Prüfetiketten in der Schule

Jedes Jahr kommt ein Techniker vorbei und schaut sich die technischen Geräte in der Schule an, ob die noch funktionstüchtig sind. Kaffeemaschinen, Drucker, Lautsprecher, Steckdosenverteiler und so weiter kriegen dann eine Prüfplakette mit dem Datum der letzten Prüfung.

Sollte man eigentlich auch für Fachschaftsbeschlüsse einrichten.

(Die müssten dazu natürlich irgendwo gesammelt sein. Wenn’s nach mir ginge: Lieber im Wiki als im Kleingedruckten der Protokolle in den Ordnern der letzten Jahre.)

9 Antworten auf „Prüfetiketten in der Schule“

  1. Bei uns ist dieser Prüfer für Beschlüsse und Beschlussfindung von der ISO-Stelle, weil wir ISO-zertifiziert sind. Der guckt aber hauptsächlich, ob wir den im Handbuch definierten Prozess eingehalten haben. Hat Vor- und Nachteile, weil ISO ja nicht gerade DIE Norm für Bildungsstätten ist. Die Tätigkeit der Fachschaften und deren “Aktennotizen” sind seit 3 Jahren geregelt und funktionieren seit einem so wie geregelt.

    Ihr habt in Bayern ja dieses (beeindruckend wirkende) ISB – ist die Fachschaftsarbeit samt Archivierung von der Qualitätsagentur nicht als relevanter Faktor für die Schulentwicklung ausgewiesen worden? Also wirklich.

  2. Neulich habe ich erst wieder von einem Fachschaftsbeschluss unserer Schule gehört, laut dem wir in der 7. Klasse alle als Lektüre so ein Problembuch lesen sollen, etwa wie das unsägliche “Rolltreppe abwärts”. Nicht dass ich es je gelesen hätte.
    Dieser Fachschaftsbeschluss ist noch von vor meiner Zeit; es hält sich auch keiner mehr dran. Wenn man wissen wollte, was es für derartige Beschlüsse gibt und welche irgendwann mal aufgehoben wurden, müsste man sich auf das Gedächtnis der längergedienten Kollegen verlassen oder alte Ordner wälzen.

  3. Kicher* “Rolltreppe abwärts” ist eines der zahlreichen Ergebnisse von Faulheit in meinen Berufen (Buchhandel & Schule). In den Siebzigern geschrieben (von Hans-Georg Noack, Jg. 1926) hat man es immer wieder zitiert und Arbeitsblätter dazu gemacht und dann ist es einer dieser Selbstläufer geworden, die sich einfach so in Klassensätzen verkaufen, obwohl inzwischen hunderte besserer Bücher erschienen sind und das Buch schlicht unerträglich geworden ist, weil es zu schlecht ist, um zeitlos zu sein (wie Lindgren z.B.).

    Problembuch ist allerdings für ungefähr 12-jährige (oder heisst bei euch 7. Klasse was anderes?) wirklich geeignet, vor allem für Jungs kanns ein Lese-Kick sein.

    Kennst du Antolin? http://www.antolin.de – das ist das Einfachste und Beste für die Leseförderung in dem Alter und gibt der Lehrperson einen super-praktisch Überblick über die Lesekompetenz einer Klasse.

    (Ausnahmen sind solche, die sehr viel und über ihrem Alter lesen, die kommen dort vielleicht etwas zu kurz. Aber es geht auch, mein Sohn scheffelt seine Punkte einfach mit Asterix.)

  4. Hm. Mir liegen die Problembücher nicht. Aber in der letzten Fachsitzung diese Woche hatten wir’s erst von den Jungen und deren mangelnder oder anderer Lust am Lesen und einem zweiten Leseknick der Jungs in der 6. Jahrgangsstufe, dem man entgegenwirken könnte durch: Sachbücher, Action, Humor; Jungs läsen mehr zur Informationsentnahme statt Eskapismus.

    Aber mir waren schon als Schüler die Problembücher ein Graus. Allerdings war ich ja ohnehin eifriger Leser. Hm. Der Gesichtspunkt, dass man damit eher an die Jungs kommt, wurde in der Fachsitzung nicht angesprochen, aber der Fachbetreuer liest ja hier eh mit. Könnt schon sein.

  5. Da ist er schon, der Fachbetreuer… Er hat in seinem Fachsitzungsreferat (Jungen im Deutschunterricht), in dem er von einer Fortbildung (Thema: “Warum Jungen nicht mehr lesen.…”) berichtete, etwas unterschlagen: Es war auf der Fortbildung ausführlich die Rede von Problembüchern à la “Rolltreppe abwärts”. Man kam dort und damals zu dem Schluss, dass diese Art von Pseudo-Literaur bei Jungen und Mädchen sowas von out ist, dass man sie in Zukunft weglassen kann. Dieser Meinung war der Fachbetreuer schon lange, stellte zudem fest, dass dies an unserer Schule auch mehrheitlich so gesehen wird und verzichtete darauf diesen redundanten Teil der Diskussion darzustellen.

