Was man an der Schule kopieren darf

By | 21.10.2012

Ingo hat schon ausführlich über die Broschüre geschrieben, die wir Lehrer in unseren Fächern gefunden haben und die uns daran erinnert, was wir kopieren dürfen und was nicht. Neues steht nicht wirklich drin, richtig klar formuliert ist es auch nicht.

Analogkopie: geringe Teile eines Werks (auch Schulbücher) oder kurze Werke ganz (aber nicht bei Schulmaterial); nur für abgeschlossene Gruppen wie etwa eine Klasse. Quellenangabe muss sein.

Digitalisierung von Schulbüchern und ähnlichem (zur Verteilung an Schüler, zum Einbau in Arbeitsblatt, zum Projiizieren mit dem Beamer): Nein.

Digitalisierung von anderen Texten (zur Verteilung an Schüler, zum Einbau in Arbeitsblatt, zum Projizieren mit dem Beamer): Auf einem Server bereitstellen darf ich 12% von längeren Werken, kurze ganz; bei Filmen maximal 5 Minuten – aber jeweils nur dann, wenn das Werk nicht schon von einem Schulbuchverlag digital angeboten wird; und nur wenn der Zugriff auf eine abgegrenzte Gruppe beschränkt ist, also meist eine Klasse (was notfalls durch einen effektiven Passwortschutz gewährleistet sein muss); und nur, wenn das für den Unterricht geschieht.

Für all diese Rechte zahlt der Staat Geld; es ist also nicht so, dass man das für Unterrichtszwecke einfach so darf. (Darüber hinaus fließt aus jeder Kopie natürlich auch Geld an die VG Wort.)

Was soll man also tun, wenn man in einem Schulbuch eine Grafik sieht und die gerne mit dem Beamer an die Wand werfen würde? Man muss wohl warten, bis die Verlage ihre Werke auch mal digital anbieten. Das gibt es erst sehr, sehr spärlich. Wenn das erst einmal so ist, wird man klären müssen, wie Lehrer das Material verwenden dürfen, also ob man das Material für alle auf einen Server packen darf oder nicht. Bis dahin, und für mich darüber hinaus: auf Schulbuchmaterial verzichten.

Reine Analogkopien ohne irgendetwas Digitales unter den Vorfahren benutze ich selten. Es kommt kaum vor, dass ich ein Buch quer über das Kopiergerät lege und einen Klassensatz Kopien davon mache. Dann scanne ich die Vorlage gleich ein und wandle sie in Text um. Meist kann ich aber schon in digitaler Textform an die Texte kommen, die ich möchte (weil ich sie sonst nämlich nicht möchte). Ich nutze also keine Kopien aus Unterrichtswerken oder anderen Büchern, sondern deren Inhalte.

Auch Bilder und Grafiken bewahre ich digital auf. Bilder aus Schulbüchern brauche ich kaum; ich finde genügend online. Ausnahme: Informatik in der Oberstufe, weil es da so einfach ist, gleich die Präsentationen auf der CD zum Buch zu nutzen. Da ist die Lizenzierung aber auch klar: ich bin der einzige, der das von mir gekaufte Material nutzt, schon mal, weil es pro Schule nur wenig Informatiklehrer gibt. Wie wird das sein, wenn es dann doch mal die Begleit-CD zum Englischband mit allen Grafiken gibt: Muss die dann jeder Lehrer selber kaufen?

Von einzelnen Arbeitsblättern mit Bildern und Zeilen zum Ausfüllen bin ich abgekommen. Sinnvoll sind dafür Arbeitshefte im Sprachenunterricht, aber die müssen die Schüler selber kaufen, so dass ich keinen Anlass habe, sie zu kopieren.

Krimses und Kramses:

— Gedichte, sofern unter 25 Seiten, darf man seinen Schülern digital anbieten, sagt die Broschüre als Beispiel, aber nicht, „wenn das Gedicht aus einem Unterrichtswerk stammt.“ Das betrifft aber auch nur die Kopie am Kopiergerät und nicht die in einem Anschluss an einen illegalen Sacn daran erfolgte Texterkennung. Wenn jemand nachfragt, dann habe ich doch alles von Hand abgetippt.
Wenn ein Text, also auch das Gedicht, digital für die Schulnutzung angeboten wird, darf ich außerdem die „analoge Version [auch aus dem Nichtschulbuch] nicht einscannen“. Siehe oben.

