Erster Schultag 2010, neue Tischverteilung

Mein erster Tag war völlig undramatisch. Hallosagen, neues Jahr, Schüler alle gesund. In der ersten Stunde in der 6. Klasse haben wir, wie vor den Ferien besprochen, alle Tische umgestellt. Das dauert schon eine ganze Schulstunde. Die Schüler und Schülerinnen haben sich aber sehr diszipliniert benommen – am Schluss gab es nur noch wenige Minuten für die vorläufige Platzverteilung, und es gab kein Gerangel und keine Tränen.

Vorher standen alle Tische parallel, alle Schüler schauten nach vorn. Den meisten Lehrern ist die Anordnung der Tische wohl eher egal, oder sagen wir: es gibt Wichtigeres. Stimmt vermutlich. Trotzdem mag ich es, wenn die Schüler sich eher gegenseitig anschauen können. So richtig was dagegen haben auch nur wenige Lehrer.

Jetzt haben wir nach einigen Versuchen ein großes U aufgestellt mit einem zweiten Strich unten, ein paar Auswüchsen aus der Seite und in der Mitte einem großen 6er-Gruppentisch. Der Kollege nennt den jetzt schon „Partytisch“; man wird darauf achten müssen, wer da sitzt.

Im Moment ist das noch vorläufig; wenn die Schüler oder die Lehrer das in zwei Wochen nicht mehr wollen, wird das geändert. Aber Möbel umstellen kann nie schaden.

Also, ich *glaube*, das sah dann am Schluss so aus. Wenn ich mich falsch erinnere, reiche ich den richtigen Aufbau nach.

Es gibt ein paar leere Plätze; die werden aber eventuell für andere Klassen gebraucht, die das Zimmer mitbenutzen, wenn wir nicht da sind.
Die Tür ist links oben. Das Grüne ist die Tafel, auf die weiße Fläche projiziert der Beamer, und der finster guckende Schüler ist frei erfunden. Das Bild animiert zum Anfertigen von Cartoons; vielleicht blogge ich in nächster Zeit die Abenteuer aus der 6. Klasse eher in grafischer Form.

11 Antworten auf „Erster Schultag 2010, neue Tischverteilung“

  1. Den meisten Lehrern ist die Anordnung der Tische wohl eher egal, oder sagen wir: es gibt Wichtigeres.

    Zu meiner Schulzeit, die knapp 20 Jahre zurückliegt, waren solche gruppendynamischen Prozesse eher unbeliebt. Ich erinnere mich, daß ein ähnliches Experiment (ich glaube, es war in der 8. Klasse) nach kurzer Zeit beendet wurde.

    Muss man als Klassleiter so etwas absprechen?

  2. hmm also ich weiss nicht, wir hatten in der schule einige Us das war nett aber natuerlich raumfressend. hier gefaellt mir nicht das sich fuer die „billigen plaetze“ an sich nich viel aendert und die mitte kaum mit dem aussen interagieren kann…

  3. Muss man als Klassleiter so etwas absprechen: ja, schon. Nicht dass das irgendwo geregelt wäre, aber Bescheid sagen und eine kleine Mehrheit dafür finden muss man wohl (je lauter, desto kleiner darf sie sein). In der 6. Klasse werden Deutsch, Englisch, Mathematik, Französisch/Latein, Geschichte und Religion im Klassenzimmer unterrichtet.

    Den Schülern gefällt das Umstellen schon. Was die nicht mögen, und was ich damals genauso wenig mochte, ist das Umsetzen oder Umstellen aus pädagogisch-disziplinarischen Gründen. Ich kam bei solchen Aktionen immer neben den Schwierigen Schülern zu sitzen, weil ich allgemein verträglich und beruhigend war und gute Leistungen hatte. So landete ich neben denen, die schon rauchten und auf wilde Partys gingen. Davon haben am Ende doch alle Parteien profitiert.

    „und die mitte kaum mit dem aussen interagieren kann…“ Ha, ich nenne das jetzt mal Binnendifferenzierung! (Hat man sehr.) Nicht nur verschiedene Aufgaben mit utnerschiedlichem Anspruch, auch verschiedene Arbeitsformen innerhalb einer Klasse… nein?

