Michael Winterhoff, Warum unsere Kinder Tyrannen werden

Mir hat das Buch weniger gebracht als Croco, über die ich darauf gekommen bin. Vielleicht bin ich durch die Lektüre meines letzten Sachbuchs verwöhnt, aber ich vermisse Quellenangaben, Fußnoten, einen Index und eine Bibliographie. Vielleicht kann man das von einem Buch mit großer Zielgruppe nicht erwarten, aber für mich ist das ein Zeichen, dass ich nicht Teil der Zielgruppe bin.

Diese fehlenden Teile kann ich verschmerzen, aber nicht die Tatsache, dass Winterhoffs Thesen auch sonst durch keinerlei andere Quellen unterstützt werden – keine Forschungsergebnisse, keine wissenschaftlichen Untersuchungen, keine Fachkollegen. Er mag durchaus Recht haben, aber seine Ansichten bleiben bloße Meinung, unterstützt lediglich durch anekdotische Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Es scheint tatsächlich niemand anderen zu geben, der den Ernst der Lage so erkannt hat wie Winterhoff: “Mein Ansatz […] ist die einzige Möglichkeit, diesen Trend sinnvoll zu analysieren und Strategien zu entwickeln”. Einzige Möglichkeiten machen mich skeptisch. Winterhoff ist außerdem Psychiater und bemüht Freud. Ich glaube nicht sehr an Freud.

Die Grundthese des Buches, wenn ich es richtig verstanden habe: Kinder heutzutage wachsen nicht kindgerecht auf, die Entwicklung ihrer Psyche wird beeinträchtigt, und danach helfen auch keine neumodischen Erziehungs- und Unterrichtsmethoden mehr.
Die Entwicklung der Psyche ist kein Reifungsprozess, der unabhängig vom Verhalten der Umwelt stattfindet. Falsche Beziehungsmodelle zwischen erziehenden Erwachsenen (Eltern, Kindergarten, Schule) und Kindern führen zu Fehlentwicklung der Psyche. Diese Modelle sind: Partnerschaft, Projektion und Symbiose.

Partnerschaft heißt, dass man dem Kind zu früh Entscheidungen zumutet, die es nicht leisten kann. Dass man mit dem Kind alles diskutiert und es das Recht hat, alles erklärt zu bekommen, statt das man einfach mal sagt: Das ist nun mal so.
Das sehe ich auch so. Als Lehrer bin ich nicht der Partner der Schüler, habe andere Pflichten und andere Rechte, und das sollte den Schülern klar sein. Manche Entscheidungen treffe ich, auch ohne Diskussion, andere nach und nach mit den Schülern.

Projektion: Man holt sich seine Bestätigung durch die Kinder. Die Gesellschaft gibt dem Lehrer nicht genug Liebe, und die Eltern sind durch die moderne technische Welt überfordert (wie es sich etwa beim Bestellen eines Telefons zeigt, was heute viel komplexer ist als noch zu Bundespostzeiten): Deshalb holen die sich die Liebe vom Kind ab.
Auch hier leuchtet mir Winterhoff ein; Aufgabe des Lehrers ist nicht, gemocht zu werden. Allerdings kann ich seine Begründungen nicht nachvollziehen, und ich weiß nicht, ob diese Projektion wirklich so verbreitet ist, wie er sagt. Glücklicherweise habe ich mit der modernen Technik keine Schwierigkeiten und kriege genug Liebe zu Hause.

Nachvollziehbar ist der Gedanke, dass man sich gegenüber Menschen anders verhält als zu Gegenständen. Und dass Kleinkinder erst lernen müssen, dass ein Stuhl etwas anderes ist als ein Onkel: Das eine darf man aus dem Weg schieben, das andere nicht; das eine hat keine Gefühle, das andere schon. Diese Unterscheidung scheint tatsächlich nicht immer ausreichend ausgeprägt zu sein.

Vielleicht hat Winterhoff mit seiner Meinung Recht. Aber mit seinen dramatischen Warnungen und den flachen Erklärungen (siehe Telefon) überzeugt er mich nicht. Zwanzig Seiten wissenschaftlicherer Prosa wären mir leiebr gewesen.

Nachtrag: Diskussion darüber auch in der Sprechstunde.

54 Antworten auf „Michael Winterhoff, Warum unsere Kinder Tyrannen werden“

  1. “Falsche Beziehungsmodelle zwischen erziehenden Erwachsenen […] und Kindern führen zu Fehlentwicklung der Psyche” – das liest sich so geschwind, aber was ist schon richtig und falsch? Meinem Empfinden nach ist ein großer Teil der Eigenschaften eines solchen Beziehungsmodells einfach kulturell festgelegt.

  2. Ich glaube an richtig und falsch. Kulturrelativismus halte ich nur in engen Grenzen für sinnvoll.

    Klar gibt das im Einzelfall Probleme. Gerade beim Gesundheitsbegriff – was ist gesund und was ist krank, im Gegensatz zu häufig und selten? (Was natürlich ist, spielt dabei ohnehin keine Rolle.)

    Aber ich glaube an gesund und krank.

  3. Ich glaube nicht, dass es als wissenschaftliches Buch gedacht war, eher als Denkanstoß.
    Mir hat eben gefallen, dass es nicht so streng wissenschaftlich ist. Dann hätte das Buch in der Öffentlichkeit keinen Widerhall gefunden.
    Natürlich hätte ein bemühter Lektor noch sortiert und zusammengestrichen.
    Gefallen hat mir, dass ein Psychiater nun mit den, für uns alltäglichen Situationen, konfrontiert wird. Wer hat früher Psychiater aufgesucht, wenn ein Kind im Unterricht gestört hat? Niemand.
    Man hätte sich, gemeinsam mit den Eltern , Maßnahmen überlegt, das Kerlchen wieder in die Spur zu bringen. Das geht, meiner Erfahrung nach, immer seltener.
    Und dass ihn das erschreckt, merkt man.
    Ich denke, die wissenschaftliche Untersuchungen zu seinem Ansatz müssen folgen.

  4. Das Buch habe ich auch gerade gelesen. Was ich dem Beitrag von Herrn Rau hinzufügen möchte ist, dass Winterhoff sagt: früher waren es 3 Kinder pro Klasse, die in irgendeiner Weise psychisch beeinträchtigt sind, heute sind es 3, die es nicht sind. Das deutet darauf hin, dass sich die Gesellschaft insgesamt ändert und möglicherweise wir älteren alle ein wenig hintendran sind.

    Jede neue Generation wird von den Alten als psychisch gestört beschrieben. Kann man das so sagen?

    Insgesamt sind für mich bei diesem Buch die Fragen, die es aufwirft – wie so oft – besser als die beschriebenen Umstände und Antworten. Und unmittelbar für mich regte es an, doch ein wenig klarer sich den Kleinen zu zeigen.

    Am stimmigsten war für mich der Teil mit der Symbiose. Hier habe ich selbst einige dazu gut passenden Erfahrungen gemacht mit Schülern und deren Eltern. Allerdings nur bei 3 von 30…

  5. Es kommt sicher auch auf die Schulform an, an der man unterrichtet. Am reinen Gymnasium landen diese Kinder nicht. Sobald aber kooperative Strukturen da sind, ich kennen sie nur zu gut, dann zeigt sich das sehr stark.

  6. Ich habe ebenfalls ein – wenigstens kurze – Bibliografie des Herrn Winterhoffs vermisst.

    Heißt es nicht “Wie man in den Wald ruft, so schallt es raus”?
    So, wie wir unsere Kinder behandeln, wenn sie klein sind, so behandeln sie uns, wenn wir älter sind.

    Wenn Herr Winterhoff (wie viele Eltern auch) Kinder vollkommen respektlos als Tyrannen und Monster bezeichnet, dann muss sich nicht über das respektlose Verhalten der Kinder gewundert werden.

  7. “So, wie wir unsere Kinder behandeln, wenn sie klein sind, so behandeln sie uns, wenn wir älter sind.”

    Da bin ich mir nicht sicher, weder im Einzelfall noch auf die ganze Gesellschaft bezogen. Das eine ist vom anderen abhängig, klar, aber welcher Art diese Abhängigkeit ist, das halte ich für kompliziert. Ich glaube allgemein nicht sehr an Sprichwörter, und so reicht mir ein Sprichwort als Begründung nicht.

    Aber selbst wenn es stimmt: Winterhoffs These ist ja, dass wir unsere Kinder zur Zeit falsch behandeln. Und da ist was dran.

    Die Tyrannen und Monster in Buch und Titel sind vor allem erst mal öffentlichkeitswirksam. Aber als respektlos habe ich das Buch nicht in Erinnerung. Schließlich wird auch Winterhoff keinem Kind ins Gesicht sagen, dass es ein Tyrann oder Monster ist. Aber so heimlich, zwischen uns quasi, darf man das doch sagen, zumindest wenn es zutrifft.

  8. Was Winterhoff beschreibt, ist erschreckend und bedrückend. Zugegebener Maßen fehlen wissenschaftliche Belege. Das Buch wurde eben nicht im Rahmen des Wissenschaftsbetriebes einer Hochschule geschrieben, sondern soll ein breites Publikum, d.h. vor allem auch Eltern ansprechen. Wenn uns wissenschaftliche Belege fehlen, dann sollte doch jeder einzelne in einem demokratischen System lebende die Fähigkeit haben, auf Basis seiner eigenen Wahrnehmung und Erfahrung die Plausibilität und Logik des dargestellten Inhaltes zu überprüfen.
    Ich arbeite seit vielen Jahren mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Was ich in meiner Arbeit täglich und im Laufe der Jahre an Veränderungen wahrnehme, deckt sich voll mit den Beobachtungen Winterhoffs. Vom Kultusministerium indirekt gefordert (die Abbrecherquoten müssen sinken) setzen wir seit Jahren das Leistungsniveau herunter. Elementarste Kenntnisse in den Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) sind auch bei Schülern mit Schulabschluss mittlerweile durchweg mangelhaft. Ich habe noch vor zehn Jahren immer wieder an die Ausbildungsmoral der Betriebe appeliert, mich beschwert, dass nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt werden usw. Den Vorwurf, die Schulabsolventen seien nicht ausbildungsfähig habe ich zurückgewiesen, versucht, den Betrieben klar zu machen, dass sie nicht erwarten könnten, dass Schulabsolventen bereits voll einsatzfähig seien, sie begännen ja gerade erst mit der Ausbildung. Im engen Kontakt mit Lehrbetrieben und Ausbildern, im Rahmen meines Unterrichts an der Berufsschule musste ich erkennen, dass eine große Zahl von Haupt- und Realschulabsolventen absolut nicht ausbildungsfähig ist. Ich habe mit Meistern zu tun gehabt, die selbst Kinder hatten, die auf der Hauptschule nur mäßig erfolgreich waren. Auch in den Betrieben gibt es viele Ausbilder, die sich redlich um die jungen Menschen bemühen. Wenn die Defizite im Sozialverhalten, in den Fähigkeiten zur Alltagsorganisation und darüber hinaus in den Kenntnissen so grundlegend sind, wie es mittlerweile bei ca. einem Drittel meiner Schüler der Fall ist, kann eine Ausbildung niemals abgeschlossen werden. Durch den Druck des Systems (Kultusministerium, Schulleitungen) werden immer mehr Schulabschlüsse und auch Gesellenbriefe verschenkt (ein Tabuthema, das Herr Winterhoff endlich mal öffentlich auspricht). Die jungen Leute merken dann, dass sie mit ihrem Abschluss nichts anfangen können. Auf der weiterführenden Schule kommen sie nicht mit, eine Anstellung finden sie nicht. Die Schule ist froh, sie ist die Leute los. In Bildungsgängen, die eingerichtet wurden, um Schüler ohne Schulabschluss “aufzufangen”, sitzen mittlerweile z.T. ausschließlich Schüler, die einen Haupt- oder sogar Realschulabschluss haben, irgendwo im System geschenkt bekommen. Dass diese Geschenke den Schülern nichts nützen, wird nicht diskutiert.
    Das größte Entsetzen über das niedrige oder gar nicht mehr vorhandene Leistungsniveau in vielen Berufsschulen erfahre ich nicht von älteren Kollegen, sondern im Gegenteil von den Berufseinsteigern, von den jungen Referendaren, die, nachdem sie ein forderndes Studium durchlaufen haben, oft völlig fassungslos sind, wenn sie mit der von Lärm und vollkommener Undisziplin geprägten Unterrichtssituation und dem niedrigen Leistungsvermögen der Schüler das erste Mal konfrontiert sind. Hier sehe ich mehr als das Problem, dass Lehramtsanwärter hierzulande zu spät mit der Praxis in Berührung kommen.
    Statt in den Schulen den im Elternhaus entstandenen Tendenzen gegenzusteuern, von Schülern ein gewissen Maß an Leistung zu verlangen, ein gewisses Maß an Respekt vor Lehrern und Mitschülern, Pünktlichkeit usw., bestätigt Schule vielfach die bereits verinnerlichten Verhaltensweisen der SchülerInnen. Bei der Klassenarbeit geschummelt: macht nix, der Lehrer schaut nicht hin, sonst hat er nur Arbeit und Ärger; der Schüler kommt zu spät, macht nix: steht halt im Zeugnis ’ne große Anzahl von Verspätungen (teilweise gibt es Verordnungen, die dazu beitragen, dass die Verspätungen und Fehlstunden nicht mehr in Zeugnissen auftauchen, weil z.B. im Abschlusszeugnis nur die Fehlstunden des letzten Halbjahres notiert werden od. ä.); Unterricht wird durch Reden, Musikhören, lautes Schreien, Tritte gegen Wände uvm. gestört: nicht wichtig, die SchülerInnen arbeiten ja offiziell selbstbestimmt in Kleingruppen. Wenn für den Schüler solche Verhaltensweisen vielleicht nötig sind, das können wir als Lehrer ja nicht wissen, dann muss er das halt machen. Ich kenne eine Klasse, die im Rahmen einer neuen Unterrichtsform, die auf Selbstständigkeit basiert, vollständig während der ganzen Unterrichtszeit eines Tages Stöpsel im Ohr hat und bei der angeblichen Arbeit Musik hört. Die Schüler gehen raus, wann und so lange sie wollen, vornehmlich um zu rauchen. Es werden Handytelefonate geführt usw. Dass die Leistungsfähigkeit bei einer solchen Unterrichtsform und die Menge an Gelerntem im Verhältnis zu Vergleichsgruppen, die in herkömmlicher Form unterrichtet werden, abnimmt, wird anhand von Klassenarbeitsergbenissen deutlich. Aber man fühlt sich als Lehrer so modern, auch entlastet: “Der Schüler übernimmt selbst die Verantwortung für seinen Lernprozess”. Mein Einwand, seinen Lernprozess selber zu steuern, sei die größte Anförderung überhaupt, viele unserer Schüler damit überfordert, wird zurückgewiesen. Wenn ich von den Schülern pünktliches Erscheinen zum Unterrichtsbeginn erwarte, wird mir jedoch vorgeworfen, die Schüler, die ja in der Adoleszenzphase bekanntermaßen morgens länger schlafen müssten, zu überfordern oder gar zu schikanieren.
    Das Tragische ist, dass wir den Jugendlichen Bildungschancen nehmen. Wir verhindern, dass Potential (und das ist massig vorhanden) sich entfalten kann. Es schmerzt mich, junge gesunde intelligente Menschen zu sehen, die im Alter von 20 Jahren nicht in der Lage sind, einen einfachen Brief zu schreiben, weil sie eben in ihrer gesamten Schulzeit von niemandem dazu angehalten wurden, schreiben zu üben. Sie haben sich perfektioniert in den Mechanismen des Umgehens, des Blendens, Täuschens, Bettelns um Noten, Schuldzuweisungen usw. Das sind die im System Schule verstärkt zur Anwendung kommenden Erfolgsstrategien.
    Bemerkenswert ist, dass die meisten SchülerInnen in Kontexten, die ein anderes Verhalten einfach erzwingen (während der Probezeit das dritte Mal zu spät im Ausbildungsbetrieb, der Ausbildungsplatz ist weg), dieses Verhalten selbstverständlich zeigen. Direkt darauf angesprochen sagen sie mir, das sei ja was anderes, in der Schule könne man zu spät kommen, das interessiere ja keinen, im Betrieb seien sie natürlich immer pünktlich.
    Ich bin selber Lehrer und verdrossen, nicht über die Schüler sondern über Kollegen, Schulleitung und Erlasse des Minesteriums, die es mir mehr und mehr erschweren, ganz selbstverständlich grundlegende Voraussetzungen für den Unterricht in der Schule (Ruhe, gegenseitiger Respekt, Ausreden lassen des Mitschülers, Anfertigen der Hausaufgabe, Pünktlichkeit, einigermaßen höfliches und diszipliniertes Verhalten, nicht schummeln usw.) durchzusetzen.
    Auch ich denke, dass in Deutschland nicht genug Geld für Bildung ausgegeben wird. Ich meine jedoch, dass in vielen Schulen so vieles falsch läuft, dass die Kosten, die an diesen Schulen verursacht werden, besser eingespart würden.