— Am Rand wird darauf hingewiesen, dass bei manchen (also: vielen) Kopierern digital kopiert wird, also erst einmal eine Kopie auf einer internen Festplatte gespeichert wird, von der aus die Ausgabe erfolgt. Diese Kopien müssen gelöscht werden. Uh, wer kümmert sich eigentlich um die Daten auf den Festplatten der Kopiergeräte? Auch von wegen Datenschutz und so?

— Stellen Reclam-Hefte speziell für den Unterricht hergestelltes Material dar? Ich nehme mal an, dass nicht.

19 thoughts on “Was man an der Schule kopieren darf

  1. Julia

    Zum Thema Grafiken in Büchern: die Hersteller von Dokumentenkameras müssen doch auch leben dürfen….

  2. tumbledore

    Zitat aus Seydlitz Erdkunde 7, Schroedel Verlag , 2010 auf der letzten Seite unter dem Bildnachweis:

    „Trotz entsprechender Bemühungen ist es nicht in allen Fällen gelungen, den Rechteinhaber ausfindig zu machen. Gegen Nachweis der Rechte zahlt der Verlag für die Abdruckerlaubnis die gesetzlich geschuldete Vergütung.“

    So ist man wohl fein aus dem Schneider. Welcher Fotograf filzt schon Erdkundebücher?

  3. Beelzebub Bruck

    Oh, tumbledore, als Erdkundelehrer, der schon Bilder an Verlage verkauft hat, würde ich das nicht sagen. Wieso soll ein Wirtschaftsunternehmen, das ohenhin eine Lizenz zum Gelddrucken hat mit meinen Photos Geld verdienen dürfen, ohne mich zu bezahlen? Und diese Klausel am Schluss finde ich jedesmal ärgerlich. Wenn es um die Urheberrechte geht, dann kann ich doch nicht sagen: Ich hab’s geklaut, aber wenn jemand Einspruch erhebt, dann bezahle ich etwas. Dann darf der Schulbuchverlag die Bilder eben nicht nehmen.

  4. MAWSpitau

    Ich habe mich 2010 auch schon darüber ausgelassen. ( http://blog.spitau.de/2010/03/31/kopieren-und-kopien-in-der-schule/ ).

    Interessant ist auch, das Dilemma mit den Festplatten in den „analog“ Kopierern. :D

    Man kann an diesem Vorgehen ganz klar erkennen, wer oder was bei der Politik an Priorität hat. Eindeutig die wirtschaftlichen Interessen der Verlage und NICHT die Bildung der Schülerinnen und Schüler.

    Was heißt das für uns Lehrkräfte? Mehr OER braucht das Land!

  5. thustron

    Ich finde an der Broschüre ärgerlich, dass sie die Rechte der Lehrer (gezielt?) unklar lässt. Wenn man nämlich eine Seite geringfügig ändert, und z.B. ähnliche Bilder aus dem Netz verwendet, dann ist man plötzlich selbst Urheber.

    Wenn man Schulbücher als Ideengeber verwendet, und die Primärexte dann aus dem Internet nimmt (wo sie oft als Volltext verfügbar sind), dann ist man selbst Urheber.

    Übrigens wäre es toll, wenn die Bildungsministerien uns Lehrern Möglichkeiten gäben, unsere eigenen Werke anderen Lehrern zur Verfügung zu stellen. Ich würde mir einen rechtlich einwandfreien Raum wünschen, wo wir Lehrer unsere oft HOCHWERTIGEN Arbeitsblätter in einem rechtlich geprüften Rahmen austauschen könnten.

  6. goal74

    Etwas Sarkasmus an dieser Stelle:

    Ich habe mit den (neuen) Regelungen keinerlei Probleme!

