Percy Jackson – Diebe im Olymp

Am Freitag war ich mit der 6. Klasse im Kino. Den Schülern hat der Film gefallen, das ist das wichtigste. Ich selber fand ihn routiniert, aber profillos. Schön war es allerdings, die griechischen Götter mal wieder zu sehen. Ich bin auch schon auf die Neuverfilmung von “Kampf der Titanen” dieses Jahr gespannt.

Einige neue Gedanken hat der Film (oder die Buchvorlage) der Mythologie dann doch abgewonnen. Gefallen hat mir “Auntie Em’s Garden Emporium”, ein Laden für Gartenzubehör, also vor allem diese Statuen, die man gerne in großen Gärten aufstellt. Große, weiße, lebensechte Statuen. Da ahnt man schon, wer “Auntie Em” ist.
Auch das Lotusesser-Casino in Las Vegas war eine schöne Umsetzung: man bleibt dort, genießt die tatsächlichen oder eingebildeten Freuden des Lebens und merkt nicht, wie einem die Zeit gestohlen wird. Zuschauer und Helden glauben, dass die Handlung dort wenige Stunden spielt; tatsächlich vergehen einige Tage, bevor die Helden entkommen. Verwundert hat mich nur: Percy entdeckt das Geheimnis der Lotusesser unter anderem dadurch, dass er einen jungen Mann beim Flipperspielen sieht, und zwar einen French-Connection-Flipper. French Connection ist ein Filmklassiker von 1971, und mindestens seit dieser Zeit ist der Mann im Casino und glaubt immer noch, es sei das Jahr 1971. Schock! Aber wer im Publikum kennt denn bitteschön French Connection? Percy will den Film vielleicht mal auf DVD gesehen haben, aber selbst das würde mich wundern. Hätte man da nicht einen Film nehmen können, den das Publikum auch tatsächlich als alt identifizieren kann? Aber vielleicht liegt das Problem ja wirklich darin, dass es für ein, sagen wir, vierzehnjähriges Publikum keinen solchen Film geben kann. Da ist Der weiße Hai genau so alt (und genau so unbekannt?) wie E.T., Terminator oder Matrix?

Immer wieder schön: griechische Götter in New York. Ich muss endlich mal “Das Nachtleben der Götter” von Thorne Smith lesen, da treiben sich die Götter eben auch in New York herum. Das Buch habe ich vor zwanzig Jahren im Regal gesehen, in der schönen Ausgabe der Bibliothek der phantastischen Abenteuer von Fischer, habe es durchgeblättert und nicht mitgenommen. Das reut mich die letzten Jahre immer wieder. Smith kennt man – wenn überhaupt – durch die Topper-Romane beziehungsweise deren Verfilmungen. Auch das “Nachtleben der Götter” ist verfilmt, aber fast unbekannt, eine Kritik bei der Internet Movie Database klingt äußerst interessant, auch wenn sie dem Film nur begrenzt Lob zollt.

Halbwegs originell: Percy Jackson hat Legasthenie, ihm verschwimmen die Buchstaben immer vor dem Augen. Die Erklärung: er ist in Folge seiner göttlichen Abstammung nun einmal auf griechische Schrift ausgelegt. Außerdem ist bei ihm ADHS diagnostiziert, und daran finde ich am bemerkenswertesten, dass diese Abkürzung dem Publikum nicht erklärt wird. Kann man davon ausgehen, dass das jedem Zwölfjährigen schon ein Begriff ist?

Am wenigsten gefallen hat mir bei Percy Jackson die Darstellung des Hades und seines Reiches. Die Unterwelt ist kaum von der populären Vorstellung von der christlichen Hölle zu unterscheiden: verdammte Seelen und Feuer überall. Hades erscheint als Feuerdämon, der in die Unterwelt verbannt wurde und deswegen beleidigt ist. Keine Asphodeloswiese, keine Elysischen Felder, kein Lethe. Dabei ist die mythologische Unterwelt doch viel interessanter als dieser Ausschnitt. Und ja, auch bei den Griechen ist einer der Unterweltflüsse ein Fluss aus Feuer, und Hades keiner der geselligsten oder freundlichsten Götter. Aber er ist eben so viel mehr als das. – Möglicherweise ist die Buchvorlage da differenzierter, zumindest lässt diese Karte zur Unterwelt von einer Percy-Jackson-Fanseite das vermuten.

