Wieder mal Kreatives (Evolution und ID, Linkliste)

Heute wieder ein Tag Informatik, Zusammenfassung eines unserer vier Semester. Wenn wir alle vier durchhaben, gibt’s Examen. Ein bisschen konfus heute, aber viel Galgenhumor. Gelehrt wurde uns von einer neuen Mitarbeiterin am Lehrstuhl, die noch letztes Schuljahr in meiner Informatikklasse zu Gast war – für eine Umfrage im Rahmen ihrer Diplomarbeit. So klein ist die Welt der Informatik noch. (In der Pause haben wir eine echte Studentin Lehramt Mathe/Informatik getroffen. Die einzige ihres Semesters. Viele Lehramtsstudenten gibt es für dieses Fach wirklich noch nicht.)

Und in der SZ auf der Wissen-Seite steht heute Neues zum Kreationismus. (Siehe auch früheren Eintrag und Süddeutsche.de) Man hört auch in Deutschland immer mehr davon, sogar in Büchern für den Biologieunterricht – zugelassen ist davon allerdings bislang keines. Verkauft werden sie allerdings, zumindest in Schubibliotheken dürften sie stehen.

Bah, Humbug. (Wie gesagt, siehe letzten Eintrag.)

Gott will sich nicht beweisen lassen, er will, dass wir glauben. (Meine Prämisse.) Wenn er sich beweisen ließe, entspräche das einer Erpressung zum Glauben. Dann kann man ja nicht anders. (Meine Folgerung.) Da steht er doch drübber.

(Die Prämisse ist bei mir wenig verhandelbar; über die Korrektheit der Folgerung ließe ich mich auf einen Streit ein. Man könnte argumentieren, wer den Beweis nicht sieht, ist verblendet; der Mensch ist ja nicht gezwungen, einen Beweis zu akzeptieren, nur weil es ein waschechter, lückenloser Beweis ist. Auch Humbug, aber da könnte man diskutieren.)

Wenn es für eine Erklärung der Vielfalt der Arten einen Gott braucht, dann ist das ein Beweis für die Existenz Gottes. Den gibt es laut meiner Prämisse nicht. Also muss es auch ohne Gott gehen. Wenn der Kreationismus das zugesteht, darf er im Hintergrund soviel lenkenden Gott postulieren, wie er möchte. Aber er darf nicht so tun, als könnte Intelligent Design die gottlose Evolution irgendwie widerlegen oder ersetzen.

(Leider geschieht genau das durchs Hintertürchen. Intelligent Design oder Kreationismus wird als Alternative, als Ergänzung zur Evolution geschildert, und das so lange, bis Leute glauben, Evolution könnte durch sie ersetzt werden. Es wird nahe gelegt, dass zugleich Intelligent Design wahr und Evolution falsch sein könnte. Intelligent Design lässt sich per Definition nicht widerlegen. Damit kann man sie glauben, aber über ihren wissenschaftlichen Anspruch zu diskutieren ist witzlos. Es wird immer eine gottlose (also: wissenschaftliche) Alternative geben. Das eine ist Glauben, das andere Wissenschaft. Zwei verschiedene Dinge.)

19 Antworten auf „Wieder mal Kreatives (Evolution und ID, Linkliste)“

  1. Hm. Ja. Sicher. Zumindest müßte dann auch auf jedem Religionsbuch der Button aufgeklebt sein mit derselben Warnung wie für die naturwissenschaftlichen Bücher: “Vorsicht, nur eine Meinung, eine Theorie, keine Wahrheit!” Auf allen Büchern müßte es stehen – also auf gar keinem. Die Bewegung der Kreationisten versucht in den Schulen also nicht bloß, die Evoutionstheorie in ihrer Aussagekraft NEBEN die Paradieserzählung zu stellen, sondern darüber. Es ist Politik. Nicht ganz einverstanden bin ich mit der apodiktischen Klarheit, Glauben (Meinung) von Wissenschaft zweifelsfrei zu unterscheiden. Paul Feyerabend hat in den 70ern schon nachgewiesen, daß vieles, wovon wir überzeugt sind, daß es “objektive wissenschaftliche Erkenntnis” sein, eigentlich auch nur Glaube ist …

  2. Ich bin halt doch überzeugter Popperianer. Insofern halte ich den Nachweis von Feyerabend eigentlich auch nur für Glauben… :-) Aber es ist natürlich schon was dran.

