Geld verdienen mit der Schule

Aufsichtsrat statt Schulbehörde? Ein Berliner Unternehmen will mit Schulen Geld verdienen – und bundesweit Filialen gründen.

Spiegel-Online

Eine Schule im Besitz einer AG, später sind Filialen geplant. “Unser Produkt ist gute Bildung”, sagt er Schulgründer laut SpOn. Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, meint dagegen: “Es ist unanständig, sich auf dem Rücken der Kinder zu bereichern.” Die Schule soll langfristig zur Marke ausgebaut werden.

Wenn man den Artikel liest, kommt man auf einige Gründe gegen eine solche Schule. Unanständig ist an diesem Konzept aber nichts, und der Rücken der Kinder ist auch nicht wirklich betroffen. Wenn das Berufsbeamtentum nicht wäre, könnte man sich ja alles mal für ein paar Jahre anschauen. So bindet das Kultusministerium Lehrer an sich; der Schritt an eine private Schule ist immer ein endgültiger oder notgedrungener.

Ein großer Vorteil privater Schulen ist einer, den öffentliche Schulen gar nicht haben können: Man kann Schüler der Schule verweisen, wenn sie sich nicht benehmen. Wenn es denn ein Vorteil ist.

17 Antworten auf „Geld verdienen mit der Schule“

  1. Manchmal wünsche ich mir, man könnte schon im Studium so eine Art “Rundlauf” machen und verschiedene pädagogische Schulkonzepte praktisch kennenlernen. Mal an einer privaten Eliteschule, mal an einer schwierigen Hauptschule, mal an einer Laborschule ohne Notengebung und mit freierer Unterrichtsgestaltung, mal an einer rigiden Arbeitsschule, etc. Aber leider ist das praktisch nicht ohne weiteres möglich…

    Dann könnte man vielleicht besser beurteilen, ob es ein Vorteil ist, Schüler verweisen zu können oder nicht. Möglicherweise wäre man dann auch besser gerüstet, um diesen adäquat begegnen zu können. Ich bin aktuell noch für nachgiebigen Umgang mit Schülern, aber bei einer Arte-Doku kamen mir doch erste Zweifel bei der geballten Aggression, die da durchs Klassenzimmer flirrte.

  2. So ein Rundlauf wäre sehr gut. Auch für die Zeit nach dem Studium.

    Ich würde gerne mal an einer Gesamtschule arbeiten. Im Prinzip muss man sich ja am Gymnasium immer fragen, ob die Schulart die richtige für den Schüler ist. Und das ist nicht immer eine leichte Frage. Laut GSO soll die schulische Bildung den “erkennbaren Fähigkeiten und ihrer inneren Berufung” entsprechen. In der Fassung von 1977 steht es noch deutlicher: “Der Schüler muss dafür den besonderen Erfordernissen genügen, die sich aus den Aufgaben der Schule (§3 [über das Gymnasium]) ergeben”.

    An der Gesamtschule, so denke ich mir naiv, ist diese Frage nicht so wichtig.

  3. “Man kann Schüler der Schule verweisen, wenn sie sich nicht benehmen. Wenn es denn ein Vorteil ist.” (Herr Rau’s Worte)
    Erfahrungsgemäss kommt das erst in letzter Minute bei Privarschulen zum Einsatz, denn das Kind ist zahlender KUNDE!

    Aber ein enormer Vorteil ist, dass wir auch mal Urlaub machen können, obwohl es mitten in der Schulzeit ist. Und das ohne die ganzen Bewilligungen einzuholen, herrlich!

  4. “Der Schüler muss dafür den besonderen Erfordernissen genügen, die sich aus den Aufgaben der Schule (…) ergeben” … hm, das bringt mich zum Nachdenken, wie ich diesen Satz verstehen soll. Das hört sich doch irgendwie merkwürdig an … Also: die Schule hat Aufgaben zu erfüllen … gut. Dazu braucht sie Schüler, na klar, an ihnen soll sie’s ja tun. … die müssen so gestrickt sein, daß sie diese Aufgaben erfüllen helfen können … Moment mal: Was hat denn das bayerische (?) Gymnasium für Aufgaben … könnte ich das noch mal genau kriegen? Hab ich das jetzt richtig: Die Schüler müssen so ausgewählt werden – mit dieser Auswahl ist u.a. unser Herr Rau beauftragt -, daß sie die Aufträge der Schule erfüllen können, oder war es so, daß die Schule ihren Auftrag an ihnen erfüllen … ja! I’ve got it! Die Schüler sind für diese Schule da – aber nur besondere. (Hoffentlich werden sie wenigstens dafür bezahlt, daß sie den Laden am Laufen halten.)

