Apfel oder Banane?

By | 26.3.2005

Ich mag an den USA, dass das Land so viele Möglichkeiten bietet, so vielfältig ist, so vieles zulässt. Blödsinn natürlich auch, etwa die Debatte Creationism vs. Evolution.

Hier geht es zumindest auf oberster Ebene darum, wie der Mensch entstanden ist. Es gibt dazu vor allem zwei wichtige Ansätze:

Evolution (Modell Banane):
Das ist der Ansatz, nach dem das Leben auf der Erde evolutionär entstanden ist. Das heißt, dass sich Tierarten durch Mutation aus anderen Tierarten entwickelt haben; dass die Auslese durch die Natur dazu geführt hat, dass manche Tierarten aussterben und andere nicht; und dass all das letztlich auch für die Entwicklung des Menschen gilt. Meist wird Charles Darwin als prominentester Vertreter genannt. Der vereinfachende Vorwurf lautet oft, der Mensch stamme vom Affen ab. Daher die Banane.
Das ist der richtige Ansatz. Über verschiedene Punkte sind sich die Wissenschaftler uneins, zum Beispiel darüber, wie sprunghaft sich Arten evolutionär verändern. Trotzdem gibt es keine ernst zu nehmenden Wissenschaftler, die daran zweifeln.

Creationism (Modell Apfel):
Laut diesem Ansatz hat (der christliche) Gott die Tierarten und den Menschen geschaffen, so wie sie sind. Es findet keine Entwicklung der Arten statt; manchmal, aber nicht immer, schließt das den Glauben mit ein, dass die Erde nur 10.000 Jahre alt ist und dass Fossilien von Gott als Fossilien geschaffen wurden.
Dieser Ansatz ist Unfug. Manche Fundamentalisten fühlen sich dabei auf die Zehen getreten, aber das ist so. Zahlen schwanken, aber ein Drittel bis die Hälfte der Bürger der USA halten ihn für den wahrscheinlichsten:


(Quelle)

Eben weil dieser Ansatz kaum zu halten ist, gibt es eine Variante davon, die so tut, als wäre sie etwas anderes: Intelligent Design. Dabei wird das Wort „Gott“ nicht genannt, die Erde darf so alt sein wie sie will und die Tierarten haben sich aus einander entwickelt. Nur: Das geschieht nicht durch natürliche Auslese, sondern durch ein Direkt Eingreifendes Höheres Nicht Weiter Definiertes Wesen. (Das Wort „Gott“, wie gesagt, wird vermieden.) Ohne ein solches unmittelbares Eingreifen sei die Entwicklung der Arten oder gar des Menschen nicht denkbar. — Und das ist auch wieder Blödsinn, excuse my French. Gründe dafür folgen weiter unten.

Im öffentlich Leben zeigt sich diese Kontroverse zum Beispiel in folgenden Fällen:

  • IMAX-Kinos zeigen in verschiedenen Südstaaten-Städten einen Film über Vulkanismus nicht, in dem unter anderem Evolution angesprochen wird. Die Kinos befürchten Widerstand von fundamentalistischen Christen im Süden.
  • 19 US-Staaten arbeiten an Gesetzgebung, die die Rolle von Evolution im Schulunterricht unterminieren soll. Vorbild ist Präsident Bush, der öffentlich behauptet: „On the issue of evolution, the verdict is still out on how God created the Earth“. Wie borniert, wie anti-wissenschaftlich, wie sehr andere Religionen ausschließend ist dieser Satz! Die Gesetzgebung soll letztlich ermöglichen, dass die wissenschaftliche Theorie der Evolution gleichwertig neben religiösen Lehren gelehrt werden soll, und will bewusst den Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft verschleiern:

    „If students only have one thing to consider, one option, that’s really more brainwashing,“ said Duckett, who sent her children to Christian schools because of her frustration. Students should be exposed to the Big Bang, evolution, intelligent design „and, beyond that, any other belief that a kid in class has. It should all be okay.“

    — Was ist das für Unfug? Intelligent Design soll gleichwertig neben Evolution gelehrt werden, und gleichwertig zu jedem anderen Glauben, den irgendein Kind in der Klasse hat? Dass wir von Außeriridischen abstammen, dass uns der Storch gebracht hat? Alles gleichwertig, und der mündige Schüler entscheidet dann?

