Was ist eigentlich mit der Feder meiner Tante los?

Gerade höre ich „Je t’aime“ in der Version des Ukulele Orchestra of Great Britain, voller Klamauk und frrrrranzösischen Wörtern, die nicht unbedingt alle immer zum Lied passen. Zwischendurch kommt auch ein gemurmeltes „la plume de ma tante“.

Diese Wörter verfolgen mich mein ganzes Leben begegnen mir immer wieder. Das erste Mal war in Badende Venus (Bathing Beauty, 1944, Esther Williams, Red Skelton). Dort lernt Red Skelton Französisch, oder tut zumindest so, um Esther Williams nahe sein zu können. Und so wiederholt er brav die Sätze aus seinem Schulbuch: „J’ai perdu ma plume dans le jardin de ma tante“, „Ich verlor meine Feder im Garten meiner Tante.“

Oookay. Endlich habe ich einen Hinweis darauf, was es wohl damit auf sich hat. Im Englischen – und wohl auch Amerikanischen, zumindest früher mal – ist das ein Satz, den man von sich gibt, wenn man scherzhaft demonstrieren will, dass man Französisch kann, aber ohne dass man etwas zu sagen hat. Im Französischen lautet das Äquivalent wohl: „My tailor is rich.“ (Und das kenne ich auch irgendwoher. Ist das geheime Erkennungszeichen fürs Ungarische wohl: „Mein Luftkissenboot ist voller Aale?“)

(Siehe auch: It want the vehicle!)

17 Antworten auf „Was ist eigentlich mit der Feder meiner Tante los?“

  1. .. but my English is poor. Assimil Methode, Frankreich 1929. 1. Satz aus dem Lehrbuch für englischlernende Franzosen. Versuche gerade mich daran zu erinnern, wie der erste Satz in meinem Englischbuch lautete. Mir fällt spontan leider nur der erste aus dem Lateinlehrbuch ein: „Marcus et Cornelia in Colosseo sunt.“ Auch mein Französischstarterkit ist mir entfallen. Schade, vielleicht träume ich davon…

  2. Der Satz taucht auch mit Teefax in dem uns wohlbekannten kleinen gallischen Dorf auf.
    Obelix stellt während des Wildschweinimbiss‘ fest:
    „Schöne Sachen hast du da an.“
    Teefax: „Das ist Stoff von Kaledonien. Wir nennen es Tweed!“
    Obelix: „Teuer?“
    Teefax: „Mein Schneider ist reich.“
    Manche Gags sind halt nicht übersetzbar…

  3. Außerdem muss es nicht so heißen:
    Marcus hodie in colosseo est. Sed ubi est Cornelia?
    Ibi stat. Marcus videt et gaudet.

  4. Marcus hodie in colosseo est.
    Sed ubi est Cornelia?
    Marcus diu expectat.
    Subito videt. Ibi Cornelia stat.
    Marcus gaudet et vocat.
    Et Cornelia Gaudet et salutat.

    Alles aus dem Gedächtnis – und ohne Latein in der Schule gehabt zu haben ;-)
    Grüße, Bernhard.

  5. Ihr merkt euch Sachen… mein Englischbuch begann mit „Look, a boy. Good morning, Bob. Look, Bob’s sister. Good morning, Maud.“ Das zählt aber nicht, da ich das Buch noch habe und nachschauen konnte.

    Ein gutes Buch übrigens. Nicht bunt. Viel Text.

    Barbara, danke für die französische Spur. So etwas hätte ich jetzt noch gerne für die Feder und den Garten.

  6. Bernhard hat recht. So muss es heißen. Cursus Latinus Band I . Bringen wir den Schülern nicht bei, dass Erste (!) Sätze, etwa in einem Roman, von besonderer Bedeutung sind? „Jemand musste Josef K. verleumdet haben.“ „Nennt mich meinetwegen Ismael.“, „Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde“, „Gallia est omnis divisa in partes tres.“

  7. Danke für das Ungarische, musste herzhaft lachen. Muss die DVD mal wieder gucken…
    Zur Feder der Tante scheint es auch ein Theaterstück aus den 1950er/1960er zu geben…

  8. Mein Englischdozent für Translation an der Uni Gö hat immer den Ausdruck la plume de ma tante angeführt für den nicht korrekt angewendeten of-Genitiv. Das ist mir beim Lesen des Eintrages wieder eingefallen. Jetzt weiß ich endlich woher er das hat.

  9. Also das Lateinbuch, das wir in der siebten hatten fing anders an. Nämlich so:
    „Ave Caesar!“ poppulus clamat.
    „Ave Caesar!“ Clamat et Marcus Domitius.
    Valde gaudetnam modo imperator intrat!

    Die Geschichte scheint aber in sämtlichen Ausgaben die Gleiche geblieben zu sein.

  10. Ich vermute, dass die plume irgendetwas mit „Au clair de la lune“ zu tun zu haben wird. Dazu die WP (http://de.wikipedia.org/wiki/Au_clair_de_la_lune):
    „Der Originaltext der zweiten Zeile der ersten Strophe lautete ursprünglich wohl Prête-moi ta lume (lume = lumière), also „Leih‘ mir Dein Licht“, statt plume (Schreibfeder), was in dieser Form mehr dem Sinn des gesamten Liedes entspräche.“ (Was für ein Kinderlied bemerkenswerte Anspielungen und was für eine Suche da vorkommt, findet man da auch.)

    Damit ich schnell noch meine ersten Sätze beisteuere:
    Jim in camp. It is six o’clock in the morning …
    Rhenus fluvius est.
    Und aus dem Lateibuch meiner großen Geschwister:
    Amicus vocat.

  11. Hm, „j’ai perdu ma plume dans le jardin de ma tante“ klang für mich auch immer ein bisschen zweideutig, ohne dass ich wirklich einen Hinweis darauf hätte. Aber vielleicht unterstelle ich das dem Französischen nur aus Prinzip.

  12. „Aber vielleicht unterstelle ich das dem Französischen nur aus Prinzip.“ Das hört sich interessant an: kannst du da ein wenig in die Tiefe gehen?

  13. Eddie Izzard hat La Plume de ma Tante auch schon verewigt, wenn er über seine Erfahrungen im Sprachlabor in der Schule in Latein, Französisch und Deutsch (!) spricht.

    http://www.youtube.com/watch?v=qnJxafaOGbQ

    Wo ist das Kind, mein Herr?
    Das Kind ist in dem Flughafen.
    Ja, aber warum?
    I’ve no idea, perhaps he likes aeroplanes.

  14. Das habe ich erst neulich gesehen…. hätte schwören können, dass das hier verlinkt war. Aber entweder jemand hat es gefressen oder das war über Twitter oder so was. Merci jedenfalls.

  15. Der Satz ist etwa eine Zusammenfasung der Theorie über den Ödipuskomplex. Der Verlust der Feder (die Kastration), ist dei Bestraffung wegen ich im meiner Tante „Garten“ gespielt habe. Freud meinte das in Ödipuskomplex viel oft die Tante der Rolle der Mutter spiel ,als eine Verschiebung um die Zensur des Superego zu täuschen.

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