Holy Mackerel

Peter David ist einer der wenigen Comic-Autoren, deren Namen ich kenne. Er schreibt außerdem Drehbücher und Romane, ich habe gelegentlich auf ihn hingewiesen. Er ist der einzige, dessen Hefte ich fast immer an Erzähltechnik und Figurenrede erkenne; er ist der beste Autor, wenn es darum geht, den Figuren der großen zwei (Marvel und DC) neue Aspekte abzugewinnen. Trotzdem, und keine Sorge, außerhalb der Unterhaltungsbranche und speziell des Comic-Teils davon muss man seinen Namen nicht kennen.

Peter David führt schon seit sehr langer Zeit ein Blog, das ich seit sechs oder sieben Jahren lese. Er schreibt über Comics, Fernsehserien, Sport, Politik, Gesellschaft. Israel, Zensur, Schwulenehe. Ich hole mir da immer meine tägliche Dosis Landeskunde ab. Er hält nicht mit seiner Meinung zurück, bekennt Farbe, kneift nicht; es gibt rege Diskussionen zu seinen Blogeinträgen, meist so an die hundert Kommentare, viele Stammleser. Eines meiner Lieblingsblogs. Und jetzt hat er sich gleich zweimal Feinde gemacht. Beides weitgehend unverdient.

Zuerst hat er den neuen Generalstaatsanwalt der USA kritisiert, der in einer Rede bemängelt hatte, dass das Thema race in den USA ein Tabuthema sei. Man rede nicht genug über Rassenprobleme, und das sei feige. Peter David rügte, das sei keine Feigheit, das liege daran, dass das Thema „vergiftet“ sei, zwar eben durch viele Sprecher für die amerikanischen Schwarzen, selbsternannt oder nicht. Als Nichtschwarzer etwas zum Thema race zu sagen, sei zu brenzlig. Kann nur Ärger geben. Oy. Das hätte er mal nicht schreiben sollen. Ob er recht hat oder nicht, kann man diskutieren. (Er stellt das selber auch differenziert dar.) Die Hälfte der gut 180 Kommentare bestätigen aber: Es wäre viel, viel einfacher für ihn, wenn er die Klappe gehalten hätte. Für Landeskunde interessante Aufgabe: Argumente und Gegenargumente aus den Kommentaren zu fischen, zu sortieren, zu einer eigenen Meinung dazu gelangen. (Link zum Blogeintrag.)

Das ist aber noch nichts im Vergleich zu dem shitstorm zu seinem nächsten Eintrag. Der ist landeskundlich nicht so interessant, aber es geht von ihm eine Faszination aus, die man Autounfällen zuschreibt. Ich kann nicht anders, ich lese regelmäßig die neuesten Kommentare. Sind schon über 500.
Und zwar geht es darum, dass der Forum-/Blog-Anbieter Livejournal quasi über Nacht eine Comicfan-Community vom Netz genommen hat. Scans Daily hieß die. Ich hatte nie davon gehört, Peter David auch nicht, andere auch nicht. Es war trotzdem eine aktive und vermutlich ganz angenehme Community, vielleicht eine Generationenfrage. Auf Scans Daily wurden alte und neue Comics diskutiert. Lobenswert. Dazu luden die Fans eingescannte Comicseiten hoch. Die Hausregel: Nie mehr als ein halbes Heft, keineswegs das ganze. Peter David sah das, weil seine erst letzte Woche erschienene Ausgabe von X-Factor #40 (mit massivem Überraschungsende) dort zur Hälfte zu lesen war. Peter David diskutierte dort wohl ein bisschen mit, er informierte aber vor allem Marvel Comics (den Rechteinhaber), dass da möglicherweise eine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Soviel zu Peter David. Bald darauf schloss Livejournal unvermittelt die Seite, nachdem schon Photobucket, wo die Scans gehostet waren, einzelne Bilder vom Netz genommen hatte. Mehr weiß man nicht; die Informationspolitik von Livejournal ist wohl miserabel. Und wer ist schuld an dem ganzen? Peter David. 500 Kommentare hin und her. Viele vernünftige Stimmen, aber auch viele vergrätzte Fanboys. Die Menge an Gift und Galle ist erschreckend. Klar ist das aktuelle Copyright absolut unbefriedigend. (Selbst in den USA, wo es fair use gibt. Da sind ein oder zwei Seiten tatsächlich legal, anders als bei uns.) Genauso klar war Scans Daily illegal. Genauso dürfen Marvel und Photobucket und Livejournal mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen. Warum kriegt Peter David den Dreck ab? Weil er sich in die Öffentlichkeit stellt. Respekt. (Link zum Blogeintrag.)

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