  • Zumindest in Minnesota, New Mexico, Ohio und Georgia gab es Elterninitiativen, die verlangten, dass auf wissenschaftliche Bücher in der Schulbibliothek, die Evolution behandelten, folgender Aufkleber angebracht wurde:

    Der Aufkleber geht falsch mit dem Begriff „Theorie“ um, als sei eine Theorie nicht glaubwürdig. Hier gibt es eine Reihe von parodierenden Alternativ-Aufklebern, die Schülern an solchen Schulen zur klammheimlichen Anbringung anempfohlen werden; ein paar Beispiele:

    Bislang haben die Gerichte allerdings diesen Elterninitiativen nachträglich immer noch widersprochen.

Was habe ich eigentlich gegen Creationism beziehungsweise das Deckmäntelchen vom Intelligent Design?
Gegen diese Theorie spricht: Dass das Eingreifen eines solchen Designers nicht nötig ist. Dass sich auch ohne dieses kontinuierliche Eingreifen unsere wunderbare Welt so entwickeln konnte. Damit ist keinesfalls bewiesen, dass es dieses ständige Eingreifen nicht gibt, nur dass es unnötig ist, davon auszugehen. (Occams Rasiermesser: Bei Theorien soll man auf verzichtbare Elemente verzichten.) Beweisbar oder widerlegbar ist solches Eingreifen nicht, und damit ist es kein geeigneter Ansatz für wissenschaftliches Denken, sondern eben Glaubenssache. Glauben darf man daran durchaus, genauso wie man an den ursprünglichen Creationism glauben darf; nur soll man nicht so tun, als wäre das ein wissenschaftlicher Ansatz.
Für die Theorie des Intelligent Design spricht: Nichts. Natürlich sehen das Anhänger von Intelligent Design anders, und sie unterstützen ihre Sicht mit folgenden Argumenten:

  • Die Berufung auf Autoritäten. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass auch viele Wissenschaftler die Theorie vom Intelligent Design unterstützen, und dass es wissenschaftliche Institute gibt (wie dieses hanebüchene), die sich damit beschäftigen. Hier wird fälschlich davon ausgegangen, dass jeder mit einem Diplom oder auch Doktorgrad ein Wissenschaftler ist. Anhänger des Intelligent Design werden mir das „fälschlich“ nicht durchgehen lassen und meine Definition von Wissenschaftlichkeit als zu eng empfinden. Ist wissenschaftlich, wer einen akademischen Abschluss hat? Ich denke, nein. Wissenschaftlich ist für mich, wer wissenschaftlich denkt und arbeitet, also falsifizierbare Hypothesen aufstellt und diese an gemessenen Daten überprüft.
    Trotzdem gibt es Listen von Akademikern, die an Intelligent Design glauben, etwa die „Dissent from Darwin„-Liste mit über 300 Wissenschaftlern. Ein Gegenstück dazu ist die Steve List: Eine Liste aller Wissenschaftler, die Intelligent Design für Humbug halten, und „Steve“ mit Vornamen heißen, mit bislang 513 Unterzeichnern. Nur um die andere Liste ein bisschen zu relativieren :-)
  • Die Behauptung, Evolution sei nur eine Theorie. Hier wird mit dem Begriff „Theorie“ Schindluder getrieben. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Theorie etwas Wackeliges, Unsicheres, an der Praxis nicht Erprobtes oder Scheiterndes. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist eine Theorie das sicherste und stabilste, was es gibt. „Wahrer“ und anerkannter als eine Theorie geht es nicht. Schwerkraft, Relativität, das sind alles nur Theorien. Ja und?
  • „Wissenschaftler sind sich uneins über die Evolutionslehre.“ Schon. Über Details. Aber doch nicht über das Prinzip!
  • „So etwas Komplexes wie das menschliche Auge kann sich nicht nach und nach evolutionär entwickeln, sondern nur auf einmal als ganzes. Ein halbes Auge ist unbrauchbar.“ Unfug. Das Auge hat sich unabhängig von einander 30 mal bei verschiedenen Tierarten entwickelt. Ein Proto-Auge, das das noch so wenig erkennen lässt, ist besser als gar keines. Selbst Bakterien können im Helligkeit von Dunkelheit unterscheiden. Eine ausführlichere Diskussion zum Beispiel in diesen Seiten aus dem Scientific American.
  • Mein Favorit: Unsere Welt und der menschliche Körper ist zu komplex, als dass er ohne lenkenden Eingriff entstanden sein könnte. Gegenfrage: Wie einfach muss ein Universum denn gestrickt sein, damit ein Anhänger des Intelligent Design keinen Designer postulieren muss? Da erkennt man schnell, dass es keinen denkbaren Kosmos gibt, der diesem Kriterium genügt. Also ist das Argument ein Scheinargument.