  9. Dass es die von Winterhoff beschriebenen Probleme gibt, bestreite ich nicht – wenn auch nicht in dem Umfang, wie er im Buch dargestellt wird. Wenn er von “kaum eine Familie” und “kaum ein Schüler” spricht, dann ist das einfach übertrieben. Dazu kenne ich zu viele Gegenbeispiele. Aber vielleicht habe ich das Buch tatsächlich nicht genug gelobt dafür, dass es dazu beiträgt, ein tatsächlich vorhandenes Problem in die Öffentlichkeit zu bringen.

    Dass es das beschriebene Schülerverhalten gibt, bestreite ich auch nicht. Aber das Buch heißt schließlich “Warum unsere Kinder Tyrannen werden”, und ich glaube, die Frage nach der Ursache lässt sich nicht “auf Basis seiner eigenen Wahrnehmung und Erfahrung […] überprüfen”. Wenn ich mir anschaue, wieviele Leute an Homöopathie glauben, dann habe ich außerdem wenig Vertrauen in diese Fähigkeit, demokratisches System hin oder her.

    Dass man als Lehrer allen Grund hat, an vielen politischen Entscheidungen des Kultusministeriums und untergeordneter Instanzen zu verzweifeln: Keine Frage.

  10. @berufsschullehrer
    Ich gebe Ihnen durchweg recht bei Ihren Betrachtungen bis zu dem Punkt, an dem Sie beginnen, über das allgemeine Schülerverhalten zu “lamentieren” (bitte nicht persönlich nehmen, aber Lehrer scheinen das Jammern perfektioniert zu haben).
    Sie sprechen deutlich die einzelnen Missstände an, aber es wird nicht deutlich, ob es die Konsequenzlosigkeit Ihrer Kollegen ist, die Sie auffressen wird, wenn Sie sich wirklich daran stören oder Ihre eigene Machtlosigkeit.
    Als Lehrer sind wir paritätisch zum Unterrichten und Erziehen verpflichtet, auch wenns unbequem ist und wir wenig Unterstützung finden. Richtig glücklich und zufrieden können Sie nur sein, wenn Sie die Pflicht und Verantwortung zur Erziehung, die Sie wohl erkennen, aber meinen, nicht umsetzen zu können, wieder für sich persönlich als faktisch setzen.
    Lassen Sie sich von Ihrer Umgebung nicht suggerieren, mit erzieherischem Handeln allein auf weiter Flur zu stehen, es gibt genug Lehrer, die nicht resignieren und handeln, statt jammern.
    Ich bin übrigens Studienreferendar, aber war nicht vom allgemeinen Schülerverhalten überascht, als Meister und Ingenieur bringe ich genug fachliche Überzeugungskraft mit, die manchem Lehramtsstudenten (die sich als Referendare unterbezahlt nicht ernstgenommen eher noch wie Studenten fühlen) völlig abgeht.

  11. Kinder kommen auf der welt mit den moeglichkeit sich sozial zu benehmen. Diese moeglichkeit, oder nennen wir es diese potentialitaet, soll zu faehigkeit werden wenn das kind wirklich lernen darf. Aber kinder sind unerfahren, die wissen doch nicht wie die umwelt auf sie einwirkt. Leider weisst die umwelt das meistens auch nicht. Die meint es zu wissen. Wir erwachsenen haben uns durch unsere erziehung oft gruendlich taueschen lassen ueber was kinder sind und was sie wollen.
    Wenn Kinder geboren werden haben sie nur ihren koerper mit dem und durch den sie sich ausdruecken koennen. Wie Marianne Kruell sagt: „Die personen um uns herum leben in eine andere welt, die Welt der sprache. Die kommunikation verlaueft auf sehr verschiedene ebenen. Als Sauegling leben wir ganz uns gar in der gegenwart und sind nicht imstande, ueber das erlebte zu reflektieren. Die erwachsenen dagegen kommentieren und interpretieren was sie mit uns machen und an uns beobachten. Diese interpretationen beeinfluessen rueckwirkend wieder ihre beobachtungen. Sie haben feste vorstellungen davon, was in uns vorgeht, wie wir zu sein haben, und verhalten sich dementsprechend. Was wir erleben ist – ohne das wir davon wissen – durch ihre sprachwelt vermittelt.“ Unsere sprachwelt, das ist eine schreckliche welt, weil diese welt uns in verwirrung bringt, in diese welt werden wir manipuliert, erniedrigt, getaeuscht, angelogen. „Eine tiermutter“, so sagt Kruell,“ ist mit ihrem jungen ausschliesslich auf demselben ebene im hier und jetzt. Sie ist nicht in eine andere sprache als ihr kind. Kann sich daher keine ‚geschichten’ ueber motive ihres kindes ausdenken.“. Dass Winterhoff sich irrt hat zu tun mit seinen eigenen erziehung, seinen eigenen konditionierung. Es ist so unsinnig zu sagen dass kinder respektlos geworden sind und dass ihre psyche gestoert ist. Ihre psyche kann sich doch nur so entwickeln wie im individuellen umwelt gefordert wird. Kruell geht so weiter: „ Wir sind als erwachsene immer in der welt der sprache unserer gesellschaft und kultur verankert, d.h. wir haben vorstellungen darueber, wie kind-sein und mutter-sein ist oder zu sein hat, die teilweise extrem weit von dem entfernt sein koennen, was wir selbst oder das kind mit dem sinnen wahrnehmen. Das wird besonders deutlich im zusammenhang mit vernachlaessigten oder misshandelten kinder.“ Kinder haben eine vernuenftigen intelligenz, besonders wenn sie zu klein sind um zu denken ueber sichselbst oder ihre umwelt. Verstandgebundene schwachheit, so nennt Stettbacher das. Diese vernuenftige intelligenz ist die anpassungsfaehigkeit. Leider ist das ungefaehr die einzige faehigkeit die viele kinder entwickeln duerfen. Sie lernen sich so zu entwickeln wie man das von ihnen erwartet! Das kind passt ich an, auch das respektlose, stinklangweilige kind hat sich angepasst, is da so wie die eltern es erwartet haben. Die erwartungen der eltern und das benehmen das eine folge dieser erwartungen ist, sind da bevor es ein benehmen des kindes gibt. Das kleine kind kann nur sein was es ist.
    Herr winterhoff ist nicht nur einen faulen denker, manchmal redet er wirklich ein bisschen verreuckt, besonders wenn er folgendes sagt: „Frühkindlicher Narzissmus bedeutet, dass das Kind noch nicht einmal unterscheiden kann zwischen Gegenstand und Mensch.“. Aber saueglinge und sehr kleine kinder koennen doch nur sichselbst erfahren, es ist wirklich verrueckt zu behaupten dass sie dann den ander als gegenstand erfahren! Sie brauchen den erwachsenen als beziehungsfaehigen, beteiligten menschen, bei denen sie gute erfahrungen machen koennen. Wenn die erwachsenen nicht beziehungsfaehig sind, kann das kind nur sichselber als gegenstand erfahren! Es lernt in den beziehung mit erwachsenen ob er subjekt sein darf, oder fuer die erwachsenen nur objekt ist, das bekommentariert und interpretiert wird.
    Viele eltern sind einfach nicht faehig zu erkennen dass sie nichts oder nur sehr wenig von ihren kinder verstehen, und gerade das ist genuegend um von kinder kleine monster zu machen. Sie brauchen es verstanden zu werden, angenommen zu werden mit ihren unerfahrenheit, sie brauchen es untersuchen zu koennen, experimentieren zu koennen, und ueber alles brauchen sie es darueber fuehlen zu duerfen. Da gibt es die schwierigkeit. Ein kind das weint, wuetend ist, agressiv ist, kann das aus sehr verschiedene gruende tun. Aber es kann nicht in sprache wissen warum es das alles tut, das fuehlen ist koerpersprache. Und dann beginnt das interpretieren, das zum tyran machen des kindes: es will nur aufmerksamkeit (ja, wofuer denn?), es will nur seinen sinn haben, es will nur.…. Aber was es will, das kann es doch nicht sagen. Es kann seine beduerfnisse fuehlen, aber kann sie nicht benennen. Und weil wir eltern meinen dass wir es doch verstehen, dass wir alles fuer es tun was wir koennen, muessen wir meinen, das kind benimmt sich nicht gut. Es muss erzogen werden!
    Herr Winterhoff bezieht sich nur auf die eigene erfahrungen. Wenn er behauptet dass die eltern die zu ihm kommen ohne ausnahme beziehungsfaehig sind, dann ist er nicht sehr kritisch. Wenn er behauptet dass darum, weil zu ihm doch nur engagierte eltern kommen, die ihre kinder von klein auf erzogen haben, also fuer optimalen bedingungen gesorgt haben (er, herr Winterhoff arbeitet naehmlich ueberweigend mit kompletten familien), dass darum die respektlosigkeit der kinder nicht zusammenhangen kann mit einen fehlenden erziehung, dann macht er es sich doch ganz bequem! Gerade menschen die mit kinder arbeiten sollen doch wissen was sich hinter die geschlossenen tuere abspielt in der beziehung zwischen eltern und kinder. Eltern koennen fuer andere erwachsenen die freundlichsten menschen sein, gut entwickelt, hoch ausgebildet, aber trotz das alles koennen sie in monster aendern wenn sie ihren kinder nicht verstehen.
    Sein buch will ich nicht lesen, ich habe den herr winterhoff gehoert und gesehen auf youtube, ich habe ein interview gelesen auf deutschlandradio kultur. Was er sagt ist nicht gut reflektiert, eher sehr unsorgfaeltig formuliert. Offensichtlich ist es bestimmet fuer nicht so kritische eltern. Er propagiert meiner meinung nach seine eigene erziehung.
    Oh, und wenn man etwas an zu merken hat auf mein deutsch: es ist nicht meine muttersprache.

