Fernsehserien pitchen

2 x Englisch heute, 6. Klasse, Intensivierung, 15 Schüler pro Gruppe. (Die Intensivierungsstunden sind ein bayerisches Allheilmittel, aber das ist eine andere Geschichte.)

Zuerst fragte ich die Schülern nach ihren Lieblings-Fernsehserien. Dann erklärte ich ihnen vereinfacht, was ein Produzent ist, winkte mit Scheinen aus meinem Geldbeutel und sagte, ich würde gerne eine Idee für eine Fernsehserie kaufen. Dann würde ich die Serie produzieren und verkaufen, und es gäbe viel Geld von den Werbeeinnahmen. Zielpublikum: 13-15jährige.

Die Schüler mussten in Teams zu je 5 Schülern eine Fernsehserie entwerfen und dann versuchen, sie mir zu verkaufen. Dazu kam das Team jeweils an die Tafel und präsentierte (auf Englisch) die Ergebnisse. Ich kaute mangels Zigarre auf einem Füller und hatte die Füße auf dem Tisch.
Und in der ersten Hälfte der Klasse gab es auch zwei ganz ordentliche und eine sehr gute Vorstellung. „Heaven and Hell. Best friends“ hieß die Gewinnerserie, deren Schreiber eine Packung Menthos bekam. Der Rest ging leer aus, bekam aber tröstende Worte. Die Serie würde ich mir anschauen.

In der zweiten Gruppe, in der Stunde danach, gab es auch drei Teams. Zusammenarbeit, Ideenreichtum und Präsentation waren deutlich schlechter. Der Produzent vorne bekam eine immer runzligere Stirn. Und als ein Team dann wirklich Mist erzählte, konnte ich nicht anders als in meiner Rolle zu bleiben: Ich unterbrach die Redner und schickte sie nach hinten. Interview beendet. Rufen Sie uns nicht an, wir rufen Sie an.

Das war… befriedigend. Als Lehrer wertet man ja auch die Mühe und den Einsatz der Schüler (wenn auch nicht in der Note) und bricht Referate nur ab, wenn sie wirklich unter aller Sau sind. Aber als TV-Produzent, auch wenn es den so gar nicht gibt, muss man weniger Geduld haben.
Die Schüler schienen das zu akzeptieren; ein echter Test wäre aber nur in einer höheren Jahrgangsstufe möglich. Und da kann man das Projekt ja mal wiederholen, eine ganze Woche damit verbringen (in Deutsch noch besser als in Englisch). Dann gibt es auch Poster und Statistiken und Skizzen zur Serie.

9 Thoughts to “Fernsehserien pitchen

  1. die neuen intensivierungsstunden klingen echt interessant. Wie sind die Gruppen unterteilt? Dürfen die Schüler sich aussuchen mit wem sie in der Gruppe sind? Sind die Qualtiätsunterschied normal bei den beiden Gruppen? Hach, mal wieder soviel Fragen.

  2. Gerade mit der Klasse komme ich aber nicht besonders klar. Zumindest zum Teil liegt das daran, dass ich nur einstündig darin unterrichte. Das bin ich als Kernfachlehrer nicht gewöhnt.

    Bei den Intensivierungsstunden probiert unsere Schule verschiedene Modelle aus. Der wichtigste Unterschied zwischen ihnen scheint mir der zu sein, dass entweder der Fachlehrer selbst die Intensivierungssstunde unterrichtet oder ein anderer Lehrer. Zum Ende des Schuljahrs werden wir Ergebnisse sammeln und vergleichen.
    Meine eigene Meinung vorab: Abgestimmt hatte ich ursprünglich dafür, eben nicht den normalen Fachlehrer in die Intensivierung zu setzen. Dadurch bleibt gewährleistet, dass die Intensivierungsstunde wirklich etwas anderes bleibt als eine reguläre Unterrichtsstunde. Die Schüler müssen nicht fürchten, dass sie benotet werden. Wenn ich etwas erkläre, erkläre ich das anders als der normale Fachlehrer, das hilft vielleicht den Schülern, die es beim ersten und zweiten Mal nicht verstanden haben.
    Inzwischen bin ich anderer Meinung, zumindest für das Fach Englisch. (Wie gesagt, ein ordentlicher Austausch über die Erfahrungen kommt erst noch.) In einem einstündigen Fach lernt man die Schüler nicht kennen und weiß auch nicht genau genug, wo ihre Schwächen und Stärken liegen.

    In jeder Gruppe ist eine halbe Klasse, das sind 15-16, auch 17 Schüler. Da während einer Intensivierungsstunde die andere Gruppe nicht unbeschäftigt bleiben soll, sind die Intensivierungsstunden in den verschiedenen Fächern jeweils parallel. (Alternativ: Die Schüler gehen heim. Das hieße aber, die Schüler wären 2x nachmittags in der Schule statt 1x. Ich kann’s bei Gelegenheit genauer erklären.) Damit ist es nicht mehr so einfach möglich, die Gruppen nach Leistung zu trennen: Soll die gute Mathegruppe parallel zur guten oder zur schlechten Englischgruppe stattfinden?
    Zuerst wurde nach Alphabet geteilt. Wechsel zwischen den Gruppen sind möglich. Wir haben auch ausprobiert, Mädchen und Jungen zu trennen. Hat auch wieder Nachteile (für die Jungs). — Ich schreibe mal einen eigenen Eintrag dazu, das muss ich gründlicher erklären. Die Schule hat jedenfalls theoretisch viele Möglichkeiten.

    Dazu kommt noch, dass ich mir über das Ziel der Intenisiverungsstunden nicht klar bin: Dienen sie dazu, das Durchfallen zu verhindern (=> am besten Übungsstunden zum Schulaufgabenstoff) oder Dinge zu machen, für die sonst keine Zeit bleibt (=> Rollenspiele, Ausspracheübungen)?

  3. Um die Rolle des Film-Produzenten zu perfektionieren, empfehle ich B. Brillstein „The little stuff matters most“.

    Bin selber auf der Suche nach einem guten Buch über Rollenspiele (für Erwachsene).

  4. Gute Idee – habe ich auch gerade für eine Unterrichtseinheit in die grauen Zellen gelegt! Als Schüler habe ich mich manchmal auch gefragt, wozu denn die Rollenspiele gut sein sollen, als Lehrer habe ich die Erfahrung gemacht, dass es im besten Fall all die erwähnten Ziele erfüllt, und im schlechtesten Fall halt bloss Zeitvertreib war.

  5. Komisch, dass ihr kein einheitliches Konzept habt, wozu diese Stunden gut sein sollen: zum Üben und Pauken dessen, was nicht ’sitzt‘ oder zur Imageverbesserung für den Englischunterricht. Letzteres ist natürlich für alle attraktiver.

  6. Diese Stunden wurden im Handstreich eingeführt und werden laut neuesten Plänen ohnehin wieder abgeschafft. (Genauer: Klagen über Nachmittagsunterricht > weniger Stunden für Schüler > Intensivierungsstunden werden optional > im Endeffekt abgeschafft.) Da wundert mich das fehlende Konzept nicht. — An unserer Schule gibt es auch kein einheitliches Konzept, aber das verstehe ich: Wir haben in diesem ersten Schuljahr erst mal alles Mögliche ausprobiert.

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