Malcolm Pryce, The Unbearable Lightness Of Being In Aberystwyth

Nach Aberystwyth, Mon Amour und Last Tango In Aberystwyth der dritte Krimi um Louie Knight, den Privatdetektiv in den mean streets von Aberystwyth. Ein wichtiges Element der Bücher ist die Prämisse: Aberystwyth in Wales ist so etwas wie das Los Angeles von Philipp Marlowe oder San Francisco von Sam Spade. Die Stadt ist von walisischen Barden kontrolliert, von Zeitungsjungen und Eiskremverkäufern bevölkert, gegessen wird Laverbread, in den Nachtclubs wird walisische Tracht getragen und heiße Blondinen hauchen walisisches Liedgut ins Mikrophon. Eine Parodie und Hommage zugleich auf die Pulp Fiction, und Wales wohl auch, obwohl ich mich da nicht so auskenne.

Brillant sind die Bücher nicht, aber unterhaltsam. Und gerade eben habe ich mich wieder gut unterhalten. So wie Philip Marlowe aus einem luxuriösen Spielcasion oder Nachtclub geworfen wird, von Männern in Nadelstreifen, mit dünnen Oberlippenbärtchen und Narben auf der Wange, geradeso wird Louie Knight aus der nur nominell öffentlichen Bibliothek von Aberystwyth geworfen. Von Bibliothekarinnen im Nadelstreifenazug, mit Oberlippenbärtchen und Narben auf der Wange – stimmungsmäßig jedenfalls. Marmorsäulen links und rechts wie beim Sternwood-Anwesen in Tote schlafen fest.

Später wartet dann draußen eine Limousine. Drinnen ein Mann mit Sonnenbrille. Das verspiegelte Fenster wird herunterkurbelt, allerdings etwas ruckartig. “Mit elektrischem Fensterheber sieht’s besser aus”, meint Louie. Der Gangster drin soll ihn zu “Ll” bringen. “Zu wem?” “Ll.” “Wie bitte?” “Ll. So wie M oder Q.” Und dann streiten sie sich, ob “Ll” als Initiale zulässig ist oder nicht, einen Buchstaben darstellt oder mehrere. (Für Nichtwaliser: Die für Wales typische Buchstabenkombination “ll” steht für einen Laut, der etwa “chl” ausgesprochen wird.)

Überhaupt, die Namen. Seit meinem seligen Englisch-LK damals und einer Wegwerfbemerkung des Lehrers kenne ich Dylan Thomas und habe mehrere Radioversionen von Under Milkwood, die ich früher rauf und runter gehört habe. Ich weiß also, wie man “Myfanwy” ausspricht, “Llareggub” kenne ich so gut, dass ich Terry Pratchetts “Llamedos” sofort verstehe.

Randbemerkung: Als Nebenfigur gibt es Rimbaud, einen Patagonien-Veteran. Patagonien ist in der Welt von Louie Knight so etwas wie das Vietnam von Wales. Und dass ich in Rimbaud sofort Rambo entdeckt habe, liegt weniger an meinem blitzgescheiten Kopf als an der Kurzgeschichte “Drunkboat” von Cordwainer Smith von 1962. (Auch zu ihm wäre mal ein Eintrag fällig.) Die Hauptperson darin heißt Rambo, und blitzgescheite Köpfe sollen darin sofort den französischen Dichter Rimbaud erkennen. Natürlich denkt ein heutiger Leser erst mal an Stallone.

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