mit 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Wir waren meistens so vier oder fünf Teilnehmer. (Nur um des Kontexts willen: München war zu dieser Zeit das größte germanistische Institut… der Welt.) Zumindest für meine Generation und meine Fächer gilt: Pädagogik, Didaktik, Methodik – eher doch Fehlanzeige. Und über das, was mir im Referendariat diesbezüglich zugemutet wurde, breite ich lieber den Mantel des Schweigens, denn da war angeblich alles tried ’n‘ true wie das Evangelium.

  11. @Beelzebub Bruck
    Um mal eine Info zu geben, wie sich an einer bayerischen Uni gerade die „Pädagogiken, Didaktiken, Methodiken“ anfühlen (für LA Gym auf De/Ge):

    – Geschichtsdidaktik ist, nach bisher zwei Grundkursen, einem Seminar und einiges an Lektüre dazu ziemlich unnütz. Ein paar nette Ideen, viele praxisferne Modelle und selten kompetente Dozenten. Zeitverschwendung. Bisher. Ich bin ja erst knapp über der Hälfte der Regelstudienzeit.

    – Deutschdidaktik ist nützlich. Man lernt viel konkretes, die Literatur ist meist satt und verständlich. Aber auch hier kämpft man mit ein paar Modellen (Kompetenzen), die nicht ganz so einfach über die Praxis zu stülpen sind.

    -EWS: Ohgott. Ums kurz zu machen: „Psychologie“ ist einfach nur genial und nützlich, „Allgemeine Pädagogik“ sollte sich in „Geschichte der Pädagogik -Namen und Ideen“ umbenennen und „Schulpädagogik“ ist ein schlechter Witz. Was ich aus Schulpäd-kursen mitnehme? Wie mans als Dozent/Lehrer NICHT machen sollte.

    Die wichtigsten Lehrerkniffe hab ich mir bei Dozenten abgeschaut – jedoch allesamt aus den Fachwissenschaften, nicht den Didaktik- oder EWS-Kursen.
    Diese Aussagen decken sich mit denen von sehr vielen Mitstudenten. (An einer Uni.)

  12. Eine Schule ohne Lehrer kann gar nicht funktionieren. Aber es ist dringend erforderlich, dass vor allem alte Lehrer Fortbildungen besuchen, um ihre veralteten Vorstellungen von Unterricht zu überholen und sich von den neuen Kollegen etwas abzugucken! Es hat sich viel geändert in den Jahren und das Denken muss sich innerhalb und auch außerhalb der Schulen ändern. Man darf nicht mehr doof angesehen werden, wenn man Eltern den Wochenplan erklärt und auf die Selbstständigkeit der Schüler setzt!

  13. Ho-hum. „Auf die Selbstständigkeit der Schüler setzt“ man laut der Metatudie eben gerne mal zu viel („Autonomieillusion“). Aber natürlich kann man das auch zu wenig machen. Am Alter der Lehrer würde ich das ohnehin nicht festmachen. Richtig neue Entwicklungen in der Pädagogik kenne ich tatsächlich nicht; nicht umsonst werden doch immer die Großen Alten (Autoritäten) zitiert.

    Didaktik und Erziehungswissenschaftliches Studium: hm. Didaktik habe ich aus dem Studium wenig mitgenommen. Psychologie mehr, Pädagogik fast nichts. Ein Grundproblem: soll das ein wissenschaftliches Studium sein, so dass ich in der Lage bin, neue Theorien und Erkenntnisse einzuordnen und zu bewerten (und zu hinterfragen), oder soll ich Rezepte kriegen zur Anwendung? Ich schwanke. Ein paar Rezepte mehr wären nicht schlecht gewesen.

  14. „Ein Modell ist ein beschränktes Abbild der Wirklichkeit. Nach Herbert Stachowiak (Allgemeine Modelltheorie, 1973, S. 131-133, s. Lit.) ist es durch mindestens drei Merkmale gekennzeichnet:

    1. Abbildung – Ein Modell ist stets ein Modell von etwas, nämlich Abbildung, Repräsentation eines natürlichen oder eines künstlichen Originals, das selbst wieder Modell sein kann.
    2. Verkürzung – Ein Modell erfasst im allgemeinen nicht alle Attribute des Originals, sondern nur diejenigen, die dem Modellschaffer bzw. Modellnutzer relevant erscheinen.
    3. Pragmatismus – Modelle sind ihren Originalen nicht per se eindeutig zugeordnet. Sie erfüllen ihre Ersetzungsfunktion a) für bestimmte Subjekte (Für Wen?), b) innerhalb bestimmter Zeitintervalle (Wann?) und c) unter Einschränkung auf bestimmte gedankliche oder tätliche Operationen (Wozu?).“