(Am Anfang hat mich auch noch gestört, dass die Film-Persephone sich exakt so verhält, als sei sie aus Desperate Housewives entsprungen. Aber inzwischen gefällt mir das vielleicht sogar.)

Uninteressant fand ich außerdem die Handlung. Zum einen war von Anfang an klar, wer der Schurke ist. Zum anderen ist der Film voller fadenscheiniger MacGuffins. Ein MacGuffin kann ein schönes Symbol sein oder eine plattes Mittel, um die Handlung voranzutreiben. Der große MacGuffin im Film ist der gestohlene Blitz Zeus’, der nur dazu da ist, dass man etwas hat, dem man hinterherjagen kann. Es hätten auch die silbernen Rührlöffel Hestias sein können. Dann gibt es noch drei kleine MacGuffins in Form von blauen Kugeln, weil dem Buch oder Drehbuch sonst kein Grund eingefallen ist, die Helden an drei verschiedene Wir-erleben-ein-Abenteuer-Stationen zu schicken. (Sie brauchen die Kugeln, um aus der Unterwelt herauszukommen.)

Und zum Schluss will ich noch wissen, welche griechische Göttin das gewesen sein soll, die am Schluss im Rat der zwölf Götter so platt gesagt hat: “Krieg kann nicht die Antwort sein.” Die hat dann aber in der Ilias nicht mitgespielt.


Was ist eigentlich mit Chris Columbus passiert? Seine erste Regiearbeit, Adventures in Babysitting, war hervorragend. “Home Alone” war solide, aber alles nach und eingeschlossen “Mrs Doubtfire” war vielleicht erfolgreich, aber nicht interessant, die Harry-Potter-Filme eingeschlossen. – Vielleicht lege ich auch die falschen Kriterien an. Ich mag Kinder- und Jugendbücher und ‑filme. Bei denen ist aber vor allemn wichtig, dass sie Kindern gefallen. Gibt es überhaupt Kinder-/Jugendfilme, die Erwachsenen und Kindern gefallen? Mir fällt da gleich “Die 5000 Finger des Dr. T” ein, ein vergessenes Schmuckstück* von Kinderfilm, das Kindern kaum gefallen dürfte. Wenn ich es recht überlege, kommt der Film aber auch bei Erwachsenen nicht an… die guten Videos bei Youtube sind leider in Deutschland nicht zu sehen, aber hier ist ein Ausschnitt:

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*Erwähnt wird der Film allerdings in Die Rose von Alexandria von Manuel Vázquez Montalbán, auch wenn eine Zuschauerin ihn “langatmig” findet. Wie dieser Film in diesen Krimi gekommen ist, das frage ich mich noch heute.

14 Antworten auf „Percy Jackson – Diebe im Olymp“

  1. Es ist jedesmal ein Genuß, Ihre Rezensionen lesen zu dürfen! Ich fühle mich immer ein wenig an den Deutschunterricht erinnert… #sentimental :-)

  2. “Ich fühle mich immer ein wenig an den Deutschunterricht erinnert…” Ich nehme das mal als Kompliment, aber man weiß ja nie… :-) Ich schreibe hier aber nicht bewusst als Deutschlehrer, bereite mein Material nicht für eine Schüler-Zielgruppe auf und kümmere mich vor allem um meinen eigenen Flow. (Das nur, weil einem mal der Flow bei einem meiner schwierigeren Beiträge gefehlt hat.)

  3. “Persiflage eines Rezept aller Oskar-gewinnenden Filme”: Und ich habe sie alle gesehen. Oder zumindest gemieden – “Drama” mag ich gar nicht, für mich bitte nur Genre.

    Aus den Kommentare zu Film und Buch lese ich meist ein: “für die Zielgruppe perfekt” heraus, aber den Erwachsenen gibt das Buch wohl nicht so viel.