  12. “Sein buch will ich nicht lesen” – muss man auch nicht. Aber wenn man ihn dann als “faulen denker” bezeichnet, riskiert man immer, dass die eigene Position als unkritisch und voreingenommen gesehen wird. Ich denke, es ist prinzipiell sicher möglich, von “gestörter Psyche” zu reden, egal, wer für die Störung verantwortlich ist. Auch wenn das an mangelnder Förderung liegt.

    Große Widersprüche zu Winterhoff sehe ich übrigens in dem Kommentar nicht. Winterhoff behauptet in seinem Buch keinesfalls, dass “die respektlosigkeit der kinder nicht zusammenhangen kann mit einen fehlenden erziehung”, sondern genau das ist es, was er behauptet.

  13. Hallo Julia.
    Vielen vielen Dank.
    Das hat so gut getan, das zu lesen.
    Das gibt mir Mut und Hoffnung und die Gewissheit, dass es fühlende Menschen gibt.
    Danke.

  14. Ich bin seit 21 Jahren Grundschullehrerin in Berlin (und insbesondere mit Lernanfängern vertraut ) – also genauso lange wie Herr Winterhoff als Therapeut arbeitet. Für mich war sein Buch eine Offenbarung! Seine Fallbeispiele decken sich exakt mit meinen Beobachtungen in diesem Zeitraum. Kinder kommen mit immer weniger Voraussetzungen und Erfahrungen in die Schule. Diese Defizite bzw. handfesten Störungen können in der Schule nicht ausgeglichen werden auch mit der großen Anstrengung nicht, die alle Lehrer/innen in meiner Umgebung leisten!!! Unsere Arbeit besteht tatsächlich immer weniger in der Wissensvermittlung und Erziehung, sondern mehr Regulierungsversuchen der Versäumnisse der Eltern bzw. der vorliegenden Störungen der Kinder.
    Ich war soeben mit meiner 4. Klasse auf Klassenfahrt. Es war keine anstrengende Zeit. Es war ein Horrortrip!! Nicht 2 oder 3 Kinder mussten permanent “gebändigt” und mehrmals stündlich an die Grundregeln des Zusammenlebens, die Einhaltung von grundlegenden hygienischen Anforderungen, den sachgemäßen Umgang mit Besteck, … erinnert werden. Nein, es waren 12 von nur 23 mitgereisten Kindern! Zwölf Kinder, die man keine fünf Minuten aus den Augen lassen konnte, ohne eine Beule, eine blutige Nase oder zumindest eine heftige Beschimpfung untereinander zu riskieren. Das war vor 20 Jahren definitiv anders. Damals reichte eine (notfalls auch scharfe) Ermahnung, heute prallen Ermahnungen an den Kindern ab. Sie sind es aus den Elternhäusern gewohnt, dass keine Konsequenzen folgen. Ich fühle mich wie im Hamsterrad, wenn ich konsequent bin und erhalte weder vom Senat noch von den Eltern die notwendige Unterstützung.
    Ich bin dankbar für das Buch und dass endlich jemand diese Missstände anspricht. Mir stärkt es den Rücken auch ohne einen ausgeklügelten Plan aus dieser frustrierenden Situation.
    Man sollte häufiger Menschen befragen, die an der Basis arbeiten. Das vermisse ich z.B. auch in Talkshows zu diesem Themenbereich; ich habe noch nie eine/n Grundschullehrer/in in einer solchen Sendung gesehen.

  15. Ich meine eher,
    die Respektlosigkeit der Kinder kommt nicht durch “fehlende Erziehung”
    sondern durch Respektlosigkeit ihnen gegenüber.

  16. Ich finde es irgendwie bedrückend, wenn die ganzen Lehrer so über Kinder schreiben (auch nicht hinter vorgehaltener Hand, und unter uns, und so weiter). Aber wenn man Kinder hauptsächlich in diesem künstlichen Käfig “Schule” zu Gesicht bekommt, dann scheinen sie wirklich Monster zu sein (zu werden). Unsere Lehrer waren ja damals auch Monster (und Tyrannen insbesondere) :) Vielleicht sollte man endlich den Kindern und Lehrern überlassen ihre Schule zu gestalten, wie sie ihnen gefällt und den Politikern die Türe zeigen. Die Kinder, die ich kenne sind eigentlich alle total nett, freundlich und zuvorkommend. Manchmal sind sie auch sauer. Wenn ich einen Vergleich bemühen müsste, dann würde ich sagen: “Kinder sind wie… hmmmm.… ja, genau, wie Menschen”. Sie Herr Rau müssten doch eigentlich die anekdotische Darstellung des Herrn Winterhoff als allererster aufs Schärfste verurteilen. Nach dem Motto: “Winterhoff, setzen 6 ! Eine Begründung darf ich Ihnen nicht geben, damit würde ich sie ja als gleichberechtigt ansehen und ihre Psyche durchlöchern.”

  17. 1000Sunny, vielleicht war ich nicht scharf genug, aber im Blogbeitrag oben habe ich tatsächlich geschrieben: “Er mag durchaus Recht haben, aber seine Ansichten bleiben bloße Meinung, unterstützt lediglich durch anekdotische Erfahrungen aus der eigenen Praxis.” Denn richtig, auch bei ihm wünsche ich mir eine bessere Basis für Schlussfolgerungen.

    Ich glaube, “die ganzen Lehrer” schreiben gar nicht so schlimm über Schüler. Das Wort Monster haben hier die Kommentatoren ins Spiel gebracht, die sehr gegen Winterhoff sind (nicht mal gegen seine Thesen, zu denen nicht immer etwas gesagt wird) – und kein Lehrer.

    Und definitiv nein: Ich bin Jahrgang 1967, meine Lehrer waren weder Tyrannen noch Monster. Der Großteil der Schüler, denen ich begegne, zeigt auch nicht die von Winterhoff gesehenen Verhaltensweisen. Manche aber schon, die Tendenzen sind da. Anderswo mag das schlimmer sein.

  18. Herr Winterhoff mag in manchen Dingen recht haben, aber was mir immer mehr auffällt ist, dass unsere Gesellschaft Kinderfeindlich ist. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Kinder von heute nur funktionieren sollen. Erwachsene dürfen Fehler machen, sobald es aber ein Kind tut, muss es therapiert werden.

  19. Es wird auch nicht besser, wenn sie dann größer werden. Dann meinen Zeit-Redakteure, sich über die Angepasstheit und die mangelnde Aufmüpfigkeit der Jugend mokieren zu müssen (http://www.zeit.de/2008/36/Jugend-ohne-Charakter). Meine völlig anekdotische Beobachtung dazu: ich war gerade auf Abifahrt mit einer Gruppe von 35, die praktisch ausnahmslos charmant, interessiert, höflich, geistreich, lustig und verhandlungsfähig sind. Junge Leute, mit denen man sich überall bestens sehen lassen kann, und mit denen ich persönlich jederzeit gerne einen Abend verbringe. Fleißig sind sie auch noch. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Schüler waren als Zwölfjährige außer Rand und Band, haben Referendare zum Weinen gebracht, erfahrene Kollegen zum Zähneknirschen – und es ist doch etwas aus ihnen geworden.

    Das heißt nicht, dass es nicht manchmal extrem frustrierend ist, wie wenig manche Eltern sich um das Benehmen ihrer Kinder kümmern. Was damals die betreffenden Eltern gemacht haben, weiß ich nicht, weil ich nicht beteiligt war. Die von Klara erwähnten kleinen Wilden haben es vermutlich eh nicht aufs Gymnasium geschafft. Ich finde auch, dass im Kindergarten- und Grundschulbereich viel mehr Mittel zur Unterstützung der Lehrer und Eltern zur Verfügung gestellt werden müssten, aber wie sich Kinder entwickeln, ist oft schwer vorherzusagen.

  20. Hallo Berufsschullehrer, hallo Klara

    Ich kann Ihre Beiträge nur unterstützen. Ich habe mich intensiv mit der Schulproblematik an bayerischen Gymnasien beschäftigt und darüber geschrieben. Ich bin keine Lehrerin und ich habe kein schulpflichtiges Kind, deswegen konnte ich mich dem Thema ganz neutral widmen. Ihre Erfahrungen machen auch Gymnasiallehrer. Ich war anfänglich entsetzt und ich hielt es nicht für möglich, dass es nicht wenige Gymnasiasten gibt und dies auch gerade in der Kollegstufe, die null Motivation mitbringen. Wissen und Allgemeinbildung wird notorisch abgelehnt. Fragen werden mit dem Standartsatz beantwortet: ” Warum soll man das wissen, das braucht doch kein Mensch”. Grundwissen aus vergangenen Schuljahren wurde nicht aufgebaut. Wird danach gefragt, erhält man die Antwort: ” Das haben wir noch nie gehört”. Dementsprechend gibt es zum Beispiel Schüler, die im Leistungskurs Englisch immer noch nicht realisiert haben, dass in der dritten Person an das Verb ein ‑s- angehängt wird. Es ist wirklich unglaublich; ich spreche auch nicht davon, dass meine Berichte für alle Gymnasien repräsentativ sind. Es ist jedoch traurig genug, dass es diese Erfahrungen überhaupt gibt. Für immer mehr Gymnasiasten ist die Schule zu einer lästigen Pflicht geworden, die man auffällig oft auch gar nicht regelmäßig besucht, selbst ohne sich zu entschuldigen, denn nachhaltige Konsequenzen gibt es nicht (in Bayern). Pünktlichkeit, Respekt und Achtung sind Fremdwörter, denn wenn trotz Leistungsverweigerung das Klassenziel gefährdet ist, dann liegt es nur an dem ungerechten Lehrer, von dem man bedingungslos verlangt, dass er einen durchboxt, egal wie. Dabei wurden Leistungsanforderungen immer mehr nach unten geschraubt. Dies hat jedoch nichts daran geändert, dass die Noten besser wurden. Auch die Tendenz ist gewachsen, dass Eltern gerichtliche Schritte einleiten, wenn sie finden, dass ihre Kinder zu schlecht benotet wurden.
    Tja, wie gesagt, ich hoffe, dass es noch viele Gymnasien gibt, die meine Statements nicht nachvollziehen können. Trotzdem muss es erlaubt sein darüber zu berichten, wenn es diese Gegebenheiten in manchen Gymnasien gibt und es nicht nur der Wahrnehmung einzelner Lehrern entspricht.

    Man sollte auch bedenken, dass entsprechende Zustände dazu führen, dass gute und motivierte Schüler nicht mehr gefördert werden können, weil es das Klassenniveau nicht zulässt sich auch nur annähernd an denen zu orientieren, die weiterkommen möchten. Sie sind die Leidtragenden, denn ihre Bildungschance sinkt.

    Ich stimme in vielen Punkten mit Herrn Winterhoff überein, denn für mich spielt dabei ein Erziehungsversagen von Seiten der Eltern die größte Rolle. Kinder nur in Watte zu packen, sie vor allen Herausforderungen zu schützen, ihnen weder Verantwortung noch Selbstverantwortung zu vermitteln, ist fahrlässig und erzeugt lebensunfähige Erwachsene, die erst nach der Schule mit der harten Realität konfrontiert werden, auf die sie nie vorbereitet wurden; doch dann ist es oft für viele zu spät.
    Eltern wie auch Lehrer, die sich dieser Kuschelromantik bedienen, weil ihr Helfersyndrom nach eigener Anerkennung sucht, sind sehr wohl ein Problem und da heißt es umdenken.

    Mehr dazu auch hier:
    http://blog.ebook-insel.de/category/schule-und-erzeihung/page/2/

    Auch wenn die Thesen von Herrn Winterhoff für viele umstritten sind, war seine Meinung in der öffentlichen Diskussion lange überfällig. Vor seinem Buch konnte man in den Medien nur von den armen und überforderten Schülern und Eltern hören, wobei der schwarze Peter unkommentiert den Lehrern zugeschoben wurde. Es wurde Zeit, über die andere Seite der Medaille zu berichten, und letzte Woche wurde endlich die erste Sendung im Fernsehen zu dem Thema ausgestrahlt, die das harte Berufsleben von Lehrern schildert :
    37 ° “Lehrer an ihrer Belastungsgrenze”
    http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1020910,00.html?dr=1

  21. Mit “die ganzen Lehrer” meinte ich auch die Kommentare von denen, die erkennbar Lehrer waren und sich negativ äusserten, das Buch sogar als Offenbarung bezeichnen. Als Homeschooler hat man es da ein bisschen einfacher. Es ist eh klar, dass man seine Kinder liebt. Man weiss, wo die eigenen Grenzen sind und man muss nicht noch auf politische Vorgaben achten. Und zu guter Letzt hat man ja nur 3–4 Kinder. Das lässt uns wahrscheinlich gut reden und diesem Winterhoff nur Verständnislosigkeit entgegenbringen – vielleicht ist es an der Schule aber wirklich so, wie manche Lehrer hier andeuten (wenn auch nur tendenziell).