  4. Oh, dieses „pädagogische“ Umsetzen hatte ich auch dick. Aber als unauffälliger Schüler mit allenfalls mitelmäßigen Leistungen blieben mir solche Maßnahmen immer erspart, und der Platz in der letzten Reihe war mir immer sicher…
    In der 6. Klasse hatten wir allerdings eine Klassleitung, die alle zwei Monaten ein allgemeines Umsetzen veranstaltete. Das war zwar nicht sehr beliebt, hat aber der Gemeinschaft unheimlich gut getan.

  5. Ha, so ähnlich begann mein erster Schultag 2010 ebenfalls, wenn ich es auch pragmatisch handhabe: Ist eine Lerngruppe groß – äähhh, natürlich „klein“ – genug, damit eine Tischordnung funktioniert, in der sich alle sehen (U oder auch im Rechteck, mit dem Problem des „Mit dem Rücken zur Tafel Sitzens“), dann mache ich das. Bislang in 2 Oberstufenkursen. Kein pädagogischer sondern ein Grund in Sachen Classroom-Management:

    1. Gerade in Oberstufenkursen können Gesprächs- und Diskussionsprozesse in Lerngruppen dynamischer laufen, wenn sich alle sehen. Wenn die Lerngruppe diszipliniert genug ist, können dann auch Gespräche ohne Meldungen funktionieren. Es gibt also mehr und mehr keine moderierdende Zwischenstation, was dazu führt, dass die Schüler mehr miteinander sprechen als ständig nur zum Lehrer.

    2. Die Übersichtlichkeit verhindert unter dem Tisch stattfindende Aktivitäten bzw. lässt sie schnell für die ganze Lerngruppe sichtbar werden. (doch ein pädagogischer Grund ;-) )

    3. Als Lehrer muss man nicht immer „vor“ der Klasse, also mit dem Rücken zur Wand – äh… zur Tafel – positioniert sein, was das miteinander Lernen und den unterrichtsbezogenen Diskurs der SuS fördern kann. (siehe 1.)

    Allerdings räume ich nur um, wenn ich Lerngruppen habe, in denen das konsequent geht. Wenn ein U heraus kommt, in dessen Mitte dann doch wieder Paralleltische stehen, was bei 33er-Klassen fast immer der Fall ist, verzichte ich darauf. (Kosten-Nutzen)

    Und außerdem: Unterschiedliche Lernsituationen können unterschiedliche Tischordnungen verlangen. Gruppenarbeit, die nicht nur bei mir, sondern auch bei den SuS viel unbeliebter ist, als man meinen darf und deren häufige Ineffizienz auch die SuS beklagen, im U oder im Rechteck ist schwierig. Da dürfen es dann auch mal Gruppentische sein, wenn eine Gruppenarbeit wirklich sinnvoll ist.

    Um solche Umstellaktionen (vor allem in kleineren Klassen, denn in den Oberstufenkursen reicht meist das U bzw. das Rechteck) nicht zu Zeitfressern zu machen, hat es sich als hilfreich erwiesen, 1. die SuS mit den möglichen Tischordnungen vertraut zu machen und 2. bereits in der Vorstunde zu sagen, welche Tischordnung in der nächsten Stunde gebraucht wird. Wie bei Klassenarbeiten stellen die SuS dann nämlich schon in der Pause um und beklagen sich nicht einmal, dass das in der Pause passiert.

    Und außerdem: Ein U / Rechteck mag zwar ein Platzfresser sein, aber die im Idealfall entstehende Freifläche in der Mitte kann vielfältig genutzt werden ;-)

    Also doch alles pädagogisch? Naja, dann wären auch die Sitzordnungen bei Tagungen und Konferenzen pädagogisch, wenn sie je nach Themen und Arbeitsformen angeordnet sind. Pädagogisch ja, aber nicht in dem Sinne, dass eine Klasse über Sitzordnungen „gezähmt“ werden soll, sondern weil es methodisch und didaktisch sinnvoll ist.

    In meiner eigenen Schulzeit haben wir als Schüler sehr schnell bemerkt, welchen Zweck eine Sitzordnung hat – und die rein „disziplinarischen“ Umsetzungen fanden wir nie toll (außer wir merkten, dass zwei nebeneinander für beide von Nachteil war. Das empfinden übrigens auch heute Schüler teilweise so, sodass ich es schon erlebt habe, dass solche Schüler, die meist dick befreundet sind, von selbst um Trennung baten – um der Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Noten Willen.)