  4. Ich würde den Film jedem empfehlen. Man sollte sich nur, wenn man sich mit griechischen Sagen nicht auskennt, kein falsches Bild von z.B. der Unterwelt und anderen Göttern machen.
    Gut finde ich, dass jeder Gott seinen eigenen Charackter, der im Film manchmal verändert wird, hat (Hades will im Film die Welt beherrschen – in den gr. Sagen ist er “zufrieden” mit der Unterwelt. Die Götter sind neidisch und rachsüchtig nicht wie der biblische Gott…wie in der grichischen Mytologie auch.
    Oje, hoffentlich konntroliert Herr Rau das nicht auf Rechtschreibung und Zeichensetzung!!!

  5. Hallo, Thomas,
    da müssen wir glatt mal wieder einen trinken gehen… ich hab den “Percy Jackson”-Film am Donnerstag gesehen und habe mich, ehrlich gesagt, ziemlich darüber geärgert.
    Was mir vor allem so sauer aufgestoßen ist, ist diese “du musst nichts lernen, du musst nicht arbeiten, nicht trainieren – irgendwann kommt alles von selbst”. Percy Jackson lernt weder in der Schule (da tagträumt er lieber) noch in seinem komischen Wehrsport-Camp (von dem er ja gleich wieder ausbüchst) – alles ergibt sich irgendwo von selber (während Vorbild “Harry Potter” ja in seiner Schule durchaus pauken muss und ihm seine Schul-Zaubersprüche oft genug den Kopf retten). Nee, diese “Message” fand ich reichlich beängstigend…
    Grüße, Bernhard.

  6. Max, Rechtschreibung ist schon wichtig, aber ich wäre ein schlechter Gastgeber, wenn ich da meinen Gästen irgend etwas vorwerfen würde.

    Bernhard, war mir gar nicht so aufgefallen. Zugegeben, es ergibt sich alles von selber, aber Percy kann ja dann auch nicht wirklich etwas, das mich beeindrucken würde. So geht es mit manchen echten Erfolgsgeschichten ja auch. Aber ja, auch die Ausbildung in diesem merkwürdigen Lager scheint nicht wirklich nötig zu sein.
    Weggehen: Ich habe auch einen Satz Astro-City-Comics für dich.

  7. Darf man im Internet nicht so schreiben wie man will?!

    Das Buch von Percy Jackson ist ganz anders als der Film.
    Könnten wir das mal als Lektüre lesen?

    LG

  8. Percy Jackson als Lektüre: Von mir aus gerne, wenn der Rest nichts dagegen hat.

    Rechtschreibung: im Internet darf man tatsächlich so schreiben, wie man will. In der Schule übrigens auch, nur kriegt man als Folge halt schlechte Noten. Im Internet ist die Folge lediglich, dass man möglicherweise nicht so ernst genommen wird. Das hängt aber davon ab, ob es Fehler sind,
    – die auf Flüchtigkeit hinweisen (kann in der Eile passieren)
    – auf Unwissenheit (am schwierigsten zu bewerten)
    – auf Coolheit (kommt bei Erwachsenen jeden Alters schlecht an)
    – oder auf Unhöflichkeit (“das ist mir nicht wichtig genug, um mich zu bemühen”).

    So oder so gilt Hermanns Gesetz.

  9. Zum glück wird man im Intern@ nicht benotet^^
    Ich kenn viele Leute die ine 6 bekommen würden. xP

  10. Hallo!
    Ihre Ansicht über den Film, fand ich sehr interessant. Mir prsl hat er gut gefallen (13-jähriger Teenager ;- )), aber die Fehler mit der griechischen Mythologie springen schon ziemlich ins Auge. Mich hat auch sehr aufgeregt, dass der Schauspieler Logan Lerman, der Percy verkörpern soll, ganze 18 Jahre ist, wobei die Buchfigur 12 ist. Na, ja… Die verwendeten McGuffys finde ich nicht soo schlimm, denn sie gestalten die Handlung interessant und man sollte bedenken, dass ein Film immernoch unterhalten soll. Die verwendeten Filmtitel und das Wort “ADHS” waren mir mit Gymnasialbildung der achten Klasse schon ein Begriff, aber man kann Zweifel darüber sicherlich nachvollziehen.

    lg Liz

  11. Danke für den Kommentar. Es ist mir immer Ehre und Vergnügen, wenn Schüler hier kommentieren. Am meisten am Film hat mich das Absehbare gestört und das nicht genügend motivierte Herumreisen.

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