Bildungsoffensives aus dem Ministerium

Es sieht Kürzungen im Lehrplan, eine maßvolle Kürzung der vorgegebenen Pflichtstunden und mehrere schulorganisatorischer Maßnahmen vor. Die Intensivierungsstunden bleiben vollständig erhalten.

(Pressemitteilung KuMi)

Maßvolle Kürzung.

Leider steht in der ganzen Pressemitteilung nirgendwo, was in den letzten Tagen in der Zeitung stand, nämlich dass Englisch jetzt nicht nur in 8–10, sondern auch in der 7. Jahrgangsstufe nur dreistündig ist. Werden wir mit den gleichen Lehrwerken weiterarbeiten wie bisher – und wie soll das gehen? Das werden die Schulen “selbstständig entscheiden” dürfen, denke ich, will heißen: Die wissen es auch nicht. Ein Kapitel aus dem Buch vorziehen in die übervolle 6., zwei Kapitel in die 8. Klasse verschieben?
Soll man die Vokabeln ganz wegfallen lassen, auch wenn sie in den weiteren Kapiteln im Buch vorausgesetzt werden? Ebenso bei Grammatikkapiteln? Sollen wir ernsthaft etwa aufs Passiv verzichten, und späteres Vorkommen von Passiv im Lehrwerk ignorieren?
Oder wird der Stoff nur optisch gekürzt und halt jetzt in drei Stunden gemacht statt in vier? Ich dachte, die Eltern wollen weniger Stress für ihre Kinder?

Vielleicht ist der Plan ja auch vom Tisch. Ich glaube es nicht. Unten an der Pressemitteilung steht die neue Stundentafel, leider ohne Angabe von Fächern. In der 7. Klasse haben Schüler laut der jetzt 32 Pflichtwochenstunden statt bisher 34. Es können jetzt allerdings auch 33 werden, wenn ein Schüler eine quasi-freiwillige Intensivierungsstunde zusätzlich belegt.
Jedenfalls fehlt eine Pflichtstunde im Vergleich zu vorher – das wird also wohl Englisch sein.

Zu den quasi-freiwilligen Intensivierungsstunden: Von Klasse 7–10 müssen die Schüler insgesamt fünf Intensivierungsstunden absitzen, maximal eine in 7 und 8, maximal 2 in 9 und 10. Das heißt, sie wählen 5 aus 7 möglichen Slots aus. Das sind zwei weniger als bisher.

Sollte man meinen. Bisher gilt in 9 und 10, dass die jeweils zwei Intensivierungsstunden dort nur “für Schüler mit besonderem Förderbedarf” (GSO, hab ich gerade nicht zur Hand) verpflichtend sind. Wird das weiterhin so sein? Vermutlich – und vielleicht auch noch auf 7 und 8 erweitert? Werden die wegen fehlendem Förderbedarf nicht in Anspruch genommenen Stunden mit diesen fünf zu nehmenden Stunden verrechnet?

O je.

21 Antworten auf „Bildungsoffensives aus dem Ministerium“

  1. Kein Mensch weiß, was die sich dabei denken. Als Englischlehrerin an einem Gymnasium mit Latein als 1. Fremdsprache kann ich mich entspannt zurücklehnen, was die Kürzung in der 7. Klasse betrifft, aber es ist natürlich eine wenig schlaue Idee. Sprachen sind wie Instrumente, die wollen geübt sein.

    Sehr gruslig finde ich auch diese Passage:

    Schulorganisatorische Maßnahmen: Die Anzahl der Nachmittage mit Pflichtunterricht wird künftig begrenzt. In den Jahrgangsstufen 5 bis 8 sollen der Mittwoch- und Freitagnachmittag frei von Pflichtunterricht sein. Lange Schultage sollen rhythmisiert organisiert werden und auch Doppelstunden umfassen. An Tagen mit Nachmittagsunterricht darf den Schülerinnen und Schülern der Unter- und Mittelstufe keine schriftliche Hausaufgabe bis zum nächsten Tag aufgegeben werden.