    Was unsere Schüler sonst noch kennen: Alle zwei Wochen wird in manchen Klassen eine neue Sitzordnung verlost. Und das Verrückte ist: Da der Zufall entscheidet (den muss man dann aber auch entscheiden lassen), gibt es zwar Konstellationen, in denen sich einander nicht vertraute SuS nebeneinander sitzen, aber kaum Proteste. Irgendwie empfinden SuS den Zufall dann doch als gerecht.

    Ups. Sollte ein kurzer Kommentar werden, in dem ich von den Sek-II-Sitzordnungen berichten (zu denen mich übrigens Jean-Pol Martins Praxis wieder motiviert hat). Und jetzt ist fast ein kleiner Aufsatz über Sitzordnungen geworden… Sorry.

  6. Aufsätze: gerne.

    „Unterschiedliche Lernsituationen können unterschiedliche Tischordnungen verlangen.“ Ja, aber im Alltag fange ich da kein großes Tischeumstellen an. Sicher nicht in 45-Minuten-Einheiten, dann eher eine Allzwecksitzordnung, die insgesamt ein Optimum an Möglichkeiten bietet. Gruppenarbeit mache ich ohnehin äußerst selten, Partnerarbeit allerdings öfter.

    Zufallssitzordnung: mal sehen, wie sich das in der 6. Klasse entwickelt, ich kann es Schülern und Lehrern ja mal anbieten.

    Heute habe ich mich bei der oben abgebildeten Tischordnung (die nicht ganz stimmt, ein bisschen mehr Luft ist in der einen Ecke, werde das bei Gelegenheit korrigieren) ganz besonders pädagogisch gefühlt. Ich setzte mich in der Stunde ganz hinten hin, an die Wand, mitten unter die Schüler. Also ans Kopfende der U-Form, da, wo üblicherweise der Gastgeber sitzt. Ich wollte nämlich tafelzentrierten Unterricht machen, aber nicht lehrerzentrierten. Es ging, Deutschunterricht, um die verschiedenen Arten von Attributen. „Plötzlich fielen Fische vom Himmel“ stand an der Tafel, mit viel Platz links und rechts von den Fischen. Die Schüler füllten nach und nach die Tafel, ich habe nichts angeschrieben, sondern nur dirigiert.
    Vielleicht ist mein einst mal erfundenes Wort „Dorsalunterricht“ gar nicht so dumm.

  7. Dorsalunterricht – kannst du das mal definieren oder zumindest von der Wortherkunft erklaeren?

    S

  8. Ich hab diesen Ausdruck mal in einem Kommentar bei Hokey eingebracht. So ein bisschen als Gegenreaktion auf Frontalunterricht-Bashing. Dorsalunterricht: mit dem Rücken zur Klasse unterrichten. (Dorsalflosse = Rückenflosse.)

    Das war’s wohl ursprünglich, bei meinem Beispiel oben ist nur die Blickrichtung geblieben. Passt also wohl doch nicht, der Ausdruck.

  9. Dorsal, ja , der Rücken ,der tut denen immer weh, die die den ganze Morgen nur nach links gucken und sich auch sehr verdrehen müssen. Mittlerweile bin ich für Schrägstellung, so dass alle sich ein bißchen drehen müssen. So fischgratmustermäßig.

  10. Zum Halbjahr gab es die Möglichkeit, Sitzplätze zu wechseln. Außerdem – man ist ja Informatiklehrer – darf sich jeder Schüler die Farbe seines Smileys in Form der Open-Office-Farbbezeichnungen selber aussuchen. (Vorschlag der Schüler.)

    Außerdem habe ich folgende Neuerung vorgeschlagen: Einmal vergessene Hausaufgabe: Smiley kriegt eine Kotelette aufgezeichnet; beim zweiten Mal die andere Kotelette, beim dritten Mal einen Bart. Nach Protesten der Mädchen: für die Jungs so ähnlich, nur mit Schminke. Ich weiß noch nicht, ob ich das durchziehe.

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