  5. Lisa Rosa, alles genau richtig! Allerdings kann man das auch positiver darstellen.
    Das dreigliedrige Schulsystem sieht für die unterschiedlichen Schultypen unterschiedliche Aufgaben vor. (Das Gymnasium etwa soll aufs Studium vorbereiten.) Diesen unterschiedlichen Aufgaben entsprechen unterschiedliche Anforderungen oder besondere Erfordernisse an die Schüler. Wenn der Schüler denen nicht genügt, ist er an der falschen Schule.
    In der aktuell gültigen Fassung (die von 1977 liegt noch herum, weil sie aus meiner eigenen Schulzeit stammt) steht das anders, aber letztlich läuft das auf das gleiche heraus.
    Ein dreigliedriges Schulsystem impliziert, dass jeweils nur besondere (und eben nicht alle) Schüler zu einer Schule gehören, richtig.
    Wie gesagt, Gesamtschulen würde ich sehr gerne ausprobieren. Ihr Konzept leuchtet mir ein. Aber soweit ich weiß, gibt es keine Studien, die belegen, dass ein mehrgliedriges System grundsätzlich schlechter (oder) besser sein muss als eine Gesamtschule. Beides kann man gut oder schlecht machen.

  6. @jmk: Daran habe ich nicht gedacht, dabei kenne ich dieses Datum als häufig vorgebrachten Grund gegen Privatschulen und gegen die Abschaffung des Lehrer-Beamtentums (auch wenn das in diesem Zusammenhang nicht viel Sinn macht). Und wie: Urlaub mitten in der Schulzeit? Klingt ja enorm flexibel. Bitte mehr Geschichten aus dieser fremden Welt. Bei uns kriegt man laut Kultusministerium nicht mal mehr zur eigenen Heirat frei, obwohl jede vernünftige Schulleitung das wohl flexibel handhabt.

  7. “Wenn der Schüler den Anforderungen des Gymnasiums nicht genügt, ist er an der falschen Schule.” Tja. So kann man das sehen, wenn man meint, die Schule müßte ihre Schüler schon mental und habituell in Form gebracht geliefert kriegen. Dann kommt eben unser Desaster dabei heraus: Daß wir nur 38 % studierfähige pro Jahrgang hinkriegen – während es in Finnland 76 % sind. Bitte – wenn wir uns das leisten können, vor der Türkei als Schlußlicht der OECD-Länder – ach nein, da ist ja noch Österreich hinter uns – na dann … als drittletztes Schlußlicht mit inzwischen 15-jähriger Verspätung vor den anderen Industrienationen vor uns hinzukümmern! Wenn ich noch mal kleine Kinder hätte, würde ich mit ihnen auswandern – wegen unseres Bildungssystems, das offenbar nicht lernfähig ist. Eine Schule für alle – kein dreigliedriges Schulwesen aus der Kaiser-Wilhelm-Zeit ist nötig, um die Gesellschaft ingesamt zukunftsfähig zu machen (von den individuellen Potenzen, die bei jedem Kind zu realen Kompetenzen werden könnten, mal ganz abgesehen).

  8. Das ist eine schwierige Frage, ob dreigliedrig oder eher Gesamtschule. Ich tendiere auch eher zur Gesamtschule, die zumindest den führenden Pisa-Ländern im Durchschnitt nicht geschadet hat, wie man uns hier von bekannter Seite immer weismachen will. Andererseits haben die deutschen Gymnasien teilweise weit überdurchschnittliche Leistungen abgeliefert, gegen die allerdings die unterirdischen Leistungen der “bildungsfernen” Schichten stehen. Die Leistungen zumindest unseres mehrgliedrigen Systems sind zur Zeit wenig befriedigend, (auch wenn das nicht den Schluss zulässt, mehrgliedrige Systeme wären generell weniger leistungsfähig). Wie man dem entgegenwirkt, ist eine andere Frage.

    Ich wäre für eine längere gemeinsame Schulzeit, an deren Ende meiner Meinung nach besser abzusehen ist, wer sich wofür besser eignet, auf welche dann den Fähigkeiten und Interessen entsprechend die Aufteilung auf verschiedene weiterführende Bildungsinstitutionen (Berufsschule, Sek-II, etc.) folgen sollte. Man muss die höhere Bildung ja nicht aufgeben, aber im unteren Bereich muss sich etwas ändern.

    Mal off-topic:
    Übersehe ich das eigentlich nicht richtig, oder bloggen kaum Hauptschullehrer? XenonB bloggt ja leider nicht mehr. Kennt hier noch jemand bloggende Hauptschullehrer? Gerade für einen Blick in andere Schulen, Konzepte, Welten, Ideen, Meinungen können Blogs doch wirklich gut sein. Ich bin bisher nur über Gymnasiallehrer gestolpert.

  9. Wenn ich die Kommentare so lese, dann fühle ich mich richtig gut, demnächst an einer Berufsbildenden Schule lehren zu dürfen. Da habe ich dann ein schönes Spektrum an Schülern, vom Fachabi über Ausbildungsvorbereitung und Technikerschule bis zur dualen Berufsausbildung. Zumindest währen meiner Praktika habe ich die Unterschiede und die verschiedenen Eindrücke genossen.
    Privatschulen finde ich übrigens sinnvoll, da sich dadurch Konkurrenz entwickelt. Es sollte allerdings nicht so laufen, wie bei der Liberalisierung der Telekommunikations‑, Energie‑, oder Bahninfrastrukturen. Wenn die alten Monopolisten (z.B. Schule) die Last tragen, damit die anderen verdienen können, dann wird die Leistung insgesamt eher schlechter. Das aber bei scheinbar sinkenden Kosten für den Bürger.