    Warum schreibt das Kultusministerium den Schulen vor, wie sie ihren Stundenplan gestalten? Und was soll das mit der schriftlichen Hausaufgabe? Für Englisch bzw Latein in der 7. Klasse wird es immer finsterer: man stelle sich vor, diese Fächer werden an einem langen Tag gegeben, also am besten in einer Doppelstunde (Doppelstunden sind ja fein, aber…), dann bleibt ja nur noch eine weitere Stunde in der Woche. Die mag zwar drei Tage später sein, aber es wird genug Eltern geben, die klagen, dass die Schüler doch an ihrem langen Tag keine schriftliche Hausaufgaben mehr haben dürfen. Also nur eine schriftliche Hausaufgabe in der Woche.

    Ich bin wahrlich kein Freund von umfangreichen Hausaufgaben; das neue Unterrichtsmaterial bietet uns ja die Möglichkeit, relativ vernünftige Übungen aufzugeben, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, aber dennoch den Stoff gut trainieren. Von einem Herrn Kultusminister mag ich mir aber überhaupt nicht vorschreiben lassen, wann ich welche Hausaufgaben gebe.

    Was könnte man besser machen? Akzeptieren, dass es ohne einen längeren Schultag nicht gehen wird; eine befriedigende Gestaltung des längeren Schultages geht aber eben nicht ohne Geld, und das wollen die Herren im Landtag nicht ausgeben.

    Hoffentlich merkt sich das das Wahlvolk bis September.

  2. Ach ja, und die Süddeutsche (print) berichtet, dass das Attentat von Sarajewo ab jetzt zum Kür-Wissen gehört. Sozusagen der vierfache Toeloop des Geschichtswissens (lustigerweise gehört das Attentat zu den wenigen Dingen, die sich die Schüler eh merken). Unter Kollegen ist man erleichtert, dass es wenigstens nicht die dem Landtag scheinbar lästige Französische Revolution getroffen hat (“zu viele Revolutionen”).

  3. > dass Englisch jetzt nicht nur in 8–10, sondern auch in der 7. Jahrgangsstufe nur dreistündig ist.

    Das ist doch schlüssig. Fremdsprachen lernt man in jungen Jahren besonders gut (da war doch mal was mit “Zeitfenster”), also kann man da auch besonders gut kürzen ;-)

    @Sabine
    Doppelstunden bei einem dreistündigen Fach sind wirklich lustig. In meinem letzten gk hatte ich eine am Mo. und die dritte Stunde am Fr. Am Fr. haben wir die Stunde dann immer mit dem selben Ritual begonnen: “Does anyone vaguely remember what we did last lesson?” Seitdem ist mein Respekt vor Lehrern mit EINstündigen Fächern noch mal deutlich gestiegen.

  4. >Das ist doch schlüssig. Fremdsprachen lernt man in jungen Jahren besonders gut

    Ach ja, und man lernt ja jetzt eh Englisch schon in der Grundschule! Hatte ich ganz vergessen.

  5. > Ach ja, und man lernt ja jetzt eh Englisch schon in der Grundschule!

    Deswegen ist es ja auch überfällig am Gymnasium die Sprachen (analog zu “Natur und Technik”) zu “Mutter- und Fremdsprachen” zusammenzulegen. Dann könnte man von “fächerübergreifenden Synergieeffekten” profitieren.

  6. nix ist vom tisch. beschlossen ist, dass in der 7. klasse eine stunde der 1. FS wegfällt. großartig…
    ich bin aber vor allem begeistert davon, wie wir uns mit den intensivierungsstunden auf den arm nehmen lassen:
    am anfang waren die das große tolle neue, das das G8 mit sich brachte und vor allem die eltern beruhigen sollte. dass diese stunden in den letzten jahren schon immer wieder mal der budgetierung zum opfer gefallen sind, hat keiner mitgekriegt.

    als jetzt aber der minister vor einem monat bei dem wort kürzung die intensivierungsstunden ansprach, gabs einen großen aufschrei, unter anderem von der LEV, die ja immerhin geschätze 10 % der eltern vertritt.
    gestern dann die meldung, dass von den 6 weggekürzten stunden 5 intensivierungen sind, die aber “freiwilig” angeboten werden können. aha. und alle finden’s toll.
    incl. LEV.

    versteh ich da was nicht?