  22. Liebe Leser,

    Es passt jetzt zwar nicht direkt hier her, aber das Thema “Privatschulen” dürfte manche Lehrer interessieren, weil der Zulauf zu diesen Institutionen immer größer wird und weil sie von vielen Eltern als bessere Alternative zu Regelschulen betrachtet werden. Deswegen ist es ganz interessant, was an Waldorfschulen (staatlich mitfinanziert) gelehrt wird, die in der Öffentlichkeit so viel Anerkennung erfahren. Ich habe dazu ein Interview mit einem ehemaligen Studenten des “Seminars für Waldorfpädagogik Berlin” geführt und veröffentlicht. Wer zu dem Thema noch Informationsbedarf hat, wir sicherlich sehr überrascht sein:

    http://blog.ebook-insel.de/2008/10/22/seminar-fur-waldorfpadagogik-berlin-ein-interview-mit-andreas-lichte/

  23. Michael Winterhoff’s Buch ist für mich eines der wichtigsten in der Diskussion um unsere Jugend. Ich bin Jahrgang 1931. Was da über die Schulen zu meiner Zeit erzählt wird, ist oft kaum zu glauben. Im Schulzimmer herrschte selbstverständlich Ruhe. Mir war kein einziger prügelnder Lehrer bekannt. Unsere Lehrer waren Respektspersonen, aber sicher keine Tyrannen. Dann kamen die 68er und damit hat sich dann vieles, sehr vieles verändert und dies besonders punkto Erziehung. Leider habe ich dannzumal noch nicht bemerkt, was da eigentlich vor sich ging. Erst sehr viel später habe ich mir Antworten erarbeiten können. Dazu ein Beispiel: Anfangs 80er Jahre habe ich eine Ausbildung zum Fachlehrer gemacht. Wenn die Lektion vom Ausbildungsleiter gehalten wurde, ging der Uebergang vom allgemeinen Gespräch vor der Lektion zur Lektion selbst immer nahtlos. Die ganze Gruppe war um den lässig auf dem Geländer sitzenden Gruppenleiter herum und der dozierte dann irgend etwas. Es war sozusagen unmöglich herauszufinden, ob er nun einfach etwas daherplauderte, oder ob das Unterricht sein sollte. Auf alle Fälle verstand ich erst sehr viel später, das das eine damals neuartige Form des Unterrichts war.
    Was mich selbst brennend interessieren würde, ist, ob sich ein Zusammenhang der 68er Erziehung mit der gegenwärtigen Geldgier herstellen lässt. Die Zustände einer Gesellschaft fallen nicht vom Himmel, sie sind menschengemacht und der Mensch ist das Produkt seiner Erziehung.

  24. Gibt es Belege dafür, dass Geldgier etwas erst *Gegenwärtiges* ist? Geld- und Machtgier sind zumindest so alt wie die Zivilisation.
    Die 68er litten, soviel ich weiß, unter dem Schock der noch nahen Ereignisse des 3. Reichs, und insgesamt wollte man sich – zu Recht – von der traditionellen Erziehung befreien. Wenn man Alice Millers “Am Anfang war Erziehung” liest, wo reichlich Auszüge aus älteren Pädagigkratgebern enthalten sind, kann man dies nur positiv werten. Nun besteht ja natürlich immer die Gefahr, ins andere Extrem zu verfallen und das Kind mit dem Bade auszuschütten.

    Ich fand Winterhoffs Erklärung der von ihm gesehenen Entwicklung in der modernen Gesellschaft (Stichwort Internet- und Telefinanschluss) ebenfalls bemerkenswert flach. Und es ist mir aufgefallen, dass bestimmte Ausdrücke (“kleine Erwachsene”, “Missbrauch des Kindes für die Bedürfnisse der Erwachsenen”) genauso bei Alice Miller stehen, aber mit einem ganz anderen Inhalt.

  25. Liebe Mitmenschen!
    Ihre Überlegungen sind alle nicht falsch, warum unsere Kinder zu Tyrannen werden. Aber ich habe die wahre Ursache und die wirklichen Verantwortlichen als unabhängiger privater Medizin- und Medienermittler ausfindig machen können. Sie schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie die Wahrheit erfahren würden, das ie so brisant ist, dass mir sogar nach dem Leben grtrachtet wurde, stelle ich meine Ermittlungen nicht sofort ein.
    Nähere Informationen erfahren sie unter meiner E.mail.

  26. Nach Empfehlungen habe ich mich letztlich für das Buch entschieden. Ich werde es als Oma auf dem Tisch liegen lassen, vielleicht interessieren sich ja die Kinder dafür. Ich war erschrocken, wieviel stimmt und wollte abends nicht mehr lesen ‚um schlafen zu können. Sicher muss ich nicht allem zustimmen. Aber es ist doch ein Denkanstoß gegeben. Noch eine Frage, die vielleicht abwegig erscheint aber eigentlich in den Zusammenhang passt: Was ist mit der Kinderarmut in Deutschland?

  27. Hallo, Herr Rau!
    Über die Suche nach Herrn Winterhoff stieß ich auf Ihre Website mit den Kommentaren zu dem Buch. Ganz habe ich es nicht gelesen, mal reingeschaut und viele Berichte, Kommentare gelesen darüber, unter anderem jetzt auch hier. Sehr interessant.
    Besonders angesprochen hat mich der Text von Berufsschullehrer.
    Ich bin selbst Mutter zweier Kinder, 7 und 9 Jahre alt. Bin 1968 geboren.
    In meinem Pharmaziestudium bin ich noch fast um den Computer “herumgekommen”, habe ihn in meinen 5 Jahren im Beruf benutzt wie nötig. Jetzt bin ich seit 10 Jahren zu Hause.
    Mich schockiert dieser absolute “Technikdruck”!
    Klar, die Firmen müssen verkaufen, Geschäft machen. Da wird dann mit immer neuen Handies, noch billigeren Angeboten, mit Foto, Internetzugang, … geworben – und Leute hinterher abgezockt, weil über die Preise dafür nicht aufgeklärt wird. Ohne tausende Filme, die man vom Computer sieht, ohne Digitalkamera und Flachbildschirm kann man offenbar nicht mehr leben. Auch die neuesten Kinofilme und CD’s von Pink, Backstreet-Boys und wie sie alle heißen, muss man haben. Wird immer alles in “logo”, den Kindernachrichten in Kika, “beworben”. Natürlich auch möglichst viele Nintendo-Spiele… .

    Was ist eigentlich wichtig im Leben???
    Inzwischen stelle ich mir die Frage selber. Ich arbeite nicht, außer zu Hause – und fühle mich irgendwie abgehängt, denn in der Gesllschaft wird Arbeit als das einzig Wahre dargestellt.
    Wenn ich meine Kinder sehe, die ich mit Mühe zum einmaligen Durchspielen ihrer Flötenstücke bringen kann, bei kleinster Kritik werde ich angeschrien, die Noten fliegen durch die Luft, frage ich mich schon, wie das später mal werden wird.
    Der Mensch ist ja irgendwie von sich aus etwas “faul” – was nicht muss, macht man meist auch nicht (da stelle ich fest, dass ich in der Studienzeit manches versäumt habe, dass es aber auch viel zu wenig praxisbezogen war).
    Meine eigene Orientierungslosigkeit in der Welt macht die Erziehung schwierig – denn die Kinder merken genau, wie es Mama geht. Sie reagieren dann einfach nicht mehr auf Ansprache. Und irgendwann bin ich frustriert und werfe ein Stück weit die Flinte ins Korn.
    Ich selbst bin Tochter einer Grundschullehrerin und eines Gymnasiallehrers. Meine Mutter ist dann zu Hause geblieben, hat sich sehr um uns gekümmert. Ich kann mich nicht erinnern, solche Motivationsschwierigkeiten gehabt zu haben, irgendwie war alles klar (vorgegeben von der aktiven Mutter?).
    Jetzt hänge ich selber mit Motivationsproblemen, weiß nicht, was ich tun soll, wenn die Kinder in der Schule sind und z.T. auch, wenn sie zu Hause sind. Und diese Interessenlosigkeit überträgt sich ganz deutlich.
    Fernsehen mag ich nicht so recht – es gibt so viel Mist, so viel Unwesentliches.
    Mein Sohn guckt jetzt immer Pokemon, ist durch einen Freund darauf gekommen – aber auch etwas halbherzig. Ich weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Computerspiele hat er nicht so viele.

    Jetzt haben sie gerade Gedichte in der Schule – und zu Weihnachten hatte er auch eins gelernt (ich kenne noch einige von früher). Ich schreibe mir jetzt schöne Gedichte, die die Kinder mitbringen, auf und lerne sie auch. Ich finde, das Auswendiglernen wird – zumindest hier in der Grundschule – sehr wenig geschult; obwohl es bei den Kleinen so schnell geht. Später im Gymnasium, sollen sie sich dann die Vokabeln “in die Köpfe knallen” (2 Fremdsprachen mit einem Jahr Abstand – wenn das mal klappt?).
    “Bildung” ist ja überhaupt alles – da wird viel Geld ausgegeben.
    Fragt mal jemand, wie es den Lehrern geht? Wie man sie in ihrer Arbeit unterstützen könnte, anstatt sie durch immer neue Vorschriften immer komplizierter zu machen? Wie könnte man ihnen helfen, effektiver und überzeugender zu unterrichten, mit (vielleicht) mehr Glaubwürdigkeit und Kompetenz den Schülern entgegenzutreten?
    Ich denke, daran mangelt es zum Teil – Schüler merken, was hinter dem Lehrer für eine Persönlichkeit steckt – und können “grausam” sein. Da sind, denke ich, klare Regeln und Konsequenz ganz wichtig.
    Haben die Lehrer genug Zeit, daran zu arbeiten, sich auch mal mit jemandem auszusprechen, Rat zu holen?
    So wichtig Schülermensen und ordentliche Räumlichkeiten sein mögen, so wichtig sind vor allem die Menschen, die in den Schulen arbeiten – und immer länger jeden Tag für unsere Kinder zuständig sein sollen… .

    Ich wünsche Ihnen immer wieder neu Kraft für die Arbeit mit den Kindern!

    Wachtberg bei Bonn

  28. Danke für die Wünsche. Ihnen wünsche ich auch alles Gute. Sie sprechen ja eine ganze Menge verschiedener Punkte an. Den Technikdruck sehe ich gar nicht so, es ist eher allgemeiner Konsumdruck, von dem ich nicht weiß, ob der sich in den letzten 20 Jahren verändert hat. Arbeit ist tatsächlich ein sehr anerkanntes Ziel in unserer Gesellschaft. Aber es gibt auch andere. Wer irgendetwas tun will, sollte irgendetwas tun, sonst wird man nicht glücklich dabei.

  29. Ich habe mir die Beiträge durchgelesen und finde die verschiedenen Meinungen und Sichtweisen zum Thema sehr interessant.
    Ich bin zwar keine Lehrerin, aber Diplom-Pädagogin und arbeite seit etwa 20 Jahren mit Kindern verschiedener Altersstufen. Auch ich kann aus meiner eigenen Erfahrung heraus bestätigen, dass sich in dieser Zeit kontinuierlich etwas verändert hat, besonders in den letzten Jahren.
    Immer mehr Kinder bringen von zuhause kaum etwas an Erziehung mit und nehmen nur sich selbst wahr, wollen immer im Mittelpunkt stehen und sind nicht bereit, auch nur im Geringsten auf Erwachsene zu hören. Viele verhalten sich auch ziemlich aggressiv gegenüber anderen Kindern. Früher hatte man vielleicht ein bis zwei solcher Kinder in der Gruppe, heute sind fast die Hälfte.
    Ich habe mich in den letzten zwei Jahren intensiv mit diesem Thema beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben, in dem es um die Auswirkungen dieser “Nichterziehung” auf unsere Gesellschaft geht.Ich habe versucht, soviele Informationen wie möglich zu dem Thema zusammenzutragen, aus eigenen Erfahrungen, Gesprächen mit Lehrern und Erzieherinnen und Beiträgen aus den Medien. Es geht jedoch nicht nur um eine Bestandsaufnahme sozialer Missstände, sondern auch um Ursachen und Lösungsvorschläge.
    Wen es interessiert: es heißt: “Was ist los mit unseren Kindern – Erziehungskrise in Deutschland” und ist zu finden unter http://www.bod.de

  30. Seit ca. fünf Jahren ist zu beobachten, dass das Niveau – wie hier schon treffend beschrieben – ins Bodenlose abdriftet. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass wütende, beißende Kritik bei den Müttern einsetzt, wenn man es wagt, dies in den Zensuren widerspiegeln zu lassen. Wie offensichtlich so viele andere Kollegen habe ich daraufhin die Notbremse gezogen und überlege dreimal, ob eine eigentlich berechtigte Fünf (von einer Sechs ganz zu schweigen !) es wert ist, dass wieder einmal wutentbrannte Mütter zum Direktor rennen und mir die Hölle heiß machen. Dann senkt man halt das Niveau, gibt massenhaft ungerechtfertigte Zensuren – aber hat seine Ruhe !! Gleiches gilt für das Abschreiben (auch das ist vom Berufsschullehrer schon angeführt worden). Die Schüler haben absolut kein Unrechtsbewusstsein, ertappt man sie, muss man sich Beschimpfungen ihrerseits anhören (“Herr XY hat sie wohl nicht mehr alle”) und muss alles haarklein beweisen. Eltern ist die Täuschung nicht etwa peinlich, nein, auch sie gehen gegen den Lehrer vor. Selbst eindeutig nachweisbare Übernahme von Internet- Weisheiten oder seitenweise kopierte Praktikumsberichte werden von Eltern geleugnet oder mit dem Hinweis verteidigt, eine Realschülerin der 10. Klasse könne ja nicht wissen, dass ein solches Kopieren nicht statthaft sei …

  31. @ Berufsschullehrer

    Ihr Beitrag vom 1.8.2008 ist ja schon ein paar Tage älter, aber ich klicke mich hier jetzt erst ‘rein… Kann nur sagen, Sie haben mir so aus dem Herzen gesprochen!! In einem anderen Beitrag wurde das na klar wieder als Jammern bezeichnet. Aber, hey, wenn was Kacke ist, muss man’s auch mal Kacke nennen dürfen! Please excuse my French!
    Nochmals Danke für den Beitrag!!!