    Was die Fachschaftsbeschlüsse anbelangt: Eigentlich sind sie ja wohl eher so etwas wie Konsensentscheidungen. Eine Mehrheit der Lehrer diskutiert um eine Meinung zu finden, der sich dann oft auch Minderheiten anschließen, weil das bequem ist und Unterrichtsmaterialien und Prüfungen / Prüfungsformen recycelt werden können. In den 70er und 80er Jahren, als der Diskussionsbedarf hoch war (gemeint ist hier Herr Raus und meine Schulzeit) hatten die problemorientierten Jugendbücher möglicherweise eine Funktion: Die Lehrer mussten sich mit den politischen und gesellschaftlichen Ansprüchen Heranwachsender viel intensiver auseinandersetzen als in der Gegenwart. Heute sind oft (nicht immer!) die Konsum- und Freizeitansprüche der wichtigere Konfliktstoff. Fachschaftsbeschlüsse, bei deren Zustandekommen ein Großteil der heute agierenden Lehrer noch Student, gar Schüler oder sonstwas war, können wohl kaum noch irgendeine Verbindlichkeit für sich beanspruchen.
    Es ist auch unzumutbar sozusagen über Jahrzehnte die Beschlussfassung irgendwelcher Deutsch-Patriarchen zu archivieren, zu studieren und zu diskutieren, die sich auf ganz andere Bedingungen bezogen haben muss. Bei Fossil-Beschlüssen, wie dem Beschluss zur sogenannten Problemliteratur, muss man wohl kaum 17 gestandene Lehrer in der ohnehin oft als zu lang empfundenen Fachsitzung um Revision angehen. Einzelne Lehrer, die darauf bestehen, haben anscheinend nichts besseres zu tun, als damit auf ihre Pensionierung hinzuarbeiten.
    Viel interessanter als der alte Käse sind Beschlüsse und Diskussionen um die Neuorientierung im Deutschunterricht. Mit den zahlreichen Reformen im bayerischen Gymnasium, die bald in dieser, bald in jener juristisch verbindlichen oder eben nicht verbindlichen Fassung veröffentlicht werden, ist ein Zustand erreicht, in dem Fachschaftsbeschlüsse des einen Tages am nächsten überholt sein können, weil jemand eine dem Beschluss widersprechende Information erhalten hat. Bei der derzeit erhöhten Frequenz von Neufassungen, Zusatz- und Ausnahmebestimmungen, Entwurfsversionen, Vorschlägen und Sonderprogrammen ist die bei uns übliche Fachschaftssitzung zweimal im Jahr vielleicht organisatorisch nicht mehr das geeignete Forum zur Beschlussfassung. Was aber heißt das? Monatliche Sitzungen?
    Mein Traum wäre nach einem Shakespeare-Drama vorzugehen. In irgendeinem “Richard” heißt es: “First thing we do: let’s kill all the lawyers” .
    Pardon, Ihr Rechtsanwälte: Es wäre zu wünschen, ihr wäret nie mit dem Bildungswesen in Berührung gekommen. Eine Schiedstelle unabhängiger Ombudsleute hätte es auch getan, um die schlimmsten Ungerechtigkeiten zu verhindern.

  6. Zum Archivieren: Beelzebub, schon wenige Jahre alte Fachschaftsbeschlüsse, also bereits aus deiner Zeit, können nicht eingehalten werden, wenn sie nur mündlich tradiert werden. Sie werden ja auch nicht eingehalten, in keiner der Fachschaften, der ich angehöre. Ist andererseits auch nicht schlimm, da ich sie ebenfalls nur als keineswegs bindende Vorschläge sehe. :-)

  7. Zum Archivieren: Herr Rau, da gibt es diese Protokolle… (siehe oben) Beschlüsse werden also nicht nur mündlich tradiert. Es macht sich nur keiner oder kaum einer die Mühe die noch mal zu lesen, ein Schicksal, das auch einen Wiki-Inhalt ereilen würde. Ich versenke mich auch nur in die Tiefen meiner Festplatte, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Anlässe gibt es im Lehrerzimmer immer wieder, nur – Gott sei Dank! – hat niemand seine Festplatte dabei…

  8. Entweder Dokumentation ist nötig oder nicht. Wenn nicht, dann so weitermachen; sie findet praktisch nicht statt. Wenn doch… naja, scheint halt nicht so wichtig zu sein.

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