Jamie Oliver kocht für Schüler – und ich grinse

Zur Zeit kocht ja gerade Jamie Oliver jede Woche am Dienstagabend im Fernsehen, und zwar für Schüler: Bei “Jamie’s School Dinners” versucht Jamie, die Mittagsverpflegung im ganzen Schulsprengel umzustellen. Es soll frisches Fleisch geben und Gemüse, und leckere Reisgerichte statt dubiosen Fertigprodukten und Pommes, Pizza und Hamburgern.

Zuerst muss Jamie mit den Schulköchinnen fertig werden; das ist schon interessant und witzig. Aber ganz fies grinsen muss ich aus vollem Herzen, wenn Jamie daran scheitert, sein Essen den Kindern anzudrehen. Ich hoffe wirklich, es gelingt ihm noch. Denn sein Essen ist gesünder und schmackhafter als der andere Fraß, und ein Teil dieser englischen Kinder ist unglaublich heikel. Reis essen sie nicht, Gewürze essen sie nicht, keine Tomaten, keine Mayonnaise, was sie nicht kennen, wird natürlich abgelehnt. Trotzdem: Ich kann mir die Schadenfreude nicht verkneifen. Ah, die Kinderlein. Nachdem freiwillig zu wenig Leute seine Gerichte probiert haben, wurden jetzt kurzerhand Pizza und Pommes an der Schule ganz abgeschafft. Es hagelt Beschwerden und Jamie zieht sich zurück auf “Wenn ihr richtig Hunger hättet, dann würdet ihr das auch essen.”

Wie wär’s mit einer Doku-Fernsehserie, in der jeweils Freiwillige (aus Uni, Berufswelt, oder einfach Eltern) den Unterricht für eine Woche unternehmen? Tatsächlich könnten wir Lehrer sicher wohl davon lernen, aber dennoch stelle ich mir die entstehenden Situationen auch, hm, unterhaltsam vor.

Insgesamt macht Jamie seine Sache aber durchaus gut. Ein spannendes Experiment.

6 Antworten auf „Jamie Oliver kocht für Schüler – und ich grinse“

  1. Ich weiß zwar nicht genau was ich dazu kommentieren soll, aber wenn schon die Frage weggefallen ist muss ich ja was sagen :)
    Je mehr ich über diese Sendung höre desto mehr ärgere ich mich darüber es immer zu verpassen / nicht mal zu wissen wo und wann es kommt.

    PS: Frage an den Deutschlehrer. Bei so Schrägstrichsachen, kommen da Leerzeichen hin?
    Was ist richtig a) und/oder oder b ) und / oder ?
    Irgendwie kann ich mich net entscheiden was weniger komisch aussieht. (Ja ich gebe zu: Rechtschreibung und Grammatik geht bei mir nach Optik :))

  2. Als Deutschlehrer: a) Keine Leerzeichen. Bei langen Worten mit Schrägstrich dazwischen mache ich in Blogs alledings doch ein Leerzeichen rein, da sonst das untrennbare Wort zu lang und der Zeilenumbruch schwierig wird.
    (Und im Schulaufsatz verlange ich, dass sich die Schüler für “und” oder “oder” entscheiden und nicht dem Leser die Last der Entscheidung überlassen.)

  3. Ich bin gelinde gesagt *entsetzt* über das, was man da zu sehen bekommt! Kinder, die keine Erdbeeren(!) mögen (und offensichtlich nicht einmal kennen)? Bei Sauerkraut kann ich ja noch Verständnis aufbringen, aber bei den Erdbeeren bin ich fast vom Sofa gepurzelt. Zitat: “Ich esse doch kein Obst!” (Zunächst hatte ich ja die Produktionsfirma im Verdacht. Übertreibungen kommen im Fernsehen ja immer gut, aber da diese Sendung auch in England ausgestrahlt wurde, musste ja ein Körnchen Wahrheit dran sein…)

    Auf der kleinen Hauptschule, an der ich mein ESL-PRaktikum machen durfte, war man sehr stolz auf das “gesunde Schulfrühstück” und das zu Recht, wie ich jetzt weiß.

  4. Hallo Herr Rau!
    Mich würde mal interessieren, wie das Ganze ausgegangen ist. Leider konnte ich nur die erste Folge sehen. Hat Jamie sein Ziel erreicht und ein paar gesunde Sachen an die Schüler gebracht oder gab’s weiterhin nur Chips und Pizza? Es hat mich schon etwas gewundert, dass die Schüler dort nicht schon längst gesünderes Essen bekommen.
    Schöne Weihnachten noch
    wünscht Strelizie

  5. Ja doch, ich war auch entsetzt über die Erdbeeren. Der nimmt die Kinder an die Hand, führt sie aufs , und Erdbeeren sind so etwas von fremd für manche der Schüler.
    Insgesamt hat Jamie sein Ziel einigermaßen erreicht. Die Öffentlichkeit sensibilisiert, ein bisschen Druck auf die zuständigen Behöreden gemacht, und die Schüler hat er letztlich auch herumgekriegt. Er hat sich auf die Meinungsmacher konzentriert, die auch selber kochen lassen, gezeigt, wie man Pressfleisch herstellt, um sie abzuschrecken. Tony Blair hatte mehr Geld fürs Schulessen angekündigt, nachdem der zuständige Minister (sicher nicht deswegen) zurückgetreten war.

  6. 9 Monate später…

    ???

    Wie auch immer. Habe letztens zufällig (ja, ich bin bekennende Zapperin) Jamie beim School Dinners gesehen. Wahrscheinlich ne Wiederholung. Er hatte sich eine Klasse rausgepickt und ihnen was gekocht. Diejenigen, die nicht probieren wollten – die halbe Klasse!!! – hatte er in den Hof geschickt, sie also ausgegrenzt. Es hat gewirkt. Im zweiten Versuch hat er gekocht und sein Essen gegen das der Kinder getauscht. Ein Mädchen wollte ihr Lunchpaket nicht hergeben. Hat dann aber doch mitgemacht (“Ich geb dir dann heimlich dein Lunch wieder, ok?”) Ergebnis: Alle waren zufrieden und fanden es toll. (“Ich denke du isst kein Huhn?” “Das ist lecker”)

    Es war echt erschreckend. Sie wollten nicht mal probieren!

    Dann hat er für die ganze Schule gekocht. Alle halfen mit. Die Klasse mit den Erfahrungen (s.o.) hatte den anderen gezeigt wie es geht – auf Kinderart (zBsp. Salatsoße mixen im Deckelglas). Er war echt aufgeregt und machte sich Sorgen. Aber es ging gut. Fast nichts wurde weggeworfen.

    Die Köchin (Aufwärmerin) wünscht sich gerne, richtig für die Kinder zu kochen.
    Die Direktorin wünscht sich das auch.
    Das Budget konnte eingehalten weden.
    Das Gespräch mit der Lieferfirma (“Die Kinder wollen das.” “Die Kinder kennen das Produkt nur so.”) hatte zur Folge, dass einige Produkte aus dem Sortiment genommen oder verändert wurden.

    Als bekennende Zapperin habe ich den Bericht nicht im Ganzen verfolgt. Trotzdem fand ich ihn sehr informativ.

    Achja, Meldung vom 05.09.06 in http://standard.at
    England: Jamie Olivers gesunde Schulkost ist nun amtlich eingeführt
    Abschied vom Turkey-Twizzler – Der Starkoch läutete die Revolution an den Schulkochtöpfen der Insel ein

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