Han’s Klaffl anschauen

Am gruseligsten war es, in einem Publikum zu sitzen, das nur aus Lehrern bestand. Und sich die Gesichter und die Hemden anzuschauen, um zu erraten, welche Fächer diese Lehrer wohl unterrichten.
Und dann zu sehen, wie diese Lehrer alle die Gesichter der anderen mustern, um genau das gleiche zu erraten.
(Also, bis auf die mit den karierten Hemden natürlich. Die sind nicht so analytisch.)
Trotzdem war es sehr lustig.

Letztes Wochenende hat mich Frau Rau in den Schlachthof in München mitgenommen, um das Kaberettprogramm von Han’s Klaffl. Der ist Musiklehrer und Kabarettist, er schreibt seinen Namen nur vorsorglich schon mal mit Deppenapostroph.

Zum Thema Lehrerfortbildung meine Lieblingsstelle: „Zweimal im Jahr finden organisierte Lehrerfortbildungen an den Schulen statt, die heißen dann Elternsprechabend. Da erklären einem die Eltern dann, was man alles falsch macht.“
Schön auch die vier charakterisierten Lehrertypen, auch wenn ich von denen nur zwei in Reinform kannte. Darunter „Herr Gütlich“, der meist in weiblicher Form auftritt (übrigens auch an meiner Schule). Bedenkenträger. Über den sich die anderen Lehrer lustig machen, weil der doch tatsächlich – prust! – diese Dingens da liest, die vom Ministerium kommen, diese Handreichungen.

Klaffl hat drei Stunden Programm gemacht, mit kurzer Pause dazwischen. Hat toll auf dem Klavier und dem Kontrabass gespielt und gesungen. Bei Youtube gibt es einen Ausschnitt aus seinem Programm, leider nicht meine Favoriten, und keine Lieder:

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Immerhin: „Duschen können die Mädels nicht, weil sonst verrost‘ ihnen das Nabelpiercing“.

Schön war vor allem, dass sich Klaffl nicht nur über uns Lehrer selber lustig macht, sondern auch über Eltern und Schüler. Über die wird viel zu wenig öffentlich gespottet. Macht man als Pädagoge ja auch nicht. (Große Ausnahme. niemehrschule.) Nötig wär’s manchmal aber schon. Man denkt es sich halt nur und macht seine Witze im Lehrerzimmer.

Viele der Sprüche von Klaffl kenne ich aus Unterricht und Schule. Nicht nur die Zitate, über die er sich lustig macht, auch die manchmal durchaus geistreichen Bemerkungen. Aber Timing ist alles, und das macht Klaffl sehr gut. Kein Thema waren übrigens Teilzeit und Schulleitung. Das ist noch Material für etwas Spott drin, beides sind Themen, die Lehrer interessieren.

Am Faschingsdienstag, also nächste Woche, gibt’s im Fernsehen Han’s Klaffl zu sehen und hören.

Di 24.02., Bayern Alpha, 20.15 Uhr
Lieder von Han’s Klaffl

Unbedingt anschauen. Sein „Another one bites the dust“ ist fantastisch.

16 Antworten auf „Han’s Klaffl anschauen“

  1. Nicht dass ich wüsste. Deshalb bin ich ja mal aufs Fernsehen gespannt, auch wenn da eventuell nur Lieder sein werden.
    Für die USA gibt es Taylor Mali. Von ihm habe ich eine CD, sehr schön darauf ist „Falling In Love Is Like Owning A Dog“. Das hat nichts mit Lehrersein zu tun, ist aber ein wunderschönes Beispiel, wieviel man aus einem Vergleich/einer Metapher herausholen kann. Knapp 3 Minuten ausgeführter Vergleich.

  2. Hallo zusammen,

    jetzt bin ich eine von den Schülerinnen, die sich SEHR viel Gedanken darüber macht, was Lehrer in ihrer Freizeit machen, was die für Menschen sind etc.pp….
    Nun frage ich mich schon Monate lang, was denken Lehrer über das „Schüler-nicken-damit-der-Lehrer-denkt-sie-hören-zu!“-Phänomen?!
    Wenn Sie diese Frage doch bitte einmal beantworten könnten?!

    Herzlichen Dank,
    Schülergedanke

    PS.: Ich finde ihren Blog immer sehr spannend und muss bei einigen Geschichten immer ein wenig schmuzeln ;)
    Weiter so.

  3. @Golden: Danke, der Clip gefällt mir viel besser. Das Selbstzerfleischende, das kommt mir entgegen.

