Sparen an den Lehrern

Vor knapp zwei Wochen hat die bayerische Regierung beschlossen, bei den Beamten zu sparen, auch bei den Lehrern: wer neu am Gymnasium anfängt, wird erst einmal nach A12 bezahlt. Außerdem kriegen die bayerischen Beamten eine Nullrunde (keine Inflationsanspassung der Bezüge), es gibt eine Wiederbesetzungssperre von 12 Monaten (wenn Stellen frei werden, werden sie solange nicht besetzt – eigentlich: nicht bezahlt), die Leistungsbesoldung wird gekippt (bisher gab es für besonders engagierte Lehrer die Chance, einen finanziellen Bonus zu kriegen). Daneben gibt es weitere flankierende Sparmaßnahmen.

Das ist bisher nur ein Beschluss der CSU, der Landtag muss das erst nächsten Monat beschließen, aber dann gilt das. Es heißt, diese Maßnahmen seien erst einmal auf einige Jahre beschränkt.

Der bayerische Philologenverband sammelt hier Unterschriften dagegen. Ich habe unterschrieben, auch wenn ich sonst selten die gleiche Meinung vertrete wie der bpv. Ich halte das Sparen an den Einsteigern für falsch.

Einmal wird der Beruf dadurch noch unattraktiver und noch mehr gute Leute suchen sich dann etwas anderes. Und ich glaube, dass der Lehrerberuf gute Leute braucht. Mehr davon.
Ich vermute außerdem, dass mittelfristig geplant ist, A12 flächendeckend einzuführen und nur mit Funktionsstellen mal A13 springen zu lassen. Das passt dann auch zum Bachelor-Schnellstudium, das sicher auch auch mal das bisherige Staatsexamen ersetzen wird. Den Leuten wird man dann auch nicht so viel bezahlen müssen. Man kriegt dann natürlich auch weniger qualifizierte Leute, zumindest wissenschaftlich qualifiziert.

Macht das was? Na, je nachdem, wie man sich Lehrer am Gymnasium in Zukunft vorstellt. Da gibt es, ehrlich gesagt, bereits jetzt einiges zu verbessern.

Der Untergang des Abendlands ist das natürlich noch nicht. Und irgendwo soll der Staat ja auch sparen. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass es da bessere Möglichkeiten gibt.

Das ganze kann bei angestellten Lehrern nicht passieren, da kann der Staat nicht so einfach Gehälter verordnen, sondern muss Tarifverträge abschließen. Das ist auch ein Grund, warum ich gegen die Verbeamtung von Lehrern bin. Deshalb habe ich neulich bei der Abstimmung beim Lehrerfreund dahingehend abgestimmt. Da kam als Ergebnis allerdings heraus, dass die verbeamteten Lehrer zum Großteil für die Beibehaltung des Beamtenstatus waren, die nicht verbeamteten dagegen. (In den Kommentaren sind die Begründungen aber sehr kurzsichtig. Da sind Leute gegen die Verbeamtung, weil sie selber auch keine Beamte sind. Nicht sehr logisch.)

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11 Thoughts to “Sparen an den Lehrern

  1. Auauau, das haben wir seit Jahren. Dass Bayern was aus Rheinland Pfalz abguckt , ist schon was besonderes.
    Kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, drei Nullrunden und schon liegen wir 200 € pro Monat unter den Besoldungen der Nachbarländer.
    Die neuen Lehrer , vor allem die mit Naturwisssenschaften, gehen also sofort nach Hessen oder NRW.
    Die Stimmung ist entsrpechend. Da es kaum Beförderungen gibt, ist die Luft raus.
    Der Spruch mit dem Stundenlohn, den man als einziger selbst bestimmen kann, macht seine Runde.
    Ach ja, und 26 Wochenstunden Unterricht, wenn man Abitur hat. Jaja, ich weiß, nach dem Mündlichen sind die Schüler ja weg. Aber dass man die Aufgaben entwicklen muss und später die Korrekturen und Zeitkorrekturen macht, haben sie vergessen.
    Man geht am Stock.

  2. Auch wenn die Lehrer am Gymnasium aus Sicht der Grundschullehrer (Und ich frage mich immernoch, ob und wo Grundschullehrer weniger/qualitativ minderwertiger arbeiten oder weniger Verantwortung übernehmen müssen. Aber das nur nebenbei.) auf relativ hohem Niveau jammern ;) ist es doch erstaunlich, wie unwichtig der bayerischen Regierung die Bildung ist/geworden ist.

