Lehrer und E‑Mail

Für mich ist E‑Mail nicht mehr wegzudenken. Ich mag auch gerade das Asynchrone daran, selbst wenn daran mein Alter ersichtlich wird: Bei Slate habe ich gelesen, dass Teenager wieder weniger E‑Mails schreiben. Stattdessen wird getwittert, getextet (also SMS), Instant Messaging betrieben und dergleichen neumodisches Zeug. Soll sein, soll sein, soll sein.

Ich warte inzwischen darauf, dass Schulleitung und Lehrer per E‑Mail erreichbar sind. (Das Kultusministerium verkehrt mit den Schulen schon weitgehend online.) Bislang habe ich leise vor mich hin gejammert über die Kollegen, die nur alle zwei Wochen in ihr Konto schauen, und auch dann nur unwillig. Inzwischen sehe ich das etwas anders: Die Schule, oder noch besser: das Ministerium muss dafür sorgen, dass a) genug Rechner-Arbeitsplätze an der Schule vorhanden sind, an denen die Lehrer ihre Mails verwalten können und b) die Lehrer ein eigenes E‑Mail-Konto kriegen. Der Arbeitgeber kann nicht vom Lehrer verlangen, sich ein Konto bei web.de oder sonstwo zu besorgen. Wenn die Behörde möchte, dass ihre Mitarbeiter per Mail erreichbar sind, muss die Behörde die Struktur schaffen.

10 Antworten auf „Lehrer und E‑Mail“

  1. Genau, es geht nicht anders.

    Wir haben die Struktur. Ausser in Stosszeiten, da reichen die Arbeitsplätze nicht ganz. Das ist aber nicht so schlimm, weil man den Account natürlich auch von daheim aus bedienen kann und wir in der Schweiz eine hohe Dichte an Breitbandanschlüssen haben.

    Auch an schriftlich festgehaltener Nettiquette und einem Haufen anderer Regeln fehlt es nicht. Bloss haben wir keine Weiterbildungsangebote für die, denen E‑Mail fremd ist (und nicht alle von denen fragen nach). Und keine Sanktionen für solche, die sich um die Regeln foutieren.

    Hohe Vorgesetzte lassen ihre Mails von den Assistentinnen bearbeiten, allerdings sagen sie das nicht im Voraus. Das merkt man erst, wenn ein Problem plötzlich im Schulsekretariat herumgereicht wird. Aber wohl trotzdem besser, als solche die 2000 Mails auflaufen lassen und dann in der Burnoutabteilung landen.

    Ich mache mal ein Jahr lang eine Statistik (bis Juli 2008). Im Moment bearbeite ich als Abteilungsleiterin in einer Berufsfaschschule durchschnittlich 40 E‑Mails am Tag. 60% sind intern von Lehrpersonen, Vorgesetzten und Sekretariat, 20% Schülerinnen und Schüler, 10% Lehrfirmen und 10% andere.

  2. Ich teile o.g. Ansicht – es müsste auch ein Rechner gestellt werden für dienstliche Zwecke. In keiner Firma bringt der Arbeiter seinen Privat-Laptop mit. Die Mail-Infrastruktur aufzusetzen (per VPN oder…)ist auch zwingend, nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen. Aber die Medienarbeit ist momentan nicht mal die letzte Dringlichkeit in den Kultusministerien. Aber die letzte Frage formuliere ich um: Will es die Behörde, dass die Lehrkräfte per Mail erreichar sind?

  3. Ich weiß zwar nicht, was mit “twitten” gemeint sein sollte, aber ich kann bestätigen, dass EMails unter uns Schülern kaum verwendet werden. Höchstens zu organisatorischen Zwecken, also um einen ganzen Kurs zu erreichen etc.