    @Schülergedanke: Wie, so etwas gibt es???
    Ich denke, meistens glaubt der Lehrer, dass die Schüler tatsächlich zuhören. Andererseits denke ich mir selber bei manchem – vielleicht sogar ernst gemeinten – Nicken, dass der oder die das jetzt trotz Nicken gar nicht verstanden hat.
    In der Unterstufe sollte das dem Lehrer auch wichtig sein. In der Oberstufe nicht mehr so sehr, da sollte man den Schülern langsam die Freiheit lassen, etwas nicht zu lernen. Leider habe ich bisher nur theroetisch zu dieser Einsicht gefunden, praktisch bin ich trotzdem unzufrieden.

  4. Das ist wirklich lustig, denn gestern beim Lehrerstammtisch habe ich erzählt, dass ich schon vor drei Jahren mal im Unterton in seinem Programm war und keiner im Kollegium kannte ihn. Deshalb haben wir jetzt eine „Fortbildung“ geplant.
    Was haben wir damals gelacht, vor allem als wir Flöte spielen mussten…

  5. Habe auch eine nette Anekdote, die vielleicht ins besagte Programm passen könnte (welches ich leider noch nicht kenne):
    Schnupperpraktikant sitzt zeitungslesend gegenüber einer Studiendirektorin, die gerne schüleraktivierend in der Unterstufe/Gymnasium arbeitet:
    Praktikant: „Und Sie sind wohl hier die Handarbeitslehrerin?“
    Ihr kennt die Kollegin ja nicht, aber es ist tatsächlich erstaunlich, dass er es überlebt hat!

  6. @Donna: Wie, ihr plant einen Elternsprechtag? ;) *duck*

    @Herr Rau: danke für den Tipp. Dann werde ich doch mal schauen, ob unsere Satellitenantenne Bayern Alpha empfängt. Und falls nicht hole ich mir nen dvb-t-Stick. *einkauf*

    Markus

  7. Selbstironie muss sein, sonst wird man verrückt .
    Und erst die Konferenzen. Wenn mal alle tot sind und ich noch lebe,
    schreib ich alles auf , versprochen.
    Meist ist man erstaunt, dass eine normale Konferenz keinen Eintritt kostet, bei dem Amusement, das sie bietet.
    Wie gesagt, Selbstironie lässt uns am Leben, der Herr Klaffl macht das gut.

  8. Kennt Ihr von Tom Blech „Das Lexikon des schulischen Elends“?
    Das ist so, so, so böse und wahr – und zwar gegen alle gleichermaßen von der Schulleitung bis zum Schnöselelternteil – dass selbst der depressivste Lehramtskandidat grinsen muss.

    @ Praktikanten: ich hatte mal einen, der saß hinten drinnen und hat 45 min nicht mitgeschrieben, sich nicht umgeschaut…sondern liebevoll einen Drachen gemalt. In Buntstift. Da fragt man sich denn doch, was bei der Berufswahl schief gegangen ist.

  9. Ein ähnliches Programm wie Han’s Klaffl hat schon seit Jahren der „Westzipfler“ (=Wahl-Aachener) Wendelin Haverkamp zu bieten. Er ist aber wohl hauptsächlich im Einzugsbereich des WDR bekannt, Hörbeispiele hier: http://www.wendelin-haverkamp.de/hoerbeispiele . Sein alter ego ist „Anton Hinlegen“ vom „Karl-Heinz-Plum-Gumminasium“…
    Hier eine winzige Kostprobe, abgetippt aus meinem zerlesenen Exemplar von „Das endgültige Lehrer-Handbuch“ (1993): „Normalerweise werden solche Übungen ja rechtzeitig durch Aushang am Schwarzen Brett bekannt gegeben. Aber diesmal hatte irgendein Spaßvogel den Zettel verschwinden lassen, und ich stand gerade ahnungslos in der Sieben B, nur noch wenige Minuten vor Buffalo, da heulten urplötzlich die hauseigenen Sirenen los. (…) „Haltet euch mal ’nen Moment ruhig, ich geh eben im Sekretariat nachfragen, wo der Krach herkommt!“

  10. Mein Favorit von Klaffl ist die Episode zu den Heftkorrekturen, unter die er – als geheimen „Gruß“ an die Schüler – das Kürzel BSB setzt. Das wiederum steht für „Blöde Sau Blöde“. Meine Kolleginnen und ich sind sehr von dieser kreativen Idee angetan ;)

  11. Reizvolle Anregung. Das habe ich mir nicht gemerkt, inzwischen gibt’s ja auch schon ein weiteres Programm. Aber so ein paar technische Kürzel hätten schon was… andererseits fällt das den Schülern dann auch ein.

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