    Das da scheint mir auch für pädagogische, didaktische und methodische Modelle und Rezepte zu gelten. Schon rein definitorisch zeigt das obige Zitat aus der Wikipedia (12.11.2011), dass es müßig ist, darüber zu jammern, dass Theorie keine Praxis und Praxis keine Theorie ist. Im übrigen ist mir die oben angeführte Vorstellung zum Thema „Modell“ seit den Proseminaren zur Geographiedidaktik vertraut…

  15. Hallo Thomas,

    wenn du an empirischen Studien in der Pädagogik interessiert bist – ich habe vor ein paar Jahren über diese Studie ersten Kontakt zum offenen Unterricht gefunden:

    http://offener-unterricht.net/ou/start-offu.php?action=forschung (weitere Infos dort in der linken Spalte)

    bzw.

    http://www.amazon.de/Offener-Unterricht-praxiserprobtes-Allgemeindidaktische-Fachdidaktische/dp/3834001309/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1321560111&sr=8-1

    Um einem möglichen Aufschrei entgegen zu wirken: Es gibt nicht DEN offenen Unterricht. Bedauernswert ist, dass zwar viele dieses „Wort“ benutzen, aber die wenigsten genau wissen, was sie darunter verstehen. Das trifft auch auf LehrerInnen zu, die vermeintlich meinen „offen“ zu arbeiten. Offener Unterricht ermöglicht zumindest mir als Mensch authentisch handeln zu können. Er entspricht, so wie ich ihn praktiziere meinem Naturell. Daher ist genau diese Form des Unterrichts für mich ideal, um gute Beziehungen zu den Kindern herzustellen. Ich sehe mich dabei tatsächlich als Lernbegleiter. Wobei man auch hier wieder mit der Begrifflichkeit viel Unsinn treiben kann. Er suggeriert, dass man alles, was Kinder produzieren, bejubelt und unterstützt und sich gar aus allem herausnimmt. Wer den Unterricht bei mir oder anderen Kollegen erlebt hat, würde überrascht über die vielfältigen Formen der Kritik sein und sich fragen, ob wir nicht „zu hart“ seien.

    Was mich an Didaktik stört, ist ihre Suche nach DEM richtigen Weg des Lernens. Dabei wird versucht, Umwege und Fehler beim Lernen zu vermeiden. Kuschel­päd­ago­gik, das ist in mei­nen Augen die Päd­ago­gik, die Kin­der vor Feh­lern zu bewah­ren ver­sucht.

    Die Essenz eines „guten“ Unterrichts sehe ich grob zusammengefasst in folgendem Zitat ausgedrückt:

    „Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will,
    dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.
    Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll,
    und dann kann ich auch, wenn ich muss.
    Denn die, die kön­nen sol­len, müs­sen auch wol­len dürfen.“

    Leider sehe ich in unseren Schulen viel zu viele Kinder, die immer nur funktionieren müssen!

    Dass es auf die Beziehung ankommt und nicht auf die Form des Unterrichts, ist aber eigentlich ein alter Hut. Bereits Rousseau hat vor etwa 250 Jahren in seinem Epochenwerk „Emil oder Über die Erziehung“ davon geschrieben.

    Grüße
    Marek

    Weitergehender Impuls: Vortrag von Sir Ken Robinson bei der TED-Konferenz:
    http://www.skolnet.de/impulse/bring-on-the-learning-revolution/

  16. Ich bin so was von einverstanden, wenn du sagst, dass die Lehrform zum Lehrertyp passen muss. Den einen richtigen Weg gibt es nicht. (Wer ihn propapgiert, den nehme ich nicht ernst.) Beim richtigen Umgang mit Fehlern sind wir uns auch einig: das Kind muss Fehler machen dürfen, sich über einen schönen Fehler freuen. Im Moment sind Fehler an meinem Schultyp etwas, das Schüler in der Unterstufe vermeiden müssen und das Schülern in der Oberstufe egal ist.

    Was du verlinkt hast, ist praxiserprobt, ist ein Buch aus der Praxis, der Autor hat hat vier Jahre eine Klasse durch die Grundschulzeit geführt. Mit anderen Worten: anekdotisch. Ein Mensch schildert seine Erfahrungen. Das mag ich auch bei konservativeren Büchern nicht: bei Winterhoffs Tyrannen-Buch habe ich das gleiche moniert. Ehrlich gesagt, da vertraue ich der Metastudie oben mehr – da ist eine breitere Datenbasis. Trotzdem freut es mich natürlich, wenn Hilbert Meyer zugibt, sich geirrt zu haben.

    Zugegeben: deine Links sind ein Startpunkt. Da sind Studien verlinkt, über die ich nichts sagen kann. Wenn ich das ernst nähme mit dem Interesse, müsste ich mich damit beschäftigen.

