Erste Referendariatsstunde

Kreide fressen berichtet von seiner aktuellen ersten Stunde selbst gehaltenen Unterrichts im Referendariat. Spannend. Ich kenne das alles, was er erzählt, so gut. Viele Fehler mache ich heute noch, manche notgedrungen, manche ohne Absicht. Hokey erzählt sehr schön, worauf man in eienr Stunde achten muss. Davon macht man sich zuerst einmal keine Vorstellung.

Täte mir übrigens gut, so ein Auffrischungsskurs, und manchen Kollegen bestimmt auch. In einer simulierten Referendariatssituation wäre es vielleicht leichter, Kritik anzunehmen – im Moment schaut man sich den Unterricht gegenseitig kaum an und gibt und erhält keinerlei Rückmeldung.

Mein Referendariat war übrigens ganz okay. Zumindest jetzt so in der Erinnerung.

5 Antworten auf „Erste Referendariatsstunde“

  1. Bleibt bei mir die Frage offen, warum denn so wenig Lehrer sich durch ihre Kollegen öfter mal zuschauen lassen.
    Ist es die Angst vor Kritik?

  2. @Manfred: Angst vor Kritik bzw. Scheu davor, sich zu blamieren, mag sicher eine Rolle spielen. Man sollte aber den Zeitfaktor nicht unterschätzen. In vielen ¤llen ist es so, dass man in sämtlichen Stunden, in denen ein Kollege Englischunterricht hält, selbst Unterricht zu halten hat. Falls man tatsächlich mal eine Freistunde zwischendurch hat, so ist die ja meistens nicht wirklich “frei”, sondern dann sind da Kopien anzufertigen, Schulaufgaben alphabetisch zu sortieren, die Abrechnung für die kürzlich gekaufte Lektüre zu erledigen und so weiter.

  3. Ich schreibe morgen auch noch was dazu; im Moment ist mir das Interface etwas zu umständlich für längere Kommentare, ich gestehe es.

  4. Ich habe jetzt überlängere Zeit immer mal wieder Besuch im Klassenzimmer gehabt, zum Beispiel eine Kollegin in der Integrationsklassse zum gemeinsamen Unterricht und jetzt meine Referendarin. Man gewöhnt sich ganz schnell daran und ist auf jeden Fall-zumindest ich gestehe das offen-oft noch einen Tick besser vorbereitet. Leider passiert es bei uns häufiger einmal, dass Kollegen nicht verstehen wollen, dass ein Kollege im Raum keine Gefahr bedeutet – sondern Unterstützung. Und ein feedback bekommt man auch noch dazu.

    Vielleicht eine Frage: Wie kann ich meiner Referendarin die Angst vor dem Fachleiter nehmen, der ja durchaus eine wichtige Person in ihrer Prüfung sein wird? Ich hatte überlegt, ob Hospitationen durch andere ‑durchaus auch Fachkollegen- sozusagen eine alltäglichere Besuchssituation schaffen würden.Was meinst du dazu?

  5. Ist zwar schon länger her, aber ich wollte auch noch Senf dazu geben. Also: An mir selber spüre ich auch erst mal eine Abwehrreaktion, wenn jemand in meinen Unterricht will. Die gleiche Abwehrreaktion hätte ich, wenn ich in einen Hubschrauber steigen sollte: Ich bin nämlich ein Schisser. Aber beim Hubschrauber meldet sich meine Vernunft melden und sagt mir, dass sich solch eine Gelegenheit nicht wieder bietet und ich da doch nicht nein sagen kann. Das muss man doch mal ausprobieren. Also freue ich mich zähneknirschend über jeden Besuch bei mir, und die Zähne knirschen so leise, dass man das vielleicht gar nicht hört.

    Bleibt nur: Woher dieses Gefühl? Cindie hat auf jeden Fall recht, denke ich: Mit der Gewöhnung wird es immer normaler und verschwindet vielleicht ganz. (So wie die Scheu vor Anrufbeantwortern, die meine Generation überwinden musste.) Für deine Referendarin weiß ich auch nichts Besseres als du selber vorschlägst. Frag sie, ob sie glaubt, dass das hilft. Rat bei anderen Referendarinnen, Gespräch mit dem Fachleiter? Ist der Fachleiter denn angsteinflößend, oder ist es nur die Prüfungssituation?

    Zum Pauker will ich noch ergänzen: Im Referendariat tut man so, als müsste und könnte jede Stunde perfekt sein. Man weiß, dass das nicht stimmt, aber trotzdem scheut man sich davor, zu zeigen, wie weit die eigene Stunde vom Ideal abweicht. Man weiß, dass man Ansprüche – auch die eigenen – nicht erfüllt. Die Ansprüche sind aber auch zu hoch. Praktisch kommt dazu, dass man keine Zeit hat, Kollegen zu besuchen, beziehungsweise die freie Zeit für andere, nötige Arbeiten nutzt.

    Angst vor Kritik: Eher die Erwartung, dass die Kritik folgenlos bleiben wird. Weil’s nicht so leicht ist, sich zu ändern; weil man dazu Freiraum und Zeit braucht.

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