Klassenhomepages

In einer E‑Mail hat mir Marek Ventur, Gymnasiast aus Rheinland-Pfalz, sein Projekt www.school-connect.de vorgestellt. Dort können Schulklassen kostenlose Klassenhomepages einrichten und mit einem einfachen Content-Management-System deren Inhalte verwalten. Noch sind die Klassenhomepages auch ohne Werbung, aber das kann sich in Zukunft vielleicht ändern.

(Zu dem Projekt gab’s auch schon einen Beitrag beim Bildungsblog mit kleiner Diskussion in den Kommentaren.)

Die Seite www.school-connect.de macht auf jeden Fall einen soliden Eindruck: Stundenpläne und Fotos lassen sich einstellen, es gibt eine Benutzerverwaltung und verschiedene Administratorenlevels, ein Gästebuch, Geburtstagslisten, einen Counter, ein Nachrichtensystem, die Möglichkeit, einzelne Seiten für Nicht-Klassenmitglieder zu sperren oder freizuschalten. Soweit ich sehen kann, funktioniert alles, und Marek bastelt regelmäßig an den Seiten herum und ist offen für Vorschläge, was sich noch verbessern lässt.

Wenn Schüler eine Klassenhomepage wollen und nicht über das technische Wissen verfügen, ist das eine gute Möglichkeit, sich einen eigenen Bereich im Web zu schaffen, in dem man sich austauschen und nach außen hin präsentieren, Material sammeln und in Kontakt bleiben kann.
Und ich finde, das sollten Schüler tun. Weil sie dabei viel selber machen und viel lernen können. Sehr gerne hätte ich ein ähnliches System wie school-connect, nur unterrichtsorientierter: Es gibt kein CMS, das ganz auf die Wünsche von Schulen und Lehrern zugeschnitten ist.

Restlos begeistert bin ich trotzdem nicht. Ich habe einfach zu viele schlechte Klassenseiten und ‑foren gesehen. Weiß jemand eine wirklich gute solche Seite, die ohne Unterstützung von Lehrern zustande kommt? (Und school-connect scheint mir darauf angelegt.) Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Wenn es solche Seiten gibt, deren Inhalte nicht öffentlich sind, bin ich wenig begeistert. Information ist zum Teilen da, was öffentlich sein kann, sollte es sein. Dass es daneben geschützte Bereiche geben muss, ist völlig klar.

Hinweggemogelt habe ich mich eben darüber, was eine gute Klassenseite ausmacht:

Langweilen euch andere Internetseiten? Auf eurer Klassenhomepage könnt ihr eure Textseiten (z.B. mit den neusten Hausaufgaben…) gestalten wie ihr es wollt! Fügt Links ein, verändert die Schrift.…

Nun zeichnen sich gute Seiten eben nicht nur, und meiner Meinung nach am wenigsten, durch die Gestaltung der Seite und die Schriftart oder ‑größe aus, sondern durch Inhalt.
Aber vielleicht ist es so, dass es gar nicht wichtig ist, eine in den Augen von Lehrern gute Seite zu erstellen. Vielleicht gibt es genügend andere Gründe dafür, eine solche Seite einzurichten. (Wozu muss es überhaupt Gründe geben? Weil ich Lehrer bin. Wenn ich mich für Klassenhomepages ausspreche, muss ich einen Grund dafür haben, ansonsten ist das ein Hobby der Schüler, das mich ebensowenig interessiert wie die privaten Treffpunkte der Schüler im realen Leben.) Vielleicht reicht es, wenn die Teilnehmer etwas über den Umgang mit dem WWW lernen und einfach nur vom Informationsaustausch durch das Einstellen von Hausaufgaben und Bildern profitieren. Chatten, gegenseitiges Fellkraulen, schwarzes Brett. Ist das so, oder ist das nur Spielerei für Gelangweilte, die dann vor allem lernen, dass es auf Rechtschreibung nicht ankommt?

Wovon ich träume, ist ein schulinternes CMS, das sich leicht verwalten lässt, das verschiedenen Gruppen verschiedene Möglichkeiten für verschiedene Projekte lässt, aber das trotzdem auf einem Server liegt. Das heißt, eigentlich will ich nur, dass alle Parteien wissen, was die anderen so treiben. (Weil das Informationsgewinn für alle ist. Synergie. Sagt man das noch, oder nur noch Web 2.0?) Es muss dann also doch gar kein einheitliches CMS sein, kein einheitlicher Server, es reicht konsequentes Web‑2.0‑Denken: Wenn das eine CMS weiß, was das andere treibt, Links aktualisiert, Inhalte einbaut. Dazu reicht schon die sinnvoll genutzte Schnittstelle RSS. Die Systeme müssen auch nicht alle auf der Schuldomain liegen, denn die Schulleitungen sind sicher manchmal konservativer beim Zulassen von Texten, als es Schülern recht und sinnvoll ist.
Zur Zeit sieht das so aus, dass bei uns jede Klasse mit Homepage ihre eigene .vu-Domain hat und jede AG ihr eigenes CMS fährt. An Schnittstellen denkt dabei keiner. Das liegt auch daran, dass eine zentrale Verwaltung ohne verteilte Administratoren, so wie es zum Beispiel an unserer Schule ist, sehr umständlich ist, und daran, dass die Seiten oft von Bastlern eingerichtet werden, von denen jeder auf sein eigenes CMS schwört.

School-connect geht insofern in eine Richtung, die mir gefällt, als dass die Klassenseiten dort nach Schulen geordnet sind. So sieht man immerhin, welche anderen Klassen aus der eigenen Schule dort auch eine Homepage haben. Deshalb will ich am Schluss noch einmal www.school-connect.de empfehlen als Möglichkeit, sich unkompliziert eine Klassenhomepage einzurichten und die Administrationsaufgaben einfach zu verteilen. Was auf den Seiten dann steht und wofür sie verwendet werden, bleibt Aufgabe der Klassen.

Eine Antwort auf „Klassenhomepages“

  1. Zum schulinternen CMS: Haben allein reicht nicht (wie du dir sicher denken kannst). Wir haben das nämlich.

    Falls bei euch der Traum mal in Erfüllung gehen sollte oder immerhin die Evaluation des Traums ansteht, bin ich gerne bereit, unsere grössten Stolpersteine hervorzurollen, damit ihr sie mal anschauen könnt.

    Hier schon mal die Zusammenfassung: Projektleiter/in braucht Ehrgeiz (“mein Baby!”), Autorität (“Unter 100 Argumenten keine Änderung des Fahrplans”), Begesiterung (“Hey, los, kommt, ich erklär’s nochmal”) Zeit (Leitfaden erarbeiten, Termine und Versprechen einhalten, Fragen beantworten) UND die Kompetenzen (kein noch so hoher Chef kann das Projekt ändern).

    Ein CMS hängt eng mit einem DMS und Qualitätssicherung zusammen. Ohne ein (allen bewusstes) System ist ein Auftritt, der 75% der heutigen Usability-Ansprüchen genügt, unerreichbar. Und das erwarten meiner Erfahrung nach die User einer Website einer Bildungsinstitution.

    Aber es ist gut möglich, dass die Umsetzungs-Hürden für ein autom füllbares CMS sich nach Schul-Sorte unterscheiden. Ebenfalls massgebend ist, ob man Schüler und Schülerinnen gewinnen muss oder das Marketing weniger Priorität hat.

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