    Zu deinem Zitat: der erste Vers arbeit mit absoluten Angaben – nur, nie – die weiteren nicht. Da ist a bissele einseitig. Von „nur“ und „nie“ ist ja nicht die Rede. Und ich mag auch nicht immer, wenn ich muss. Das äquivalente „immer“ in den Versen 3 und 4 fehlt wohlweislich…
    …Entschuldigung, muss jetzt gleich abendessen und kann nicht mehr überprüfen, ob ich nicht zu grantig klinge… ich lasse es mal so stehen und schiebe nachher alles auf meinen Hunger…

  17. Der erste Vers arbeitet mit absoluten Angaben, ja. Kann es sein, dass du diesen ersten Teil auf dich beziehst? ;-) Okay, du hast Hunger! :-)

    Ich vermute vielmehr, Thomas, dass das Zitat aus einer Zeit stammt, wo der Unterricht so aussah, wie wir ihn aus der Feuerzangebowle kennen. Und ich denke, Absolutierungen sind in dem Zusammenhang durchaus angemessen. ;-)

  18. Um, wenn Absolutiererungen angemessen sind, füge ich sie ein, wo sie fehlen:

    „Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch immer, wenn ich soll, und dann kann ich auch immer, wenn ich muss.“

    Das lässt aber nicht viel Spielraum…

  19. Beiß dich doch nicht so an den Details in diesem Zitat fest. ;-) Was will uns das Zitat denn im Großen und Ganzen sagen? Warum halte ich es für so wertvoll, dass es für mich, die, wie ich schrieb, Essenz „guten“ Unterrichts abbildet? Mir gefällt hier einfach der Blick auf die Person des Schülers und nicht immer nur der omnipräsente Blick auf den „Stoff“. Mir gefällt die Betonung, dass Schüler ihren Kopf nicht nur in die Schule tragen, um ihn vom Lehrer gefüllt zu bekommen, sondern den Schülern auch und zwingend zugestanden werden muss, ihre Köpfe selbst füllen zu dürfen. Der eine Lehrer bietet dafür mehr Raum als ein anderer.

    Machen wir uns doch nichts vor, Thomas, in der Mehrzahl halten die Schüler doch ihren Kopf einfach nur hin: Stoff rein, Test = Stoff raus, Stoff vergessen. So läuft das doch – zugegebenermaßen auch wieder bei mir, seitdem ich erneut Noten geben muss. Dass es anders ginge, zeigen aber Schulen auch in Deutschland, wie ich gerade auf der DVD ‚Treibhäuser der Zukunft‘ schaue.

    Manfred Spitzer hat eine einfache, wie geniale Idee vorgebracht, um sich von dieser „Bulimiepädagogik“ zu verabschieden. Eine Idee, deren Umsetzung keinen Cent kostet:

    „Klassenarbeiten dürfen nur noch Inhalte prüfen, die NICHT in den letzten 6 Wochen behandelt wurden!“

    Welche Veränderungen in der Unterrichtskultur würde das auslösen? Gar nicht auszudenken… ;-)

    P.S.
    Sorry, manchmal gerate ich vom Hölzchen aufs Stöckchen ;-)

  20. Genau diesen Spitzer-Vorschlag habe ich zeitgleich gestern bei dir kommentiert… great minds think alike, heißt es ja.

    „Beiß dich doch nicht so an den Details in diesem Zitat fest.“

    Einmal Literaturwissenschaftler, immer Literaturwissenschaftler… ich beiße gerne an Zitaten herum. („Bleib so wie du bist.“)

  21. Aber Kinder und Jugendliche füllen ihre Köpfe doch unentwegt auch mit etwas, das sie sich selbst aussuchen. Nicht nur mit Mist, sondern auch mit sehr sinnvollen Inhalten, die die Schule nie vermitteln könnte. Die Vorstellung, dass Schüler nur in der Schule lernen, ist doch unsinnig. Der lerntheoretische Überbau dagegen befasst sich doch meistens nur mit der Frage, was die Schüler in der Schule lernen sollen, nicht mehr und nicht weniger.
    Die „Treibhäuser der Zukunft“ erinnert mich an Rousseaus Vorstellung vom Lehrer, der wie ein Gärtner arbeitet. Ausgerechnet dieses Bild weckt bei mir vor allem unangenehme Assoziationen zur französischen Gartenarchitektur… Als Vater möchte ich nur bedingt, dass jemand – und sei es ein geschätzter Kollege – an meinem Sohn mit einer pädagogischen Heckenschere herumschnipselt. An den pädagogischen Weltbeglückern in den Treibhäusern missfällt mir außerdem ihr offenkundiges Sendungsbewusstsein, ihr Hang zur Selbstausbeutung und die Grundschulperspektive auf ihr Tun, die davon auszugehen scheint, dass die Schule praktisch deckungsgleich ist mit der Welt, in der die Schüler leben.

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