  32. @Realschullehrer
    Sehe ich auch so. Die Noten sollten einfach besser werden. Ich habe in der Schule auch gespickt, wie ein Weltmeister und habe trotzdem mein Studium mit 1 irgendwas beendet. Zum Spicken würde ich auch jedem anderen Schüler raten. Und als Lehrer sollte man sich wirklich Gedanken machen, ob man mit einer schlechten Note wirklich ein ganzes Leben zerstören will oder doch lieber 2 oder 3 Notenstufen besser gibt.
    Da habe ich gar kein Unrechtsbewusstsein und ich finde, wenn Sie sich Ärger mit Eltern ersparen wollen, dann ist das ihr gutes Recht. Schließlich ist es ihre Gesundheit, die sie ruinieren.

  33. “Heißt es nicht “Wie man in den Wald ruft, so schallt es raus”?
    So, wie wir unsere Kinder behandeln, wenn sie klein sind, so behandeln sie uns, wenn wir älter sind.”

    genau das ist falsch: kinder so behandeln, wie man selbst als erwachsener behandelt werden möchte.

  34. Interessierte Leserin
    Ich sehe Michael Winterhoffs Buch als interessanten Denkanstoß für eine größere Öffentlichkeit.
    Ich selbst bin seit Jahrzehnten Lehrerin und beobachte das, was Herr Winterhoff beschreibt, deutlich häufiger als früher. Auch seine Erklärungen dazu finde ich plausibel.
    Kinder und Jugendliche selbstständig machen, bedeutet u.a. auch, ihnen sinnvolle Grenzen setzen.
    Zu Herrn Winterhoffs Äußerungen über Unterrichtsmethoden, speziell Frontalunterricht versus Teamarbeit / Freiarbeit möchte ich allerdings etwas zusätzlich sagen:
    Ich habe mit einer ganzen Reihe von Berufskollegen gesprochen:
    Wir finden sowohl Frontalunterricht wie auch Teamarbeit oder auch Freiarbeit sinnvoll.
    Jede Unterrichtsmethode hat ihre Vor- und Nachteile. Von daher plädieren wir für eine sinnvolle Mischung.
    D.h. wir finden Teamarbeit oder auch Freiarbeit sehr sinnvoll. Wir finden aber, dass man auf den sog. Frontalunterricht, je nach Fach und jeweiliger Zielsetzung, nicht verzichten kann.
    Wir haben z.B. festgestellt, dass Schüler, die fast ausschließlich Freiarbeit oder auch Teamarbeit machen, oft nicht mehr fähig, sich im Frontalunterricht auf ihre ganze Klasse zu konzentrieren. Auch schon von daher ist unserer Ansicht auch nötig, Schüler für den Frontalunterricht zu trainieren.
    Viele Lehrer sehen es mit Skepsis, wenn unter Didaktikern alle paar Jahre irgendeine Methode zur quasi alleinseeligmachenden und völlig neuen Methode erklärt wird.
    In der Regel sind diese hochgelobten Methoden weder neu noch ein Allheilmittel.
    Und selbst gute Methoden sind nicht mehr gut, wenn man sie ständig und unkritisch anwendet.

  35. @Interessierte Leserin
    Warum ist Frontalunterricht unentbehrlich. Sie haben als einzigen Grund angegeben, dass man sich ohne Frontalunterricht nicht mehr auf Frontalunterricht konzentrieren kann. Und man aber Schüler für den Frontalunterricht trainieren müsste.

    Bestimmt ist Ihnen der Kreis in Ihrer Argumentation schon aufgefallen. Jetzt bitte ich Sie uns noch zu sagen, was denn der Grund außerhalb des Kreises ist.

  36. Wenn ich eine Antwort geben darf: Eine schwache Begründung ist die, dass man im späteren Leben bei Fortbildungen (auc bei Web 2.0‑Tagungen) und an der Uni Frontalunterricht ausgesetzt ist und damit zurechtkommen sollte. Zugegeben, man kann auch in Seminaren und Übungen und aus Büchern viel lernen – ich bin selber nur spärlich in Vorlesungen gegangen, nämlich nur in die, die gut waren. Das waren nicht viele – Frontalunterricht muss man eben auch können. Aber einige gab es.

    Schwach ist die Begründung deshalb, weil damit noch nichts darüber gesagt ist, wie sinnvoll Frontalunterricht an der Uni ist und ob der dort nicht auch abgeschafft gehört. Deshalb eine besser, obwohl sie auf eigener Erfahrung beruht: Ich habe vom Frontalunterricht in der Schule und, etwas weniger, an der Uni sehr profitiert. Man kann argumentieren, dass es zu wenige Schüler oder Studenten wie mich gibt, als dass sich Frontalunterricht lohnen würde. Wenn dem so wäre, und das glaube ich nicht, müsste man auf die Methode verzichten und sich der neuen Lernendengeneration anpassen oder, aber das funktioniert nicht, dieser Generation die Methode erschließen.

  37. Ich halte dieses Buch für ein weiteres, das für Eltern ein helfender Strohalm im Supf der Hilflosigkeit sein KANN! Allerdenigs impliziert schon der Titel, dass unsere Kinder zu Tyrannen werden, wenn wir uns nicht an die weisen Empfehlungen halten.
    Mein Lieblingsspruch in Diskussionen, die sich mit dem richtigen Umgang mit Kindern und Jugendlichen befassen ist folgender einleitender Satz: “Vor 60.000 Jahren in der Höhle…”

    Was für eine glückliche Zeit: Am besten daran: Es gab keine Erziehungsratgeber! Ein Stammesältester hat gesagt “wo es langgeht”. Diese Führung war zum Überleben notwendig. Gleichzeitig wuchsen die Kinder in einem engen sozialen Verbund auf; die Familie lebte gemeinsam in EINER Höhle (eine eigene Kinderhöhle gabs eben nicht), sie hatten Bezugspersonen auf die sie sich verlassen konnten und auch mussten (Säbelzahntiger wussten zartes Fleisch sicherlich auch zu schätzen… ;-) ). In Ermangelung vieler mehr oder minder kluger Leute die noch viel meher mehr oder minder hilfreiche Bücher feilboten blieb ihnen nur eine Alternative: Ihr Gefühl für die Heranwachsenden, deren Bedürfnisse und die mehr oder weniger starre Ordnung des Stammes.

    Ich mache es mir gerne leicht – warum auch nicht – und behaupte, dass es nicht in der Macht eines Lehrers liegt Fehler zu korrigieren, die über Jahre von Eltern gemacht wurden. Und genau dort liegt der Hund begraben: Wie sollen mich meine Eltern sinnvoll und glaubwürdig führen, wenn sie sich selbst nicht genügend Wertschätzung entgegenbringen um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln? Nicht zu führen und “das eigene Kind als bester Kumpel” ist der einfachere Weg. Vor 60.000 Jahren hätte es den Säbelzahntiger gefreut und die Population wäre um ein paar nicht überlebensfähige Exemplare Homo Sapiens dezimiert worden. Heute gibt es keine Säbelzahntiger mehr, und somit erreichen diese ungehindert unsere Schulen, wo dann engagierte Pädagogen versuchen, zu retten was (fast schon nicht mehr) zu retten ist. Das “Das ist doch Aufgabe der Schule!”-Denken vieler Eltern ist hier nicht gerade hilfreich…

    Die Methodik im Unterricht sollte doch die Vielfalt des Lebens widerspiegeln: Das Leben ist ebensowenig NUR Frontalunterricht wie Gruppen- oder Freiarbeit. Heute habe ich eine Präsentation (Frontal), morgen ein Arbeitsmeeting mit einem Projektteam (Gruppenarbeit) und danach glit es, die Ergebnisse aus letzterem mit meiner Kreativität umzusetzen (Freiarbeit). Das nur, um drei Möglichkeiten aufzuzeigen. Jeder Lehrer hat – weil er eben auch Lehrer werden wollte (für mich ist das mehr Berufung als Beruf) – ein gespür dafür, ob sein Unterricht gut oder schlecht ist, oder ob die gewählte Methode gut oder schlecht zum Stoff passt. Wenn er sich selbst und anderen gegenüber selbstbewusst die seiner Meinung nach korrekte Methode vertritt, wird er neben gutem Unterricht auch noch als Vorbild und Respektsperson für unsere Schüler gelten.

  38. Interessierte Leserin
    Vor allem Lehrern, vermutlich auch etlichen Psychologen, scheint es aufzufallen:
    Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder quasi überhaupt nicht mehr erziehen bzw.
    die es so tun, wie Herr Winterhoff es beschreibt, ist deutlich angewachsen.
    Manche dieser Eltern scheinen überfordert zu sein, bei einigen hat man auch den Verdacht,
    dass sie schlicht zu faul sind, ihren Kindern etwas entgegenzusetzen.
    Erziehung, einschließlich den Kindern Grenzen setzen, ist durchaus anstrengend,
    und es wird noch anstrengender, wenn man schon Vieles hat ‚schleifen‘ lassen.
    U.a auch aufgrund der PISA-Ergebnisse plädiere ich dafür,
    in Deutschland eine gute Kindergarten- / Vorschulerziehung aufzubauen.
    Der Besuch des Kindergartens bzw. der Vorschule sollte freiwillig sein,
    es sollte aber gerade für die bildungsferneren Schichten auch finanziell reizvoll sein,
    ihre Kinder dorthin zu schicken. Wir könnten uns dabei von Frankreich einiges abgucken.
    Ganz nebenbei könnte man damit auch Familien, in der Realität vor allem die Mütter, besser unterstützen, Familienleben und Beruf miteinander zu verbinden.
    Den Kindergärten bzw. Vorschulen sollte man (auf Länderebene) eine Art Lehrplan verpassen.
    Vorschulkindern kann man nämlich eine ganze Menge beibringen,
    bzw. man kann sie wissbegierig und offen machen, wenn man dabei kindgemäß vorgeht.
    Dazu brauchen wir ErzieherInnen, die eine gute Ausbildung bekommen und anständig verdienen. (Man denke nur an den ErzieherInnen-Streik.)
    Kinder im Vorschulalter kann man noch wesentlich stärker beeinflussen als Kinder ab 6 Jahren, geschweige denn Jugendliche in der Pupertät.
    Eine elterliche Erziehung, die droht problematisch zu werden, die soziale und kognitive Entwicklung der Kinder, vor allem auch der Kinder, die aus bildungsfernen Haushalten kommen,lassen sich eher noch zum Positiven hin entwickeln als später.
    Man könnte spätestens ein Jahr vor der Einschulung (mit 6 Jahren) für alle Kinder verbindlich
    einen Sprachtest machen. Kinder, die ihn nicht bestehen, hätten dann die Pflicht, eine Vorschule zu besuchen,in der man ihnen einen kindgerechten Sprachkurs anbietet.
    Wie es wohl teilweise schon in Großbritannien geschieht,
    sollte man den Eltern von den Kindergärten bzw. Vorschulen ihrer Kinder aus Erziehungskurse anbieten. Vermutlich würden solche Eltern freiwillig teilnehmen,
    die sich ohnehin schon gut um die Kindererziehung kümmern.
    Damit auch die anderen Eltern kommen, sollte man es indirekt zur Pflicht machen:
    Eltern, deren Kinder jetzt oder später auffällig große Probleme bekommen und machen,
    sollten die Teilnahme an Erziehungskursen nachweisen. Kümmern sie sich nicht darum, sollte man ihnen das Kindergeld teilweise oder ganz streichen.
    Ähnliche Ideen haben überraschenderweise auch schon einzelne Pädagogen geäußert.
    Was könnten wir mit der Umsetzung solcher Ideen erreichen?
    Wir könnten eine größere Bildungsgerechtigkeit erreichen.
    Außerdem brauchen wir in naher Zukunft deutlich mehr junge Leute mit einer guten Ausbildung. Wir haben immer mehr alte Leute im Vergleich zu den jungen.
    Was in den 1970er Jahren z.B. noch ging, dass man als Ungelernter oder Angelernter
    ausreichend Geld verdienen konnte, ist schon längst vorbei.

