Comicfestival München 2009 (und Friseurbibliographie)

comicfestival2009

Eigentlich wollte ich heute nur zum Friseur gehen. Aber Frau Rau hatte mich heute morgen noch an das Comicfestival München erinnert, das von gestern bis übermorgen gleich am Marienplatz stattfindet: im Alten Rathaus, direkt unter dem Bogen Richtung Viktualienmarkt. Eine Tageskarte kostet 5 Euro Eintritt, und das lohnt sich schon mal. (Man kriegt auch eine Tüte mit Prospekten, ein bisschen Comic, und vor allem Watchmen-Buttons.) Unten gibt es eine Leseecke und eine Ausstellung, ums Eck ist noch eine Ausstellung. Schwerpunkte Perry Rhodan und Donald Duck. Wer noch nie gesehen hat, wie eine Original-Bleistiftzeichnung und wie die daraus entstandene getuschte Zeichnung aussehen, bis schließlich zur colorierten Fassung, der kann das hier machen.

Oben ist es dann richtig schön: Aussteller präsentieren ihre Waren. Vor uns hinter den Tisch sitzen Fans, ein Cosplay läuft ab, also gibt es ein paar Leute im Kostüm. Man fachsimpelt, kann sich Autogramme holen, Zeichner sind da und Autoren. Schöne Stimmung. Überall kann man Comics anschauen und anfassen in allen Farben, Formen und Größen – alles ganz wunderbar haptisch. (Habe mir vorgenommen, ab jetzt immer “haptisch” zu sagen wenn ich das Gegenteil von “digital” meine.)

Ich bin zwar raus aus der Szene – ach was, in der Comic-Szene war ich nie. Aber wenn mir auf meine alten Tage mal langweilig werden sollte, dann könnte ich jederzeit auf so eine Messe gehen und mich informieren, was in den letzten fünfzig Jahren so gelaufen ist. Zwar mag ich die meisten Comics gar nicht, aber das gilt ja ebenso für Romane. Ich mag auf jeden Fall die Form sehr, und kenne viele schöne Werke. Am liebsten sind mir auf solchen Messen die kleinen selbstgebastelten und ‑kopierten Heftchen, auch wenn die auch immer professioneller ausschauen. Immerhin, eines habe ich mir gekauft.

Geehrt wird auf diesem Festival der Zeichner und Autor Hansrudi Wäscher für sein Lebenswerk. Den kenne selbst ich, noch von meinen frühesten Comic-Sammeljahren. Meine große Flohmarktzeit waren die frühen 1980er Jahre, und die Hefte dort die der 1970er Jahre: Marvel-Comics von Williams und BSV. Zwischendurch gab es aber auch immer wieder Hefte aus den 1960ern. Man verzeiche mir bitte, dass ich sie zum Scannen nicht aus den Plastik-Schutzhüllen genommen habe, aber andernfalls hätte ich SOFORT meinen Comicsammlerausweis abgeben müssen:

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Diese Hefte da, die sind von Hansrudi Wäscher, und natürlich noch ganz viele mehr. Das große L steht für Lehning-Verlag, und die Lehning-Hefte waren schon aus großer Entfernung zu erkennen. Tibor, Sigurd, Falk, Nick (ohne Abbildung), das waren Wäschers bekanntesten Figuren damals. Ursprünglich erschienen diese und vergleichbare Serien in den 1950ern im Piccolo-Format: querformat, etwa 16x8 cm, etwas größer als das untere Drittel einer A5-Seite, aber das war nun endgültig vor meiner Zeit. Diese Piccolos wurden dann eben später als Großband nachgedruckt und schließlich auch mit neuen Geschichten fortgesetzt. Neue Abenteuer erscheinen heute noch.

Bevor man auf diese arg brav anmutenden Helden schimpft: Viel weniger brav konnten die damals nicht sein. Selbst Sigurd hatte schon Problem mit der Bundesprüfstelle wegen zu viel Brutalität, so dass spätere Ausgaben geändert wurden.