    Während an den Grundschulen in den letzten Jahren groß verkündet wurde, dass es mehr Aufstiegschancen und Leistungsbesoldung geben soll (Weswegen natürlich auch sofort mehr Beurteilungen geschrieben werden mussten. …ach ja,… hat davon eigentlich schon jemand was gesehen???), wird jetzt an den Gymnasien gekürzt. Da kann sich die Grundschule ausrechnen, wie weit es mit den Verbesserungen her ist!

    Schlecht bezahlte Lehrer sind weniger motiviert. Warum sollte das bei Lehrern auch anders sein, als bei jedem anderen Arbeitnehmer? Und unmotivierte Lehrer leisten schlechtere Arbeit. Auch das ist nicht anders als in jedem anderen Betrieb.

    Wenn man sich überlegt, dass die Bildung der Kinder/Jugendlichen einer DER Standortfaktoren in Bayern ist, ist es ein Armutszeugnis, dass die bayerische Regierung nichteinmal dafür sorgt den Status Quo zu erhalten, geschweige denn zu verbessern.

    Und hier kommt ein wichtiger Punkt ins Spiel, der gegen die Verbeamtung von Lehrern spricht:
    Wären Lehrer nicht verbeamtet dürften sie streiken. Es wäre sicherlich interessant zu sehen, wie schnell die Regierung dem Druck der Eltern nachgeben müsste. Zumal es dann ja auch an die Wählerstimmen ginge…

  3. Das erinnert mich daran, wie damals viele Referendare in Schleswig-Holstein begeistert die Pläne der Landesregierung feierten, die beinhalteten, die zweite Staatsexamensarbeit abzuschaffen, bis ihnen „von unten“ klargemacht wurde, dass ihnen damit automatisch ein Einstieg in den höheren Dienst (A13) verwehrt bleiben würde.

    Wenn ich auf die südlichen Länder schaue, stellt sich bei mir immer ein Gefühl zwischen Solidarität und Unverständnis ein. Solidarität deswegen, weil Dinge gestrichen werden, die es bei uns schon seit Jahren nicht mehr gibt – wir haben uns schon an die Reallohnverluste gewöhnt – das ist nicht gut.

    Unverständnis deswegen, weil der Stellenschlüssel noch(!) ein ganz anderer als hier im Norden zu sein scheint: Hier sitzt z.B. der Großteil der A14er ohne jedwede Stundenreduzierung auf Stellen, die im Süden aber sowas von A15 mit(!) Stundenreduzierung wären… Schaut rauf zur Nordsee und ihr werdet sehen, was euch noch blüht :o)… Wir haben es schon hinter uns.

    Ich bin übrigens als verbeamteter Lehrer auch gegen die Verbeamtung von Lehrern. Konkurrenzfähig würde der Staat gegenüber der freien Wirtschaft, wenn wir alle direkten und indirekten Subventionen streichen und dadurch einen fairen Wettbewerb sicherstellen.

    Ob es z.B. der Autoindustrie heute so gut ginge ohne die Abwrackprämie und die staatlich geförderte Kurzarbeit? Ob es in verstaatlichten Banken noch derart hohe Managergehälter gäbe?

    Ob die Verbeamtung volkswirtschaftlich günstiger kommt, wage ich auch zu bezweifeln – für die Länder ist es natürlich „billiger“.

    Auch bin ich gespannt auf die Reaktionen der Eltern, wenn im Tarifkonflikt die vormit- bis mittlerweile ganztägliche Kinderbetreuung zusammenbricht…

    Den Lehrerberuf unattraktiv zu machen, birgt noch ein anderes, der Öffentlichkeit wenig bewusstes Problem: Man kumuliert in erheblichen Maße ideelle Macht, wenn eine Mehrheit von den Diensten einer Minderheit abhängig ist – das sieht man sehr hübsch an Dingen wie Lokführerstreiks oder im Gesundheitssystem – theoretisch kann dann diese Minderheit sehr viel fordern ohne selbst viel ändern zu müssen… (was im Schulsystem aber schon notwendig wäre). Theoretisch. Ärzte und Lokführer leisten ja etwas.

