Ferienende II (Stundenplan)

Gestern ein etwas lockerer Tag, erst gegen halb neun angefangen und schon um viertel nach zehn, abends natürlich, aufgehört. Eine Stunde Mittagspause: italienisch essen, Glas Wein, Espresso. Heute kommt der vierte solcher Tage in Folge.

Als Beispiel für viele Probleme, die die Stundenplangestaltung mit sich bringt, will ich beschreiben, was es mit den Schienen auf der Kollegstufe auf sich hat.
In der Kollegstufe gibt es keine Klassen mehr, sondern Kurse, in die Schüler mehr oder weniger unabhängig von den anderen Schülern gehen können. Manche dieser Kurse können gleichzeitig stattfinden: Zwei Kurse können gleichzeitig stattfinden, wenn es keinen Schüler gibt, der in beiden Kursen zugleich ist. Drei, oder vier, Kurse können gleichzeitig stattfinden, wenn es keinen Schüler gibt, der einen Teil dieser drei, oder vier, Kurse belegt hat. (Außerdem darf natürlich nicht derselbe Lehrer in den Kursen unterrichten.)
Diese Kurse, die gleichzeitig stattfinden können, heißen Schiene.

Meistens gibt es keinen Geschichts- oder Religionsleistungkurs. Jeder Schüler muss aber Religion/Ethik und Geschichte belegen. Also baut man eine Geschichtsschiene, in der alle Geschichtsgrundklurse liegen: Während dieser Stunden sind alle Schüler im Unterricht, keiner hat eine Lückenstunde. Man baut außerdem eine Religonsstunde: Für die gilt das gleiche. Man versucht Schienen zu bauen, mit denen man möglichst viele Schüler erfasst.

Das geht aber nicht so einfach. Nehmen wir die Leistungskurse; jeder Schüler hat zwei davon. Nehmen wir an, es gibt die Leistungskurse D, E, F und C, B, Ph. Wenn jeder Schüler jetzt genau einen sprachlichen LK hat (D, E, F) und genau einen naturwissenschaftlichen (C, B, Ph), dann klappt das prima: DEF finden immer gleichzeitg statt (=alle Schüler gebunden, keiner hat währenddessen eine Lückenstunde) und CBPh finden immer gleichzeitig statt (hier gilt das gleiche). Wenn ein Schüler aber als Leistungskurse DE hat, geht das nicht mehr. Vielleicht geht die Kombination DF und CBPhE – das geht dann, wenn es keinen Schüler mit der Kombination Naturwissenschaft/Französisch gibt; sonst nicht.

Am Ende hat man dann jedenfalls eine Reihe von Schienen, zum Beispiel 45 Schulstunden voll (bei 70 Kollegiaten). An manchen dieser Schiene sind alle Schüler gebunden, so dass keiner frei hat; an anderen sind 50 gebunden und 20 haben frei; ein paar mit 40/30, mit 60/10, mit 10/60. Der letzte Fall heißt: Dieser eine Kurs oder diese Kurse mit 10 Leuten müssen unabhängig von allen anderen Kursen stattfinden; dürfen also nie gleichzeitig mit einem anderen Kurs liegen. Chor und Orchester sind solche Sachen.

Je kleinere LKs es gibt (schön), desto mehr Schienen gibt es (schlecht). Je mehr LKs es gibt (schön), desto mehr Schienen gibt es (schlecht), je größer die Wahlmöglichkeiten für die Schüler (schön), desto mehr Schienen gibt es (schlecht).

Was ist so schlecht an der Menge der Schienen? Wenn es 45 Stunden gibt: Dann fallen 30 davon auf den Vormittag – mehr haben da nicht Platz – und 15 auf den Nachmittag. Wenn es 40 Stunden gibt: 10 am Nachmittag; 50 Stunden: 20 am Nachmittag. Je mehr Schienen, desto mehr Nachmittagsunterricht, desto mehr Lückenstunden im Lauf des Tages.

Die nächste Frage: Wenn 15 Stunden am Nachmittag gehalten werden müssen, welche sollen es dann sein? Sport, das geht nicht anders. Bleiben aber noch, zum Beispiel, 6 weitere Stunden. Nach welchen Kriterien entscheidet man?
Man kann eine Schiene in den Nachmittag setzen, in der alle Schüler sind, eine der Religions- oder Geschichtsstunden etwa. Dann muss jeder Schüler in diese Nachmittagsstunde. Oder man nimmt eine Schiene, in der möglichst wenig Schüler gebunden sind und möglichst viele Schüler ohnehin frei haben. Das ist natürlich besser. Allerdings haben dann Jahr für Jahr immer die gleichen Kurse diese Nachmittagsstunden, und das heißt meist auch: die gleichen Lehrer. Die Stundenqualität ist am Nachmittag auch schlechter als am Vormittag. Wie soll man also entscheiden? Geschichte und Religion liegt nie am Nachmittag, sollte man nicht doch mal? Aber die haben nur so wenig Stunden, und außerdem muss jeder Schüler dann rein. Also doch wieder die kleinste LK-Schiene? Aber die Lehrer haben doch in parallel laufenden K13 genau das gleiche Schicksal, müssen also mehrfach in den Nachmittag; Englisch-Lehrern geschieht das nie. Wären die niocht mal an der Reihe? Aber dann wären wieder mehr Schüler gebunden.…
Und das dreht sich im Kreis und man will keine Entscheidung treffen, muss aber: 45 Schienenstunden heißt 15 Nachmittagsstunden, das geht nicht anders.

So, jetzt ab in die Schule, weitermachen.

(Sämtliche Zahlen sind erfundene Beispiele, die nur ungefähr der Situation an unserer Schule entsprechen.)

Eine Antwort auf „Ferienende II (Stundenplan)“

  1. Kenn ich nur zu gut. Also von der anderen Seite aus. Abi 2003 war meiniges. Im 13. Jahrgang hatte ich nen sehr “gelochten” Mittwoch 2 Stunden Mathe LK, 2 frei, eine deutsch, eine ChemieLK, 2 Frei, eine Geschichte. Diese 9. Std Geschichte war meist sehr humorvoll aber wenig lehrreich, denn so gut wie alle hatten 8./9. frei, Kunst und Französisch LK oder so fanden statt…
    Aber nett auch mal die andre Seite zu lesen ;)

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