Was hätten die Zensoren erst zu folgendem Schmuckstück am Comicfestival gesagt: einer Tijuana bible. Was das ist, weiß ich als alter Dreißigerjahre-Fan, Krimileser und Comictheoretiker schon lange, aber gesehen habe ich noch nie eine. Es war natürlich keine echte, sondern eine Reproduktion, hinter einer großen Peepshowwand mit Löchern zum Durchschauen. “Nur ab 18 Jahren” stand drüber. Klar: Eine Tijuana bible ist ein achtseitiges Heftchen im Zigarettenpäckchenformat mit einer pornographischen Comic-Handlung. Die Helden sind üblicherweise andere populäre Comicfiguren, manchmal auch Schauspieler oder Personen der Zeitgeschichte: Popeye, Mickey Mouse, Mae West, Adolf Hitler. Alles natürlich illegal, wegen Urheberrecht und Pornographie, nur unter dem Ladentisch. Schlecht gezeichnet waren sie in der Regel auch. Wer die wie rezipiert hat, welchen Ruf sie hatten, das weiß ich nicht. Warum schreibt darüber keiner eine Facharbeit? (Beim Googeln kriegt man sicher mehr Beispiele zu sehen.)

Nachtrag: tatsächlich findet beim Googeln erst mal nur moderne Tijuana bibles, mit Politikern als Hauptdarsteller. Ah ja. Und als Watchmen-Promo-Material gibt es zumindest das Titelbild einer Ausgabe mit Silk Spectre.

Trotzdem, einen gewissen kritischen Kommentar kann auch so eine Tijuana bible abgeben. In einem Bild beobachtet eine (nicht zu sehende, vermutlich weibliche) Person, wie Batman und Robin in ihr Versteck eilen, um zu tun, was sie tun müssen. So ähnlich heißt es. Ein Notfall, möchte man meinen, aber dann gibt es doch die Überraschung: eine Sexszene zwischen den beiden. Erstens ist das natürlich sofort Jugendpornographie, da Robin ja wohl minderjährig ist. Zweitens hat das der Dr. Wertham ja immer schon gesagt. Drittens: Wenn man sich die Bilder bei Superdickery anschaut, dann ist da schon was dran.


Ohne irgendeinen Zusammenhang, weil ich sie sonst nirgendwo unterbringe und heute beim Friseur war: meine kleine Bibliographie zum Thema Friseure.

  • Ray Bradbury, “Any Friend of Nicholas Nickleby’s a Friend of Mine”
  • Ray Bradbury, Death is a Lonely Business, mit meiner Lieblingszeile: “Every time it is a damp drear November in my soul I know it is high time to go from the sea again, and let someone cut my hair.”
  • Henry Fielding, The History of Tom Jones, Book II, chapter 4 (p. 73)
  • William Goldman, “Da Vinci” (in: Adventures in the Screen Trade)
  • Rafik Schami, Erzähler der Nacht (Kapitel 9)
  • Tom Waits, “Barber Shop”

Wenn ich die SMV wäre… dann wünschte ich mir eine Mailingliste.

Die Kommunikation zwischen Lehrern läuft meist im Lehrerzimmer über ein schwarzes Brett ab. Das ist einerseits viel zu klein, weil nicht alles Platz hat, was die Kollegen da so hinpinnen wollen, und andererseits viel zu groß, weil es viel Platz für das bietet, was Kollegen da so hinpinnen wollen. Wenn einen etwas davon interessiert, geht man zum Kopiergerät und macht eine Kopie davon.

Mir wäre ein E‑Mail-Verteiler stattdessen lieber. Wem es ganz wichtig ist, der kann seine Mitteilung auch gerne zusätzlich ausdrucken und in einen Ordner packen, der dann im Lehrerzimmer herumliegt. Und natürlich zusätzliche Verteiler, für jedes Fach einen.

(Das ganze geht natürlich auch mit einem Forum oder echter Groupware. Aber ich halte E‑Mail noch für die realistischste Möglichkeit, sich mit Kollegen auf eine Lösung zu einigen.)