  39. Diese ganzen Fortbildungen (Uni/Web2.0‑Seminar) sind Argumente, die ich zusätzlich auch noch etwas abschwächen muss. Auch sie verlassen nämlich den Kreis der Bildung nicht.
    Wieder lautet die Argumentation: Wir brauchen Frontalunterricht um Frontalunterricht zu verstehen.
    Wir brauchen ihn nicht, so wie lesen oder schreiben, um produktiv im Alltag zu interagieren. Er scheint mit den bisherigen Gründen nur als Selbstzweck zu bestehen – also als Vorbereitung auf noch mehr Frontalunterricht.

    @Interessierte Leserin
    Leider verlassen Sie auch immer noch nicht den Kreis der schulischen Ausbildung (inklusive Kindergarten, Vorkindergarten, Krippe, Unis usw.).
    Eine Anmerkung, man kann die Pflicht anderer Länder nicht mit der Pflicht in Deutschland vergleichen – hier herrscht Zwang.
    Zusätzlich frage ich mich, ob Sie jemals über die gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Ideen nachgedacht haben. Oder haben Ihre Vorschläge nur Vorteile und keinerlei Nachteile?

  40. Interessierte Leserin
    Zu Sunny:
    Wieso sollte ich eigentlich nicht auf schulische (Aus-)Bildung eingehen?
    Jeder weiß, dass Erziehung hauptsächlich durch die Eltern stattfindet bzw. stattfinden sollte.
    Leider klappt das aber nicht in allen Fällen.
    Von daher meinen manche Leute, dass die Schule so eine Art Reparaturbetrieb sein sollte,
    was die Schule nur in Ansätzen sein kann, nicht weil die Lehrer zu blöd sind,
    sondern weil sie die Rolle der Eltern nicht übernehmen können.
    Wenn man überhaupt noch etwas von außen erreichen will, dann geht es am ehesten im Kleinkindalter. Von daher meine Vorschläge.

    Ich wüsste auch nicht, warum in Deutschland ‚Zwang‘ ‚herrschen‘ sollte und
    in Frankreich und Großbritannien offenbar nicht.
    Während in Deutschland in den 50er und teilweise 60er Jahren bei den meisten Eltern
    ein eher authoritärer Erziehungsstil üblich war (d.h. die Kinder hatten sich anzupassen,
    es ging nicht so sehr nach Lust und Laune, die Kinder und Jugendlichen hatten in der Schule
    unangefochten fleissig zu sein, was nicht heisst, dass sie es immer waren usw.),
    kippte die ganze Sache mit den 68er Jahren:
    Die Leute wurden individualistischer und erzogen ihre Kinder, wie ich meine, unterschiedlicher.
    Ein Teil der Eltern praktizierte und praktiziert heute noch einen Laissez-Faire-Stil (lasst die Kinder machen), was meiner Meinung nach nicht unbedingt im Sinne der ursprünglichen 68er war. Es entstand außerdem das, was Herr Winterhoff in seinen Büchern beschreibt.
    Mit anderen Worten, die Deutschen bzw. manche von ihnen fielen von einem Extrem ins nächste.
    Nach allem, was ich herausfinde, ist man in Frankreich und Großbritannien nicht so weit gegangen. Leistungswillen und Leistung (die man natürlich definieren muss) in der Schule ist dort eher etwas Positives. Bei deutschen Schülern wird zum Beispiel der sog. ‚Streber‘ häufig abgelehnt. In Großbritannien und Frankreich, auch in den USA ist das nicht üblich.
    Verständnis für Kinder und Jugendliche bedeutet dort nicht, dass man sich als Erwachsener anbiedern muss. Deutsche Schüler sind immer sehr verblüfft, wenn sie bei Jugendtreffen feststellen, wieviel französische Kinder und Jugendliche in der Schule leisten müssen.
    Vielleicht sollten wir Deutschen uns zwischen Authoritarismus und Laissez-Faire
    irgendwo sinnvoll in der Mitte einpendeln. Die öffentliche Diskussion in Deutschland scheint mir seit vielleicht 10 Jahren in diese Richtung zu gehen.

  41. @Interessierte Leserin
    Weil Bildung nicht notwendigerweise in der Schule stattfinden muss. (Das ist nur die Wunschvorstellung des Gesetzgebers, der mit Waffengewalt gegen Andersdenkende vorgeht).

  42. Ich selber habe keine Kinder noch bin ich irgendeiner Form erzieherisch tätig. Trotzdem habe ich so wie jeder Mensch fast zwanzig Jahre Erziehung “genossen” und ich denke, dass man daraus doch eine gewisse Erfahrung ableiten kann.

    Mir ist aufgefallen, dass in den Kommentaren nirgends die positiven Beispiele erwähnt werden, die es in Deutschland AUCH gibt. Und das müssen nicht Privatschulen sein. Ein Beispiel habe ich weiter unten erwähnt.

    Zunächst habe ich einzelne Kommentare herausgegriffen und meine Überlegungen dazu geschrieben.

    “Statt in den Schulen den im Elternhaus entstandenen Tendenzen gegenzusteuern, von Schülern ein gewissen Maß an Leistung zu verlangen, ein gewisses Maß an Respekt vor Lehrern und Mitschülern, Pünktlichkeit usw., bestätigt Schule vielfach die bereits verinnerlichten Verhaltensweisen der SchülerInnen.”

    Warum zeigen Schüler keinen Respekt vor Lehrern oder Mitschülern? Haben diese Schüler bzw. Kinder eventuell zuviel Liebe bekommen und sind jetzt verwöhnte Halbstarke, die meinen, dass sie sich alles erlauben können?
    Oder agieren sie so weil sie selber zu wenig Respekt bekommen haben?

    Ich kenne einen ähnlichen Spruch wie er schon zitiert worden ist:
    “So wie wir unsere Kinder behandeln, so behandeln sie sich ein Leben lang”

    Kinder sind für mich deswegen Kinder weil sie noch keine Erwachsene sind. Sie können noch nicht alles wissen und machen deshalb Fehler. Deswegen sind wir Menschen und keine Maschinen weil wir Fehler machen können.

    “Unterricht wird durch Reden, Musikhören, lautes Schreien, Tritte gegen Wände uvm. gestört: nicht wichtig, die SchülerInnen arbeiten ja offiziell selbstbestimmt in Kleingruppen.”

    Warum wollen Schüler auf sich aufmerksam machen? Sie werden doch sicher ständig von ihren Eltern, die spät Abends nach Hause kommen oder die z.T. gar nicht da sind (alleinerziehend), sicher mit großer Motivation umsorgt und betreut, oder?

    Könnte es sein, dass die Schüler versuchen Zuwendung bekommen indem sie auffällig werden, weil ihnen sonst kein anderes Mittel einfällt, weil sie es so zu Hause gelernt haben? Wer am lautesten ist, dem hört man zu?

    “Ich kenne eine Klasse, die im Rahmen einer neuen Unterrichtsform, die auf Selbstständigkeit basiert, vollständig während der ganzen Unterrichtszeit eines Tages Stöpsel im Ohr hat und bei der angeblichen Arbeit Musik hört.”

    Ich kenne eine Dokumentarfilm-Reihe namens “Treibhäuser der Zukunft”. Als ich die damals (auf Phoenix?) im Fernsehen gesehen habe, da sind mir die Tränen gekommen, als ich gesehen habe wie Schule auch sein kann (Abitur gemacht vor 22 Jahren).
    Genauso begeistert wie ich sind anscheinend alle Menschen die diesen Film gesehen haben:

    “Ganztagsschulen – Informationen zum Film

    “Lieber Reinhard Kahl,
    nach drei Aufführungen der “Treibhäuser der Zukunft” im sächsischen Grimma möchte ich Sie an einigen Eindrücken aus diesen Veranstaltungen teilhaben lassen. Sie sollen von der Begeisterung wissen, die der Film bei vielen Zuschauern hier hinterlassen hat, wie auch von dem dringenden Wunsch, die Gespräche der Vorstellungstage in einen andauernden öffentlichen Diskurs über Notwendigkeiten schulischer Entwicklung überzuleiten.

    Nun erlebe ich das Echo, das ich nach den drei Aufführungen wahrnehmen konnte, als reiche Ernte, die Ihnen zusteht und die ich mit Freude vermittle: Vor Begeisterung glänzende Augen bei den Besuchern des Films am Ende der Veranstaltungen waren nur eine Erscheinungsform dieses Echos.”
    http://www.ganztagsschulen.org/1841.php

    Dann der Verweis auf die bayerische Grundschullehrerin, die letztes Jahr versetzt worden ist, weil ihre Klasse zu gut war(sic!):

    “09. DEZEMBER 2008
    “Ich kenne kein Kind, das nicht lernen will””
    http://www.ganztagsschulen.org/10421.php

    Sind Kinder gestört, die in einer Welt aufwachsen, der es mehr und mehr egal ist wieviel hunderte Menschen pro Monat im Irak oder Afghanistan getötet werden? Wenn Banken Milliarden bekommen, aber Schulen verroten? Wenn Menschen bis zum Umfallen arbeiten, aber ihren Kindern oftmals nicht mal mehr Schulausflüge oder anständige Kleidung bezahlen können?

    “Für immer mehr Gymnasiasten ist die Schule zu einer lästigen Pflicht geworden, die man auffällig oft auch gar nicht regelmäßig besucht, selbst ohne sich zu entschuldigen, denn nachhaltige Konsequenzen gibt es nicht (in Bayern). Pünktlichkeit, Respekt und Achtung sind Fremdwörter, denn wenn trotz Leistungsverweigerung das Klassenziel gefährdet ist, dann liegt es nur an dem ungerechten Lehrer, von dem man bedingungslos verlangt, dass er einen durchboxt, egal wie.”

    Warum haben die Schüler so wenig Lust auf Schule (s. den oben erwähnten Film)?
    Meiner Meinung nach muß man Kinder nicht dazu zwingen zu lernen und wenn man es machen muß, dann ist vorher schon einiges schief gelaufen.
    Vor kurzem habe ich den Lehrplan für das Fach Informatik an einem Technischen Gymnasium gesehen:
    Dort wird das objektorientierte Programmieren behandelt. Ich selber bin Softwareentwickler und ich weiß, dass die Erstellung von objektorientierter Software mit das Schwierigste ist was es gibt. Zu meiner Schulzeit (Mitte der 80er Jahre) gab es gerade mal eine Informatik AG und in meiner Oberstufenzeit ein Wahlfach Informatik. Da wurden nur die einfachsten Dinge behandelt (Schleifen, Felder, etc.).
    Was sollen die Jugendlichen denn noch alles lernen bis zum Abitur?

    Hallo Herr Meier,
    “Im Schulzimmer herrschte selbstverständlich Ruhe. Mir war kein einziger prügelnder Lehrer bekannt. Unsere Lehrer waren Respektspersonen, aber sicher keine Tyrannen. Dann kamen die 68er und damit hat sich dann vieles, sehr vieles verändert und dies besonders punkto Erziehung.”

    Leider hat diese Ruhe in den Klassenzimmern, die wohl auch schon um die Jahrhundertwende vorhanden war, nicht verhindern können, dass über 50 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten.
    Auch den Ersten Weltkrieg hat diese Erziehung nicht verhindert. Im Gegenteil die jungen Menschen sind mit Begeisterung in den Krieg gezogen. Nach den Artillerie- und Giftgasschlachten kamen dann die wenigen, die überlebt haben, meistens als seelische Krüppel nach Hause. Was da wohl dann deren Kindern geblüht hat?
    Ein älterer bekannter CDU-Politiker hatte mal vor ein paar Jahren bei Herrn Plasbergs Diskussionsrunde gemeint, dass man mit der heutigen Jugend keinen Krieg mehr gewinnen könnte.
    Da bin ich sehr froh drum, wenn niemand mehr auf die Idee kommt die Jugend für irgendeinen Krieg zu verwenden.

    Die Bücher von Alice Miller kann ich in der Schuldiskussion sehr empfehlen (z.B. “Das Drama des begabten Kindes”).

    Die PISA-Ergebnisse für Deutschland kann man meinen Informationen nach nicht Ernst nehmen, weil in Deutschland die PISA-Tests, im Gegensatz zu anderen Ländern, jeweils als nicht versetzungsrelevant bewertet wurden, d.h. für die Schüler war es egal ob sie sich angestrengt haben oder nicht.

  43. “Haben diese Schüler bzw. Kinder eventuell zuviel Liebe bekommen und sind jetzt verwöhnte Halbstarke, die meinen, dass sie sich alles erlauben können?
    Oder agieren sie so weil sie selber zu wenig Respekt bekommen haben?”