Zur Lektüre empfohlen:

  • Der oben schon mal genannte Artikel aus dem Scientific American.
  • The Blind Watchmaker von Richard Dawkins, auf deutsch leider gerade vergriffen.
  • Charles Darwin, Origin of Species (auch auf deutsch). Ein geniales Buch, ich hab’s allerdings auf Englisch gelesen und weiß nicht, wie leicht oder schwer die Übersetzung ist. Darwin geht sehr langsam Schritt für Schritt vor, entwirft seine Theorie sehr anschaulich, nennt selber unklare Punkte und Gegenargumente und versucht sie mit seiner Theorie zu erklären. Darwins Leistung ist dabei weniger die Erkenntnis, dass sich die Tierarten aus einander entwickelt haben. Das war zu seiner Zeit in wissenschaftlichen Kreisen gar nicht mehr so strittig. Aber zu erkennen wie das geschieht, nämlich durch natürliche Auslese, das ist Darwins Verdienst. Er beginnt mit menschlicher Auslese bei der Taubenzüchtung und zeigt, was diese hervorzubringen vermag. Und erklärt, wie natürliche Auslese noch viel mehr vermag. — Das einzige, was ihm noch zur Lösung des Rätsels fehlt, ist die Erklärung, wie Eltern ihre Eigenschaften mehr oder weniger unverändert an ihre Kinder weitergeben. Er weiß jedenfalls, dass das mit der Geburt geschieht (und nicht wie bei Lamarck durch Umwelteinflüsse während des Lebens). Aber von Genen weiß er halt noch nichts.

Zuletzt: Es stimmt nicht, dass sich Evolution und Glaube an Gott widersprechen. Je mehr man wissenschaftlich über das Leben und das Universum weiß, desto wundersamer erscheint es einem.

15 thoughts on “Apfel oder Banane?

  1. Herr Rau Post author

    Ganz aktuelle Ergänzung:

    Eine Gesetzesvorlage für den Staat Florida hat den ersten Ausschuss passiert: Studenten sollen ihre Professoren an den Unis verklagen können, wenn die jeweiligen Ansichten („belief“, nicht „faith“) des Studenten nicht genügend respektiert werden. Oder wenn der Schüler im Unterricht bloßgestellt wird, indem er etwa in einem sokratischen Dialog begründen muss, warum er Intelligent Design für richtig hält. Gedacht ist das Gesetzt zum Beispiel für folgende Situation:

    Some professors say, „Evolution is a fact. I don’t want to hear about Intelligent Design (a creationist theory), and if you don’t like it, there’s the door,“ Baxley said, citing one example when he thought a student should sue.