  3. Das ist wahr. Gottesbeweise würden dem christlichen Glauben zuwider sprechen. Als “normalem” Christen sind mir diese politischen Christen sowieso sehr suspekt, dieses aggressive Verhalten widerspricht im Kern meiner Auffassung von Christentum. Dahinter steckt eine große Angst: die Angst, durch die Evolutionstheorie Gott wissenschaftlich ausradiert zu sehen. Ich kenne das aus meiner alten Gemeinde. Da war die E‑Theorie auch ein großes Schreckgespenst. Wie ich dazu stehe, habe ich ja schon im letzten Artikel geschrieben.

    Btw.: Wie gehen eigentlich Juden mit der Evolutionstheorie um? Das AT teilen wir uns ja…

  4. Den genannten Artikel in der SZ habe ich in einem Blogeitrag detailiert kritisiert.

    Ich glaube auch nicht, daß Gott sich beweisen oder widerlegen läßt. Aber das spricht nicht gegen eine Theorie, die in einem anderen Weltbild, eben dem, in dem es einen eingreifenden Gott gibt, sinnvolle wissenschaft und nicht bloßes Lückenbüßertum zu entwickeln.

    Sie sollten auch ein Buch wie daß von Junker und Scherer nicht verwerfen, ohne wenigstens mal einen Blick darauf geworfen zu haben.

  5. “Aber das spricht nicht gegen eine Theorie, die in einem anderen Weltbild, eben dem, in dem es einen eingreifenden Gott gibt, sinnvolle wissenschaft und nicht bloßes Lückenbüßertum zu entwickeln.”

    Den Satz habe ich nicht verstanden, kann ich den nochmal haben? Das ist ernst gemeint, da der Satz davor mir genügend Grundlage für eine sinnvolle Diskussion scheint.

  6. Salve,

    Selbst als Atheist, Skeptiker und Verfechter der Evolutionstheorie im Dawkins’schen Sinne finde ich Ihren Eintrag aus Sicht der WISSENSCHAFTLICHEN METHODE gelinde gesagt unsinnig.

    Warum ist Ihre Prämisse, dass sich Gott auf keinen Fall beweisen lassen kann, “nicht verhandelbar”? Es handelt sich klar um eine persönliche Hypothese/Ansicht ihrerseits, die nicht den Tatsachen entsprechen muss. Wissenschaft, auch eine Grenzwissenschaft wie Theologie fusst auf Hypothesen, die diskutier- und falsifizierbar sein müssen, um zur Wahrheit zu führen.

    Nochmal zum Nachdenken (und zum den-Theisten-nicht-so-viel-Munition-liefern) fortdert mit freundlichen Grüssen auf,

    - Markus Roder (Blackpriester mit Whitegummistiefeln)

  7. Meine Prämisse ist nicht verhandelbar, weben weil ich kein Atheist bin. Das bisschen, was ich an Gottesglaube habe, fußt auf dieser Prämisse. Insofern ist es natürlich eine persönliche Ansicht meinerseits. Ich dachte, das sei klar.
    Die Sache mit der Falsifizierbarkeit gilt ohnehin nur für empirische Wissenschaften – Naturwissenschaften. Mathematik und meiner Meinung nach auch Theologie fußen nicht auf Hypothesen, sondern auf Axiomen.
    Außerdem halte ich bei einer sinnvollen Definiton von “beweisbar” und “Gott” die beiden Punkte tatsächlich für unvereinbar. Können Sie da ein Gegenargument anbieten?