Klar müssten diese Verteiler nur einem geschlossenen Kreis von Lehrern zugänglich sein. Und klar müsste man darauf achten, wer an welchen Verteiler etwas schreibt – für die fachinternenen Listen hat jeder Lehrer Schreibberechtigung, Nachrichten an alle eventuell nur über die Schulleitung; wenn nur bestimmte Klassen betroffen sind, stehen diese im Betreff der Mail. Eine Minimallösung, aber mir lieber als das aktuelle Suchspiel am schwarzen Brett. Zugegeben: ohne ein Verschlüsselungsprotokoll (SSL/TLS) ist das noch ein Problem. Andererseits: Alles muss man ja auch nicht über Mail regeln.


Ähnlich sieht es mit der SMV aus beziehungsweise deren gewählten Vertretern, den Schülersprechern, und den Arbeitsgruppen. Zwischen denen und den restlichen Schülern gibt es als Kommunikationsmöglichkeit nur das Weitersagen, das Posteraufhängen vor einer Schulparty, die Bitte um eine Durchsage über die Lautsprecher oder das Entsenden von Sprechern in die Klassen/das Ausrichten durch die Klassensprecher. Außerdem wird immer mal wieder ein SMV-Rundschreiben angekündigt, aber das schläft dann doch eher ein. Sehr viel Kontakt ist nicht da, vielleicht gibt es aber auch nichts zu sagen. Natürlich könnte es ein Forum dafür geben, oder einen Moodlekurs – für umsetzbar halte ich das allerdings nicht. Zu Groß die Anmeldeschwelle. Das können die aktiven Schüler benutzen, die sich auch in den Arbeitskreisen treffen. Wenn man wirklich möglichst viele Schüler erreichen möchte – zusätzlich zu den Postern natürlich – dann halte ich im Moment eine Mail als Rundschreiben für das beste.

Allerdings: das wäre natürlich eine große Verantwortung für die SMV-Vertreter. Schriftliche Kommunikation ohne Erlaubnis der Schulleitung ist ohnehin nicht erlaubt:

GSO §10 (3) 1 Die Verbreitung schriftlicher Mitteilungen im Rahmen der Schülermitverantwortung an die Schülerinnen und Schüler ist nur dem Schülerausschuss gestattet. 2 Sie bedarf der Genehmigung der Schulleiterin oder des Schulleiters.

Bei tausend Schülern, wie viele würden sich an so einem E‑Mail-Verteiler anmelden, freiwillig natürlich? Dreihundert? Hätten die SMV-Vertreter auch etwas zu sagen? Ein weiteres Problem: man könnte nicht ausschließen, dass auch schulfremde Personen diese Nachrichten lesen. Unsere Lokalzeitung wäre sofort dabei. Die technischen Maßnahmen, mit denen man das verhindern kann, verhindern gleichfalls wieder, dass sich eine größere Zahl von Schülern anmeldet. (Würde das an Schulen mit eigenem Mailserver funktionieren, bei denen jeder Schüler ein eigenes Mail-Konto hat? Oder werden diese Konten dann ohnehin nicht benutzt?)

Also: Versand nur über die Schulleitung, im Bewusstsein der Öffentlichkeit? Oder doch wieder nur Poster aufhängen? Schade, man könnte Schülern und Eltern auf diese Art gut Informationen über Wettbewerbe und Veranstaltungen zukommen lassen.

Oh Fudge!

Hilfe! Hiiiilfe!! Man hat mich allein zu Hause gelassen, ich habe gerade aus einem Pfund Zucker und einem Becher Sahne Bonbons hergestellt und bin Sklave derer Leckerheit. Nie wieder in den Ferien, sondern nur noch zur Schulzeit, wenn ich das Kollegen und Schülern vorsetzen kann.

Außer vielleicht morgen noch. Denn so ganz geklappt hat es heute noch nicht mit dem Zuckerbäcknern:

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Also, das sind natürlich keine Bonbons, sondern das ist Fudge, oder zumindest so etwas Ähnliches. Meine Liebe begann, als ich ein kleines Kind war. Weichkaramell oder Toffee oder gar Hartkaramell mochte ich nicht besonders, Karamellsauce schon, aber die Kuhbonbons waren meine Favoriten. So hießen die damals bei uns, was auf der Packung stand, weiß ich nicht – ich habe jedenfalls erst als Erwachsener die heutige Bezeichnung “Sahne Muh-Muhs” kennengelernt:

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(Heute heißt ein ähnliches Produkt offiziell Kuhbonbons. Von mir aus. Aber wir wissen, was das Original ist.)