    Damit kann man natürlich auch klagen, wenn man den Holocaust leugnet; nicht glaubt, dass die Astronauten wirklich auf dem Mond waren; oder Geburtenkontrolle für Teufelswerk hält. Beispiele für die Wortwahl des gewählten Volksvertreters: „leftist totalitarianism“, „dictator professors“, „arrogant, elitist academics are swarming“.

    (Quelle: The Independent Florida Alligator)

  2. Hokey

    Da dreht sich selbst mir als gläubigem Christen, aber auch wissenschaftlich arbeitenden Studenten, der Magen um. Politik und Religion sollten meiner Erachtens immer streng getrennte Sphären bleiben. Wenn man seine religiösen Überzeugungen Nichtgläubigen aufzwingen will, muss man, auf welche Weise auch immer, Gewalt ausüben und dass ist niemals ein christlicher Weg.
    Aber jemand, der einen Krieg führt und Todesurteile unterzeichnet, kann in meinen Augen sowieso kein überzeugter Christ sein – eher ein klassisches Beispiel für einen Heuchler.

    Ich verstehe auch nicht, warum Christen sich so sehr gegen die Evolutionstheorie sperren. Ist es die Angst davor, dass die Bibel widerlegt wird? Angst davor, dass man die Entstehung von Flora und Fauna auch ohne Gott erklären kann und dieser damit hinfällig wird? Ich kenne die oben angeführten Argumente aus Diskussionen mit Bekannten, die ansonsten gerne bereit sind, die Auslegung neutestamentlicher Bibelstellen (Bsp. Offenbarung) breit zu diskutieren, aber beim Schöpfungsbericht alles Wort für Wort nehmen. Selbst, wenn man davon ausgeht, dass ein Gott den Grundstein gelegt hat, kann man die Evolutionstheorie durchaus akzeptieren. Ich persönlich plädiere für die Synthese von beidem: in einem Regel setzenden Gott, der die Evolution als Mittel zur Artenvielfalt etabliert hat, ebenso wie physikalische Gesetze, die es uns ermöglichen, hier zu leben. Das ist aber reine Glaubenssache, ich würde das nicht lehren und nicht in Schulbücher schreiben, sondern einfach nur persönlich glauben. Schließlich sind nur die Gesetze ein bewiesener Fakt, Gott dagegen Glaubenssache.

  3. Benni

    Ich für meinen Teil habe dem Christentum derzeit abgeschworen, wobei es wohl hauptsächlich die gute alte oberschwäbische katholische Kirche war, die es sich mit mir verscherzt hat. Ich bin mittlerweile derart von der „Wissenschaft“ überzeugt, dass mir das ganze Glaubenszeug irgendwie zuwieder ist. Ich bin quasi einer von denen, die (warscheinlich naiv) denken, Glaube allgemein sei nur dafür da (gewesen), dinge zu erklären, die man sich nicht anders erklären kann/will – wie zum Beispiel eben der Ursprung von allem. Da letzterer zwischenzeitlich ganz gut dargelegt wurde bzw. es immer „bessere“ Theorien gibt (Urknalltheorie, Stringtheorie etc.) erscheint mir der Glaube als überflüssig. Das hat man nun von dieser verdammten Rationalität.

    Tut aber alles nichts zur Sache. Was ich mich hauptsächlich frage: Wieso kann es in Amerika zu solchen Bewegungen kommen und in anderen Ländern wie Deutschland nicht? Hier wird schon die Kopftuchfrage teilweise als Pharce abgehandelt. Was ist an der Amerikanischen Gesellschaft so anders – muss man es unbedingt jeder Randgruppe (und „radikale“ Christliche sind glaube ich durchaus eine Randgruppe, wenn auch eine relativ große) recht machen? Das ist, vor allem langfristig, nicht möglich.