  8. Ergänzung: Das erinnert mich an ein schönes Gespräch mit einem befreundeten Theologen. Ich muss ihn mal bitten, das aufzuschreiben; aber ein Ergebnis davon war jedenfalls die Frage: Wie könnte Gott einem radikalen Skeptiker (wir nahmen mich als Beispiel) seine Existenz beweisen? Was müsste geschehen, dass ich als Skeptiker die einzige Erklärung habe: Es gibt einen Gott? Mystische Gotteserfahrung leuchten mir ein; insofern werfe ich es beileibe niemandem vor, der an Gott glaubt – aber ich lasse sie nicht als Beweis gelten, aus nachvollziehbaren Gründen.

  9. Links zum Thema:

    Warum der Mensch glaubt: Ein Artikel über einen neurowissenschaftlichen Ansatz. Interessant.
    Dort noch mehr zu ID
    Open Letter to Kansas School Board: Eine nicht-christliche Alternative zu Intelligent Design (das ja letztlich ein christlicher Ansatz ist). Albern-lustig.
    Intelligent Falling: Eine Alternative zur Gravitationstheorie. Aus The Onion. Dinge fallen nicht wegen der Schwerkraft, sondern weil eine höhere Intelligenz sie nach unten drückt. Natürlich eine Parodie.Aber ich bin einem verwandten Gedanken, nach dem das Wasser fällt, weil es das will, schon mal begegnet. (Smullyan? Hofstadter?) Ob es das will oder muss ist letztlich egal – wenn, und das ist ein großes wenn, ich die Welt durch beides erklären kann. Warum will das Wasser bergab fließen? Die Antwort muss mir helfen vorherzusagen, wie sich Wasser außerhalb des Schwerefelds der Erde benimmt. Und so weiter. Umfassende Theorien dieser Art gibt es noch nicht, und sie wären vermutlich auch nicht sehr praktisch.
    Antievolution. The Critic’s Resource: Links zu Erklärungen von Evolutionsgegnern verschiedener Sorte, mit kritischer Würdigung derer Theorien. Unter anderem mit einem Manifest des Center for the Renewal of Science and Culture des sich wissenschaftlich gerierenden Discovery Institute.

    ————-

    Nicht ganz fair, weil ernst gemeint:
    Big Daddy
    In the Beginning
    Und extra für Rollenspieler:
    Dark Dungeons
    Im Original alle Englisch; auf der Seite gibt’s noch jede Menge mehr davon. Das sind christlich-fundamentalistische Comics zur Evolution, zu Rollenspielen, zu anderen grässlichen Dingen.

  10. Merci, kannte ich tatsächlich schon: Über mein Comic-Forum. Sonst schaue ich mir nämlich tatsächlich nicht viele Nachrichtenseiten an. Das beste am Spaghettigott ist die Korrelation vom Anstieg der Erderwämung in den letzten 200 Jahren und dem gleichzeitigen Sinken der Anzahl an Piraten. Sollen wir also die Piraterie fördern?
    Nachtrag: Die Spaghetti-Religion hat auch schon einen Wikipedia-Eintrag.

  11. Nun, die Diskussion in dem Chick-Comic “Big Daddy” erinnert mich zumindest anfangs schon sehr an die übliche Diskussion und das übliche Vorgehen der Evolutionisten. Nur das Einlenken des Professors am Ende ist sehr kitschig. Solche Betonköpfe ändern ihre Meinung nicht mehr.
    Die anderen Sachen sind ziemlich überholt, die Argumente selbst zu US-Amerikanisch und zu veraltet. In dem Comic “In the Beginning”, welches ©2003 hat, werden die Fußabdrücke von Glen Rose erwähnt, welche schon über 20 Jahre lang deutlich widerlegt sind. Damit macht sich Jack T. Chick genauso lächerlich, wie der Professor in dem anderen Comic mit den Häckelschen Zeichnungen.
    Nun, Chicks Comics sind unter Christen nicht ohne Grund sehr verpöhnt.