    Das sind alles sehr wichtige Fragen. Aber das sind auch Fragen, die sich viele Lehrer soweiso immer wieder stellen, wie Ihre anderen Fragen auch. So wenig ich mit allem einverstanden bin, was Winterhoff schreibt: er gibt Antworten auf manche Fragen, statt sie lediglich aufzuwerfen und in den Raum zu stellen. Nur dann kann man vergleichen und diskutieren, welche Antworten die richtigen sind. Um diese Frage oben konkret zu beantworten, soweit ich das als Lehrer kann, der die Verhältnisse der Schüler nur oberflächlich kennt: ich kenne beide Fälle. Verwöhnte Halbstarke und Kinder, die nicht genug Sicherheit erfahren haben. Aber einen repräsentativen Überblick habe ich am bayerischen Gymnasium natürlich nicht. (Die größten Problemschüler sind allerdings nicht die Verwöhnten.) Bestätigen kann ich allerdings aus Foren die laut Winterhoff fehlende Unterscheidung zwischen Elternteil und Kind: Wir haben die Schule verlassen, wir wurden gemobbt.

    Der erste und der zweite Weltkrieg: Das ist für mich tatsächlich auch ein Maßstab von Bildung. Natürlich kann man Menschen in ihren historischen Situationen nicht vergleichen, aber ich frage mich schon auch, wie die Generationen auf vergleichbare Situationen reagieren würden. Allerdings sehe ich nicht den geringsten Zusammenhang zwischen Ruhe oder Unruhe im Klassenzimmer und der Bereitwilligkeit, für eine gute oder schlechte Sache in den Krieg zu ziehen.

    PISA: Das halte ich für zu einfach. Eine wichtige Erkenntnis der ersten PISA-Runde war, dass Jungs schlechter abschneiden als Mädchen, Migranten schlechter als Deutsche, bildungsferner schlechter als bildungsbürgerlicher Hintergrund. (Und Norddeutsche schlechter als Süddeutsche.) Ich halte es für einen großen Fehler, zu behaupten, man könne diese Ergebnisse nicht ernst nehmen. Auch wenn tatsächlich noch nicht genug als reaktion auf diese Ergebnisse geschieht.

  44. Habe Winterhoff gelesen und er war mir Denkanstoss. Er ist kein Guru und jedem Leser steht seine eigene Meinung zu; es wäre insgesamt sinnvoller, wenn Eltern nicht versuchen, gerade moderne Erziehungskonzepte über ihre Kinder zu stülpen, sondern sich um die Persönlichkeit ihrer Kinder kümmern und gucken, was diese wirklich brauchen. Das ist anstrengend und man kann sich irren. Mir hat Winterhoff geholfen, konsequent zu bleiben und nicht zu kulpabilisieren.

    Konsequenz ist anstrengend, auch in der Schule, habe eine Weile als Vertretungslehrerin gearbeitet. Hinter vielen Kindern steckt ein Drama, aber als Lehrer kann man sich nicht um 7 Dramen pro Klasse kümmern und gleichzeitig unterrichten, erst recht nicht, wenn man sich die Sensibilität, die das erfordert, behalten möchte. Ich fand die Anonymität unter den Lehrern erschreckend. Keiner wollte als erster zugeben, dass er Probleme mit einem Schüler/einer Klasse hatte und dadurch folgen Konsequenzen, wenn überhaupt, erst sehr (zu) spät. Es traut sich auch keiner mehr, die Schüler richtig auf die Nase fallen zu lassen. Zitat einer Schülerin, die ich später wiedersah:“Bei ihnen hatte ich so schlechte Noten, dass meine Eltern böse geworden sind und ich mich anstrengen musste.” Mehr hatte ich ja auch nicht angestrebt. Sind sie einmal im Lernen drin, bleiben sie meist mit geringen Anschubsern auch dabei.

    Mir fehlt auf Lehrer‑,Schüler- und Elternseite das Verständnis dafür, dass es nicht um Noten, sondern erworbenes Wissen geht und eine Note lediglich der Ausdruck dafür. Diese Erklärung und die Frage, ob sie selbst lieber die Bremsen ihres Autos von jemand reparieren lassen möchten, der das erforderliche Wissen dafür hat oder von jemanden, der in Mechanik eine schöne Note auf dem Zeugnis stehen hat, brachte einige zum Nachdenken. Auch die Feststellung, dass ich ihren Kindern zutraue, die von mir geforderten Leistungen zu bringen, ob sie’s etwa nicht täten?
    (Mein Junge ist doch noch viel zu klein um eigenständig Denkleistungen zu bringen – Wann soll er dann damit anfangen, die Grundschule ist vorbei und damit ist klar, dass das Niveau anziehen MUSS, sie sollen schliesslich irgendwann mal auf Uni-Niveau kommen. Und der Stoff in Unter- und Mittelstufe ist der gleiche wie zu meiner Schulzeit, nichts von wegen “gestiegenes Leistungsniveau an heutigen Schulen”.)

    Bei den Pubertierenden konnte ich nach Gesprächen mit den Eltern verstehen, warum ein Teil so ausser Rand und Band war. Ihnen fehlt der Widerstand, den man braucht, um sich loszulösen, um zu wachsen. Diese Struktur fehlt zu Hause. Und, seien wir mal ehrlich, es kostet Kraft. Diese Kraft kann kein Lehrer für 26 Schüler aufbringen. Keine Ahnung, was mit meinen Kindern sein wird, ich hoffe, es wird gehen.

    Wenn die Lehrerin Sabine weiter oben sagt, sie sei mit 35 Schülern völlig problemlos auf Abifahrt gewesen, ist das nur die halbe Wahrheit. Für diese Schüler sind die entscheidenden Jahre (der Pubertät) vorbei, und die Spreu wurde vom Weizen getrennt. Als Lehrer in der Unter-/Mittelstufe hat man immer mit den Variationen des gleichen Themas “Pubertät” zu tun. Jedes Jahr einen neuen Revoluzzer, von dem man weiss, dass er gerade lästig ist, den Unterricht torpediert, Ende des Jahres von der Schule fliegen wird und sich in erster Linie sein eigenes Leben verdirbt. Schüler, die seit einem Jahr der Materie nicht mehr folgen und nur die Aussicht, mit einem Pfuschzettel ein paar Punkte zu kriegen die Motivation ist, sich mit ihr zu beschäftigen. Die sich bereits zwei Monate nach Schuljahresbeginn selbst aufgegeben haben und den Rest Jahres mit Stören verbringen.
    Und man gibt sie ab, sobald sie wieder “normal” werden. Dann, wenn man mit ihnen gepflegt auf Abifahrt fahren kann.

    Mit der Spreu verschwinden meiner Ansicht nach zahlreiche renitente/verhaltensauffällige Schüler vom Gymnasium auf Schulen, für die sie eigentlich zu intelligent sind. Dort steigt ihr Interesse am Unterrichtsstoff dann erst recht nicht, da sie meist ein oder zwei Jahre Vorsprung auf die Materie von Real-/Hauptschule haben. Und sie machen den Mitschülern das Leben zur Hölle, die einen einfacheren Unterricht brauchen, dem sie konzentriert folgen können.

    Daneben gibt es selbstverständlich die interessierten Schüler, die Selbstläufer, die den Anforderungen (mehr als) gerecht werden, und die man nicht vernachlässigen darf, weil es bei anderen gerade “brennt”.

  45. Seit langer Zeit behaupte ich, dass sich die Anzahl entwicklungsauffälliger Kinder in einer Kindergartengruppe umgekehrt hat (vor 20 bis 30 Jahren ca.2–3 Kinder, heute 2–3 unauffällige Kinder. Viele meiner Kolleginnen, die ebenso lange arbeiten wie ich, beobachten dasselbe.
    Dass wir das alle so einfach hinnehmen, selbst unsere arbeitsweise zum neuen Trend hin verändern (müssen), ist ebenso zu beobachten.
    Die Frage, wohin diese Entwicklung noch führen wird stellen sich vor allem die etwas älteren Kollegen, die Vergleiche zu früher ziehen können.
    Dass sehr oft die modernen Veränderungen siehe (offene Gruppen, Orientieungsplan)den Kindern Halt,Geborgenheit in der Gruppe, bei der Bezugsperson, Orientierung,Konzentration, Grenzen auch mal Pflichtbewusstsein nimmt sehen nur die älteren Erzieherinnen.
    Und die haben oft nichts mehr zu sagen, wollen auch nicht gegen den Strom schwimmen. Man wäre ja dann nicht mehr “In“und altmodisch. Herr Winterhoff redet mir in seinem Buch “Warum unsere Kinder Tyrannen werden” aus der Seele. Unsere Beobachtungen decken sich.

  46. Dies ist zwar ein Lehrerblog, jedoch finde ich auch mal Kommentare aus der Sicht eines Schülers sinnvoll.

    Mal Vorweg:
    Ich habe keines der Bücher gelesen, dennoch verfolge ich das ganze Geschehen mit großem Interesse.
    Ich persönlich habe Dr. Winterhoff persönlich kennengelernt; in einer Zeit in der ich in einer Pflegefamilie, zwischen Psychoterror und Misshandlungen, lebte und wandelte.
    Sein Ruf war schon vor der Veröffentlichung der Bücher überregional besonders in den Jugendhilfeeinrichtungen von Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis bekannt.
    Seit 2001 lebe ich schon nicht mehr bei meiner Mutter, die erst selbst wieder lernen musste sich selbst zu versorgen, und seit 2006 lebe ich im Heim in dem es mir sehr gut geht und ich sämtliche Verhaltensstörungen beseitigen konnte – keine im Sinne von ADHS, welche nur schwach ausgeprägt war, sondern ein geistiges Entwicklungsdefizit welches durch die traumatischen Erlebnisse meiner Vergangenheit zwischen 2001 und 2006 entstand.
    Ich hinkte zunächst ca. 2–3 Jahre zurück, was in der Schule zu massiven Problemen insbesondere im Umgang mit den Mitschülern führte. Mittlerweile befinde ich mich in der 13. Klasse eines guten Kölner Gymnasiums und gehe im Mai nächsten Jahres auf die Abi-Prüfungen zu. An meinem Umgang mit anderen Menschen konnte ich erfolgreich Arbeiten – eine Therapie hatte enorm geholfen, auch wenn sich das Hauptproblem durch eine schriftliche Missbilligung und einiger Maßnahmen im Heim beinahe von selbst löste. Dabei hat es mir sehr geholfen, dass ich in der Lage bin mich mit mir selbst kritisch auseinanderzusetzen – auch ein Überbleibsel aus der Zeit.

    Ich kann schon ziemlich gut das Problem verstehen und nachvollziehen das Dr. Winterhoff beschreibt. Dennoch sind es nur einzelne Aspekte, die er in seiner Arbeit in der Bonner Praxis, bemerkte und beschreibt.
    Ich lasse mal mögliche Bezüge aktuellen Debatte über die Integrationspolitik bewusst aus, da das Problem zwar damit auch zusammenhängt, meiner Meinung nach jedoch man erst das Gesamtproblem erfassen und verstehen muss um dann Lösungen zu finden, denn es ist ein Problem der Globalisierung. Erst danach sollte sich das Problem von selbt auflösen können.
    Deshalb füttere ich das ganze mal mit Aspekten aus meiner Perspektive.

    Bei Meiner Mutter gab es keine Struktur, denn sie selbst hatte keine mehr in ihrem Leben. In der Pflegefamilie, besonders von seiten der Pflegemutter gab es für die albernsten Sachen, die teilweise normal für Kiner meines Alters waren, hart bestraft, sogar wenn mal nichts war. Dies steigerte sich in Misshandlungen und Psychoterror wobei ich eine Art “Aschenputtelrolle” spielte, die nichts zu sagen hatte. Ihre eigenen Kinder hat sie verwöhnt.
    Ich wurde zurückgezogener, unsicherer und wurde daraufhin als psychisch krankes Individuum abgestempelt.
    Dies sind leider Extreme Erziehungsmethoden gewesen, wobei das Ideal irgendwo weit dazwischen liegt, Individuell nach Situation, Verhältnis zwischen Kind und Eltern sowie auch nach Kind unterschiedlich. Dies setzt aber eine gute Menschenkenntnis vorraus die im gesellschaflichen Wandel zunehmend verloren gegangen zu sein scheint. Dabei bleibt zu betonen, dass der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen noch unter vernünftigen Umständen vernünftig aufwächst.
    Dennoch wird mittlerweile – durch die aktuelle Schulpolitik verstärkt – ein Druck auf Lehrer und Eltern aufgebaut. Dieser wird von den Eltern auf das Kind (in Form von Nachhilfe, Musik‑, Sport- und sonstigen Kursen) und die Lehrer sowie Erzieher im Heim (sollen jeweils die Eltern unterstützen und ggf. “ersetzen”) übertragen.
    In den deutschen Schulen werden die Gymnasien überbesetzt, damit der Nachwuchs bloß nicht auf der Strcke bleibt. In diesen sinkt durch die Schaffung von Transparenz und Vergleichbarkeit (Zentralabi, ZP und sonstige Reformen der Art) die Qualität. In vielen Berufen steigt – zu Unrecht – die Anforderungen an den Arbeitssuchenden man muss höhere Qualifikationen für einfache Berufe erlangen bei denen früher ein mittlerer Realschulabschluss gereicht hat(Habe jetzt leider kein Beispiel).