    Trotzdem noch danke für diesen wunderbaren, informativen und interessanten Artikel.

    Viele Grüße,

    Benni.

  4. Hokey

    Immerhin stellt die „Randgruppe“ den Präsidenten und scheint immerhin groß genug, um starke Lobbyarbeit zu leisten, zumindest nach dem, was bei mir ankommt. Vielleicht sehen wir das hier in Europa aber auch nur sehr verzerrt, durch selektive Medienwahrnehmung? Ich weiß es nicht…

    Im Übrigen denke ich nicht, dass sich Urknall und Glaube widersprechen, auch wenn einige Christen Gott bei der Schöpfung der Erde lieber Handarbeit verrichten lassen möchten. Generell denke ich, dass Wissenschaft und Glaube sich gegenseitig ergänzen. Das Wissen um physikalische Phänomene, schwule Störche und der Urknall- oder wasweißich-Theorie beweisen ja nicht, dass es keinen Gott geben kann.

  5. Benni

    Aber eben solches Wissen wiederlegt zum Beispiel Teile der Bibel.
    Als Beispiel eben die Urknalltheorie. Laut derer war es im Prinzip reiner Zufall, dass das Universum entstanden ist. Die Bibel sagt da was ganz was anderes. Und wenn man weiter geht und sich streng an das hält, was die katholische Kirche sagt, nämlich dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat (ja, ich bin mir sicher, dass viele diese Geschichte wirklich wörtlich nehmen), wiederlegt die Wissenschaft das sogar. Anderes Beispiel: Es ist schlichtweg unmöglich, dass Jesus auf dem Wasser geht. Oder es ist unmöglich, dass ein Busch ne ganze lange Weile brennt, ohne zu verbrennen. So könnte man die Liste noch ewig lang fortsetzen. Und das ist es, was mich stört.

    Natürlich gibt es dann auch leute wie Hokey, die das ganze nicht so eng sehen. Die dann die Bibel selbst entsprechend interpretieren und sich eben ihre eigenen Gedanken machen. Damit wird allerdings der Glaube ansich extrem individuell – von der Kirche selber wird quasi nur noch das Grundgerüst vorgelegt, den Rest fügt man selber hinzu. Damit allerdings wird dann doch die ganze Institution Kirche überflüssig, weil eh jeder seinen eigenen Glauben hat. (Was ich übrigens auf gar keinen Fall irgendwie verurteile oder so!) Dann ist es auch irgendwie komisch, sich als einer Glaubensgemeinschaft angehörig zu bezeichnen, denn das Kollektiv der Christenheit existiert eigentlich ja nur noch auf dem Papier.

    (Dabei berücksichtige ich jetzt mal nicht, dass Kirche mehr ist als Institution des Glaubens, dass da noch vieles anderes wie verschiedenartigste Hilfsoranisationen dazukommen.)

  6. Herr Rau Post author

    Urknall und Glaube müssen sich nicht widersprechen; selbst der Katholizismus sieht da kein Problem. Dass mit der Schöpfung in sieben Tagen wird sicher von vielen wörtlich genommen, aber doch eher bei den extremeren protestantischen Gruppen.
    Die Urknalltheorie sagt übrigens nicht, dass das Universum durch Zufall entstanden ist. (Und die ergänzende String-Theorie ebenso wenig.) Ob Zufall oder nicht, darüber macht die Wissenschaft keine Angaben; sie kann es auch nicht.

    — Kritischer ist es tatsächlich bei den Wundern der Bibel. Zwar sagt die Wissenschaft nie, dass etwas unmöglich ist; das ist ja das Schöne an ihr. Aber wenn man Wunder sieht als etwas, das jeder denkbaren wissenschaftlichen Theorie widerspricht (und nur dann macht die Bezeichnung „Wunder“ Sinn), dann gibt es einen Widerspruch Wunder-Wissenschaft.
    Andererseits: Wie wunderbar muss etwas sein, um ohne jeden Zweifel als Wunder angesehen zu werden? Das wäre dann ein echter unleugbarer Gottesbeweis, und ein befreundeter Theologe (mit Doktor und allem) hat mir mal erklärt, warum nach der aktuellen Gottesauffassung Gott so etwas nicht tut.