    Ich erstelle schon lange keine Arbeitsblätter mehr!
    Ich diktiere!
    Die ganze Stunde lang! Und zwar genau den Text, der auch im (vor allem für Erdkunde) so wertvollen und stets aktuellen Schulbuch steht.
    Und diesen Text müssen meine Schüler dann auswendig lernen, denn den Text frage ich – aufs einzelne Wort genau – tagsdrauf wieder ab!

    Hey Leute, wir unterrichten doch hier an einem bayerischen Gymnasium. Da is die Welt noch in Ordung!
    Da wird auswendig gelernt – und eben nicht das Hirn eingeschaltet!

    Des selbstständige Denken führt doch eh zu nix…
    ;-)

    Kollegiale Grüße

    A. Gohlke

  7. Herr Kon

    >> richtig klar formuliert ist es auch nicht.

    Kann gar nicht sein. Auf deren Webseite http://www.schulbuchkopie.de steht doch ganz klar: „Die [eindeutigen und pragmatischen] Regelungen sind für den Unterrichtsalltag praktikabel.“

    Das ist mindestens genauso praktikabel wie das kategorische Verbot, Ordnungsmaßnahmen oder auch nur eine Liste davon digital zu verwalten. Ich habe letzte Woche vier (4!) Stunden allein damit zugebracht, entsprechende Papierordner (sic!) anzulegen, dort eine Registratur für die Ordnungsmaßnahmen zu überlegen, aus Karton mit einer Schere auszuschneiden, abzuheften und die bisher erteilten Hinweise auszudrucken und abzuheften, bevor wir die digitalen Daten ins ewige Datennirwana befördert haben.

    Und dabei würde ich ja so gerne Schule entwickeln, meine Lehrer dabei unterstützen, tolle Dinge zu machen, innovativ und modern sein – allein: Die lassen mich nicht. Schöner Mist.

  8. Herr Kon

    > Am Rand wird darauf hingewiesen, dass bei manchen (also: vielen)
    > Kopierern digital kopiert wird, also erst einmal eine Kopie auf
    > einer internen Festplatte gespeichert wird, von der aus die
    > Ausgabe erfolgt. Diese Kopien müssen gelöscht werden.

    Und in der Tat war vor kurzem bei uns ein Techniker, der allen Kopierern beigebracht hat, dass unmittelbar nach dem Kopiervorgang jetzt ein Hinweis angezeigt wird „Interner Speicher ist gelöscht.“ Faszinierend.

  9. DENKEN HILFT!

    Das Urheberrecht in seiner aktuellen und aktualisierten Form, liebe Kollegen, schützt im geringsten Fall die Urheber, es schützt vor allem die kommerziellen Verwerter, die gerne die Urheber zu Lohnsklaven degradieren und sich mit tumbledores Klausel auch leichtfüssig mal ganz aus der Vergütungspflicht stehlen.

  10. Herr Rau Post author

    Ja, wenn man selber Material nimmt und bearbeitet, ist man selber Urheber mit Urheberrecht am Werk. Allerdings – wenn auf das Ausgangsmaterial jemand anders die Verwertungsrechte hat, dann kann ich mein Werk trotzdem nicht frei verwerten, zum Beispiel veröffentlichen. (Wieviel Remix ist erlaubt auch ohne Erlaubnis? In den USA Einiges, bei uns wohl nicht.) An Ideen darf man sich allerdings bedienen, auch wenn man sie im Schulbuch findet, und das darf man dann auch veröffentlichen oder anders verwerten.

    Eine Plattform zum Austausch von OER (open educational resources): ja, da passiert wenig. Ich bin nicht ganz so optimistisch, was die hervorragende Qualität mancher Arbeitsblätter betrifft, aber dass es viel hochwertiges tauschbares Material gibt, das steht außer Frage. Das Unterrichtsministerium müsste Leuten Geld zahlen dafür (d.h. Anrechungsstunden), ordentliche Moodlekurse zu erstellen, und die dann verteilen. Das wäre ein Anfang.

    Soweit, Herr Kon, ist unser Kopiergerät noch nicht. Irgendwann schaut der Techniker vielleicht auch mal vorbei.