  7. Pressemeldung KM: “Schüler werden entlastet – Ausbildung bleibt hochwertig”
    Lehrer: “Wie soll das gehen?”
    KM: “Weil wir das so beschlossen haben!”

    Wichtig ist ja heutzutage nicht mehr, was man lernt, sondern dass man das Lernmanagement im Griff hat. Die Zukunft sieht also so aus, dass man nicht mehr lernt, eine Sprache zu sprechen, sondern man lernt, wie man es mit dem Sprachenlernen anstellen müsste, wenn man die Zeit dafür hätte.

  8. Jetzt bin ich endlich auch wieder daheim und dabei. Schöne Sachen liest man hier!

    Informatik ist zweistündig, kann ich mir als Doppelstunde einmal pro Woche gut vorstellen. (Habe ich auch schon ein halbes Jahr gehabt.) Religion doppelstündig ebenso, sag ich mal als Nichtreligionslehrer, und Kunst mag das sowieso gern. Bei lebenden Sprachen in der Unter- und Mittelstufe sollte aber dreimal die Woche schon sein.

    Gegen drei Stunden in der 1. Fremdsprache in der 7. Klasse, wenn gut durchdacht, sicher machbar. Ist aber weder durchdacht noch nötig. Und mit den Intensivierungsstunden, das wird noch lustig.

  9. Gegen Doppelstunden habe ich nichts. Wir diskutieren bei uns zur Zeit, ob wir nicht generell Doppelstunden einführen wollen, um die Tage weniger stressig zu machen. Wir haben Infos von anderen Schulen eingeholt, die das Doppelstundenmodell bereits eingeführt haben, und da waren interessanterweise gerade die modernen Fremdsprachen große Nutznießer. Hätte ich nicht gedacht. Ich persönlich bin sehr dafür, es mal auszuprobieren. Nur, was sagen jetzt die Stundenplaner, wenn sie nur eine begrenzte Anzahl an Nachmittagen verwenden dürfen?

  10. Es ist ja alles noch viel schlimmer, als es da oben steht.
    Die Schüler müssen (außer den fünf verpflichtenden Intensivierungsstunden in der 5/6/7. Klasse) keineswegs von den anderen neun Intensivierungsstunden (je eine freiwillige ist in den Jahrgangsstufen der Unterstufe) mindestens 5 wählen – sie müssen insgesamt fünf Stunden aus dem Bereich der “freiwilligen” Intensivierungsstunden ODER dem Wahlunterricht buchen. Das heißt dann, dass Schüler X, der in den Jahrgangsstufen 5–9 brav zum Chor geht, gar keine dieser Intensivierungsstunden wahrnehmen muss (wenn er nicht so nahe an der Versetzungsgrenze ist, dass er deswegen gehen muss). Damit haben aber alle Schüler bei allen neun nichtverpflichtenden Intensivierungsstunden die prinzipielle Wahlfreiheit – alleine schon aus Gründen der Aufsichtspflicht kann die Schule praktisch alle dieser neun Intensivierungsstunden nur auf Randstunden legen.
    Dazu kommt die Regelung, dass der Pflichtunterricht vor 15.30 Uhr (eben an diesem einen bzw. diesen zwei nichtverbotenen Tagen) stattfinden muss. Also passen in den Nachmittag (bei normalem Zeitschema der Schule) genau zwei Unterrichtsstunden. Wenn (z.B.) in Klasse 7 oder 9/10 jeweils 32+1 bzw. 34+2 Pflichtstunden+freiwilliger INT-Stunden in der Stundentafel stehen, muss also die freiwillige INT-Stunde immer die letzte (bei uns: 10.) Stunde sein. Bei der 8. Klasse müssen die beiden freiwilligen INT-Stunden auf einem nichtverpflichtenden Nachmittag liegen. Die Schüler müssen für ihre Förderung also “bis in den Abend hinein” oder “an einem zusätzlichen Nachmittag” Zeit investieren. Bei einer Landschule mit schlechten Busverbindungen ist das ein hoher Preis – entsprechend gering schätze ich die Akzeptanz ein.
    Aber die Lehrer müssen “Abends” da sein – auch wenn die Stundenplanmacher ihnen vorher keinen Unterricht geben können – ohne Arbeitszimmer in der Schule also noch mehr verlorene Zeit, die dann Abends bzw. am Wochenende hereingeholt werden muss…