  10. Privatschulen sind immer auch darauf angewiesen, bei Schülern Erfolge hervorzubringen, die im öffentlichen Schulwesen gescheitert sind.

    Und wenn der Sohn vom Hauptsponsor einen Mitschüler auf der Klassenfahrt sexuell belästigt, ist die Wahrscheinlichkeit größer, daß die Lehrerin gehen muß, die dieses Verhalten öffentlich macht als der Täter.

  11. Die Privatschulen sehen immer so glänzend und effektiv aus, aus der Entfernung. Es mag anständige geben, aber die, an denen ich gearbeitet habe, setzten die Lehrer unter Druck. Die Arbeitsvertäge sind zum Teil sittenwidrig, ein demokratisches Verständnis fehlt völlig. Und die Schulen können sich die Kinder aussuchen.
    Danach habe ich Teile meines Deputates an einer Gesamtschule absolviert. Auf den ersten Blick waren die pädagogischen Verhältnisse ideal, beim genauen Hinsehen taten sich Abgründe auf. Differenziert wurde in den Hauptfächern, also Mathe‑A und Mathe-B-Kurse, aber meist hat man doch wieder zusammen gelegt.Die lernbehinderten Kinder kamen nicht mit, eine Sonderschulüberweisung dauert ja bis zu zwei Jahren . Undundund.…
    Ich will nicht wieder zurück, keine Stunde meines Lebens.

  12. “Ein großer Vorteil privater Schulen ist einer, den öffentliche Schulen gar nicht haben können: Man kann Schüler der Schule verweisen, wenn sie sich nicht benehmen. Wenn es denn ein Vorteil ist.”

    Ein großer Vorteil privater Schulen ist einer, den öffentliche Schulen gar nicht haben können: Man kann Lehrer feuern, wenn sie sich nicht benehmen oder ihren Anforderungen nicht gewachsen sind. Und das ist ein Vorteil.

  13. Wenn das mal so wäre.…..es bleiben nicht die Lehrer, die was können, die finden schnell anderswo Arbeit. Zurück bleiben, die mit schlechten Abschlüssen, oder auch gar keinen .…..

  14. Aber freilich können öffentliche Schulen diesen Vorteil haben. Warum auch nicht: Sie haben den Auftrag, Schüler zu bilden und können sie deshalb nicht einfach wegschicken. Aber Lehrer? Dass das mit dem derzeitigen Quasimonopol und dem Beamtenrecht nicht geht, ist allerdings richtig. Aber grundsätzlich müssen Lehrer an öffentlichen Schulen nicht so unkündbar sein wie bei uns.

  15. Das hab ich fast vergessen: Herr Rau, Sie können sich aus dem Staatsdienst an eine private Schule beurlauben lassen. So könnte Sie mal rumschnuppern.
    Das geht auch in Bayern.
    Zum Beamtenstatus: vor ein paar Jahren hat das Land Rheinland-Pfalz Lehrer nur noch im Angestelltenverhältnis eingestellt, mit dem längerfristigen Ziel, das Landesbeamtentum für diese Beruf abzuschaffen.
    Dann kam in Hessen Herr Koch dran, stellte Lehrermangel fest, und bot Beamtenstellen an. Und schwupps, war Rheinland-Pfalz seine Angestellten los.Und Hessen hatte auf einen Schlag genug Lehrer!
    Solange die Länder gegeseitig räubern, bleibt das Berufsbeamtentum für Lehrer am Leben.
    Naja, der Lehrerberuf wird trotz Beamtentum immer unattraktiver. Wir in den ländlichen Regionen bekommen jede Menge Quereinsteiger aus anderen Berufen.Die ausgebildeten Lehrer bleiben in den Städten.Aber das ist eine andere Geschichte.…..

  16. Ich arbeite an einer Gesamtschule, offizielle Bezeichnung: Berufsschule. Auch wenn mir die Schule und der Beruf gefallen, das breite Schülerspektrum finde ich eher problematisch. Die Guten unterfordert man und vor allem die Schwachen bleiben auf der Strecke. Notenmäßig kann man sie vielleicht noch über die Hürden hiefen, aber es kann doch nicht nur um die Noten gehen (mit denen sie dann oft trotzdem keinen Job finden), sondern muss doch auch um die Persönlichkeit gehen. Auf jeden Fall ist Differenzierung immer nur in einem gewissen Umfang möglich und kostet eher Ressourcen (sprich Vorbereitungs- und Unterrichtszeit) als es Nutzen bringt.

  17. das wird ja immer schöner, jetzt schon mit unseren kindern in der schule geld verdienen … tztztz

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