  4. Croko hat ja oben schon was zu Rheinland-Pfalz geschrieben. Die A12-bei-Einstellung-Maßnahme kenne ich auch aus NRW (wo ich Referendariat gemacht habe). Dort wurde das einige Jahre so praktiziert, als es zu viele Lehrer gab und jeder gern einen Job wollte. Teilweise war es wohl auch so, dass man zwangsweise auf eine 3/4-Stelle gesetzt wurde, nach A12 bezahlt. Die Kollegen, die davon betroffen waren, haben dann lange Jahre darum gekämpft, nicht nur eine volle Stelle, sondern auch das A13-Gehalt zu bekommen, dass die schon hatten, die länger im Dienst waren.

    Ich sehe Bildung als wichtigen Standortfaktor nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Gerade in Zeiten des Lehrermangels in vielen Fächern kapiere ich nicht, dass der Beruf auf diese Art noch unattraktiver gemacht wird…

    Zu Marias Kommentar oben: In den östlichen Bundesländern gibt es fast nur angestellt Lehrer. Da könnte man doch mal schauen, was passiert, wenn die streiken.

  5. Das mit der Staatsexamensarbeit, Maik, leuchtet mir ein. Generell dürfte gelten: je mehr Semester Mindeststudienzeit, je mehr Examina, desto höhere Besoldungsstufe. Schon deshalb bin ich für ein gründliches Studium – und weil ich fachliche Sicherheit in jeder Schulart für wichtig halte.

  6. Lieber Herr Rau,

    bitte nicht böse sein: Für jemanden aus Brandenburg klingt das…wie drücke ich mich nur richtig aus…

    Hier im ländlichen Brandenburg gibt es zwei A15 Stellen an einer Schule-die Rektorin und der Oberstufenkoordinator haben sie bei uns. Fachleiter/Fachkonferenzleiter machen die Arbeit für lau, sie haben weder Befugnisse, noch eine Abminderungsstunde (höchstens DEu/ MA/EN). Dann gibt es noch zwei Jahrgangstufenleiter mit jeweils 6 Stunden Abminderung. Der Stelli hat 10 Std Abminderung und eine A14 (macht aber Stunden- und Vertretungsplan).
    Es gibt weder Weihnachtsgeld, noch Urlaubsgeld, keine Abminderungen (nach Gutdünken darf der SL für SekII Einsatz eine Stunde verteilen), keine Klassenleiterstunde, keine Korrekturtage und wenn dann ab April die 13.Klasse schriftliches und mündliches Abitur macht, dann werden die die ausfallenden Stunden als Minusstunden gezählt und müssen vertreten werden. Ach so: Klausuraufsicht zählt statistisch nur als Aufsicht und nicht als gehaltene Unterrichtsstunde, also auch als Minusstunde.

    Aber jetzt habe ich schon wieder rumgejammert…

  7. In Hessen gab es in den vergangenen 10 Jahren Reallohnverluste von Lehrern von ca. 20%, trotz des Einstiegs am Gymnasiums mit A13. Ganz ehrlich: A13 ist ein gutes Einkommen, aber angesichts des Einkommens von Freunden mit ähnlicher Uni-Ausbildung und angesichts faktischer 60-Stunden-Wochen (bei 30 Urlaubstagen und „Ferienvorteils“ lächerlich. Ich bekomme zunehmend das Gefühl, die Rede von guter Bildung hört dort auf, wo es darum geht, gute Leute in die Bildung zu bekomme. Mit sinkendem Einkommen sinkt auch die Qualität der Lehrenden und damit die Qualität des Unterrichts und damit die wirtschaftliche Kraft eines Bundeslandes bzw. der Bundesrepublik.

    Ich bin dir für deine Darstellung dankbar, weil sie einmal mehr die Realität eines der schönsten Berufe, die ich kenne, darstellt, eine Realität, die manchmal an der Berufswahl, bei aller Motivation und Freude für die Arbeit, zweifeln lässt…

  8. Passt schon, Cindie. Ich jammere ja auch. Da hilft es nur nichts, wenn es anderen besser oder schlechter geht – aber es ist gut, daran erinnert zu werden.
    Wenn man nirgendwo sinnvoller sparen kann als bei den Lehrern, dann muss es halt sein. Ich glaube aber nicht, dass das so ist, weder hier noch in Brandenburg.

  9. Tschuldigung, habe das Zitat vergessen, auf das sich mein Kommentar bezieht: „keine Klassenleiterstunde, keine Korrekturtage und wenn dann ab April die 13.Klasse schriftliches und mündliches Abitur macht, dann werden die die ausfallenden Stunden als Minusstunden gezählt und müssen vertreten werden.“

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