Ich verliere den Kontakt zu den Schülern

Wir haben eine schmucke Theke in unserem Lehrerzimmer, dahinter Spülmaschine, Kaffeemaschine, Wasserhahn, dergleichen. Jede Woche sind zwei Lehrer zum Küchendienst eingeteilt, die die Spülmaschine befüllen, die Theke wischen, obwohl natürlich jeder Kollege gehalten ist, selbst auch auch Sauberkeit zu achten. Am Freitag fand ich einen Zettel in meinem Fach, dass ich diese Woche dran sei.

Also habe ich mich natürlich fein gemacht. Weißes Hemd mit Fliege und dunkler Weste dazu. (Hätte gerne mehr auf Barmann gemacht heute, hatte aber zwei Vertretungsstunden.) Und eine ordentliche rote Bistroschürze, Modell Vorbinder 100x100 (so wie hier).

6 verschiedene Klassen habe ich heute unterrichtet, fremde und eigene, sieben Stunden insgesamt. Kein Schüler hat auch nur eine Augenbraue gehoben. Gut, die Schürze hatte ich nur hinter der Theke an, aber man sollte meinen, Fliege und Weste allein sei eine Reaktion wert. Bis auf ein Schmunzeln in einer 9. Klasse: nichts. Nada. So ähnlich war das schon 2001 zum ersten Towel Day zur Erinnerung an den früh gestorbenen Douglas Adams, als viele Leute, mich eingeschlossen, den Tag mit einem Handtuch auf der Schulter verbrachten. Weil es im Notfall immer gut ist zu wissen, wo man sein Handtuch hat. Ging unkommentiert an den Schülern eines ganzen Vormittags vorbei.

14 Antworten auf „Ich verliere den Kontakt zu den Schülern“

  1. Falls es sie beruhigt, ich musste grinsen, als ich gesehen habe, wie sie sich in der Klamotte die Schürze umgebunden haben ;) Auch wenn ich den Grund noch nicht kannte.
    Abgesehen davon: Die verschiedenen T‑Shirts sind auch immer gut für ein stilles Lachen, wenn man blöd vor dem Lehrerzimmer rumsteht :D

  2. Entfremdung?
    Das Gegententeil scheint der Fall: Die Schüler ham sich schlicht daran gewöhnt, von einem Nerd unterrichtet zu werden :D

  3. Das wollte ich natürlich hören :-)

    Freut mich, Theresa, dass mein unermüdlicher Einsatz doch wahrgenommen wird!

  4. Das “schlicht” ist natürlich richtig, aber warum gewöhnen sich auch junge Leute einfach so an alles? Und NERD kann natürlich auch verletzen, vor allem, wenn man sich so anstrengt aufzufallen! Aber nicht aufgeben: Schule muss Spaß machen, sonst fehlt der “Dünger fürs Gehirn” (Hüther).
    Take care :-)

  5. Geh doch mal nackt, ist weniger Aufwand und es merkt eh keiner. Des Raus neue Kleider, ach der nu wieder, der hat doch immer was flippiges an. ;-)

    Vielleicht haben sich die Schüler wirklich dran gewöhnt, aber sicherlich schadet es auch weiterhin nicht. Lehrer mit Persönlichkeit sind doch immer toll. Auch wenn es keiner ausdrückt, kommt das sicher viel besser an, als tagein tagaus im Mathematiker-Pullunder vorne an der Tafel zu zetern.

  6. Wobei ich meistens alles andere als besonders schick oder geschmackvoll bin, sondern halt nur gelegentlich mal mit etwas Ausgefallenerem komme.

  7. Ähhh, neee, lieber Herr Rau, da täuschen sie sich vermutlich gewaltig. Schüler sind einfach nur Meister im Pokerfacen. In jahrelangem Hausaufgaben vergessen gestählt. Ich wette einen Riesen-SexOnTheBeach darauf, dass sie Gesprächsstoff waren.

  8. Gepflegtes Äußeres als Lehrer, auch mal ausgefallenes oder flippiges, finde ich immer gut. Das erhellt den grauen (Schul-)Alltag und ist vor allem auch Ausdruck einer Art Wertschätzung den SchülerInnen gegenüber.

  9. Ach deshalb der feine Aufzug! Ich habe Ihnen doch von einem anderen Lehrer etwas ausgerichtet und somit darauf reagiert! ;)

  10. Und wieder: Respekt, Herr Rau. Uns fehlen eindeutig die Männer im Kollegium, traurig, aber wahr.
    Gab es denn wenigstens noch Cocktails in der Mittagspause?

  11. Stimmt, Laura, das zählt und hat mir den Glauben an die Schüler wieder gegeben. :-)

    Cocktails gab es dann nicht, weil gerade aus halbjahreszeitlichen Gründen viel Arbeit für alle, insbesondere für den Erklärbär Herrn Rau. Ich bin ja auch kein Freund des Espressokapselerzeugers, sondern bediene nur die reguläre Kaffeemaschine. Kakaopulver zum Streuenwäre eine Idee, oder Sirups. Vielleicht am Freitagmittag eine Flasche Spritziges, mal sehen. (Dann ohne Fliege, aber immer noch mit Schürze.)

  12. Bei mir wird sogar kommentiert, wenn ich ‘mal Turnschuhe (Adidas Samba) trage. Das stößt vor allem bei Sechst- und Siebtklässlern auf Begeisterung. Zehntklässler erkennen mich bei eingeschränkter Sicht (Treppe) am Hemd und finden es bemerkenswert, wenn ich ‘mal einen Pullover trage.

  13. “Ich wette einen Riesen-SexOnTheBeach darauf, dass sie Gesprächsstoff waren.”
    @Wilmer: Volltreffer, Wette gewonnen!

    Es ist ja kein Geheimnis, dass Schüler sich gerne über ihre Lehrer unterhalten. Je ausgefallener, desto öfter. Und ja, manchmal – äh eigentlich öfters – lästern wir auch mal über Lehrer. Aber das gehört dazu :D

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