    Wegen dieser vielen vorgegebenen Randstunden als Intensivierungsstunden und wegen der nicht mehr möglichen Auslastung der Fachräume (Turnhallen!) an allen Nachmittagen, sehe ich zudem noch Raumprobleme bis zur Streichung (von Sportunterricht).

    Ach- wer noch (wie ich einige Tage lang) auf die angekündigte Streichung von 1/9 des Lehrplans wartet, der muss (wie ich mittlerweile) das Kleingedruckte lesen. Da ist davon die Rede, dass dann INSGESAMT 1/9 IM VERGLEICH ZUM ALTEN G9 gestrichen sein wird. Hatten wir nicht damals schon die Lehrpläne “massiv” entrümpelt bekommen und dann nochmals um “60%” (Stoiber) – um nun also INSGESAMT 11% weniger zu haben (bei deutlich weniger Stunden zu deutlich schlechteren Zeiten…). Nee, ich bin derzeit wirklich nicht gut drauf.

  11. Zu ergänzen: Die verpflichtende Intensivierungsstunde der 7. Klasse wird der ersten Fremdsprache (meist Englisch) zugeschlagen, damit die dann doch vier Wochenstunden hat. Immer noch geteilt. Allerdings hat das ganze nicht viel mit Intensivierung zu tun, wenn ich dann den Stoff machen muss, für den mir die reguläre Stunde gestrichen wurde. Darf ich dann überhaupt Noten geben oder gar neuen Stoff machen in dieser Pseudo-Fach-Intensivierungsstunde?

  12. Zu den Intensivierungsstunden zu ergänzen:

    Es gibt ja die verpflichtenden 2 Stunden in der 5. und 6. Klasse sowie die verpflichtende eine Stunde in der 7. Klasse (=1. Fremdsprache, wohl nicht wirklich Intensivierung, sondern normaler Unterricht mit halber Klassenstärke) .

    Inzwischen gehe ich davon aus, dass die zusätzlichen freiwillig-verpflichtenden, irgendwann zu nehmenden Stunden alle nur bei “besonderem Förderbedarf” verpflichtend und ansonsten freiwillig sind.

    Das ist jetzt ja schon so in 9 und 10, und wird auf 7 und 8 erweitert. (Dass man stattdessen auch in den Chor gehen kann, spielt dann eh keine Rolle mehr. Oder gilt das auch für einen Schüler mit tatsächlichem Förderbedarf, dass der stattdessen in den Chor darf?)

    Gut, wenn die Schule weiter das Kontingent für diese Stunden kriegt, okay. Den Topf sehe ich allerdings schon bald gekürzt.

  13. Hilfe!
    Also ich als Mutter blicke mit diesen Intensivierungsstunden langsam nicht mehr durch.
    Meine Tochter, 6.Kl., hat schon sanften Druck bekommen, weil sie für die dritte, wie wir
    dachten, “freiwillige” Intensivierung, nichts gewählt hat. Sie hat an diesem Tag, Musikunterricht und Orchester (im Verein, nicht in der Schule) und da kam uns diese Frei-
    willigkeit gerade recht. Außerdem besteht kein besonderer Bedarf bei ihr, bzw. nach gerade mal einer Woche Schule wissen wir halt noch nicht, wo für sie Intensivierung am Besten wäre.
    Latein hatte sie ja noch nicht, soll sie sich da schon mal präventiv anmelden ? Soll ich mein
    Kind “freiwillig” zu einem Lehrer schicken vor dem es Angst hat oder zu einem, das es letztes Jahr schon hatte und der sich als totaler Chaot entpuppt hat. Fragen über Fragen.
    Mein Sohn, 9. Kl., hat jetzt plötzlich ein Zeitguthaben, weil er schon zu viele Intensivierungs-
    stunden hatte. Was ihm das aber bringt, konnte noch keiner erklären.
    Dieses G8, ich könnte nur noch schreien.….