Dass die Bonbons aus Polen stammten, habe ich in der 11. Klasse erfahren. Was drin war, schon früher – angeregt durch ein Rezept im Kinder- und Jugendmagazin Stafette habe ich die Zutatenliste gelesen und das ganze nachzukochen versucht. Hat natürlich nicht besonders geklappt.

(Anmerkung: Einsatz von Kuhbonbons im Unterricht. Und hier ein Rezept für Kuhbonbon-Likör, nebst Diskussion des Fettgehalts von Kuhbonbons.)

Inzwischen gab es auch Erdnuss- oder Honigversion der Bonbons. Uninteressant, schon mal weil immer im falschen Aggregatszustand, ausgetrocknet. Das ideale Kuhbonbon hatte innen noch einen fast – nur fast – noch flüssigen Kern, war außenrum weich bis leicht angetrocknet und schon ganz, ganz leicht bröselig. Und diese samtene Bröseligkeit hatte es mir besonders angetan, und als ich englisches Fudge entdeckte, habe ich genau diese wiederentdeckt.

Englisches Fudge: zum Beispiel bei Roly’s Fudge. In Amerika ist Fudge nämlich mehr oder weniger mit Schokolade verbunden. Und in Deutschland gibt’s Fudge ohnehin nicht. Im Prinzip mischt man Zucker und Milch/Sahne/Butter und kocht das ganze. Kocht man das bis auf 150°C, dann ist viel Flüssigkeit verdampft, heraus kommt knuspriges, hartes Karamell oder butterscotch. Weniger heiß gekocht: amerikanisches Taffy. Kocht man nur bis 127°C, hat man Plombenzieherkaramell. Ess’ ich nur notfalls. Und wenn man nur bis 114°C erhitzt (abhängig vom Luftdruck, genaue Zahlen siehe in den jeweiligen Rezepten), ist noch viel Feuchtigkeit in der Masse und heraus kommt leckeres Fudge.

(Fudge ist außerdem im Prinzip eine trockenere Version von Fondant, sagt Wikipedia. So habe ich das noch nie gesehen, aber das erklärt diesen Übersetzungsfehler im Wörterbuch. In den USA gibt’s noch Penuche. Und Toffee ist mal weich, mal hart, Übersetzungsprobleme gibt’s viele.)

Eine krümeligere Variante von Fudge ist Tablet, und möglicherweise passt das eher zu dem, was bei meinem ersten Fudge-Versuch im Bild oben herausgekommen ist.

fudge3_tablet
(Quelle: Wikipedia, public domain)

Mein Fudge schmeckt zwar viel zu köstlich, ist mir aber noch im Topf kristallisiert und zu Krümeln geworden. Ich denke, die Masse war noch zu heiß, und ich habe zu viel Erdnussbutter auf einmal dazu gegeben. Richtig, das da oben ist Erdnussfudge. Auch lecker, aber beim nächsten Mal mache ich erst einmal ganz normales Fudge. Vielleicht besorge ich mir auch corn syrup, damit soll das noch einfacher gehen.


Hier eine Anleitung zum Herstellen von Tablet. Wunderschön dieser Tipp:

A hint from my dad: If you’ve dried your throat out by eating tablet, but still want to eat some more, eat a tangerine! It magically clears your throat, and sets you up to eat plenty more.

Titanic schlägt vor: Mehr Schilder fürs Internet

Neben von der Leyens Zensur-Stoppschild könnte man das deutsche Internet doch noch weiter beschildern. Titanic macht Vorschläge:

titanic_internet_schilder

Meine Favoriten sind “Illegales Filesharing” und “Achtung, Forum mit Suizidabsprachen”. Schon mal, weil bei beiden der Wunsch fürs nächste Warnschild gar nicht so weit weg ist. Der innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Wiefelspütz hat sich erst gestern für eine Ausweitung der Interetsperren auf andere Inhalte als Kinderpornographie ausgesprochen. Zum Beispiel islamistisches und verfassungsfeindliches Material.

