Kontaktfreudige Grundschüler

(Ein Gastbeitrag aus der 9. Klasse, um zukünftige Blogger heranzuziehen. Ich habe gefragt, ob ich den Text hier noch einmal veröffentlichen darf.)

Manchmal wundere ich mich, wie viele eigenartige Leute doch hier in Fürstenfeldbruck frei herumlaufen. Heute habe ich eine sehr interessante Zweitklässlerin getroffen. Für gewöhnlich haben sie meisten Grundschüler, die mich nicht kennen, Respekt vor mir, so wie ich in der Grundschule auch Respekt vor den „Großen“ hatte. Man wusste ja nie, wozu die fähig waren und wenn sich 14-jährige auf einer Schaukel langweilen, dann machte man einen Bogen um darum. Wenn man Glück hatte, hat eine aufpassende Mutter die „bösen Großen“ verscheucht.
Aber scheinbar sind nicht alle Grundschüler so. Auf meinem halben Schulweg liegt eine Grundschule. Oft trödeln die Grundschüler auf ihrem Heimweg ziemlich, so dass ich oft auf dem zweiten Teil des Weges direkt in der Grundschülerparade bin, obwohl ich doppelt so weit laufen muss. Gewöhnlich kann man die Kleinen ganz leicht überholen, schließlich müssen sie alle zwei Meter stehen bleiben um neuen Schnee für Schneebälle aufzusammeln oder um sich den besagten Schnee wieder aus dem Genick zu entfernen, nachdem der Freund ihn dorthin befördert hat. Heute aber, nachdem ich gleitzeitig mit zwanzig Grundschülern die Straße überquert hatte (und 19 davon überholt hatte) bemerkte ich eine Grundschülerin, die mich überholte. Ich wurde schneller, so was darf man sich nicht gefallen lassen, nicht von Grundschülern. Ich überholte sie, sie überholte mich wieder. Dann wurde es mir zu blöd, außerdem war die Kleine mit dem pinken Schulranzen sowieso schon aus der Puste. Jetzt war sie aber sichtlich zufrieden mit sich und wurde auch langsamer. „In welche Klasse gehst du?“, fragte sie mich. Ich war im ersten Moment mehr als überrascht. Warum sprach dieses Kind mich an? Schließlich schaue ich nicht besonders „zum-ansprechen-einladend“ aus, eigentlich konzentriere ich mich auf dem Schulweg mehr auf das Muster des Pflasters. Aber man kann ja den Grundschülern ihren Spaß lassen, also antwortete ich „9.“ Die kleine grinste „Ich geh’ in die 2. Wie heißt du?“ Ich hätte mich das früher nicht getraut. Spätestens bei „9.“ wäre ich davongelaufen. Weiß dieses Kind nicht, dass 9-Klässler groß und böse sind? „Nina“, murmelte ich. Kleine Kinder soll man ja nicht anlügen. „Ich bin die Stephanie.“ Ich hätte eher auf ‚Fabienne’ getippt. Jedenfalls entsprach dieses Kind mit dem pinken Schulranzen genau meinen Vorstellungen einer Fabienne. Fünf Meter später stöhnt Stephanie. „Mein Schulranzen is heute voll schwer, ich glaub, da sind Steine drin.“ Ich lächle, anstandshalber. In der Grundschule hatte ich genau drei Bücher: das Deutschbuch, das Mathebuch und das Religionsbuch. Außerdem gab es da noch das „unter-der-Bank“-Fach für Bücher, die man nur in der Schule braucht. „In der 9. is der Schulranzen noch viel schwerer, geh?“ Ha. Wenigstens Etwas. „Wie viele Bücher hast du?“ Ich sagte in der Hoffnung, Stephanie zu verblüffen : „Etwa fünfzehn insgesamt, heute aber nur sechs“ Leider beeindruckte das die Kleine nicht sehr. Nicht mal ein erstaunter Blick. Oder Respekt. Oder Mitleid. Stattdessen setzte sie ihre Fragerei fort. „In der 9. is es bestimmt voll schwer, geh?“ Ja, besonders wenn man auf dem Heimweg auch noch ausgefragt wird. „M-hm“, brummte ich. Hoch etwa 200 Meter bis zu meiner Straße. „In der Zweiten is es auch schon voll schwer. Besonders in Mathe. In der Ersten war das aber alles noch voll baby. So 5 + 5. Voll einfach.“ Noch fünfzig Meter. „Und dann heute, da hab ich voll viel gemacht, geh. Da hab ich dann den ganzen Wochenplan* fertig gemacht. Und dann..“ Ha. Geschafft. „Du, ich muss jetzt da in die Straße rein. Tschüss.“ „Tschüüüüüs! und schönes Wochenende, Nina!“ Komisch, dass dieses Kind mir ein schönes Wochenende gewünscht hat. Bei der überfreundlichen Schulweghelferin hat sie sich noch mal für das Wochenend-Bonbon bedankt. Vielleicht sollte ich in Zukunft wieder auf der andern Straßenseite gehen. Aber eigentlich habe ich ja nichts gegen Grundschüler. Eigentlich.

*Einen Wochenplan wird wohl niemand aus seiner Grundschulzeit kennen… In der 1. und 2. Klasse ist die erste Stunde jeweils zur Freiarbeit. Naja, fast. Jeder Schüler bekommt am Montag ein Blatt mit Aufgaben, die er bis zum Freitag in diesen Stunden erledigen muss. Das kann lesen sein, oder malen, oder Übungen im Buch. Alles, was man bis Freitag nicht schafft, muss man als Hausaufgabe übers Wochenende machen. Ich kenne den Wochenplan von meiner Schwester (jetzt 4. Klasse), das gibt es noch nicht so lange, wurde eingeführt als sie in der 1. Klasse war.

Tagged: Tags

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.