    Auch in Kinderheimen hat es Auswirkungen das Angebot deckt schon lange nicht mehr die Nachfrage an Heimplätzen. Diese werden mittlerweile auch von privaten Dienstleistungsbetrieben geführt (z.B. Auxilio für die Diakonie Michaelshoven in Köln). Die Zahl der Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten steigt und damit werden die Probleme zunehmend schlimmer. Viele dieser Jugendliche orientieren sich an Menschen, die trotz ihres massiven asiozialen Verhaltens als Stars bezeichnet werden. Darunter leiden zum einen die Erzieher, welche dann noch mit Büroarbeit und Aktenkram zu tun haben (eine Art Bürokraft wäre hilfreich). Mögliche Lösungen scheitern nahezu immer an der Finanzierung; dies gilt auch für Reformen in Schul- und Sozialpolitik.

    Nach meiner Meinung ist einer der Hauptgründe die Globalisierung.
    Durch die Globalisierung treten Staaten, Firmen und Konzerne in einen Wettstreit, welches das beste ist: HDI, BSP, BIP, Statistiken usw. erfordern für eine gute Vergleichbarkeit einen Standard. Dazu zwängt man alles mögliche in Schemen und Module. Aber man kann eine gute Erziehung nicht in ein Schema zwängen. Man kann Schule nicht in ein Schema zwängen.
    Zu viele Dinge sind für den Erfolg von individuellen Dingen abhängig: Den Menschen in ihren Unterschieden und eigenen Wegen.

    Zusammengefasst sind nicht nur eine falsche Erziehung, ohne Intuition und durch “Beziehungsstörungen” hervorgerufen, schuld, sondern auch die gnadenlose Angleichung und Anpassung von Sozialen Instanzen durch die Politik, die zunehmend nach Verlängerung der Amtszeit ausgerichtet ist statt nach Innovation und Lösung von Problemen. Die Jahrelange Ignoranz zum Thema Integrationspolitik hat es bewiesen.
    Ich verlange nicht, dass man die Globalisierung bekämpft, sondern, dass man diese Anpasst.
    Darüber hinaus haben wir auch den kulturellen Wandel. Findet man am Christentum keine Gefallen, kann man ja Muslim werden, oder Bhuddist oder Atheist. Man kann Vegetarier, Veganer, Greenpeace-Aktivist, oder nichts von alledem sein, oder alles. Wenn Erwachsene mittlerweile Schwierigkeiten haben sich zu orientieren, wie sollen es dann Jugendliche und Kinder schaffen. Das kann dazu führen, dass man sich verirrt und sich an den falschen orientiert.
    Oder man wendet sich gagen alles und damit auch gegen sich.
    Trotz verfehlter oder nicht genug ausgearbeiteter Thesen haben Leute wie Dr. Michael Winterhoff oder Thilo Sarrazin, wichtige Debatten begonnen, worüber ich froh bin, da es einen Anfang darstellt.
    Ich hoffe, dass sich das nicht im Nichts verirrt und man nicht auf baldige Besserung vergeblich hofft.

  47. Dieser blog besteht nun schon 2 1/2 Jahre und zeigt ganz deutlich, was Michael Winterhoff eigentlich (zu recht!) anprangert: IGNORANZ gegenüber den eigentlichen Problemen. Ich habe das erste und das zweite Buch gelesen, das dritte wird folgen, und auch verstanden, was er uns allen eigentlich vermitteln will: wir alle müssen unser Verhalten Kindern gegenüber überprüfen und ggf. korrigieren, wenn unsere Gesellschaft nicht den Bach runtergehen soll!
    Ich selber arbeite seit über 25 Jahren im Verein mit Jugendlichen und habe die Auswirkungen, die Winterhoff beschreibt, genau so erfahren! Darüber zu berichten, Winterhoff zu bestätigen, zu wehklagen, neue Konzepte zu fordern usw., ist hier nicht meine Intention und ganz sicher auch nicht im Sinne Michael Winterhoffs! Er fordert umfassende, eben gesellschaftliche Einsicht und Umkehr. Umkehr nicht zum Alten, sondern zum Vernünftigen!
    Viele Beiträge auf dieser Seite gehen mit Winterhoff konform (Berufsschullehrer, 1.8.8; Klara, 4.10.8; Elke Reihl, 11.10.8; Oskar Meier, 26.10.8; Gymnasiallehrer, 4.4.9; Interessierte Leserin, 1.6.9 ff; Nicole Schneider, 13.9.10; Barbara, 30.9.10), aber sie alle bestätigen eigentlich nur aus eigener Erfahrung, was Winterhoff beschreibt. Sie alle haben ja so recht, wie ich selber erfahren sie täglich am eigenen Leib das beschriebene Problem.
    Nur ganz wenige Beiträge zeigen eine Qualität im Sinne Winterhoffs, die meisten sind oberflächlich oder gar unqualifiziert! (Und genau ist das Dilemma, was Winterhoff eigentlich kritisiert.)
    Die schlimmsten Beiträge stammen aus Sunnys Feder. Sein Diskurs mit der interessierten Leserin im Juni 2009 legt gar die Vermutung nahe, daß er zu genau der Klientel gehört, über die hier eigentlich diskutiert wird. (Sorry Sunny, aber es ist leider so.)
    In nur zwei Beiträgen habe ich den Ansatz Winterhoffs, NACHDENKEN nämlich, wiedergefunden!
    Anne (8.1.9) spricht von Erschrockenheit aber auch von einem Denkanstoß. Diesen Denkanstoß (aber auch das Erschrecken) habe ich genau wie Anne bekommen – und begonnen ihn in meinem Alltag umzusetzen und vor allem auch in meinem Umfeld zu verbreiten. Ich wünsche ihr, dass auch ihr das gelingt.
    Rose (14.1.9) reflektiert zumindest die Hintergründe der Misere, die auch Winterhoff beschreibt: Der Druck, der auf uns Erwachsenen offensichtlich lastet.
    Sicher haben wir alle diesen Druck, auch ich (Jg 1960) verspüre ihn täglich. Ich habe das Glück, in einer intakten Familie meine Kinder trotz dieses Drucks gut hinbekommen zu haben, aber das ist leider nicht allen vergönnt. Die vielen Eltern, die mit diesem Druck nicht so einfach umgehen können und die vielen Eltern, die nur scheinbar guten Erziehungskonzepten nachkommen, weil die Gesellschaft es fordert, machen NACHWEISLICH Fehler in der Erziehung ihrer Kinder – Beispiele gibt es wie Sand am Meer!
    Es ist nicht die Frage, ob alle Kinder davon betroffen sind – Winterhoff mahnt lediglich an, daß die Zahl dramatisch ansteigt! Sicher gibt es noch sehr viele Kinder und Jugendliche, die absolut psychische Reife und Ausbildungsfähigkeit besitzen. Aber wir sollten uns weder auf die Zahl dieser Kinder, noch auf die Zahl der auffälligen Kinder berufen. Genauso wenig helfen “schon wieder neue” Erziehungs- oder Schulkonzepte. Winterhoff hat vollkommen Recht, wenn er neue Gesellschaftskonzepte einfordert, denn das Problem sind nicht die Kinder, sondern diejenigen, die diese (falsch) erzogen haben: nämlich WIR Erwachsenen mit unserer ach so fortschrittlichen Gesellschaftsform!
    Wirklich beeindruckt hat mich allerdings der vorgehende Beitrag von Richard am 6.10.10. Richard, du hast meinen vollsten Respekt! Dein Beispiel zeigt, dass wir nicht über kranke Wesen sprechen, sondern über junge Menschen, die das Pech hatten, in ihren ersten Lebensjahren äußerst schlecht behandelt zu werden (Winterhoff sprich gar von Mißhandlung – bei der Gelegenheit, auch meine eigene Kindheit war nicht das Gelbe vom Ei). Dein Beispiel zeigt, daß es einen Ausweg gibt. Und das macht mir Hoffnung – auch für die Sorgenkinder, mit denen ich heute selber zu tun habe.
    Danke dafür!

  48. Auch ich habe das erste Buch von Winterhoff gelesen. Sicherlich spricht Herr Winterhoff – wenn auch ein wenig reißerisch – ein wichtiges Thema an, aber seine Ausführungen sind mir teilweise zu simpel und zu eindimensional. Dieses Thema ist sehr komplex und erfordert meines Erachtens ein sorgfältiges Zusammentragen von fundierten Fakten und Erfahrungen, und zwar aller Beteiligten Gruppen. Dazu gehören die Psychiater, Pädagogen, Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler, Philosophen etc. Aber in erster Linie sollten die Betroffen, wie Kinder, Jugendliche und Eltern zu Wort kommen. Am besten sollte man dafür ein extra Forum einrichten. Heute bin ich auf einen Artikel im Internet gestoßen, der sich – zwar ein wenig langatmig, dafür aber sehr fundiert – mit den Thesen von Herrn Winterhoff auseinandersetzt. Ich empfehle sehr, den Artikel einmal zu lesen. Dafür sollte man sich aber Zeit nehmen weil er nicht so plakativ geschrieben ist. Dieses Thema ist zu ernst als es in schwarz weiß Manier abzuhandeln, oder sich in ideologischen Grabenkriegen zu verlieren. Letztendlich geht es um das Wohl unserer Kinder, die letzendlich nicht in der Lage sind, durch Bücher oder ähnliches zu artikulieren.

    Mit besten Wünschen
    Ralf Manthey

  49. Die Erfahrungen, die ich mit dem Buch gemacht habe waren durchweg negativ. Ich selbst habe bekannte, die das “Winterhoffsche Prinzip” umsetzen wollten und damit mehr als nur gescheitert sind. Ich denke zwar auch, das gute Erziehung nichts etwas mit Meckern und Herumschreien zu tun hat, aber das Buch vermittelt meiner Meinung nach genau das andere Extrem. Und zu Extremen sollte man nicht neigen.
    Bald werde ich zu diesem Thema mein eigenes Buch veröffentlichen. Wer sich dafür interessiert kann ja mal in nächster Zeit hier
    http://www.frieling.de/buch-veroeffentlichen nachsehen ob es schon rausgekommen ist. Ansonsten werde ich nochmal bescheid sagen.

  50. Ich habe versucht, mich durch die Kommentare durchzulesen, habe es aber nicht weit geschafft. Ich hatte das Buch von Herrn Winterhoff als Tip bekommen, weil mein dreijähriger wirklich ein Tyrann ist. Ich hatte mich online informiert, auf welcher Grundlage Herr Winterhoff arbeitete und ich war überhaupt nicht beeindruckt von seinen Lösungsansätzen.
    Da ich selber mal Psychologie studiert habe, wenn auch nur ein Semester (das reichte mir schon an Blödsinn), weiß ich von den Grenzen, die die Psychologie hat. Was auch immer für Lösungsansätze kreiert werden, sie reichen NIE tief genug. Wir Menschen sind nun mal keine “Wissenschaft”, uns kann man nicht logisch erforschen. Psychologie sieht wie der Rest der Schulmediziner immer nur einen Teil des Menschen, ihn aber nie als Ganzes. Sagt die Psychologie, dass chemische Imbalancen zu Verhaltensstörungen führen, sage ich doch, dass innere Konflikte zu chemischen Störungen führen. Wer kann nun wirklich beweisen, dass es nicht so ist?

    Ich kann gut sehen, was bei meinem Sohn zu einem derartigen anstößigen Verhalten geführt haben kann. Er kopiert seinen Vater zum Teil, denn der respektiert mich auch nicht, und er respektierte auch nie seine Mutter, wie ich selber meine Mutter nie respektieren konnte.
    Als Alleinerziehnde war ich auch so oft überfordert, dass ich einfach wünschte, meinen Sohn mal abgeben zu können, was nicht möglich war. Klar, da spielen nun Verlassenheitsängste eine große Rolle.
    Mir ist klar, dass mein Sohn nun in einem Automatismus drinne steckt, den er selber nicht durchbrechen kann. Ich konnte das auch nicht als Kind und ohne Hilfe. Ich sage nur, dass die Wurzeln seines Verhaltens so tief stecken, dass es erstmal keine wirkliche Lösung geben wird. Jede Erziehungsmassnahme kann auch nach hinten los gehen, deshalb bim ich vorsichtig damit. Alles hat eben Konsequenzen, auch wenn man etwas mit starker Absicht (und vermeintlich gutem Grund) vermeiden will und es nicht als gleichwertige Möglichkeit des Seins ins Herz aufnehmen kann. Jede Ablehnung hat Folgen. Jede unnatürliche, von Erwachsenen festgelegte Konsequenz hat Folgen, und die sind auch nicht immer wünschenswert. Ich meine damit, dass Kinder ihr Selbstvertrauen verlieren können, zum Beispiel. Und dann soll es ihm wieder anerzogen werden?!

    Kinder spiegeln immer die Gesellschaft und die Vorbilder (Eltern, Lehrer) wieder. Nur fällt es uns Erwachsenen schwer, in den Spiegel zu sehen. Anstatt bei uns zu schauen und zu verändern, wollen wir den Spiegel reparieren!

    So viel dazu.
    Einen schönen Tag noch.
    (Ich korrigiere keine eventuellen Schreibfehler und bitte um Entschuldigung.)

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