Bewerbungsgespräche

Unsere Schule hat von jenen Mächten, die da sind, eine befristete Halbtagsstelle für eine Sekretärin zugebilligt bekommen. Die Anzeige stand in der Zeitung, letzte und diese Woche waren Vorstellungsgespräche, und als Personalrat war ich heute bei einigen dabei.

Das war ungewohnt. Mit Schülern habe ich das gelegentlich geübt, aber es ist etwas ganz anderes, wenn es um echte Entscheidungen geht. Viel mehr will ich gar nicht erzählen. Echte Lebensläufe und Bewerbungsschreiben. Vermutlich gewöhnt man sich daran.

Ich traue meiner Menschenkenntnis übrigens nicht besonders. Bei Bewerbungsgesprächen, denke ich, muss man sich eine Meinung bilden, bildet sie sich auch, kriegt aber nur in ganz wenig Fällen Feedback, ob die stimmt. Und angesichts fehlender Gegenbeweise schreibt man sich eine gute Menschenkenntnis zu.

– Apropos Interviews und Menschenkenntnis, vielleicht unpassend: Die Reid Technique – eingetragenes Warenzeichen – ist eine bei der amerikanischen Polizei verbreitete Verhörtechnik. Ihre Verteidiger behaupten, man könne zu 85% bestimmen, ob ein Verdächtiger lügt oder nicht. Die Methode ist nicht unumstritten, auch wenn die Wikipediaseite wenig dazu hergibt. Ansätze dazu bei diesem Magazin. (Draufgekommen bin ich natürlich wieder über Mistakes were made, but not by me.) Die in dem Magazin angesprochene Studie von Kassin/Fong legt nahe, dass die Fähigkeit, eine echte Unschuldserklärung von einer vorgetäuschten zu unterscheiden, durch die Reid Technique nicht verbessert wird. Was durch die Technik steigt, ist lediglich das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, diese Unterscheidung zu treffen. Eigentlich ganz schön fatal.

5 Antworten auf „Bewerbungsgespräche“

  1. Ich hatte heute ein Vorstellungsgespräch und habe mal wieder festgestellt, dass das ganze Klimbim um Bewerbungen und Vorstellungsgespräche einfach nur Kaffeesatzleserei ist.
    Ich hatte Schuhe angezogen, die auch bestimmt zu meinem Outfit passen. Und was war passiert? Ich hab mir elends Blasen geholt. Ich hätte ruhig meine normalen Treter anlassen können. Die sind zwar braun und nicht schwarz, aber sehr schön und sehr bequem. Und bei den Männern heute hat keiner auf meine Schuhe geachtet.
    Und mein Lebenslauf ist auch nicht zerpflückt worden.

    Pfffff! In der Psychologie heute stand vor ein paar Monaten was drin, dass manche Personaler (oder soll ich sagen, Einstellende?) nach dem Sternzeichen und solchem Quatsch gehen.
    Herzlichen Dank!

  2. Mein liebe Freund Michael musste für eine Volkshochschule eine Sekretärin finden, durch Bewerbungsgespräche. Drei mal haben sich über 100 gemeldet. Drei mal hat er sie ausgewählt, und drei Mal hat er zielsicher jene Dame ausgesucht, mit der er sicher nicht zusammenarbeiten konnte. Mein Schluss daraus: es hat einen guten Grund, warum es Personalabteilungen gibt!

  3. > (Draufgekommen bin ich natürlich wieder über Mistakes were made, but not by me.)

    Nix verstehn, bitte du erklären.

  4. Eher am Rande bemerkt: Das ist das erste Mal, dass ich jemanden eine deutsche Übersetzung von “the powers that be” benutzen sehe…

  5. Mistakes were made: Ein Buch das ich erst vor kurzer Zeit vorgestellt (Recherche: das war auch schon wieder vor über einem Monat) und gelegentlich verlinkt habe, deshalb wollte ich nicht zu sehr darauf herumreiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.