(Das Lawblog erinnert daran, dass verfassungsfeindliche Schriften nicht unbedingt kriminell oder verboten und in Buchhandlungen käuflich zu erwerben sind.)

Nachtrag: Wiefelspütz dementiert.

Dorsalunterricht

Habe gerade in einem Kommentar bei Hokey den Dorsalunterricht erfunden. Erster! Noch kein Treffer bei Google bisher!

Ist das Unterricht, wenn man mit dem Rücken zu den Schülern steht, oder wenn man hinter dem Rücken der Klasse unterrichtet? (Mehrdeutigkeit beabsichtigt.) Mein Freund Michael hat in den 1980ern mit seiner Band mal einen Auftritt mit dem Rücken zum Publikum gespielt. Kam damals nicht so gut an.

Papierbasteln

Früher habe ich halbwegs viel gebastelt, jedenfalls solange es sich auf Papier beschränkte. Origami bis hin zum funktionsfähigen Schachtelmännchen nach Max Hulme, oder eine zappelnde Maus aus einer Serviette (so wie auf diesen Videos), mit der sich gelegentlich Kinder am gedeckten Tisch unterhalten lassen. Inzwischen bin ich träge geworden, aber für die Kommunion in Berlin neulich habe ich doch eine Karte selbst gebastelt. Kernstück war das hier:

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Ein Schwan, den man auf- und zuklappen kann. Das ist nicht selbst ausgedacht, nur leicht variiert und mit weniger Geduld und Liebe zurechtgebastelt als früher, stammt aus diesem Buch:

papier_chatani

Masahiro Chatani ist laut Wikipedia der Begründer von origamic architecture, also diesen Faltkarten, bei deren Aufklappen man Gebäude sieht oder Schwäne oder geometrische Formen. Mit einem Papierschneider und viel Liebe zum Detail kann man sehr viele davon sehr schön nachbauen. In das erste Poesiealbum, das ich je gekriegt habe, habe ich so eine Faltkarte eingebaut, danach wurde mir das zu viel Arbeit.

Echte Könner machen natürlich noch ganz andere Sachen als ich. Papierkunst im Web:

Nicht papieren, aber auch schön

Zwei Origami-Bücher als Tipps:

papier_kenneway Eric Kenneway, Complete Origami, deutscher Titel: Origami komplett.

Das umfassendste und bunteste Einsteigerbuch, das ich kenne. Schwerpunkt Papierfalten, aber auch: Windeln, Servietten, Eintrittskarten, Geldscheine. Alles Über Origami: Geschichte, Anekdoten und Stile. Klassisches Origami, Origami mit anderen Ausgangsformaten, Origami mit Schere, modulares Origami. Wenn man nur ein Buch über Papier will, dann empfehle ich das.

papier_lang Robert J. Lang, Origami Design Secrets. Mathematical Methods for an Ancient Art.

Das andere Extrem: Ein dicker Wälzer, sehr technisch, mit mathematischen Analysen des Faltens, aber mit vielen Illustrationen. Trotzdem eher was für Spezialisten, ich habe nur etwa die Hälfte verstanden und habe den Rest immerhin erfürchtig angestaunt.

Das gleiche oder dasselbe: Mehrfachreferenz

Noch eine Sache, wo man sich als Deutschlehrer bei Informatik leicht tut.

Einleitende Denkaufgabe aus dem Informatikbuch:

In Hamburg und München werden am selben Tag zwei Autos gleichen Typs und völlig gleichen Aussehens mit demselben Kennzeichen jeweils in einer Radarkontrolle geblitzt. Welche möglichen Erklärungen gibt es dafür?
(Informatik 3, Klett)

Mögliche Erklärungen sind wohl: Da ist ein Auto von Hamburg nach München gefahren, oder jemand hat ein gefälschtes Nummernschild benutzt. Großangelegter Trickbetrug, identity theft, oder so…

Mein alternativer Einstieg und ebensolche Überschrift: “Das gleiche oder dasselbe?” Die Frage kennen die Schüler, vielleicht eher aus Diskussionen beim Mittagessen als aus dem Schulunterricht, aber sie kennen sie: Zwei Sachen sind gleich, wenn sie sich in allen Merkmalen gleichen, und zwei Sachen sind dasselbe… schon falsch, eine Sache ist dieselbe wie eine andere, wenn es eben nicht zwei Sachen sind, sondern eine, dieselbe eben.