  14. In der 6. Klasse sollte die dritte Stunde tatsächlich freiwillig sein. Vielleicht gehen manche Schulen ihre eigenen Wege, denn so richtig sinnvoll ist die KuMi-Lösung ja auch nicht. Dann sollte das aber transparent gemacht werden.

  15. Zu den Intensivierungsstunden:

    Ich bin zwar kein Lehrer, aber so viel ich weiß, ist es so eine Art “Sollen-Vorschrift”, dass man aus den freiwilligen Intensivierungsstunden (1 in Jgs 5–7 sowie 2 in Jgs 8–10, =9) zumindest 5 im Verlauf der Jgs 5–10 nehmen muss/soll. Daneben hat man noch 2 (in Jgs 5–6) und 1 (in Jgs 7) verpflichtende Intensivierungsstunden.

    @sabine: Ihr Sohn hatte (sofern der Unterricht voll abgehalten wurde) in Jgs 5–6 3 und in Jgs 7–8 2 Intensivierungsstunden, also insgesamt 10, entspricht den 5 Pflicht und 5 “Soll-Pflicht” Intensivierungsstunden, er müsste keine Intensivierungsstunden mehr nehmen, kann das aber freiwillig, wenn sie ihn dazu anmelden. Das geht auf so eine Kultusministerkonferenzrichtlinie zurück, nach der 260 Wochenstunden fest gewählt werden müssen und 5 flexibel, das sind eben diese “Soll” Intensivierungsstunden (in Bayern). Wie das konkret an den Schulen umgesetzt wird, bleibt diesen überlassen, tendenziell habe ich aber das Gefühl, hätten es die Schulen gerne, wenn die Schüler in alle Intensivierungsstunden gehen, das kann sich aber von Schule zu Schule unterscherscheiden. Eventuell wird Chor/Orchester und Ähnliches auch als freiwillige Stunde anerkannt, das hängt aber von der Schule ab und ob es schulintern ist – wenn nicht, stehen die Chancen wohl schlecht. Unabhängig davon können Schüler übrigens bei schlechten Leistungen zum Besuch von Intensivierungsstunden auch verpflichtet werden, auch wenn sie gar nichts mehr nehmen müssten. Was für ein Lehrer für ihre Tochter der beste ist, kann kein Außenstehender beurteilen.

    @ herr rau: Wie macht das eigentliche ihre Schule mit den “Soll” Intensivierungsstunden, dass also 5 der 9 flexiblen Intensivierungsstunden genommen werden sollen/müssen?

  16. @Herr Rau,@Daniel,
    vielen Dank die Erläuterungen. Jetzt bin ich schlauer. Von unserer Schule kam da keine so
    richtige Aufklärung. Auch auf den Anmeldezetteln für die Intensivierungsstunden stand nur,
    dass man “zur Kenntnis nimmt, dass Schüler, die in den Hauptfächern nur mit mangelhaften
    bzw.knapp ausreichenden Leistungen vorgerückt sind, dazu angehalten sind, die entsprechenden Intensivierungsstunden auf jeden Fall zu besuchen.” Auch das ist von der
    Formulierung her nicht verpflichtend. Interessanterweise waren die Anmeldezettel so formuliert, dass man mit seiner Unterschrift gleichzeitig Kenntnis genommen, aber auch das
    Kind für ein Fach angemeldet hat. (Ich habe das einfach abgeändert). Irgenwie schwammig das Ganze, aber wohl ganz bewußt so formuliert. Bei uns zählen auch Wahlfächer wie Chor,
    Schach, Malkurse usw. zu den freiwilligen Intensivierungsstunden. Das Angebot ist wirklich sehr groß, da muss ich unserer Schule mal ein großes Lob zollen. Aber meine Kinder sind
    eben auch außerhalb der Schule in Sport- und Musikverein aktiv und deshalb froh über jede
    Stunde, die sie nicht ( wenn auch freiwillig!) in der Schule verbringen müssen.
    Bin mal gespannt, wie das weitergeht und ob der Druck auf meine Tochter noch etwas erhöht
    wird, mein Sohn hat seine “freiwilligen” Stunden ja schon abgeleistet. Mir kommt da plötzlich eine Idee: Vielleicht könnte man ja so eine Art Familienguthaben einführen…Oder dass die schon geleisteten überschüssigen Stunden der Mittelstufe, jetzt der Unterstufe gutgeschrieben werden.…Sagt bitte nicht, das seien abstruse Ideen, ich glaube, die sind nur halb so abstrus wie das was da im Kumi zu Thema G8 so ausgebrütet wird! Überhaupt, sind uns die Intensivierungsstunden bei Einführung des G8 nicht als supertolle Neuerung angepriesen worden, als wichtiges Instrument zur Vertiefung des Stoffes in kleinen Gruppen. Und jetzt…??? AAh, ich merke schon wieder wie mein Blut langsam in Wallung gerät, ich gaube, ich mache jetzt lieber Schluss.
    Nochmals danke.

