Ist eine Schulhomepage mehr als eine Behördenwebseite?

Edition Flint schreibt zu einem Vorfall in Niedersachsen. Die dortige Kultusministerin Heiligenstadt machte Besuch in einer Integrierten Gesamtschule, bloß das nebendran ein Gymnasium war, und dessen Schüler wiederum haben den Besuch zum Anlass einer Demonstration gegen die schulpolitische Abwertung des Gymnasiums genommen. Lehrer waren nicht beteiligt, und die Schüler hatten sicher auch nicht die Erlaubnis dazu. Wie Flint schreibt: „Diese Form des zivilen Ungehorsams ist zu begrüßen.“

Davon berichteten natürlich die örtlichen Zeitungen. Einer dieser Zeitungsartikel wurde, unkommentiert, auf der Schulhomepage wiedergegeben. Daraufhin wies die Landesschulbehörde die Schule an, den Artikel von der Homepage zu entfernen, so dass dort jetzt nur steht:

Auf Anordnung des Leiters der Niedersächsischen Landesschulbehörde (Regionalabteilung Osnabrück) wurde der Artikel „Protest wegen Klassenfahrten – Buhrufe in Brake für Kultusministerin“ am 08. Mai um 12:27 Uhr entfernt.

(Gymnasium Brake)

Begründung:

Die bis zur Anordnung vorgefundene Darstellung auf der offiziellen Homepage des Gymnasiums Brake ist mit der Funktion der Homepage einer staatlichen Schule und dem damit verbundenen Auftrag der Öffentlichkeitsarbeit einer Schule nicht vereinbar.

(Quelle: NWZ online)

Außerdem wurde die Schulleitung zueinem „Disziplinar-Gespräch“ einbestellt.

Also erstmal: Respekt für Schüler und Schule. Respekt für die Schulhomepage dafür, dass es erstmal überhaupt einen Pressespiegel gibt, und dass man die Homepage-Beiträge kommentieren kann.

Außerdem bin ich als ein Redakteur unserer Schulhomepage daran interessiert, was für ein Zwitterding eine Schulhomepage ist. Welche Funktion hat sie denn? Als Behörden-Webauftritt darf sie natürlich keine Kritik am übergeordneten Ministerium bieten und muss reine Öffentlichkeitsarbeit machen. Öffentlichkeitsarbeit für das Kultusministerium, oder für die eigene Schule?

Zumindest in Bayern habe ich noch von keinen Problemen gehört. Allerdings will das Kultusministerium, dass zumindest jedes Gymnasium auf die KuMi-Seiten verlinkt, damit Eltern erfahren, welche Angebote es dort für sie gibt.

11 Thoughts to “Ist eine Schulhomepage mehr als eine Behördenwebseite?

  1. Das Kumi will bei allen Schulen verlinkt werden, ich musste das in diesem Schuljahr einbauen. Dazu gibt es irgendein amtliches Schreiben, das ich jetzt aber spontan nicht finde. An meiner Schule besteht auch der Sachaufwandsträger darauf im Impressum genannt zu werden.

  2. Meiner Meinung nach kann man nicht gezwungen werden, auf bestimmte Seiten zu verlinken (z.B. KuMi). Ich hätte das Schreiben gerne.
    Ansonsten unterscheidet sich eine Schulhomepage ganz gewaltig von einer Behördenseite. Diese will dem Bürger Orientierung und Hilfen bieten, ih nauch bei bestimmten Fragestellungen leiten.
    Eine Schule bringt Informationen für Schüler und Eltern, auch für Lehrkräfte und präsentiert ansonsten ihre Leistungen, ihr Schulleben.
    Obschon Schule eine Behörde ist, ist sie nicht mit staatlichen Dienststellen zu vergleichen.
    Der niedersächsische Eingriff kommt einer Zensur gleich. Ich hätte da Rechtsmittel ausgeschöpft, auch wenn es viel Arbeit macht. Relative Autonomie ist es wert, verteidigt zu werden.

  3. >Wenn Link zum Kumi, dann aber nur als Nofollow-Link

    Das ist vielleicht kleinlich, aber natürlich auch das erste, was ich gemacht habe beim Erfüllen der Bitte. :-)

    (Wobei, eigentlich überflüssig, da Suchmaschinen eh ausgesperrt sind und Google sich wohl auch daran hält.)

  4. Empörend einerseits; schön, dass es nun ein wenig streisandet andererseits. Da lernt das KuMi vielleicht noch etwas in Sachen Kontrollverlust.

    (Und dass man die Beiträge der Schulhomepage kommentieren kann, finde ich bemerkenswert. Ich hätte dann doch die Befürchtung, mir einen 24/7-Löschdienst einzufangen.)

  5. Lieber Herr Rau,
    ich würde das nicht zu ernst nehmen. Das ist ein spezifisch niedersächsisches Problem. Da wird ein Kampf ausgetragen zwischen dem „rot-grünen“ Kultusministerium und der noch von von der Vorgänger-CDU-FDP-installierten Spitze der Landesschulbehörde. Das hat insofern weiter nichts zu sagen!

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