Eselsbrücke, von mir selbst erfunden: “Das gleiche” schreibt man auseinander, in zwei Worten, weil es um zwei Objekte geht. “Dasselbe” schreibt man zusammen, in einem Wort, weil es um ein Objekt geht.

Ich brauche diese Eselsbrücke auch, denn ich habe jahrelang mit diesem Unterschied gekämpft, ganz verinnerlicht habe ich ihn immer noch nicht. Andere Sprachen kommen auch ohne diese explizite Unterscheidung aus, oder wird auch so auf auf same vs. identical herumgeritten?


Für Informatik ist das aber nützlich. Da gibt es nämlich etwas, das “Mehrfachreferenz” heißt. Zuerst der einfache Fall. Es gibt zwei Variablen a und b.

a=7;
b=a;

Das “=” bedeutet in Java und vielen anderen Programmiersprachen nicht ist gleich, sondern sei oder soll sein. Demnach heißt “a=7” also “a sei 7/a soll 7 sein”. Andere Programmiersprachen benutzen für soll sein die Zeihenfolge “:=”, dort heißt “a soll den Wert 7 haben” demnach “a:=7”. Das ist besser, aber Java macht es leider anders.

Die Variablen a und b haben zu diesem Zeitpunkt den gleichen Wert. Und wenn ich danach etwas an der einen Variablen ändere, wird die andere dadurch nicht verändert:

a=7;
b=a;
a=8; //neue Wertzuweisung, alter Wert wird überschrieben

Danach hat a den Wert 8, aber b immer noch den Wert 7.

Anders scheint es, wenn diese Variablen nicht für ganze Zahlen (oder andere “primitive Datentypen”) stehen, sondern für kompliziertere, zusammengesetzte Gebilde, zum Beispiel Raumschiffe in einem Computerspiel.

a=new Raumschiff(“Enterprise”);
b=a;
b.captainÄndern(“Kirk”);

Hier heißt “b = a” nicht so wie vorhin, dass b den gleichen Wert haben soll wie a, also ein gleiches Raumschiff sein soll, sondern das es dasselbe Raumschiff bezeichnen soll. Nach den ersten beiden Zeilen haben a und b denselben Wert, sie referenzieren beide dasselbe Objekt. Wenn ich danach bei b den Captain ändere, hat auch a einen anderen Captain, da a und b ja dasselbe Objekt referenzieren


Das ganze ist ein notorisch schwieriges Problem und noch ein bisschen komplizierter, als es aussieht. Für Fortgeschrittene:

stefansLieblingslehrer = x;
sabinesLieblingslehrer = stefansLieblingslehrer;

Wenn ich jetzt Eigenschaften von Stefans Lieblingslehrer ändere, ändere ich auch die Eigenschaften von Sabines Lieblingslehrer, da beider Lieblingslehrer ja x ist.

Allerdings: Wenn Stefan sich danach umentscheidet, so dass “stefansLieblingslehrer = y”, dann ändert sich nichts an der Tatsache, dass Sabines Lieblingslehrer immer noch der x ist.

stefansLieblingslehrer = x;
sabinesLieblingslehrer = stefansLieblingslehrer;
stefansLieblingslehrer = y; //neue Wertzuweisung, alte Referenz wird überschrieben


Der Unterschied zwischen primitiven Datentypen (Buchstaben, Zahlen) und komplexeren (Raumschiffe, Lehrer) ist der, dass es nur bei letzteren Referenzen gibt, dass also nur da Mehrfachreferenzen auftauchen können. “a = 7” heißt, dass a den Wert hat, “a = new Raumschiff()” heißt, dass a auf ein Raumschiff verweist, ein Raumschiff referenziert. Und auf dasselbe Raumschiff können neben a eben auch andere Variablen verweisen.

– Und die Schüler haben danach ihrer Mathematiklehrerin erklärt, dass dem Herrn Rau der Unterschied zwischen “dasselbe” und “das gleiche” gaaaanz wichtig ist.