  17. Zur Ergänzung: Die Kultusministerkonferenz hat eine Mindeststundenzahl bis zum Abitur vorgegeben, 265 Stunden. Bayern hält das inzwischen so, dass sich diese Stunden aus 260 Pflichtstunden (ein Teil davon Intensivierung) und 5 irgendwann mal zu nehmenden weiteren Intensivierungsstunden zusammensetzen. Mitgezählt wird aber nicht. (Das ganze kam auf Wunsch der bayerischen Elternvertretung und im Wahljahr 2008.)

    Unklar ist mir, ob Schüler bei “besonderem Förderbedarf” (was auch immer das heißt) tatsächlich über dieses Soll hinaus zu weiteren Stunden verpflichtet werden können. Unsinnig wäre es so oder so.
    Eigentlich sollte an allen Schulen Chor und dergleichen als Teil dieser abzuleistenden Stunden gezählt werden. Wie gesagt, nicht dass jemand diese Stunden überhaupt zählte.

    @Daniel: Wie meine Schule das hält mit den freiwilligen Pflichtstunden… ist im Moment noch nicht ganz klar. Die Eltern kriegen jedenfalls ein Schreiben mit Erklärungen oder haben es vielleicht schon erhalten. In den Jahrgangsstufen 9 und 10 sind die Stunden klassenübegreifend, davor nicht. Für 9 und 10 gibt es zwei Slots, so dass Schüler bis zu zwei Fächer wählen können. Die Eltern entscheiden darüber, ob diese Möglichkeit wahrgenommen wird. Details kommen noch.
    Ich halte das für sinnvoll so. Vielleicht sollte man auch überlegen, die Intensivierungsstunden nicht nur zur Nachhilfe zu verwenden. (Chor zählt für Schüler zwar als Intensivierungsstunde, aber für Lehrer als Wahlunterricht. Und davon gibt es ein Angebot, das sehr auf bestimmte Fächer beschränkt ist.)

  18. Da sich das G8 doch beruhigt hat und jetzt einige Zeit seit der letzten großen Kürzung vergangen ist, würd mich doch mal interessieren, was aus der Intensivierung geworden ist:
    ‑Werden die Stunden noch in dem Umfang angeboten wie ursprünglich gedacht?
    ‑Inwieweit sind sie verpflichtend? Es gibt ja diese 5 Stunden, die evtl. auch mit Chor und Ähnlichem gefüllt werden können; was ist mit gefärdeten Schülern?
    ‑Insbesondere in Jgs. 9 und 10: Wie viele Schüler gehen da noch hin? (Weil haben so schon 34 Stunden)
    ‑Sind (insbesondere in 9, 10) das nur noch Stunden für Leistungsschwache, weil der Rest darauf keine Lust hat und nicht verpflichtet wird?
    ‑Sind die Stunden bei Lehrern eher beliebt oder weniger?
    ‑Was ist aus der 7. Jgs geworden, wo die 1. Fremdsprache so eine feste Intensivierungsstunde hat?