    Das mit dem Grundgerüst der Bibel, die jeder Gläubige selbst auslegen darf, widerspricht dem Katholizismus (der aber kein nicht-moralisches Problem mit Wissesnschaft hat), nicht aber den verschiedenen protestantischen Strömungen. Dadurch gibt es ja in den USA so viel verschiedene Konfessionen, ohne eine wirklich übergeordnete kirchliche Instanz.

  7. Hokey

    Als Freikirchler kümmern mich die katholischen Gepflogenheit kaum bis gar nicht. ;-)

    Als Christ steckt man gewissermaßen in einer Situation, die Nicht-Gläubigen schwer zu vermitteln ist. Einerseits wäre es für mich vorstellbar, dass das Universum durch einen Urknall (oder anderes) entstanden ist und die Erde Millionen von Jahren alt ist. Die Bibel ist kein physikalisches oder geologisches Handbuch, sondern ein Buch, das gezielt einem religiösen Impetus folgt. Bei Dingen, die Jesus Christus direkt berühren, sieht es anders aus: da bin ich gläubig, handele also wissenschaftlich betrachtet vollkommen unrational. Dass er über Wasser gelaufen ist, glaube ich. Dass er gestorben und wiederauferstanden ist, glaube ich (wenn ich das nicht glauben würde, wäre mein Glaube im Übrigen obsolet). Obwohl die Wissenschaft dieses verneinen muss oder mit halbgaren Ansätzen a’la „Jesus war nur scheintot“ oder so hinzubiegen versucht. Für einen Christen muss Jesus einmal ganz tot und dann wieder völlig lebendig geworden sein. Das kann man nur glauben, niemals wissen.

  8. J.S.

    Interessanter Artikel. Das Schwierige bei diesem Thema ist, dass „Gegner“ des Kreationismus selten einer wirklich, ehrlichen Debatte standhalten – weil Ihnen dieser Gedanke, ein Gott könne alles geschaffen haben, anstatt dass alles „von selbst“ aus einer Ursuppe entstanden sein könne, einfach zu absurd erscheint.

    In meinen Augen gibt es seltsamerweise viel mehr wackelige Argumente auf der Evolutionisten-Seite, die hergeleitet werden müssten, als auf der Kreationisten-Seite… wenn man sich ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt, (ich empfehle etwa den Autor Werner Gitt), dann kommt einem die Evolutionstheorie immer unwahrscheinlicher vor! (Ich weiß, hier steigen die meisten mit ihrer Akzeptanz aus). Für Menschen, die nicht an Gott glauben, ergibt sich daraus aber geradezu der „Zwang“, an die Evolutionstheorie zu „glauben“. Auch wenn noch so viel unerklärlich und vor allem unwahrscheinlich ist: es KANN kein Gott erschaffen haben. Sieht das nicht geradezu unheimlich nach verbohrter Dogmatik aus, die sonst immer religiösen (wenn möglich: amerikansichen) Fanatikern vorgeworfen wird?

  9. Herr Rau Post author

    Interessanter Kommentar. ;-)

    Ich leugne allerdings, dass Gegner des Kreationismus einer wirklichen, ehrlichen Debatte nicht standhalten. Zur Wortwahl: Die schwer zu objektivierenden und nachzuprüfenden Begriffe „wirklich“ und „ehrlich“ machen es zu leicht, einer Debatte, die einem nicht gefällt, diese Eigenschaften abzusprechen.

