Anthony Horowitz, The Falcon’s Malteser

falcons_malteser.jpg

“I’m Nick”, I said. “Nick Diamond. “You asked me to come here.”
“Did I?” She shrugged. “I was expecting someone older.”
“Well… I can come back in twenty years, if you like.”

Nick ist dreizehn Jahre alt und heißt eigentlich Nicholas Simple. Seine Eltern sind nach Australien ausgewandert, er hat sich davon gestohlen und lebt bei seinem älteren Bruder Herbert. Herbert Simple. Herbert nennt sich beruflich Tim Diamond und ist der schlechteste Privatdetektiv der Welt. Wenn Nick ihm nicht unter die Arme greifen würde, er kriegte kein Bein auf den Boden.

Der erste Klient hinterlegt einen geheimnisvollen Umschlag und wird bald darauf erschossen. Und Gott und die Welt sind hinter dem Inhalt des Umschlag her. Genauer gesagt: William Gott und Eric Himmel, der Dicke Mann (nach einer Diät), Beatrice von Falkenberg und der Professor. Zwischendurch gibt es verschiedene Leichen, auch ein Weihnachtsmann wird erschossen, auf dessen Schoß sich Nick unfreiwillig geflüchtet hat.

Das Buch wird als Kinderbuch verkauft: “Any child with a quick sense of humour should love it…” (TLS), aber mir ist nicht ganz klar, für welche Art Kind das Buch gedacht ist. Immerhin gibt es noch weitere Bände mit den Abenteuern der Diamond Brothers, und andere Bücher von Horowitz. The Falcon’s Malteser ist bereits von 1986, vor Handys, MTV-Generation, Internet; zwanzig Jahre näher an Chandler und Hammett und Bogart, die Neuverfilmung von The Big Sleep mit Robert Mitchum war 1978, Hammett von Wim Wenders war 1982, die Fernsehserie Mike Hammer lief 1984–1987.

Das Buch ist eigentlich keine Parodie auf die hard-boiled school des Detektivromans, sondern ein ganz regulärer Vertreter des Genres. Klar gibt es Seitenhiebe: Die Chandler’schen Vergleiche sind absichtlich übertrieben, wenn auch nie so sehr wie bei dem – nicht als Parodie gedachten – Radioserie Pat Novak aus dem Jahr 1949. (“She was kind of pretty, except you could see someone had used her badly, like a dictionary in a stupid family.” Oder: “You start with trouble and it never stops. It’s like offering to buy aspirin for a two-headed boy.” Das kann man nicht mehr parodieren.) Und zugegeben, der Held ist erst dreizehn Jahre. Aber das spielt keine große Rolle: Das Buch spielt in einer merkwürdigen Parallelwelt, in der Dreizehnhährige als Detektive, aber problemlos die Rolle von Erwachsenen übernehmen können – als Verhandlungspartner, bei Verfolgungsjagden, als Opfer von Mordversuchen, als Zeugen bei der Polizei. (“Ich schlage vor, Sie sagen uns, was Sie wissen, und wir sagen Ihnen alles, was wir wissen.” Überhaupt zwei sehr nette Nebenpersonen, die Polizisten Snape und Boyle.)

Ein hübsches Buch, aber für einen Erwachsenenkrimi zu vorausschaubar, und für echtes noir zu wenig brutal und zu wenig Gesellschaftskommentar. Vielleicht einfach doch ein gutes Jugendbuch für Kinder mit Humor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.