  11. Db

    Lächeln und winken, lächeln und winken… zumindest bis Ende 2013. Was auch immer dann kommt. Das dahinter steckende antiquierte Lehrerbild regt mich am meisten auf.
    (nein, ich sag‘ jetzt nichts dazu, dass Vertreter des bayerischen KM federführend bei den Verhandlungen zum Gesamtvertrag waren und stellvertretend für alle 16 Länder unterschrieben haben ;) )
    Zu den unklare Formulierungen: Vielleicht sind diese „FAQ zu § 53 UrhG Digitalisate“ aus Ba-Wü deutlicher? http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/urh/vertrag/faq.html
    Auch für andere Bereiche, z.B. Verwendung von Musik oder Film, finden sich hilfreiche Checklisten
    http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/urh/checkl/
    (falls ich diese Links schon mal, z.B. unter die Diskussion um den sog. Schultrojaner, gepostet hatte, entschuldige bitte die Doppelung)

  12. Sabine

    Ich hatte heute nacht einen Alptraum, in dem es um diese Kopiervorgaben ging. Die unklaren Fälle hatten erstaunlich emotionale Auswirkungen, und da ich in einem Matratzenlager genächtigt habe, habe ich mir hinterher große Sorgen gemacht, ob ich wohl im Schlaf geschrien habe. Man sieht, einer gewissenhaften Lehrerin nützt selbst die Flucht in die Bergeinsamkeit nichts.

  13. Annett

    *mal dumm gefragt*
    Wenn ich Texte aus Arbeitsheften, Büchern etc. abtippe und dann freie Bilder aus dem Internet dazutue, bin ich dann auf der sicheren Seite?
    Oft interessiert mich der Text oder die Aufgabe. Das Drumrum brauch ich eigentlich nicht.
    Früher hat man die entsprechenden Seiten kopiert und sich dann die wichtigen Abschnitte ausgeschnitten und auf einem A4 Blatt zusammengeklebt. (Hab‘ erst kürzlich so ein altes Exemlar wiedergefunden) :)

  14. Herr Kon

    „Das Abtippen eines Werks stellt eine Form der Kopie dar. Maßgeblich dafür, dass eine „Vervielfältigung“ im Sinne des Urheberrechtsgesetzes vorliegt, ist nur, dass die „vorgenommene Verkörperung das Werk als solches wiedergibt“.

    Die Übernahme oder nur geringfügige Bearbeitung eines bestehenden Unterrichtswerks (z. B., wenn nur einzelne Formulierungen abgeändert werden) mit anschließender Speicherung auf einem Schulrechner ist daher unzulässig.“

    Quelle: http://lehrerfortbildung-bw.de/sueb/recht/urh/vertrag/faq.html

  15. Pingback: Öffentliche Forschung – Schulbücher – Urheberrecht | Herr Dr. Hannibal Wägele's biologisch didaktischer Kramladen

  16. grundschullehrer

    Viele Kollegen am Gymnasium scheinen ja sehr viel (Frei)Zeit zu haben Texte abzuschreiben. Das liegt wahrscheinlich an der um 4 Stunden geringeren Unterrichtsverpflichtung gegenüber den Grundschullehrern und den Ermäßigungsstunden für z.B. das Aufräumen der Bücherei. Niemand kontrolliert doch das Kopieren. Wer kopiert denn ganze Bücher? Machen sie lebensnahen Unterricht und keinen lebensfernen Buchuntericht, dann erübrigen sich die Copywriteprobleme.

  17. Herr Rau Post author

    Sie sind schon ein echter Grundschullehrer, oder? Ich frage nur, weil ich gerade einen Kommentartroll habe, der unter verschiedenen Namen Einträge verfasst. Und das mit dem lebensfernen Buchunterricht und der Unterrichtsverpflichtung, das klingt eher nach Karikatur. Schon mal, weil meine Fächer notgedrungen buchorientiert sind. Literatur und so.

    „Niemand kontrolliert doch“ ist für mich kein Argument. Damit kommen meine Schüler auch gerne. Wenn’s keiner merkt, ist das keine Legitimation dazu, etwas Verbotenes oder Schlechtes zu tun. Außer im Fußball, wenn der Schiedsrichter nicht hinschaut, versteht sich. (Natürlich darf man trotzdem manchmal Verbotenes tun.)

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