  19. Ich darf erst mal nicht so einfach etwas Schlechtes über mein Ministerium sagen, und ich darf nichts Internes über meine Schule sagen. Und ich bin kein Fachmann. Mit diesen Einschränkungen will ich gern antworten.

    F: Werden die Stunden noch in dem Umfang angeboten wie ursprünglich gedacht?

    A: Pflichtintensivierung: ja. Freiwillige Intensivierung: aus Schülersicht ja. Jeder Schüler (der Mittelstufe, grob gesagt) kann pro Jahr zwei Stunden wählen. Wie groß das Angebot insgesamt ist (und das ist die Lehrersicht) – da hat sich seit Einführung der Stunden etwas geändert. Pro Klasse waren ursprünglich 2 Intensivierungsstunden eingeplant, aber das heißt nicht, dass es bei 2 Klassen 4 solcher Stunden geben muss, da die – inzwischen – klassenübergreifend sind.
    Es gibt keinen eigenen Pool für Intensivierungsstunden, sondern nur eine Gesamtzahl von Lehrerstunden für die Schule. Viel Intensivierung = weniger anderer Unterricht (größere Klassen). Gibt es eine Regelung, wieviel Intensivierungsunterricht angeboten werden muss? Das weiß ich nicht, ich glaube aber, dass das nicht so ist.

    F: Inwieweit sind sie verpflichtend? Es gibt ja diese 5 Stunden, die evtl. auch mit Chor und Ähnlichem gefüllt werden können; was ist mit gefährdeten Schülern?

    A: Verpflichtend sind laut Stundentafel 5 Stunden (in Jahrgangstufe 5–7, über die Fächer entscheidet die Schule) und weitere 5 irgendwann zu nehmenden, auch schon in 5–7. Je nach Angebot. Und ja, alle können mit Chor und Ähnlichem gefüllt werden. Soweit ich weiß, sind auch gefährdete Schüler darüber hinaus nicht zu Intensivierungsstunden verpflichtet.

    F: Insbesondere in Jgs. 9 und 10: Wie viele Schüler gehen da noch hin? (Weil haben so schon 34 Stunden)

    A: Das wüsste ich auch gern. Selbst bei meiner Schule ist es nicht leicht, da an Zahlen zu kommen, veröffentlichen dürfte ich sie eh nicht. An manchen Schulen gehört es zum Konzept, dass 8 der 10 Intensivierungstunden bereits in 5–7 genommen werden. Bleiben noch verpflichtend 2 irgendwann zu nehmende Stunden für die Mittelstufe.

    F: Sind (insbesondere in 9, 10) das nur noch Stunden für Leistungsschwache, weil der Rest darauf keine Lust hat und nicht verpflichtet wird?

    A: Das Angebot liegt in der Hand der Schule. Manche Schulen haben da regelrechte Intensivierungskonzepte. Das Hans-Sachs-Gymnasium in Nürnberg bietet bei den aktuellen Kursen viele Pluskurse an, andere Schulen setzen vor allem auf Nachhilfe für Schwache oder haben kein Konzept.

    F: Sind die Stunden bei Lehrern eher beliebt oder weniger?

    A: Ich selber mag es gar nicht, wenn ich in der Unterstufe eine Klasse intensiviere, in der ich nicht der reguläre Fachlehrer bin. (Und als Fachlehrer mag ich es nicht, wenn ich nicht intensiviere.) Und in der Mittelstufe hängt das sehr vom Fach und Konzept und Lehrertyp ab. Ich bin für das aktuelle Konzept meiner Schule mit meinen Fächern der falsche Lehrertyp.

    F: Was ist aus der 7. Jgs geworden, wo die 1. Fremdsprache so eine feste Intensivierungsstunde hat?

    A: Der geht es gut, glaube ich. Statt früher 4 Stunden – plus je nach Schule vielleicht Intensivierung – sind es jetzt 3 Stunden plus sicher Intensivierung. Aber ich habe noch keine 7. ein ganzes Jahr in Englisch unterrichtet.

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