    Vor allem leugne ich das „weil ihnen diese Gedanke […] zu absurd erscheint“. Behaupten wird das kein Evolutionsanhänger, auf jeden Fall kein wissenschaftlich denkender. Ob absurd oder nicht, spielt keine Rolle – die Fakten sagen, dass es keinen Gott braucht, wenn man erst mal nur die Ursuppe hat. Zumindest sieht ein Großteil der Naturwissenschaftler das so; Kritiker entgegnen, dass die Fakten das eben nicht sagen.
    Man kann natürlich vermuten, dass die Scheu dieses Absurden die nicht-bewusste Motivation der Evolutionsanhänger ist. Damit unterstellt man etwas, was per Definition nicht beweisbar oder widerlegbar ist; und damit kein sinnvolles Argument.

    Die wenigsten Anhänger der Evolution dürften übrigens Atheisten sein, also halte ich das Argument, das Atheisten gezwungenermaßen an Evolution glauben müssen, für nicht sehr stichhaltig. (Abgesehen davon ist die Evolutiontheorie eben kein Glaube, da überprüfbar. Aber diese Diskussion hatten wir alle sicher schon oft.)

    In den USA sind die Fronten verhärteter, da sagt vielleicht jemand tatsächlich, dass kein Gott das erschaffen haben KANN. Das ist sicher Unfug. Aber man wird sagen können, dass kein Gott das erschaffen haben MUSS.
    Außer über den Anfang, den allerersten Anfang. Darüber wird kein seriöser Wissenschaftler Angaben machen.

    „Von selbst aus der Ursuppe“, das glauben Sie nicht? Heißt das, dass wenigstens die Ursuppe ohne aktives Eingreifen Gottes entstanden ist? Auch nicht? Sind dann wenigstens die Planeten von selbst entstanden? Auch nicht? Aber dafür reichen doch unsere Naturgesetze wenigstens. Nein?
    Mir scheint es nicht haltbar, das Eingreifen Gottes an der Entwicklung des Lebens aus der Ursuppe festzumachen. Für die Folge Ursuppe-organische Moleküle-Leben-Mensch braucht man keinen eingreifenden Gott.

  10. Benni

    Mir fällt da immerwieder ein Beispiel ein, das unser Bio-Lehrer damals mit freude des öfteren zum besten gegeben hat:
    Irgendwelche Spechte in England waren vor der Industrialisierung Englands weiß, weil sie sich so auf den ebenfalls weißen und mit vorliebe besuchten Birken unentdeckt niederlassen konnten. Durch die Industrialisierung wurden diese Bäume in stark verschmutzen Gegenden allerdings eher bräunlich, woraufhin sich die Spechte diese Farbe aneigneten, um gegen Feinde sicher zu sein.

    (Allerdings ist diese Geschichte total unbestätigt, hat wie gesagt nur mein Bio-Lehrer erzählt, und die wissen bekanntlich auch nicht immer alles so genau (entschuldigung, Herr Rau ;-).)

    Und ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass da Gott eingegriffen hat, um die Farbe dieser Spatzen zu ändern. It’s evolution, baby.

    Das mit der „Ursuppe“ zu lebender Zelle ist allerdings wie schon gesagt, eine andere Frage, wobei ich auch der Meinung bin, dass auch dafür kein „Gott“ in welcher Form auch immer eingegriffen haben muss. Wobei das Wort „Meinung“ ja auch irgendwie fehl am platz ist.

  11. Pingback: Lehrerzimmer » Blog Archive » Wieder mal Kreatives

  12. Joachim S. Müller

    Ja, sehr einfach, wenn man nur die Wissenschaftler ernst nimmt, die die ET nicht verwerfen, dann gibt es natürlich keine ernsthaften Wissenschaftler von dieser Art. Wie gut, daß die Evolutionisten die Mehrheit sind, sonst wäre es genau anders rum.
    Alle Argumentarten aus dem Saganschen Baloney Kit, die in dem Artikel aufgezählt sind, kann man genausogut auf die Evolutionslehre anwenden. Und es kommen noch ein haufen Strohmänner dazu (flache Erde, Geozentrismus, …)