    Ansonsten findet die Kommunikation zu 99,9% per Instant-Messaging statt, ICQ o.ä. Und was besonders viel Spaß bereitet: Teamspeak! Bei mir kommt es gar nicht selten vor, dass ich mit einem Freund per Teamspeak die Hausaufgaben abgleiche oder dass wir zusammen für eine Klausur lernen. Und mir soll niemand erzählen, dass man sich dabei nicht konzentrieren könne…

    MfG, Robert Nitsch

  4. wir haben jeder eine eigene schuladresse, mails dahin werden dann bei bedarf auch standardmäßig an eine eigene adresse weitergeleitet. wir haben im nebenraum zum lehrerzimmer 4 rechner, allerdings gehen bald wieder die diskussionen über WLAN im LZ los.

  5. “Will es die Behörde, dass die Lehrkräfte per Mail erreichar sind?” Das Kultusministerium legt vermutlich keinen besonderen Wert darauf. Die Schulleitungen wollen es vermutlich etwas mehr. Wie sehr diese selber per E‑Mail erreichbar sein wollen, steht auf einem anderen Blatt – Tanja weist darauf hin, dass sich eventuell das Sekretariat um Mails an die Schulleitung kümmern wird. Das wird noch interessant.

    Bei den Lehrern bin ich mir nicht sicher. Ich denke, unsere Schule ist so groß, dass das schwarze Brett als Plattform zum Austausch nicht mehr ausreicht.

  6. Nun, dass die Schulleitung pragmatische Interessen einer Allzeit-Verfügbarkeit des Beamten verfolgt mag sein. Auf Schwarzen Brettern ist ja oft kein Quadratzentimeter Freifläche, in der E‑Mail-Box ist (fast) immer noch ein Plätzchen frei…Ob sich die Lehrer wirklich dadurch stärker vernetzen bezweifle ich. Das geht über die E‑Mail-Verweigerung hinaus, Alle, die in der Schule etwa mit LMS arbeiten und dies systematisch einführen wollen, berichten von harten Zeiten. Ich erlebe sie gerade selber…

  7. Wobei ich an meiner Schule überhaupt nicht von E‑Mail-Verweigerung reden würde. Ohne vorhandene Infrastruktur sowieso nicht.

    Ich glaube mich auch noch an ein weiteres Problem zu erinnern: Wenn die Schule den Schülern etwa über einen Mailserver E‑Mail-Konten zur Verfügung stellt, dann dürfen die nur schulisch genutzt werden – andernfalls wäre die Schule ein Telekommunikationsanbieter und müsste ich-weiß-nicht-welche Auflagen erfüllen, etwa zum Datenschutz. Für Lehrerkonten gelte das genauso. Wär aber vielleicht doch kein Problem, weil das Konto ja tatsächlich wohl nur schulisch (nicht: nur in der Schule) genutzt wird.

  8. > Bislang habe ich leise vor mich hin gejammert über die Kollegen, die nur alle zwei Wochen in ihr Konto schauen

    Auf diese Art kommt es doch immer wieder zu netten Dialogen: Ich “Du, ich habe dir vor ein paar Tagen eine Mail geschickt. Hast du die vielleicht …?“Kollege: “Du weißt doch, dass ich nur so selten …” Ich: “Hmm, soll ich dir jetzt sagen, was ich geschrieben habe, oder schaust du vielleicht heute nachmittag …?”

  9. Dass Schüler immer weniger Emails schreiben, glaube ich inzwischen auch. Im Leistungskurs sollten mir meine Schüler neulich aus kopierökonomischen Gründen ihre Thesenpapiere zuschicken, so dass ich sie gesammelt über den Verteiler zurückschicken kann.

    Leider musste ich die Erfahrung machen, dass eine beträchtliche Anzahl Schüler entweder a) keinen Emailanschluss hatte und nicht in der Lage war, selbständig alternative Zugänge zu finden, b) nicht in der Lage war, ein kanppes, aber angemessenes Anschreiben zu gestalten, c) ein allgemein kompatibles Dokumentenformat zu wählen, oder d) einen – ich hatte extra darauf hingewiesen – sinnvollen Dateinamen zu wählen, wie z.B. Nummer – Thema – Name. So durfte ich recherchieren, wessen Paper ich da wohl bekommen habe, umformatieren, umbenennen etc. Alles durch den Kopierer zu jagen hätte vermutlich weniger lange gedauert…

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