  12. Kreationismus ist ein religiöser Fundamentalismus mit bigotten Wurzeln in England, der Begriff wurde Anfang der 20er Jahre von Harold Clark geprägt. Die Kreationisten sehen den biblischen Schöpfungsglauben durch die Naturwissenschaften bedroht, jeder wahre Christ muss Darwins Evolutionslehre ablehnen. Die ohne Irrtümer und innere Widersprüche überlieferte Bibel ist ewige Wahrheit und göttliche Offenbarung zugleich, ihr Weltbild ist statisch und kann unbegrenzt in die Zukunft projiziert werden. Die Erde ist immobil und flach (Psalm 104:5), Kontinente und Meere waren immer wie heute, Lebewesen und Rassen immer wie von Gott geschaffen. Tiere sind nur ausgestorben, eine Evolution durch Anpassung und eine Artenabfolge ist ausgeschlossen.

    (Rest gelöscht – 6000 Wörter sind ein bisschen viel für einen Kommentar, finde ich. Aber der ganze Beitrag steht ja auch hier.)

  13. Tach…
    Ich halte die gesamte Diskussion im Moment für unsinnig, denn Evolution ist schon länger als ich lebe keine Theorie mehr, die Beweise sind umfassend. Außerdem ist mittlerweile nachgewiesen, daß die Mehrzahl der mystischen Gotteserfahrungen von Personen mit Schläfenlappenepilepsie gemacht (erfahren?) wurden. Ich halte den Kreationismus lediglich für eine Stütze der Menschen, die mit den sich permanent wandelnden Erfordernissen in einer sich stetig wandelnden globalisierten Welt überfordert sind. Die Menschen suchen nach Sicherheit und Klarheit, siehe auch den Erfolg der Linkspartei.PDS, die es in der Form leider nicht mehr gibt und geben wird.
    Und ja, eine umfassende Enität, die sich nicht offensichtlich zeigt, ist definitiv nicht falsifizierbar. Jede Diskussion endet zwangsläufig an dem Punkt, an dem sich einer der Diskutanten auf Gott beruft, und dies ist ein deutliches Anzeichen mangelhafter Argumente.

  14. Achso, wer mit mir weiter diskutieren will schickt mir bitte eine Email, da ich diese HP wahrscheinlich nicht mehr aufsuchen werde.
    Herr Rau, ist nichts persönliches, aber ich bin durchaus faul und vergesslich :-)

  15. Hallo Freunde,
    der an Schärfe zugenommene Feldzug der deutschen Evolutionsbiologen, mit der Zielstellung, gegen alle modernen Erkenntnisse von Forschung und Wissenschaft zu Felde zu ziehen und das nur aus dem Grund heraus, den persönlichen Erfolge nicht in Frage zu stellen, sollten uns alle zum Widerstand aufrufen. […]

    Den Rest des Kommentars habe ich gestrichen. Wer ihn ganz lesen möchte, kann das auf andere Webseiten tun, einfach danach googeln: Er findet sich wortwörtlich auch auf anderen Seiten. Deshalb betrachte ich das nicht als Kommentar auf meinen Blogeintrag im eigentlichen Sinn, sondern um Spam oder Werbung, die ich mir dann aber bitte teuer bezahlt wünsche. Vielleicht lösche ich den Kommentar auch ganz, mal überlegen. Herr Rau.

  16. Ich stelle mir das immer bildlich vor: Die Evolution bewegt sich durch Raum und Zeit, ähnlich wie ein Strom. Beides ist bekanntlich nicht in allen Fällen linear, vielleicht mäandriert der Strom deshalb. Dann müssen sich an den Rändern Kehrwasser bilden, Strömungen, die entgegengesetzt zur Hauptrichtung des Stromes fließen. Würde diese Analogie gelten, dann wären die manichäischen Wiedergänger geradezu ein Beleg für die Richtigkeit der Evolutionstheorie. Schöner hermeneutischer Zirkel …
    Das Dumme ist nur, dass sich in dieser Diskussion sehr schnell Dummheit, Frechheit und bornierter missionarischer Eifer paaren, die Voraussetzungen für die Katastrophen der Weltgeschichte.

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