    Zu den Wundern: Ein Wunder ist dadurch definiert, daß etwas sich eben NICHT an die Naturgesetze gehalten hat. Das ist per definitionem nicht naturwissenschaftlich überprüfbar, da es z.B. nicht wiederholbar ist. Das eine Sache nun nicht wissenschaftlich oder nicht wissenschaftlich untersuchbar ist, sagt nichts über die Realität aus. Die Realität besteht eben nicht nur aus naturwissenschaftlich erfassbaren Phänomenen, und diese kann man logischerweise auch nicht wissenschaftlich wegdiskutieren.

    Wenn man allerdingsnicht die naturwissenschaftliche und belegbare Mikroevolution von der nicht beweisbaren historsch-wissenschaftlichen Makroevolution trennt oder trennen kann, erübrigt sich jede Diskussion.

  13. Er

    Wirklich lesenswert und mal wieder auf Kosten unserer geliebten Freunde, unsere Amis……..

    http://www.venganza.org/index.htm

    Ein nicht ganz so amerikanisch-christlicher verblödeter Mensch geht gegen den Intelligent Design im Unterricht vor indem er seine eigene Theorie entwickelt in der ein FLYING SPAGHETTI MONSTER die Welt erschaffen hat. Diese sarkastische Theorie hat schnell viele Anhänger gefunden und mittlerweile wird dem eine Million Dollar geboten, der den euklidischen Beweis vorbringen kann, dass Jesus wirklich gelebt hat und dass es stimmt, was über ihn in der Bibel steht.

  14. werner lenz

    ich glaube,dass jesus christus der sohn gottes ist.ich glaube,dass er für mich und meine
    sünden gestorben ist.ich glaube,dass er auferstanden ist und mir das ewige leben
    schenken will.ich weiss,dass ich keinem menschen meinen glauben aufzwingen darf.
    ich weiss,dass alle menschen verschieden sind,aber gleich an rechten geboren werden
    und sie diese bis zu ihrem tode auch behalten.ja,das weiss ich.

  15. Dirk S.

    Fakt ist: die Entstehung des Lebens (oder von DNA aus organischer Chemie) wurde bisher noch in keinem einzigen Experiment nachvollzogen. Alles, was man nachvollziehen konnte, ist Chemie, keine Biologie. Alle Ursuppen-, Pfannkuchen- usw. Theorien sind Theorien im Sinne von Hypothesen. Weil es trotz Multi-Milliarden-Forschungsgeldern bisher noch NIE gelungen ist, ist diese Theorie eben wirklich eine Theorie im Wortsinn einer äußerst wackeligen Hypothese. Der ganze Anfang der Evolution, die ganze Basis, ist durch kein einziges Experiment oder keine einzige Beobachtung oder keine einzige Messung belegt. Dies wird in der wiss. Literatur auch breit diskutiert (das sind richtige Wissenschaftler und keine Spinner), nur in Schulbüchern nach wie vor plakativ gedruckt. Entgegen Occams Rasiermesser Prinzip wird der zulässige Ursprungsraum des Lebens von der Erde auf den Weltraum ausgedehnt (die DNA kam angeblich mit Kometen), wobei es auch dafür nicht die Spur einer plausiblen Erklärung gibt, welche Umweltbedingungen im Weltall (die es auf der Erde nicht gibt und die mit unserer Technologie nicht nachgestellt werden können) nun genau dazu geführt haben sollen, dass die DNA im Weltall spontan entstanden sein soll. Die richtig wissenschaftliche Literatur ist voll von dieser Diskussion. Aber ohne plausiblen Anfang ist das ganze Restgerüst von Evolution witzlos. Erst mal muss der Anfang nachvollzogen werden. Fakt ist nach wie vor: den Anfang kann bisher niemand zufriedenstellend erklären, sondern nur mutmaßen.

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